Sven Regener - Der kleine Bruder

  • Buchdetails

    Titel: Der kleine Bruder


    Band 2 der

    Verlag: Goldmann

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 320

    ISBN: 9783442470310

    Termin: April 2010

  • Bewertung

    3.6 von 5 Sternen bei 21 Bewertungen

    72,9% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Der kleine Bruder"

    Wie aus dem kleinen Bruder Frank der große Herr Lehmann wurde Berlin-Kreuzberg, November 1980: Im Schatten der Mauer gedeiht ein Paralleluniversum voller Künstler, Hausbesetzer, Kneipenbesitzer, Kneipenbesucher, Hunde und Punks. Bier, Standpunkte, Reden, Verräterschweine, alles ist da. Nur eines fehlt: jemand, der alles mal richtig durchdenkt – Frank Lehmann aus Bremen. Nachdem dessen WG dort vom Gesundheitsamt geschlossen wurde, macht Frank sich auf nach Berlin zu seinem großen Bruder Manni. Doch der ist verschwunden. Es beginnt eine abenteuerliche Suche quer durch die nächtliche Stadt ... Sven Regeners dritter großer Herr-Lehmann-Roman, chronologisch zwischen „Neue Vahr Süd“ und „Herr Lehmann“ angeordnet.
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  • Über den Autor


    Sven Regener wurde 1961 in Bremen geboren. 1985 gründete er die
    Band "Element of Crime", die mit deutschsprachigen Alben wie "Damals
    hinterm Mond" und "Weißes Papier" eine große Popularität erlangte. Sven
    Regener ist Sänger und Texter der Gruppe. Seit 2001 schreibt er auch
    Romane und Drehbücher.


    Kurzbeschreibung (Amazon)


    Der lang erwartete Mittelteil der Lehmann-Trilogie von Sven Regener »Neues
    Leben hin, neues Leben her, dachte Frank, es sollte nicht mit der Fahrt
    durch einen langen, dunklen Tunnel beginnen. Oder vielleicht doch,
    dachte er, als in der Ferne die hell strahlende Grenzkontrollstelle
    auftauchte wie ein frisch gelandetes Raumschiff. Oder vielleicht gerade
    doch.«
    Berlin-Kreuzberg, November 1980: Im Schatten der
    Mauer gedeiht ein Paralleluniversum voller Künstler, Hausbesetzer,
    Kneipenbesitzer, Kneipenbesucher, Hunde und Punks. Bier, Standpunkte,
    Reden, Verräterschweine — alles ist da. Nur eins fehlt: jemand, der
    alles mal richtig durchdenkt — Frank Lehmann aus Bremen. Nachdem seine
    WG dort vom Gesundheitsamt geschlossen wurde, das Zimmer bei seinen
    Eltern zum Fernseherreparieren benötigt wird und er nach kühnem
    Ausbruch aus dem Wehrdienst noch keinen Plan hat, fährt er erst mal
    nach Berlin — zu seinem großen Bruder Manni, der dort als Künstler lebt
    und eine große Nummer ist. Dachte er. Doch Manni ist weg. Weder sein
    Vermieter Erwin Kächele noch dessen Nichte Chrissie oder sein
    Mitbewohner Karl haben eine Ahnung, wo Manni steckt. Außerdem nennen
    sie ihn nicht Manni, sondern Freddie. Und haben sofort eine konkrete
    Idee davon, was Frank zu tun hat: Anstelle seines Bruders an einem
    kurzfristig anberaumten Krisenplenum teilnehmen.
    Damit
    beginnt eine lange Nacht, in der Frank Lehmann lernt, dass in einer
    Welt, in der alle Künstler sein wollen, nichts notwendigerweise das
    ist, als das es erscheint, und in der er mehr über seinen Bruder
    erfährt, als er wissen will, aber nie das, wonach er fragt.
    Und
    mit einer Nacht ist es nicht getan, denn wie sagt Karl, der Typ, den
    Frank auf Anhieb nicht mag und der sein bester Freund werden wird: »Das
    ist wie in der Geisterbahn. Jetzt sind alle eingestiegen, und der Bügel
    geht runter, und dann müssen das auch alle bis zu Ende mitmachen ...«


    meine Meinung:


    Sven Regener mit seinem neuen Buch fügt sich zeitlich direkt an den
    vorangegangenen Roman an. Nimmt man in „Neue Vahr Süd“ noch Abschied
    von Bremen, so beginnt der Roman „Der kleine Bruder“ auf der Fahrt nach
    Berlin.
    Frank sieht zum ersten Mal Berlin und landet durch seinen
    Begleiter den Punk „Wolli“ direkt in Kreuzberg, dem angeblichen Wohnort
    seines Bruders.
    In der WG weiß niemand wo sich sein Bruder aufhält und außer der
    Nachricht, dass hier alle ausziehen müssen, weil der Besitzer die WG zu
    Eigennutzung braucht, erfährt er nicht viel von seinem Bruder.


    Mit Karl und Chrissie, zwei Mitbewohnern, macht er sich auf die
    Suche nach ihm. Dabei lernt er die Szene von Berlin in ihren
    Gegensätzen kennen. Bei Begegnungen mit Punks, Hippies und Künstlern
    aus Kreuzberg, trifft er auf weitere Menschen, die seinen Bruders
    kennen und erfährt von den vermeintlichen, künstlerischen Ader seines
    Bruders.


    Am Ende findet er ihn dort wo er ihn eigentlich nicht vermutet hat
    und es scheint als sei der „große Bruder“ vom Sockel gestoßen.


    Frank macht im gesamten Roman einen sehr resoluten Eindruck, als
    ließe er sich nicht von seinen Zielen abbringen. Er wirkt energischer
    und intelligenter als seine Begleiter.


    Alle anderen Figuren wirken statisch und nicht aus ihrem Trott
    herauszubringen. Irgendwie kommt mir bei den Gedanken das Wort "Herde"
    in den Sinn.


    Frank ist der einzige der Energie aufbringt um etwas zu ändern,
    eine Sache abzuschließen, oder neu zu beginnen. Alle anderen wirken wie
    austauschbare Statisten.


    Regener versetzt sich sprachlich in jedem seiner Bücher in das
    dominierende Klientel. Waren es bei „Herr Lehmann“ die Kneipenszene,
    bei „Neue Vahr Süd“ die Studenten und der Bund, so kommen in „Der
    kleine Bruder“ sprachlich Hippies, Punks und Künstler zu Wort. Die
    Sprache ist recht derb um nicht zu sagen vulgär, eben dem Klientel
    entsprechend.


    Auch der Witz ist in jedem Buch ein anderer. Konnte ich mich in NVS
    noch in dem Studenten- oder Armeemilieu wiedererkennen, so fiel mir das
    im letzten Buch der Trilogie schon schwerer.
    Auch aus diesem Grund begeisterten mich die beiden ersten Bücher der Trilogie mehr.


    Ich bin gespannt, ob der Autor noch einmal zur Feder greift und
    welches Thema er dort bearbeitet, welches Genre er dort "bedient".


    Eins sei gewiss! Auf jeden Fall werde ich Herrn Regener im Auge behalten.

    Seien Sie vorsichtig mit Gesundheitsbüchern - Sie könnten an einem Druckfehler sterben. #-o


    Mark Twain

    Einmal editiert, zuletzt von K.-G. Beck-Ewe ()

  • Ich habe das Buch vor kurzem auch gelesen.
    "Der kleine Bruder" hat mir von allen Büchern des Autoren am wenigsten gefallen. Zwar liest sich das Buch recht flüssig, aber die Handlung fand ich plump und einfallslos. Es ist doch irgendwie immer das Gleiche. Wo ich bei "Herr Lehmann" und "Neue Vahr Süd" noch lachen konnte, ist es mir bei diesem Buch vergangen. Vor allem die Redewendungen fand ich, wie alwin03, vulgär und derb. Klar, er bewegt sich hier in der Berliner Kneipenszene, aber einiges ist zu übertrieben um noch glaubwürdig zu wirken. Auf ein Buch, was zur Hälfte aus Sauftouren besteht kann man eigentlich verzichten.
    Für mich war es wahrscheinlich erst einmal das letzte Buch, welches ich um "Herrn Lehmann" gelesen habe.

    Narkose durch Bücher - Das Richtige ist: das intensive Buch.
    Das Buch, dessen Autor dem Leser sofort ein Lasso um den Hals wirft, ihn zerrt, zerrt und nicht mehr losläßt.


    :study: Sarah J. Mass - Throne of Glass / Die Erwählte :study:

  • „Nichts Neues!“, habe ich mir beim Lesen dieses Buches die längste Zeit gedacht. Und in verschiedener Hinsicht stimmt das wohl auch. Was mir bei „Herr Lehmann“ und bei „Neue Vahr Süd“ an Sprache und Stil noch viel Freude bereitet hat, ist im „Kleinen Bruder“ längst zur Gewohnheit geworden und kann sich hier meiner Meinung nach auch nicht zu neuen Höhen aufschwingen. Im Gegenteil – ich finde vieles viel flacher geraten, als in den anderen beiden Romanen über das Leben Frank Lehmanns.


    Gelungen finde ich, dass in den mehr als dreihundert Seiten recht viel an flüssig zu lesenden Geschichten steckt, obwohl sie nur über eine Zeitspanne von wenigen Stunden erzählen. Und der Schluss gefällt mir. Er ist für mich die wortlos hilflose, aber doch sehr kräftige Liebesgeschichte zwischen zwei Brüdern.


    Der nächste Sven Regener ist für mich jetzt erst angesagt, wenn er entweder über einen neuen Protagonisten erzählt, oder Frank Lehmann um (viele) Jahre gealtert, also in einen neuen Lebensabschnitt eingetreten ist. Einstweilen höre ich S.R. und „element of crime“ beim Singen und Musizieren zu.

  • Was mir bei „Herr Lehmann“ und bei „Neue Vahr Süd“ an Sprache und Stil noch viel Freude bereitet hat, ist im „Kleinen Bruder“ längst zur Gewohnheit geworden und kann sich hier meiner Meinung nach auch nicht zu neuen Höhen aufschwingen. Im Gegenteil – ich finde vieles viel flacher geraten, als in den anderen beiden Romanen über das Leben Frank Lehmanns.


    So ähnlich ging es mir auch - ich bin ein großer Herr Lehmann Fan, aber irgendwie wollte sich die Begeisterung diesmal nicht so richtig einstellen. Die Geschichte hat definitiv ihre Highlights (ich sag nur: "Bring uns mal welchen von den Umsonstouzos" :loool: ), und die Gedanken von Frank Lehmann sind auch immer noch lustig zu lesen ("einem seinen Bruder, konnte man das so sagen, einem seinen Bruder, das war bestimmt nicht ganz richtig" - hier mal frei Schnauze "zitiert", weil ich das Buch grad nicht hier habe :wink: ), aber an Originalität hats so ein bisschen gefehlt.
    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: / :bewertung1von5: von mir.

    :study: John Steinbeck - East of Eden

    :study: Frank Witzel - Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969

    :montag: Veronica Roth - Rat der Neun

    :musik: Claire North - Die vielen Leben des Harry August


    "There is freedom waiting for you, on the breezes of the sky, and you ask 'What if I fall?'
    Oh but my darling, what if you fly?"
    (Erin Hanson)

  • Mir hat dieses Buch besser gefallen als "Neue Vahr Süd". Die Kneipenatmosphäre erinnert an "Herr Lehmann" und es gibt viele witzige Szenen. Es stimmt, dass der Ton teilweise ziemlich rauh ist. Aber das passt zu den Personen und hat mich nicht wirklich schockiert :) Auf jeden Fall amüsanter als der Bundeswehrdrill im zweiten Teil, da bin ich schon vom Lesen fast depressiv geworden.

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