In der Nacht nach dem rauschenden Hochzeitsfest schickt Bayardo San Román seine schöne Braut nach Hause zurück. Es ist mit seiner männlichen Ehre unvereinbar, daß Angela Vicario nicht mehr unberührt war. Als ihre Brüder sie zwingen, den Namen des ersten Mannes in ihrem Leben zu nennen, gibt das Mädchen eine Antwort, die dem jungen Santiago Nasar Verderben bringt. Denn Pedro und Pablo fühlen sich wiederum durch ihre männliche Ehre verpflichtet, ihn büßen zu lassen. Bald weiß das ganze Dorf von dem Mordplan. Nur das Opfer - schuldig oder unschuldig - bleibt ahnungslos. Die Mörder können nicht mehr zurück. Schreitet niemand ein? Auch der Priester nicht? - "Nachher waren sie alle nicht schuld, konnten sie alle nicht verhindern, was geschehen ist. Um diese Schuld aller, auch derer, die guten Willens waren, die lieber nicht gemordet hätten wie die Brüder Pedro und Pablo, geht es", schrieb Walter Boehlich im "Spiegel".
In gewisser Weise ist der Roman irritierend. Ganz zu Anfang hatte ich erwartet einen Kriminalroman in der Hand zu haben, einen der Klarheit schafft, was den Mord angeht. Womöglich hätte ich die Kurzbeschreibung lesen sollen - dann hätte ich mir vielleicht das Vergnügen geraubt das zu glauben. Aber auch so, als klar war, dass dieser Roman das nicht ist - sondern, dass er die Beziehungen eines Dorfes aufdeckt - das die Täter deckte, dass es quasi ein kleines Sittengemälde ist, hat sich meine Irritierung nicht gelegt. Irgendwie erwartete ich zu erfahren, wer denn nun der Schuldige war und die Unschuld raubte. Irgendwann wurde auch das erledigt: man wird es nie erfahren. Und ich erwartete zu erfahren, warum keiner das Opfer rettete und warum er vor der eigenen Haustür verblutete. Es war einfach eine Kette von Zufällen. Gewissermaßen ist also das Verbrechen losgelöst von der Tat, von dem Hintergrund der diese Tat erzwang ("Ehrenmord" gibts & gabs ja auch bei Christen) und so der Roman, nur der Roman über ein Unglück.
Worüber ich mir nicht so klar bin und gerne auch die Meinung anderer Leser hören würde: schwingt da nicht so nen bisschen als Motiv Rassismus mit? Mord an einem exponierten Mitglied einer Minderheit - weil gerade eben so nen Anlaß gefunden wurde?
Der Roman bietet zwar keine Spannung - der Titel ist ja Programm - aber hinterlässt & stellt wohl genügend Fragen. Dennoch; so ganz begeistert er mich nicht - allerdings reizt er mich durchaus zum nochmals lesen: allerdings auf Spanisch.






