Katharina Hagena - Der Geschmack von Apfelkernen

  • Buchdetails

    Titel: Der Geschmack von Apfelkernen


    Verlag: Kiepenheuer & Witsch

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 254

    ISBN: 9783462041491

    Termin: August 2009

  • Bewertung

    3.5 von 5 Sternen bei 102 Bewertungen

    71% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Der Geschmack von Apfelkernen"

    Auf Anhieb ein sensationeller Erfolg – mehr als 250.000 verkaufte Exemplare Schillernd und magisch sind die Erinnerungen an die Sommerferien bei der Großmutter, geheimnisvoll die Geschichten der Tanten. Katharina Hagena erzählt von den Frauen einer Familie, mischt die Schicksale dreier Generationen. Ein Roman über das Erinnern und das Vergessen – bewegend, herrlich komisch und klug. Als Bertha stirbt, erbt Iris das Haus. Nach vielen Jahren steht Iris wieder im alten Haus der Großmutter, wo sie als Kind in den Sommerferien mit ihrer Kusine Verkleiden spielte. Sie streift durch die Zimmer und den Garten, eine aus der Zeit gefallene Welt, in der rote Johannisbeeren über Nacht weiß und als konservierte Tränen eingekocht werden, in der ein Baum gleich zweimal blüht, Dörfer verschwinden und Frauen aus ihren Fingern Funken schütteln. Doch der Garten ist inzwischen verwildert. Nachdem Bertha vom Apfelbaum gefallen war, wurde sie erst zerstreut, dann vergesslich, und schließlich erkannte sie nichts mehr wieder, nicht einmal ihre drei Töchter. Iris bleibt eine Woche allein im Haus. Sie weiß nicht, ob sie es überhaupt behalten will. Sie schwimmt in einem schwarzen See, bekommt Besuch, küsst den Bruder einer früheren Freundin und streicht eine Wand an. Während sie von Zimmer zu Zimmer läuft, tastet sie sich durch ihre eigenen Erinnerungen und ihr eigenes Vergessen: Was tat ihr Großvater wirklich, bevor er in den Krieg ging? Welche Männer liebten Berthas Töchter? Wer aß seinen Apfel mitsamt den Kernen? Schließlich gelangt Iris zu jener Nacht, in der ihre Kusine Rosmarie den Unfall hatte: Was machte Rosmarie auf dem Dach des Wintergartens? Und wollte sie Iris noch etwas sagen? Iris ahnt, dass es verschiedene Spielarten des Vergessens gibt. Und das Erinnern ist nur eine davon.
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  • Inhalt von Amazon:


    Als Bertha stirbt, erbt Iris das Haus. Nach vielen Jahren steht Iris wieder im alten Haus der Großmutter, wo sie als Kind in den Sommerferien mit ihrer Kusine Verkleiden spielte. Sie streift durch die Zimmer und den Garten, eine aus der Zeit gefallene Welt, in der rote Johannisbeeren über Nacht weiß und als konservierte Tränen eingekocht werden, in der ein Baum gleich zwei Mal blüht, Dörfer verschwinden und Frauen aus ihren Fingern Funken schütteln. Doch der Garten ist inzwischen verwildert. Nachdem Bertha vom Apfelbaum gefallen war, wurde sie erst zerstreut, dann vergesslich, und schließlich erkannte sie nichts mehr wieder, nicht einmal ihre drei Töchter. Iris bleibt eine Woche allein im Haus. Sie weiß nicht, ob sie es überhaupt behalten will. Sie schwimmt in einem schwarzen See, bekommt Besuch, küsst den Bruder einer früheren Freundin und streicht eine Wand an. Während sie von Zimmer zu Zimmer läuft, tastet sie sich durch ihre eigenen Erinnerungen und ihr eigenes Vergessen: Was tat ihr Großvater wirklich, bevor er in den Krieg ging? Welche Männer liebten Berthas Töchter? Wer aß seinen Apfel mitsamt den Kernen? Schließlich gelangt Iris zu jener Nacht, in der ihre Kusine Rosmarie den schrecklichen Unfall hatte: Was machte Rosmarie auf dem Dach des Wintergartens? Und was wollte sie Iris noch sagen? Iris ahnt, dass es verschiedene Spielarten des Vergessens gibt. Und das Erinnern ist nur eine davon.


    Mein Kommentar:


    Vorweg: Ich wollte eigentlich die kurze Inhaltsversion vom Bucheinband nehmen, aber die von Amazon läßt mehr erahnen und macht vielleicht mehr neugierig. Ich bin durch bloßen Zufall auf dieses wirklich außergewöhnliche Buch gestoßen und es steht jetzt schon für mich fest, daß es DAS BUCH des Jahres 2008 für mich ist.


    Katharina Hagena beschreibt das Haus, den Garten und all die Bewohner mit einer solchen Hingabe, daß man sich in jeder Situation reinversetzen kann. Man sieht den Garten, hört die Treppen quietschen, fühlt das Wasser im See, riecht die Kräuter, spürt die Erinnerungen. Immer wieder, quasi in Runden, erfahren wir mehr und mehr über Iris und ihre Kindheit im Haus - oder besser: wir erfahren mehr über Bertha und ihre Schwester, über ihre Töchter und andere Personen. In diesen Runden sind wir Zeuge von schönen, von amüsanten, aber auch von tragischen Begebenheiten.


    Ein bißchen schwer tat ich mir allerdings mit den vereinzelt eingestreuten plattdeutschen Wörtern - ich glaube mal es ist Plattdeutsch. Aber die kommen nur ganz vereinzelt vor und ist halt das Handicap einer Österreicherin :wink: Und das ist eigentlich auch schon das einzig "negative", was mir dazu einfällt.


    Bitte lesen! Unbedingt!!!

    Die Ehe ist wie eine belagerte Burg:
    Die, die draußen sind wollen hinein. Und die, die drinnen sind wollen hinaus.
    (unbekannt)

  • Vielen Dank für die tolle Rezi Frl. Smilla :thumleft:


    Da Buch wird auf jeden Fall eines der nächsten Bücher sein, welches ich mir kaufen werde.


    Ich habe bisher nur positives gehört und bin sehr gespannt darauf. :D

    Narkose durch Bücher - Das Richtige ist: das intensive Buch.
    Das Buch, dessen Autor dem Leser sofort ein Lasso um den Hals wirft, ihn zerrt, zerrt und nicht mehr losläßt.


    :study: Sarah J. Mass - Throne of Glass / Die Erwählte :study:

  • Bitte lesen! Unbedingt!!!


    Gern, frl_smilla. Ich habs schon auf den Büchereizettel geschrieben. Bin allerdings, weil ich meine Bücherei kenne, eher pessimistisch und übe mich schon in Geduld: Warten aufs Taschenbuch.
    (Ich habe bisher noch nichts von diesem Buch gehört, aber Deine Rezi macht Appetit. :thumright: )
    Marie

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • ich habe das Buch letzte woche auch gelesen und muss sagen, dass ich genauso beigeistert bin wie frl_smilla :thumleft:


    Auch ich konnte die Treppen qietschen hören, die Äpfel schmecken und den Garten sehen. Und mit dem Plattdeutschen hatte ich als Norddeutsche überhaupt keine Probleme :loool:



    Lg Bluevanmeer

    "Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz."
    Cornelia Funke "Tintenherz"


    :study: Henning Mankell - The man from Beijing

  • Ich fand dieses Buch auch ganz, ganz toll. :thumleft:
    Katharina Hagena hat das Buch auf so eine tolle Art geschrieben, dass man sich wirklich in jee Situation hineinversetzten kann. Man sieht, hört, fühlt, schmeckt das Buch regelrecht mit. Das ist die erste Autorin, die dies bei mir geschafft hat.
    Die Protagonisten sind realistisch und liebevoll dargestellt, so dass man auch mit ihnen mitfühlt und mitleidet.
    Ansonsten habe ich der Rezension von frl_smilla nichts hinzuzufügen.


    Das Buch bekommt von mir auch die vollen 5 Sternchen. :thumleft:
    Unbedingt lesen!!!

    Narkose durch Bücher - Das Richtige ist: das intensive Buch.
    Das Buch, dessen Autor dem Leser sofort ein Lasso um den Hals wirft, ihn zerrt, zerrt und nicht mehr losläßt.


    :study: Sarah J. Mass - Throne of Glass / Die Erwählte :study:

  • Schon wieder eine Familiengeschichte?
    Diese ist aber mit voller Berechtigung auf dem deutschen Büchermarkt erschienen!


    Iris, die Ich-Erzählerin, fährt zur Beerdigung ihrer Großmutter zurück zu ihren Kindheitserinnerungen.
    Nach der Bestattung wird das Testament verlesen, und sie als alleinige Enkelin, erbt das Haus mit dem Grundstück der Familie. Ihre Mutter und Tanten erhalten das restliche Vermögen.
    Warum wird ihr das Haus vermacht? Und nicht ihrer Mutter, die im fernen badischem Raum voller Sehnsucht und Heimweh vom nordischen Geestland träumt?
    Iris ist verwirrt und schleicht im gebrechlichen Haus herum, starrt auf die verstaubten Bücherregale und erkennt kein Anordnungssystem, findet die alten Kleider aus Samt und Tüll und verkleidet sich. Abwesend und verträumt wandelt sie durch das Haus, und dabei kommen ihr zahlreiche Erinnerung hoch, unsortiert, sie fließen einfach: Vom langen Vergessen der Großmutter, die an Demenz erkrankt, von ihren Tanten und ihrer verstorbenen Cousine, und Mira. Auch Max, “die Niete” schwebt in diesen Erinnerungen und wird real.


    Es sind alles kleine Mosaiksteinchen, woraus sich nach und nach ein Bild ergibt, eine Familiengeschichte, eine Tragödie.


    Besonders schön fand ich die Wort. - und Gedankenspiele der Autorin. Zahlreiche Aussagen kann man sich wunderbar lange durch den Kopf gehen lassen.
    Dieses Buch ist eine besondere Empfehlung und erhält von mir die höchste Punktzahl!


    Über die Autorin:
    Katharina Hagena wurde 1967 geboren, studierte Anglistik und Germanistik in Marburg, London und Freiburg, 2006 erschien ihr Buch “Was die wilden Wellen sagen. Der Seeweg durch den Ulysses”. Sie lebt in Hamburg als freie Autorin.

  • Und mit dem Plattdeutschen hatte ich als Norddeutsche überhaupt keine Probleme

    Da muss ich einfach nachfragen, denn dieses Buch habe ich mir als nächstes vorgenommen zu lesen. Ist es gespickt mit "Plattdeutsch" :?:
    Ich lese nämlich zur Zeit von Ulla Hahn "Das verborgene Wort", ein Buch mit Wörtern uns Sätzen "Kölner-Dialekt :!: , wobei ich einige Mühe habe; diese oftmals mehrmals lesen muss damit ich sie verstehe wenn auch nur dem Sinn nach. Ein wunderbares Buch jedoch sehr anstrengend zu lesen; und wenn "Der Geschmack von Apfelkernen" ebenfalls so sein sollte :-?
    LG
    Serjena

  • Da muss ich einfach nachfragen, denn dieses Buch habe ich mir als nächstes vorgenommen zu lesen. Ist es gespickt mit "Plattdeutsch" :?:
    Ich lese nämlich zur Zeit von Ulla Hahn "Das verborgene Wort", ein Buch mit Wörtern uns Sätzen "Kölner-Dialekt :!: , wobei ich einige Mühe habe; diese oftmals mehrmals lesen muss damit ich sie verstehe wenn auch nur dem Sinn nach. Ein wunderbares Buch jedoch sehr anstrengend zu lesen; und wenn "Der Geschmack von Apfelkernen" ebenfalls so sein sollte :-?


    Nein, ich hab "Das verborgene Wort" auch gelesen, da war es ja wirklich viel. Aber bei "Der Geschmack von Apfelkernen" sind die Plattdeutschen Wörter nur vereinzelt hineingestreut. Das kannst du also ohne Bedenken lesen ;)
    Lg Bluevanmeer

    "Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz."
    Cornelia Funke "Tintenherz"


    :study: Henning Mankell - The man from Beijing

  • Hallo Serjena


    wie schon Bluevanmeer sagt: Du kannst es bedenkenlos nehmen. Es gibt nur ein paar ganz wenige Wörter bzw. Sätze von Iris' Großvater in der Erzählung :)

    Die Ehe ist wie eine belagerte Burg:
    Die, die draußen sind wollen hinein. Und die, die drinnen sind wollen hinaus.
    (unbekannt)

  • Jetzt habe ich das Buch auch gelesen; meine Bücherei besitzt es. :thumright:
    Zugegeben, trotz der ausschließlich positiven Meinungen hier war ich skeptisch, als ich mir den Klappentext und diverse Rezensionen genauer ansah. Ich befürchtete, an eins von hundert ähnlichen Büchern geraten zu sein: Frau erbt altes Haus der Familie, entdeckt ein altes Familiengeheimnis und verliebt sich.
    Diese Motive sind tatsächlich in diesem Buch vorhanden, doch es gelingt der Autorin, das Abgedroschene, das Gefühlsüberladene, das Immer-wieder-gleiche zu vermeiden und eine wunderschöne, kitschfeie Geschichte zu erzählen. Es sind vor allem die Stilelemente des "Magischen Realismus", die dem Buch eine zusätzliche Dimension über die wirklichen Ereignisse hinaus geben: Die Johannisbeeren, die die Farbe wechseln, die Kleider ihrer Tanten, die Iris ins Leben ihrer urspünglichen Besitzerinnen zurücktragen, Ingas "Elekrizität", usw.
    Eine Geschichte, in der man als Leser "mitschwebt".


    Was mir auch gefällt: Dass am Schluss etwas offenbleibt:

    Denn Erinnern heißt nach der Aussage des Buches nicht, alle Tatsachen der Vergangenheit zu kennen, sondern sich mit dem, was gewesen ist, auch mit dem Mist, den man selbst gebaut hat, zu versöhnen.


    Vielen Dank, @ frl. smilla. Durch Deine Rezension habe ich das Buch entdeckt, das mir einen eher durchwachsenen Lesemonat zum Schluss versüßt hat. :D


    Marie

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • Ich freu mich gerade total, daß das Buch hier so gut ankommt - dabei bin ich ja gar nicht die Autorin :loool:

    Die Ehe ist wie eine belagerte Burg:
    Die, die draußen sind wollen hinein. Und die, die drinnen sind wollen hinaus.
    (unbekannt)

  • Was mir von diesem Buch besonders in Erinnerung geblieben ist, sind die kleinen Wortspiele, wie zum Beispiel "Lachs-Alve". Sehr originell und irgendwie schön...


    :flower:

    "Hab Vertrauen in den, der dich wirft, denn er liebt dich und wird vollkommen unerwartet auch der Fänger sein."
    Hape Kerkeling


    "Jemanden zu lieben bedeutet, ihn freizulassen. Denn wer liebt, kehrt zurück."
    Bettina Belitz - Scherbenmond


    http://www.lektorat-sprachgefuehl.de

  • Hey ... danke für die tolle Rezension!


    Und auch was die anderen schreiben macht mich wirklich neugierig auf dieses Buch :D

  • Ich kann die am Montag anfangenden Herbstferien kaum noch erwarten, denn dann werde ich endlich die Zeit und Ruhe haben, um diesem Buch die ihm gebührende Aufmerksamkeit zu schenken... :dance:

    With freedom, books, flowers, and the moon, who could not be happy? ― Oscar Wilde

  • Eigentlich ist ja schon alles gesagt. Ich möchte mich dem sehr positven Urteil über dieses Buch anschließen. "Der Geschmack von Apfelkernen" hat beim Lesen einen ganz eigenen Charme entwickelt, anders als der Klappentext androhte. Denn der ließ es auch für mich eher als eine von Hunderten von Familiengeschichten erscheinen. Dieses Buch hat mir Sonnenschein in einen Regenurlaubstag gebracht.

  • Ich habe bisher noch nicht ganz die erste Hälfte des Buches gelesen und kann schon jetzt sagen, dass mich dieses Buch verzaubert hat. Die Sprache, die sanften Töne…Ich bin begeistert! :thumleft:

    With freedom, books, flowers, and the moon, who could not be happy? ― Oscar Wilde