Sam Savage - Firmin. Ein Rattenleben

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Firmin: ein Rattenleben

3.1|61)

Verlag: Ullstein

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 208

ISBN: 9783548283401

Termin: Juli 2011

  • Ich hatte die Gelegenheit diese Buch vorab zu lesen. Und das ist meine Rezension:


    „Gut essbar gleich gut lesbar“ FIRMIN - EIN RATTENLEBEN


    Das ist die Devise von Firmin, einer Ratte.
    Er kommt als 13. eines Rattenwurfs in einer Bostoner Buchhandlung zur Welt.
    Firmin ist anders als seine Geschwister. Er bekommt nie genug Muttermilch und so wendet er sich den Büchern als Nahrungsquelle zu.
    So nimmt die Entwicklung zur Leseratte ihren Lauf.
    Die Welt der Bücher ist eine Offenbarung für ihn. Er nimmt sie für sich ein und wird von ihr eingefangen.
    Und während er sich durch die Weltliteratur und Lexika frisst, reift in ihm der Wunsch menschlich zu werden.


    Dies ist seine Geschichte:
    Ein Auf und Ab, ein Wechselbad der Gefühle, ein Geben und Nehmen, Lernen und Vergessen, Imagination und Realität, Freundschaft und
    Ablehnung, Wissen und die Erkenntnis über die Unzulänglichkeiten eines Rattenkörpers in Bezug auf Kontaktaufnahme zur Welt der Menschen,…….


    Er liebt die Weltliteratur. Wir begegnen ihr in Form von Zitaten, Buchtiteln und Autoren. Dies führt dazu, dass man an der einen oder anderen Stelle innehält, um sich selber an das erwähnte Buch zu erinnern oder das Buch zum Selber lesen zu notieren.
    Ratten- und Mäuseliteratur ist ihm zuwider. Firmin hat aber auch nichts mit Ratty in Der Wind in den Weiden gemein.
    Firmin bezeichnet sich selber als Romantiker, Humanist und Zyniker.


    Die Geschichte Firmins ist auch die Geschichte des Bostoner Viertels Scollay Square in den 60er Jahren ( Wer mehr über das Viertel erfahren
    möchte dem empfehle ich folgenden Link: http://www.bambinomusical.com/Scollay/ )


    Mit der Wortgewalt und dem wunderbaren sprachlichen Fluss des Buches kann ich leider nicht mithalten.


    Die Aufmachung des Buches empfinde ich als sehr gelungen.
    Als ich das Buch das erste Mal in die Hand nahm, schoss mir gleich der Gedanke durch den Kopf: „Ist das wirklich ein neues Exemplar?“
    Es sieht aus, als wenn es schon einige Jahre in einem Buchregal verbracht hätte.
    Das Titelbild passt wunderbar zur Geschichte.


    Wer sich auch nur ein bisschen für Bücher und den in ihnen erzählten Geschichten interessiert, dem kann ich dieses angenehm ruhige und
    doch unterhaltsam inhaltsreiche Buch nur ans Herz legen.


    Oder um Firmin zu zitieren:
    „Übrigens muss man nicht alle Geschichten glauben, um sie lieben zu können.“

  • Die Ratte Firmin, kommt als als Schwächster einer alkoholabhängigen Mutter im Keller einer Buchhandlung im Bostoner Stadtviertel Scollay Square zur Welt, bekommt nur selten Muttermilch und ernährt sich daher von Büchern. Erst frißt er sie und dann beginnt er zu entdecken, daß Bücher auch geistige Nahrung sind. Firmin liest sich durch die Weltliteratur und wird dadurch unter seinesgleichen immer mehr zum Außenseiter.


    Seine erste Liebe, Buchhändler Norman, versucht, Firmin mit Rattengift umzubringen. Das Stadtviertel verfällt, während Firmin sich eine Fantasiewelt erträumt.
    Dem Buch fehlt es an Spannung, sprachlich ist es recht anspruchsvoll. Immer wieder begegnen dem Leser Zitate aus der Weltliteratur. Es ist tragisch und lädt zum Nachdenken ein.


    Das Cover ist passend und auch die Ratte wirkt sehr gut. Zu diesem Buch paßt der Rough-Cut, den ich ansonsten überhaupt nicht leiden kann.

    Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen. (Johann Wolfgang von Goethe)


    :study: "Dem Tod auf der Spur" von Michael Tsokos

  • Hallo,


    ich konnte das Buch auch schon vorab lesen, auf mich hat es allerdings einen etwas anderen Eindruck hinterlassen.
    An einer Rezension habe ich mich auch versucht:


    Die Bezeichung "Leseratte" allein macht es nicht!:



    Nachdem ich das Buch "Firmin - Ein Rattenleben" von Sam Savage im neuen Ullstein-Katalog entdeckt und auch die Leseprobe gelesen hatte, war ich mir ganz sicher: Dieses Buch muss ich lesen.


    Leider war ich aber von Seite zu Seite enttäuschter. Die Geschichte der Ratte Firmin, die die schwächste des Wurfes ist und aus der Not heraus beginnt Buchseiten zu essen, fängt noch vielversprechend an, zumal ich es als interessant empfand wirklich mal ein Buch aus Sicht einer echten Leseratte zu lesen. Denn Firmin isst die Seiten nicht nur, nein er beginnt auch sie mit Begeisterung zu lesen und ist schon bald um einiges intelligenter als alle anderen Ratten. Auch die Tatsache, dass er in einer Buchhandlung lebt, machte das Buch für mich reizvoll.


    Aber sonst passiert im Buch nicht wirklich viel, Firmin beschreibt Kunden der Buchhandlung und den Besitzer, sowie einige Begebenheiten mit anderen Ratten/seiner Familie. Alles ist dabei sehr trocken und langweilig erzählt, ohne Humor oder besonderen Charme. Spannung kommt nichtmal ansatzweise auf. Wirklich schade, dass der Autor wohl der Meinung ist, es würde ausreichen einen neuartigen Hauptcharakter für sein Buch zu wählen, ohne selbst ein besonderes schreiberisches Talent zu besitzen. Schon mit dem Anfang macht er es sich schwer, wenn darauf hingewiesen wird, dass ein gutes Buch immer mit einem bedeutungsvollen/einprägsamen Satz beginnen sollte, denn dieses Buch selbst tut dies nicht.


    Mit der Aufmachung, die wirklich sehr gelungen ist (schöne(r) Covergestaltung/Einband, Buchschnitt im Rough Cut) soll das Buch wohl einen bibliophilen Eindruck bekommen, was ja auch prinzipiell zum Thema passen würde. So sollen Liebhaber bibliophiler Bücher gelockt werden (und bei mir hat es ja auch geklappt), aber dies kann nicht über die Belanglosigkeit des Inhalts und den faden Schreibstil hinwegtäuschen. Firmin wird somit keinen bleibenden Platz in meinem Regal erhalten.

  • Ich habe das Buch auch schon gelesen und hier kommt meine Meinung.



    Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist wunderschön und einfach zu lesen.


    Schon das Erscheinungsbild wirkt anziehend, das Cover ist toll und den Rough Cut finde ich auch passend.


    Firmin, letzte und schwächste Ratte seines Wurfes, hat es von Anfang an
    nicht leicht im Leben. Da er leider immer zu kurz kommt, fängt er an
    Papier zu fressen. Da ist es natürlich von Vorteil, dass er im Keller
    einer Buchhandlung wohnt. Also fängt er an, an Büchern zu nagen, bis er
    merkt, dass es um seine Knabberlöcher etwas zu lesen gibt. Von da an
    verbringt er fast seine ganze Zeit mit lesen und knabbert nur noch die
    unbedruckten Ränder. Seine einseitige Freundschaft zum Buchhändler ist
    ganz wunderbar geschildert.


    Ein Buch mal lustig, mal traurig und auf jeden Fall auch zum Nachdenken.




    Mich hat das Buch wirklich begeistert. Mal etwas ganz anderes für Bücher- und Rattenliebhaber.




    Von mir gibt es 9 von 10 Punkten :dance:

  • Auch mir hat das Buch gut gefallen und ich möchte euch meine Rezension nicht vorenthalten. Übrigens: Danke für den Link, brienneselwyn, die Bilder haben meine Vorstellung von dem Stadtviertel gut ergänzt. :D


    Firmin ist keine gewöhnliche Ratte, sondern ein lesebegabter Zyniker mit gewöhnungsbedürftigem Humor, der von seinen Erfahrungen als Bewohner eines Buchladens erzählt. Dabei spielen zwei Menschen eine wichtige Rolle in seinem Leben: Norman, der Ladenbesitzer, den Firmin anfangs vergöttert, der ihn jedoch bald bitterlich enttäuscht, und Jerry, ein erfolgloser Autor, der über dem Buchladen wohnt und Firmin ein guter Freund wird, der aber selbst ein Außenseiter unter den Menschen ist.
    Firmin leidet sein Leben lang darunter, nicht auf Menschenart mit diesen faszinierenden Wesen kommunizieren zu können, die er so gern beobachtet und analysiert. Zum Lachen sind seine Versuche, mit Hilfe der Zeichensprache Kontakt aufzunehmen, die jedoch fast mit seinem Todschlag enden, weil er von den Menschen für eine tollwütige Ratte gehalten wird.
    Die Tragik seines Lebens wird begleitet vom zunehmenden Verfall und Untergang des Bostoner Stadtviertels Scollay Square, in dem die Handlung in der Zeit der 60er Jahre spielt. Plastisch werden in der Beschreibung die bemüllten Straßen, die rattenbesetzten Häuser und die schmuddeligen Etablissements mit ihren zwielichtigen Gestalten lebendig.


    Firmin ist ein tragischer Held, denn seine Intelligenz, seine durch Bücher erworbene Bildung und seine Beobachtungsgabe, helfen ihm in keinster Weise dabei, sein Glück zu finden. Im Gegenteil: sein Leben lang bleiben seine Sehnsüchte unerfüllt, sein Streben nach Höherem führt zu nichts. Von seinen Artgenossen wird er aufgrund seiner ungewöhnlichen Neigungen verachtet, für seine geliebten Menschen ist er nichts als eine widerwärtige Ratte oder aber ein amüsantes Haustier. Firmin bleibt daher ein Beobachter, ein Träumer, ein Verlierer im Leben. Somit ist das Buch sehr melancholisch getönt. Auf keinen Fall darf man Firmin mit anderen Rattengeschichten vergleichen, wie etwa Ratatouille. Firmin ist nicht niedlich. Er selbst betont seine Abneigung gegenüber Tiergeschichten aller Art mit einer ebensolchen Tierdarstellung.


    Mir hat die Lektüre vor allem aufgrund der schönen Sprache sehr gut gefallen. Die ruhige und fließende Erzählweise ist wunderbar für entspannte Lesestunden mit Anspruch. Firmins Sicht der Dinge eröffnet manche Lebensweisheit und lädt zum Philosophieren ein. Wenn ich Firmins Beurteilung eines Buches aufgrund seines Geschmacks verwenden darf: „Firmin“ von Sam Savage ist definitiv kein Fastfood, sondern ein Buch für Gourmets.

    "The difference between fiction and reality? Fiction has to make sense."
    Tom Clancy

  • Auch ich hatte ein Leseexemplar und hier ist meine Rezession dazu:



    Firmin ist eine Ratte die in einem Bücherladen
    aufwächst und aus Milchmangel anfängt Bücher zu fressen, dabei jedoch
    entdeckt, dass Bücher auch noch einem anderen Zweck dienen als sie zu
    fressen, nämlich sie zu lesen.


    Mich hat das Buch aus mehreren Gründen angesprochen, zum einen, weil
    ich Ratten sehr gerne mag und selber welche als Haustiere hatte, zum
    anderen, weil es sich aus Bücherliebhabersicht sehr verlockend angehört
    hat etwas über einen Gleichgesinnten, nämlich auch einen
    Bücherliebhaber, zu lesen und weil es für mich etwas komplett neues war
    einmal eine Geschichte aus der Sicht eines Tieres erzählt zu bekommen.


    Sprachlich gesehn ist das Buch sehr ausgereift und vermag wirklich
    zu fesseln, dass einzige was ich zu Bemängeln habe ist das relativ
    häufig Aufzählungen auftreten, die zumindest meinen Lesefluss ziemlich
    gestört haben und über die ich öfters aus diesen Gründen drübergelesen
    habe.


    Die Figur Firmin ist zum einen sehr naiv, was wirklich putig und
    stellenweiße auch sehr lustig ist, durch diese Naivität entsteht aber
    auch das ein oder andere Problem, wie beispielsweiße das Firmin denkt
    Menschen könnten ihn als Gleichrangig, bzw sogar als Mensch ansehen.


    An anderen Stellen wiederrum ist er aber auch sehr realistisch,
    vorallem dann, wenn er wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt
    wird (Beispielsweiße als er einsieht, dass Norman doch nicht so nett
    ist wie er auf den ersten Blick erscheint).


    Vorallem aber ist er ein träumer.


    Das Ende der Geschichte finde ich allerdings im Gegensatz zu der
    Geschichte an sich weniger befriedigend. Ich hätte mir durchaus ein
    besseres Ende für den kleinen Kerl gewünscht der einem 200 Seitenlang
    die tragische aber doch auch lustige Geschichte seines Lebens erzählt.


    Alles in allem ist Firmin jedoch ein wirklich schönes Buch das nicht
    nur für Bücherliebhaber geeignet ist, sondern eigentlich für jeden der
    Geschichten mag.

  • Warum sind hier eigentlich so relativ viele Leute mit einem Beitrag von dem Buch begeistert? Irgendwie macht mich das etwas skeptisch.

    Warum ich Welt und Menschheit nicht verfluche?
    - Weil ich den Menschen spüre, den ich suche.

    - Erich Mühsam

  • Und wieso haben so viele Leute von dem Buch ein Leseexemplar? :shock: Wie kommt ihr daran? :roll:

    Liebe Grüße,
    Rita


    ~Ich wäre lieber ein armer Mann in einer Dachkammer voller Bücher als ein König, der nicht lesen mag.~
    Thomas Babington

  • Und wieso haben so viele Leute von dem Buch ein Leseexemplar? :shock: Wie kommt ihr daran? :roll:


    Im Thread "Vorablesen" wird diese Antwort gegeben. Man muss sich nur bei www.vorablesen.de anmelden, bekommt dann kostenlose Leseexemplare geschickt und muss die bis zu einem bestimmten Zeitraum lesen und Rezensieren (wenn ich das alles richtig verstanden habe).

    Das Paradies habe ich mir immer als eine Art Bibliothek vorgestellt.
    (Jorge Luis Borges)

  • @ Pandämonium,


    danke für die Info. Der Thread ist mir wohl irgendwie durchgegangen :uups: . Sehr interessant!

    Liebe Grüße,
    Rita


    ~Ich wäre lieber ein armer Mann in einer Dachkammer voller Bücher als ein König, der nicht lesen mag.~
    Thomas Babington

  • Und in jedem Leseexemplar steht:
    "Bitte veröffentlichen sie keine Rezension vor dem [Verkaufsstartdatum]"


    An die Leseexemplare kommen ansonsten u.a. Buchhandlungen mit einem guten Draht zu dem Verlagsvertreter.
    Aber auch Zeitungen, von denen entsprechnede EWrbewirksamkeit erwartet wird.
    Meist etwa 2-3 Monate vor Veröffentlichung.

    Im Leben kann man auf vieles verzichten. Außer auf Katzen und Bücher!


    :study: Der Drachenbeithron von Tad Williams
     :musik: Die Bücherdiebin von Markus Zusak


    mb-db

  • @ MrCeline
    Das mit dem rezensieren ist ein wenig anders. Ich habe ein Leseexemplar von Martin Suter - Der Teufel von Mailand zuhause. Das Buch ist im Juli 2006 erschienen. Besprochen werden durfte es bereits im Juni. :)
    Sonst dürfte auch keiner ein Leseexemplar bei vorablesen.de rezensieren, wenn das erst ab Veröffentlichungsdatum gehen würde.

    Narkose durch Bücher - Das Richtige ist: das intensive Buch.
    Das Buch, dessen Autor dem Leser sofort ein Lasso um den Hals wirft, ihn zerrt, zerrt und nicht mehr losläßt.


    :study: Sarah J. Mass - Throne of Glass / Die Erwählte :study:

  • Oka, vielleicht ist das doch überall ein bißchen anders.
    Allerdings war es bei meinem Leseex immer so.
    Danke für die Belehrung!

    Im Leben kann man auf vieles verzichten. Außer auf Katzen und Bücher!


    :study: Der Drachenbeithron von Tad Williams
     :musik: Die Bücherdiebin von Markus Zusak


    mb-db

  • Auch ich bin in den Genuss gekommen dieses Buch vor Veröffentlichung am 19. August 08 lesen zu dürfen.



    Hier mein Eindruck:



    Firmin - Eine waschechte LESERATTE




    Firmin erzählt in diesem Buch seine Lebensgeschichte.


    Firmin wächst als eines von 13 Rattenjungen im Keller einer Buchhandlung auf. Als schwächstes Mitglied seiner Familie hat er es jedoch von Anfang an nicht leicht. Um überhaupt etwas Milch abzubekommen muss er auf das warten was übrig bleibt. Vor lauter Hunger un Verzweiflung fängt er das gemeinsame Lager, welches aus Buchschnipseln besteht anzuknabbern, und fängt lansgam aber sicher Gefallen am erkauen von Papier. Mit der Zeit merkt er das jedes Buch seinen eigenen Geschmackt hat. Und plötzlich kann er lesen was auf den Buchrücke und Seiten geschrieben steht. Seine Liebe zur Literatur erwacht udn wird immer Stärker. Als alle seine Geschwister längst das Nest verlassen haben bleibt Firmin in der Buchhandlung und richtet sich dort sein Leben zwischen Büchern ein. Dort entdeckter immer mehr die Liebe zu Geschichten, udn im nahegelegenen Kino sogar die Liebe zum weiblichen Menschengeschlecht.


    Doch diese Näherzu den Menschen und sein Vertrauen werden seinem Leben noch eine große Wende bringen.



    Sam Savage schreibt in Firmin aus dem Blick einer Ratte. Man hat sehr oft wirklich das Gfühl direkt von Firmin angesprochen zu werden, fast so als ob dieser vor einem sitzt und seine Geschichte erzählt. Im Laufe des Buches wird Firmin immer menschlicher. Er berichtet von seiner Zuneigung zur Literatur und zu den Menschen. Gerne würde er aus seiner Haut schlüpfen und in die eines Menschen.


    Der Schreibstil wirkt am Anfang noch gewöhnungsbedürftig, Firmins Art zu erzählen zieht einen jedoch schon nach wenigen Seiten komplett in seinen Bann. Ab da fliegt man nurnoch so durch Firminslebensgeschichte. Es liest sich weniger, wie der erwartete Fantasy/Kinderroman, sondern eher wie ein sozial kritisches Buch über unsere Gesellschaft und die Liebe zur Literatur und dem geschriebenen Wort.


    Passend zum Inhalt kommt dieses Buch im Rought Cut (mit zerfranztem Anschnitt) daher und vermittel so schon vor dem Aufschlagen den Eindruck Firmin hätte es schon angeknabbert. Auch das Vorhandensein eines Lesebändchens finde sehr ansprechend.


    Fazit:


    Nicht nur aber vor allem für Bücherliebhaber und "Leseratten eine wirklich gelungene Lektüre. Und ein sehr schön und passend aufgemachtet Buch. Ich hatte sehr viel Vergnügen an der Lektüre und werde dieses Buch bestimmt als Geburtstagsgeschenk für meine Lesenden Freund vormerken. :study:

  • Hallo,


    auch ich durfte das Buch vorab lesen und möchte euch meine Meinung nicht vorenthalten. Leider wurden meine Erwartungen allerdings etwas enttäuscht.


    Rezension
    Die Geschichte von Firmin, tragischer Held des Romans, beginnt im Keller einer Bostoner Buchhandlung. Als Schwächster des Wurfes kommt er bei der Nahrungsaufnahme stets zu kurz und entgeht dem Hungertod nur knapp, indem er beginnt, die Bücher in den Regalen anzuknabbern und Papier zu fressen. Bald jedoch entdeckt er, dass Bücher auch geistige Nahrung sind und liest sich durch die gesamte Weltliteratur…


    Für Menschen, die gerne und viel lesen, dürften allein schon das Setting in der Buchhandlung und die vielen Anspielungen auf bekannte Romane Anreiz sein, dieses Buch zu kaufen. Hinzu kommt die originelle Idee, eine Ratte ihre Lebensgeschichte erzählen zu lassen. Firmin ist aber nicht nur eine - im wahrsten Sinne des Wortes - Leseratte. Das gewitzte Kerlchen betrachtet sich selbst als „äußerst zynisches, einigermaßen niederträchtiges und melancholisches Genie“. Schon früh wird deutlich, dass er sich von seinen Artgenossen abhebt und später auch bewusst distanziert. Weil sein eigenes Leben ihm naturgegeben nicht viel bietet, flüchtet er sich immer mehr in die Welt der Literatur, verliert sich in Tagträumen und unternimmt verzweifelte Versuche, Kontakt zu Menschen aufzunehmen, denen er sich aber tragischerweise einfach nicht verständlich machen kann.


    Aufgrund des flüssigen, selbstironischen Schreibstils lässt sich das Buch angenehm und zügig lesen und obwohl die Erzählung zu Beginn nicht gerade stringent ist und Firmin einige kleinere Exkurse unternimmt, hat man sich schnell in die Geschichte eingefunden.
    Leider ist das Buch jedoch sehr handlungsarm. Die wenigen Wendungen sind voraussehbar und auch das Ende vermag kaum zu überraschen. Auch philosophische und gesellschaftskritische Ansätze bleiben leider nur sehr oberflächlich, sodass das Buch insgesamt – nicht nur vom Umfang her- reichlich dünn wirkt.
    Außerdem fand ich sehr schade, dass Firmin sich weniger aus Liebe den Büchern zuwendet, sondern vielmehr aus der Not heraus. Sein Schicksal ist zwar sehr traurig, hat mich aber nur selten wirklich berühren können.


    Dafür ist die Aufmachung des Romans sehr gelungen. Der Schutzumschlag wirkt alt und rissig, die Seiten sind etwas dunkler als gewohnt und der Seitenschnitt ist dank Rough Cuts ungleichmäßig gefasst, sodass es beinahe so aussieht, als hätte Firmin
    daran geknabbert.


    FAZIT: Leider können die ausgefallene Idee und die niveauvolle Sprache das Fehlen einer ordentlichen Spannungskurve nicht völlig ausgleichen, sodass ich insgesamt eher enttäuscht bin.

  • „Ich bemühe mich, Ihnen die wahre Geschichte meines Lebens zu erzählen, weiß Gott kein leichtes Unterfangen.“ Das ist ein Satz, der dieses Buch ganz genau beschreibt. Nun könnte man denken er stamme von einem menschlichen Erzähler - nein, dies ist ganz und gar nicht der Fall. Die Geschichte handelt von Firmin, der 13. Ratte eines Wurfes im Keller eines Antiquariats in Bosten. Er ist von Beginn an ein Außenseiter. Schwächer als seine 12 Geschwister verliert er häufig den Kampf um die Zitzen und beginnt sich von den Anderen abzusetzen. Die Bücher werden seine Kost, erst wurden sie verspeist und später als er seine „lexikalische Hypertrophie“, natürlich selbst diagnostiziert, entdeckte, wurden sie als Lektüre
    verschlungen.
    Ohne Bücher konnte er nicht mehr leben. Er entfernte sich mit seinen Gedanken und Tagträumen in die Welt der Buchliebhaber und der Literatur. Frimin wurde zum Opfer der kaum verbreiteten Biblo- Bulemie. ;)


    Die Leseprobe lass sich anfangs etwas langatmig, aber Seite für Seite hat mich Firmin dann doch irgendwie in seinen Bann geschlagen. Obwohl ich schnell durch war, blieben mir einige Textszenen doch sehr im Gedächtnis, wobei ich auch im Nachhinein noch drüber schmunzeln konnte.


    Das Buch selbst, die ganze Aufmachung, wie Cover und Rough Cut sind wirklich sehr gelungen sind.

  • Mochte ich bisher keine Ratten?
    Das hat sich geändert, seit ich FIRMIN kenne! Ein Außenseiter unter seinesgleichen - eine literarische Ratte - ein Buch für alle, die Bücher lieben!
    Wenn man im Keller einer Buchhandlung als 13. in einem Wurf geboren wird, die Geschwister alle stärker, schneller und mutiger sind und die Mama eine Alkoholikerin ist - dann hat man es nicht leicht! Wenn das Nest aus Papierfetzen besteht und dann die Bücher auch irgendwann zur Nahrung werden, dann möchte man schon mal gerne im nächsten Leben ein Mensch sein und das ist Firmins größter Wunsch!
    Dieses Buch fesselt, wenn man als Leser soviel Fantasie hat, sich in Firmins Leben hinein zu versetzen.
    Er bemerkt, dass er lesen kann, er hängt sich an den Chef der Buchhandlung, von dem er aber bitter enttäuscht wird, er liest die Klassiker rauf und runter und sucht den passenden ersten Satz für sein eigenes Buch! Er findet dann endlich einen Menschen, der sich um ihn kümmert und das Leben könnte so schön sein, wenn das Leben auf der Straße nicht so gefährlich wäre, wenn sein geliebtes Viertel nicht abgerissen und wenn sein Mensch nicht plötzlich sterben würde. Dieses Buch ist grandios geschrieben; wenn Firmin der Poet über das Leben philosophiert, geht mir das Herz auf!
    Hat wirklich viel Spaß gemacht. Und das Cover ist wunderschön gestaltet und der Blattschnitt ist wunderbar passend zum Buch

  • Da ich Bücher mit tierischen Protagonisten normalerweise nicht mag, bin
    ich schon mit gemischten Gefühlen an die Leseprobe gegangen und nach
    Lektüre des gesamten Buches hat sich mein Eindruck leider bestätigt:


    Ist das Buch anfangs noch interessant geschrieben und macht neugierig
    auf den Verlauf der Geschichte, plätschert es so nach und nach ohne
    Spannung oder nennenswerten Ereignissen vor sich hin und verbreitet
    Langeweile pur. Streckenweise musste ich mich zwingen weiterzulesen und
    hätte ich nicht eine Rezi zu diesem Buch schreiben müssen, hätte ich es
    wahrscheinlich auch weggelegt.


    Zu häufig schweift der Autor in meinen Augen zu uninteressanten Details
    ab, manchmal hatte ich das Gefühl, er müsse sein philosophisches Wissen
    noch irgendwo unterbringen.


    Außerdem war mir Firmin zu menschlich dargestellt. Fand ich z.B. die
    anfängliche Beschreibung von Firmins Trieb und dem Drang seine eigenen
    Schwester zu bespringen gelungen dargestellt, gefielt mir Idee, dass er
    ein Pornokino besucht um sich Frauen anzusehen überhaupt nicht.


    Die Idee, Zitate und Anspielungen aus anderen Büchern unterzubringen
    finde ich normalerweise gut, aber es gibt andere Bücher in denen das
    wesentlich gelungener gemacht wurde.


    DIe Aufmachung des Buches hat mir gut gefallen, das Cover ist schön gestaltet und an den Rough Cut kann man sich auch gewöhnen.


    Insgesamt hat mich das Buch enttäuscht, es war schlechter als ich anfangs erwartet hatte.

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