Kai Meyer: Die Geisterseher

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Die Geisterseher

3.7|8)

Verlag: Lübbe

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 384

ISBN: 9783404148424

Termin: Dezember 2002

  • Kurzbeschreibung von amazon.de:
    Aus der Amazon.de-Redaktion
    Ganz wörtlich darf man die in diesem historischen Krimi geschilderten Vorgänge nicht nehmen, obwohl überwiegend historisch verbürgtes Personal auftritt: Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller und seine Frau Charlotte, die Brüder Grimm, E.T.A. Hoffmann und andere. Sie alle sind Opfer und Agenten einer weitreichenden Intrige, die sich mit unbeirrbarer Präzision zu entwickeln scheint.
    Ein Manuskript steht im Mittelpunkt dieses Romans, der im Jahre 1805 spielt: die Fortsetzung von Schillers Romanfragment Der Geisterseher. Meyer läßt Wilhelm Grimm als Erzähler beschreiben, wie der schwer erkrankte Schiller den beiden Brüdern, die ihr Idol besuchen, das Manuskript übergibt mit der Bitte, es Goethe auszuhändigen. Doch die Brüder werden überfallen und eine lange Kette von Verwicklungen schließt sich an, in der auch eine ägyptische Loge und andere Geheimbünde bedeutsam werden und in der Goethe unter Mordverdacht gerät.
    Meyers unheimlicher Roman im klassischen Weimar ist ein rasend spannendes, wenn auch nicht immer elegant geschriebenes Buch, das zusätzlichen Reiz durch seine Anspielungen auf Werke wie eben Schillers Geisterseher (mit dem es atmosphärisch einiges gemeinsam hat) oder Hoffmanns Sandmann gewinnt. Dennoch ist der Roman kein akademischer Text, sondern eine packende Schauererzählung, in der sich die Ereignisse überschlagen, so daß der Leser das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen will.


    Zum Inhalt (von mir):
    Jacob und Wilhelm Grimm sind große Verehrer der Dichterfürsten Goethe und Schiller und deswegen begeistert, als sie eine Einladung von Goethe erhalten und nach Weimar reisen dürfen, um ihn dort persönlich kennen zu lernen.
    Eines Tages gibt der Dichter ihnen ein Empfehlungsschreiben und eine kleine Phiole mit auf den Weg zu Schiller; dieser liegt mit einer schweren Krankheit im Bett und wird von Zeit zu Zeit von Wahnvorstellungen geplagt. Dennoch wollen die beiden jungen Studenten ihr Idol unbedingt treffen – und sie sind stolz, die Phiole mit der Medizin bei sich zu haben, die Goethe ihnen anvertraut hat.
    Schillers Zustand ist tatsächlich weitaus schlimmer, als Jacob und Wilhelm es vermutet hatten. Er erkennt sie kaum und kann seine Dramenfiguren und echte Menschen nicht mehr auseinanderhalten. Jacob bittet Schillers Frau, Schiller die Medizin geben zu dürfen – er möchte unbedingt später seinen Freunden erzählen können, dass er zur Heilung des großen Dichters beigetragen hat.
    Schiller durchschaut Jacobs Gedanken zwar, doch er scheint die beiden jungen Männer sehr zu schätzen, denn er vertraut ihnen ein versiegeltes Manuskript an – den dritten Teil seines einzigen (und bisher unvollständigen) Romans „Der Geisterseher“. Dieses Manuskript sollen sie Goethe bringen.
    Jacob und Wilhelm sind sehr aufgeregt und fühlen sich geehrt. Sie wüssten zu gern mehr über den Inhalt des Manuskripts, über den in Literaturkreisen schon viel spekuliert wird. Doch noch während sie überlegen, ob sie es wagen sollten, das Siegel zu öffnen, wird ihnen das Manuskript plötzlich gestohlen – und die Ereignisse beginnen, sich zu überschlagen: zum Einen müssen Jacob und Wilhelm das Manuskript finden, zum Anderen erfahren sie plötzlich, dass Schiller gestorben ist und Goethe des Mordes bezichtigt wird! Die beiden Studenten finden sich plötzlich in einem Strudel von Abenteuern wieder, die sie bestehen müssen, um an das Manuskript zu gelangen…


    Meine Meinung:
    Die Idee an sich ist schon toll: Jacob und Wilhelm Grimm als Ermittler. Zudem hat Meyer in diesem Roman viele (literatur-)historische Fakten verwendet und das macht die Geschichte noch interessanter. Sprachlich ist der Roman auch sehr schön zu lesen, weil Wilhelm Grimm der Ich-Erzähler ist und der Autor ihn sprachlich sehr gekonnt so erzählen lässt, dass man ihm abnimmt, ein echter Erzähler der damaligen Zeit zu sein. Das heißt nicht, dass die Sprache sehr kompliziert ist, aber bestimmte Wörter und Eigenheiten weisen eben darauf hin. Die Handlung ist schlüssig und spannend – und ich werde mir auf jeden Fall auch Meyers zweiten Fall für die Gebrüder Grimm („Die Winterprinzessin“) zulegen.

  • Die Rezension von Strandläuferin finde ich sehr gut, aber ich bin anderer Meinung:
    Ich habe vor kurzem das Buch von Kai Meyer gelesen, weil ich neugierig war auf seine "Erwachsenenbücher".
    Ich bin ein Fan der Jugendbücher von ihm.
    "Die Geisterseher" haben mich aber nicht wirklich begeistert. Die Idee finde ich sehr gut, mir gefällt aber die Umsetzung nicht so sehr. Ich finde, er hat zu viele Personen und zu viele Ideen in das Buch eingebracht.
    Es wird dadurch zu unruhig, die Liebesgeschichte von Wilhelm Grimm und Anna, die merkwürdige Anbetung einer Rosa durch Jakob Grimm, die sich dann als Warnung "rosae crucis" herausstellt, sind, denke ich, eher überflüssig.
    Ich werde aber auch noch andere für Erwachsene geschriebene Bücher von Kai Meyer lesen. Als nächstes wohl "Die Alchimistin".


    Morgensternchen

  • Schauplatz ist Weimar 1805, in den Hauptrollen treten auf: die Gebrüder Grimm, Goethe, Schiller, E.T.A. Hoffmann und weitere historisch belegte Persönlichkeiten. Schiller liegt verwirrt und todkrank darnieder, als die jungen Brüder Grimm ihm und ihrem anderen literarischen Helden, Goethe, ihre Aufwartung machen wollen. Beinahe mit letzter Kraft vertraut Schiller den beiden ein versiegeltes Manuskript an, den Schluss seines bisher unvollendeten Romans „Die Geisterseher“ und den Auftrag, es Goethe zu überbringen.


    Dazu soll es jedoch nie kommen. Bereits auf dem Weg zum Haus des Dichterfürsten werden die beiden von einer rätselhaften dunklen Gestalt überfallen, die ihnen das geheimnisvolle Paket entreißt. In Goethes Haus geschehen weitere seltsame Dinge. Zwei ägyptisch gekleidete Personen tauchen auf, unheimliche Gesänge hallen durch die Räume – und das ist erst der Anfang eines aufreibenden und gefährlichen Abenteuers, das die beiden Grimms schließlich nach Warschau führt, wo ein unbekannter Mörder grauenvolle Taten begeht. Man nennt ihn den Sandmann, weil er seinen Opfern die Augen aussticht und die Höhlen mit Sand füllt. Doch nicht nur ihn haben sie auf ihrer Suche nach dem Geheimnis des Manuskripts zu fürchten. Bald wissen sie nicht mehr, wem sie überhaupt noch trauen können, denn mehr als eine Partei scheint hinter diesem Werk Schillers her zu sein …


    Auf dem Cover heißt es als Untertitel „Unheimlicher Roman“. Von Meyer habe ich schon Gruseligeres gelesen, aber ein paar schaurige Momente sind auch in diesem Buch vorhanden, das sich hauptsächlich auf Friedhöfen, gefährlichen Reisewegen und in nicht sehr vertrauenerweckenden Gemäuern abspielt.


    Jacob und Wilhelm Grimm sind fast noch Jugendliche. Wilhelm, der Vorsichtigere und Gefühlvollere der beiden, ist der Ich-Erzähler, der immer an das Gute glaubt, während Jacob mutiger, aber auch kühler ist und stets der Logik den Vorzug vor den Emotionen gibt. Oft genug geraten die beiden deshalb aneinander, wie das unter Geschwistern eben so ist.


    Meyer schafft es hervorragend, den Leser immer wieder in die Irre zu führen, der wie die beiden Hauptfiguren bald nicht mehr weiß, wer nun eigentlich auf welcher Seite steht. Er flicht zahlreiche reale Persönlichkeiten mit ein, verteilt Seitenhiebe auf den Okkultismus, der damals bei vielen hoch im Kurs stand, und führt die Handlung auf einen Showdown zu, der in ungewöhnlicher Umgebung stattfindet und mit einer überraschenden Lösung aufwartet. Zeitweise ein wenig verwirrend, was sich am Ende aber in fast allen Punkten auflöst.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Why say 'tree' when you can say 'sycamore'?
    (Leonard Cohen)

  • Ich habe gerade "Die Geisterseher" von Kay Meyer fertig gelesen. Es war mein erstes Buch von diesem Autor. Aufmerksam auf das Buch wurde ich, weil mir das Cover von "Die Winterprinzessin" von Kay Meyer gefallen hatte und ich es gekauft habe, darin stand, das es noch einen ersten Band gibt. Also habe ich mir diesen auch noch gekauft da ich die Stadt Weimar sehr schön finde und mich die Gebrüder Grimm interessieren.


    Die Sprache im Buch, wie schon von Strandläuferin beschrieben, hat mir sehr gut gefallen und mich in ihren Bann gezogen. Mir hat natürlich gefallen das die Geschichte in Weimar spielt und der Autor mit bekannten Charakteren wie Schiller, Goethe, Hoffmann und eben den Gebrüdern Grimm "spielt". Allerdings hatte ich immer das Gefühl das ich mich in Wilhelm den Erzähler am wenigsten hineinversetzen konnte da man von ihm als Erzähler nicht so viel erfährt.


    Die Story an sich fand ich auch gelungen, ich mag Geschichten in denen man sich plötzlich inmitten einer geheimen Verschwörung wiederfindet, man nicht weiß wem man trauen kann und es jede Menge Geheimnisse gibt :D 
    Unter einer "unheimlichen Geschichte" sollte man sich allerdings nicht zu viel vorstellen, denn es war zwar an einigen Stellen spannend wer jetzt auf wessen Seiten steht oder etwas mitten in der Nacht passiert ist, es ist allerdings nicht sonderlich gruselig.


    Es war auf jeden Fall ein Buch das mich gut unterhalten hat, die Sprache war sehr gelungen, die Charaktere haben mich fasziniert (auch wenn etwas mehr Tiefe hätte sein dürfen :wink: ) und die Verschwörung von Weimar nach Warschau hat mich wirklich gepackt. Von mir gibt es :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    LG Michi :winken:

    "The stories we love best do live in us forever,
    so whether you come back by page or by the big screen,
    Hogwarts will always be there to welcome you home."

    (J.K. Rowling)

  • Vielen Dank für die tollen Rezis :applause: Und wieder ein Buch mehr für meine Wunschliste :)


    Auch der Handlungsort Weimar reizt mich. Die Stadt kenne ich von einigen privaten Besuchen, aber auch Exkursionen meines damaligen Deutsche-LK's, da ich aus Thüringen stamme.


    Viele Grüße susa

    "Begib dich einmal im Jahr an einen Ort, an dem du noch nie gewesen bist." (Dalai Lama)


    :study: 2014: 18 Bücher mit 10.009 Seiten (2013: 63 Bücher mit 27.710 Seiten)

  • "Die Geisterseher" ist ein historischer Roman, in dem die berühmten Gebrüder Grimm - hier in jungen Jahren - der Spur eines geheimnisvollen Manuskriptes von Friedrich Schiller folgen, das ihnen gestohlen wurde. Dabei geht es jedoch nicht immer mit rechten Dingen zu und die Brüder geraten mehr als einmal in große Gefahr.


    An dem Buch gut gefallen hat mir, dass der Autor die damalige Zeit sehr überzeugend zum Leben erweckt. Der Ich-Erzähler, Wilhelm Grimm, schildert die Geschehnisse in einer etwas altmodisch anmutenden Sprache, die gut zum 19. Jahrhundert und auch dem Intellekt und Können seiner Person passt. Kleine Anmerkungen des Erzählers, dass er sich über gewisse Begebenheiten gerne ausschweigen möchte, verstärkten den Eindruck, dass eine reale Person die Ereignisse zusammenfasst, noch. Das hat auf jeden Fall dazu beigetragen, mich in die Geschichte hineinzuversetzen, da sie so gleich authentischer wirkte. Auch mit den historischen Figuren selbst ist Meyer gut umgegangen; zwar nimmt er sich einige Freiheiten, auf die er auch im Nachwort kurz eingeht, doch die Charaktere sind klar erkennbar und ich fand ihre Interaktionen und Gespräche über Literatur und ähnliche Themen sehr faszinierend. Schön war auch, dass es für mich glaubwürdig wirkte, dass die Gebrüder Grimm versuchen, einen Fall zu lösen; der Autor hat es geschafft, sie so zu involvieren, dass es für mich nachvollziehbar war.


    Die Handlung selbst war sehr wendungsreich und es gibt einige falsche Fährten, denen man gemeinsam mit den Protagonisten folgt und die mich alle überzeugt hätten. Die Motivationen verschiedener Charaktere sind unklar und es ist spannend zu versuchen, hinter all die Geheimnisse und Rätsel zu kommen. Allerdings muss ich sagen, dass die Geschichte gegen Ende ein wenig zu verworren war und die eigentliche Auflösung mir zu schnell ging. Ich hätte hier gerne noch mehr Details gehabt und dafür auf die Liebesgeschichte verzichtet, die mich leider nicht richtig überzeugen konnte. Dafür fand ich die Atmosphäre gelungen, die der Autor fast das ganze Buch über aufrecht erhält - obwohl ich "Die Geisterseher" nicht als 'unheimlichen Roman' bezeichnen würde, gibt es doch einige packende, fesselnde und auch etwas gespenstische Szenen.


    Von mir bekommt das Buch :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb: . Es konnte mich von Anfang an fesseln, wurde mir aber nach einer Weile zu unübersichtlich und ich hätte mir gewünscht, dass der Schluss ausführlicher behandelt worden wäre. Trotzdem hat es mich gut unterhalten.

    Carpe Diem.
     :study: Zoë Ferraris - Wüstenblut
    2018 gelesen: 67 Bücher mit 26.608 Seiten | gehört: 3 Bücher mit 2266 Minuten

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