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Tschingis Aitmatow - Dshamilja

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Dshamilja: Erzählung (insel taschenbuch)

3.4|17)

Verlag: Insel Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 122

ISBN: 9783458357858

Termin: November 2011

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  • Schriftsteller Tschingis Aitmatow gestorben
    siehe hier


    Darum möchte ich gerne eine seiner wohl bekanntesten Geschichten hier vorstellen.


    Teilauszug amazon.de
    Inhalt: Dshamilja ist eine Liebesgeschichte in der Zeit des Zweiten Weltkriegs in einem kleinen Aul (Dorfsiedlung) im Nordosten Kirgisiens. Der 15-jährige Said erzählt die Geschichte seiner jungen, verheirateten Schwägerin Dshamilja und des früheren Soldaten Danijar. Während der ungeliebte Ehemann Sadyk in der Sowjetarmee dient, lernt die selbstbewusste, lebensfrohe Dshamilja den scheuen, träumerischen Frontheimkehrer Danijar kennen und lieben. Der junge Said erzählt mit den Augen eines Kindes, das noch nichts von der Liebe weiß, das aber zu verstehen beginnt, was die beiden verbindet. Aus Liebe zu Danijar sagt Dshamilja sich von ihrem Heimatort und den alten Traditionen los und zieht mit ihm in die Ferne. Said versteht als Einziger das verfemte Paar. Dessen Liebe ist für ihn ein Gefühl, das er nur durch Zeichnen ausdrücken kann. Said fertigt am Tag des Abschieds ein Bild an, das ihn an die beiden und Danijars faszinierende Stimme erinnert. Auch er verlässt das Dorf, um die Kunstschule zu besuchen und findet seine Berufung in der Malerei.


    Die Geschichte spielt im dritten Kriegsjahr, in einem kleinen Aul, während alle jungen Männer an der Front sind und Frauen und Kinder deren Arbeiten übernehmen.
    Zwar wohnen die Bewohner nun in festen Steinhäusern, jedoch stellt die Mutter jedes Jahr im Frühling im Hof das Nomadenzelt auf. Noch sind sie verbunden mit den alten Traditionen, als sie als Nomaden durch die Steppe zogen.
    Der Erzähler Said ein Halbwüchsiger, ist der Schwager von Dshamilja und er ist heiss in sie verliebt und verteidigt sie in seiner kindlichen Eifersucht gegen die Avancen der Männer, welche noch anwesend sind.
    Tagtäglich fährt er mit Dshamilja und Danijar, Korn zum Bahnhof, was ihn mit grosser Freude erfüllt.
    Danijar ist erst kürzlich zu der Gemeinschaft gestossen, als verwundeter Soldat wurde er von der Front heimgeschickt. Er ist ein ruhiger, zurückgezogener sehr schweigsamer Mann.
    Dshamilja und Said nehmen dies zum Anlass, um Danijar so oft wie möglich zu hänseln. Allerdings nehmen diese ein abruptes Ende, wie er auf Bitten hin von Dshamilja an einem Abend im August auf der Heimfahrt, anfängt zu singen.
    Ein Gesang voller Leidenschaft und glühender Begeisterung bricht aus Danijar hervor. Ein Lied der Berge und der Steppen ,mit einer unglaublich schönen Melodie welche alle Liebe zu diesem kargen Land enthält ,lässt er erklingen.
    Ganz fasziniert lauschen die beiden dem Gesang und dieser Gesang führt dazu dass sich Dshamilja und Danijar, bei der abendlichen Kutschenfahrt näher kommen. Sie verlieben sich ineinander. Said wird anfänglich von Eifersucht geplagt, doch die Lieder von Danijar bewirken eine Wandlung in ihm, und er freut sich mit den beiden. Dieses Gefühl, das er empfindet, drückt er aus indem er die beiden zeichnet.
    Da Dshamilja und Danijar keine Zukunft auf der Aul haben, verlassen sie diese.
    Der Einzige, der dafür Verständnis hat, ist Said,

    Zitat

    "Ich begriff jetzt, warum er ganze Abende auf dem Wachthügel sass und allein am Fluss übernachtete, warum er unablässig auf Laute horchte, die anderen nicht vernehmlich waren, warum manchmal seine Augen aufleuchteten und seine meist gerunzelten Brauen empor zuckten. Er war ein zutiefst verliebter Mensch. Aber er war nicht einfach in einen anderen Menschen verliebt - sondern es war eine andere, alles umfassende Liebe zum Leben und zur Erde. Diese Liebe erfüllte ihn ganz, sie klang aus seinen Liedern, sie war sein Leben."


    Eine wunderschöne Geschichte, welche Aitmatow in der blumigen Sprache Russlands erzählt. Wer allerdings eine Liebesgeschichte im üblichen Sinne erwartet, wird enttäuscht werden, hier wird sie nur ganz fein gesponnen. Sehr spürbar ist die Liebe des Autors zu Kirgisien und ich habe auf bemerkenswerte Weise einiges über ein mir fast unbekanntes Land erfahren.


    Louis Aragon sagte

    Zitat

    „Ich schwöre es, die schönste Liebesgeschichte der Welt“


    Meiner Meinung nach muss das jeder Leser für sich entscheiden, ob es sich wirklich so verhält.


    Näheres zum Autor
    Tschingis Torekulowitsch Aitmatow (kirgis. Чыңгыз Айтматов – Tschynggys Aitmatow, russisch Чингиз Торекулович Айтматов; * 12. Dezember 1928 in Scheker im Talas-Tal, Kirgisistan; † 10. Juni 2008 in Nürnberg) war ein kirgisischer Schriftsteller, der hauptsächlich in russischer Sprache schrieb.
    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Tschingis_Aitmatow

  • serjena


    Auch ich bedaure den Tod von Tschingis Aitmatow. Dshamilja war bei mir Pflichtlektüre in der Schule. Trotzdem mochte ich das Buch sehr gern. Jahre später habe ich dann noch einmal gelesen, es ist wirklich eine der schönsten Liebesgeschichten, die ich kenne.

  • Sehr spürbar ist die Liebe des Autors zu Kirgisien und ich habe auf bemerkenswerte Weise einiges über ein mir fast unbekanntes Land erfahren.

    Das fand ich auch sehr beeindruckend. Ich habe mir die Landschaft wunderbar vorstellen können. Auch die Menschen, die mir zwar völlig fremd sind, wurden wirklich sehr schön dargestellt.


    Mich hat das Ende recht überrascht. Denn ich habe mit einem tragischen Ende gerechnet. So bleibt aber zum Schluß die Hoffnung, das Dshamilja und Danijar ihr Glück woanders finden.

  • Auch auf die Gefahr hin, mit meine Meinung allein dazustehen - ich muss sagen, das Buch hat mich ziemlich enttäuscht. :-?


    Die schönste Liebesgeschichte der Welt? Mhm… ich weiß ja nicht, aber diesem Anspruch wird sie meiner Meinung nach nicht gerecht. Sicher, es ist eine nette, kleine Geschichte und die Erzählung bringt einem ein fernes Land und eine ferne Zeit etwas näher, aber trotzdem konnte ich mich nicht so recht einlesen. Es blieb immer eine Distanz, die vielleicht durch das Fremde, das Unbekannte gekommen ist. In mir konnte die Geschichte jedoch wenig Emotionen wecken, am meisten noch Enttäuschung, dass dies nun die Geschichte gewesen sein soll, die so berühmt geworden ist.

  • Das Buch subt bei mir seit einigen Jahren, und obwohl ich in der letzten Zeit gern dünne Bücher gelesen habe, konnte ich mich nicht zu diesem aufraffen. Dieser nicht zu überbietende Superlativ "Die schönste Liebesgeschichte der Welt" hat mich abgehalten. Ich mag Lobhudeleien wie "Das großartigste Debut" oder "Jahrhundertroman" oder "Krimi des Jahres" einfach nicht.

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)


    :study: Stefan Thome - Gott der Barbaren

    :study: Hanya Yanagihara - Das Volk der Bäume

    :musik:Stieg Larsson - Verdammnis

    :study::study::study: MLR: George Saunders - Zehnter Dezember

  • Dieser nicht zu überbietende Superlativ "Die schönste Liebesgeschichte der Welt" hat mich abgehalten.


    Meiner Meinung nach, zu Recht :wink: . Ich würde nie das Buch als "schönste Liebesgeschichte der Welt" bezeichnen. Aber, nun ja, die Geschmäcker sind verschieden, und immer hin zählt der Aitmatov wohl nicht umsonst zu den bekannten Klassikern. Ich mag seine Romane eher weniger. Sein Erzählstil sagt mir nicht so besonders zu.
    Einige Bücher von ihm habe ich schon gelesen, immer mit dem gleichen Ergebnis: eher mittelmäßig, als ausgezeichnet.

    2019: Bücher: 55/Seiten: 23 134
    2018: Bücher: 224/Seiten: 89 626
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    "Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz"

    Dalai Lama

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    Lese gerade:

    Ende, Michael - Momo

    Hansen, Thore D. - Die Reinsten

  • Bücher werden nun mal gerne mit Superlativen ausgestattet.
    Es bleibt jedem Leser somit selbst überlassen wie er diese Aussagen aufnehmen möchte.
    Ich habe ein wenig mein Bücherregal dass nun fast 1000 Bücher umfasst durchforstet und festgestellt dass ein Grossteil dieser mit Aussagen ausgestattet sind wie:


    Leif GW Persson „Zwischen der Sehnsucht des Sommers und der Kälte des Winters“

    Zitat

    Ein unbedingtes Muss für alle, die skandinavische Kriminalliteratur lieben“ Anne Holt
    Persson hat einen der besten schwedischen Kriminalromane aller Zeiten geschrieben“ Expressen

    Elizabeth Kostova „Der Historiker“

    Zitat

    „Ein Feuerwerk der Ideen. Eines der ganz grossen Buchereignisse“ Bild an Sonntag

    David Bennioff „Stadt der Diebe“

    Zitat

    Kann man bereits im Januar von einem der schönsten Bücher des Jahres sprechen? Man kann. Das hier ist nämlich schwer zu toppen." (Kester Schlenz, Stern )

    Antal Szerb „Reise im Mondlicht“

    Zitat

    "Szerb nicht gekannt haben ist ein Versäumnis, denn das Buch ist klug, schön unterhaltsam“ Süddeutsche Zeitung

    Richard Morgievè „Kleiner Mann von hinten“

    Zitat

    "Ein schöneres Buch ist kaum denkbar, das Lesen ein wirkliche Genuss“ Dresdner Morgenpost


    Das sind nur einige wenige Beispiele, und einige dieser Bücher fand ich trotz der enthusiastischen Aussagen mittelmässig bis schlecht. Individualismus ist des Lesers Stärke und kann somit nicht durch solche Aussagen beeinflusst werden. :wink:

  • Bücher werden nun mal gerne mit Superlativen ausgestattet.
    Es bleibt jedem Leser somit selbst überlassen wie er diese Aussagen aufnehmen möchte.
    Ich habe ein wenig mein Bücherregal dass nun fast 1000 Bücher umfasst durchforstet und festgestellt dass ein Großteil dieser mit Aussagen ausgestattet sind wie:


    serjena
    So ist es. Solche Aussagen sind von den Buchcovern gar nicht weg zu denken. Die Bücher wollen ja auch verkauft werden. :wink:

    2019: Bücher: 55/Seiten: 23 134
    2018: Bücher: 224/Seiten: 89 626
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    "Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz"

    Dalai Lama

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    Lese gerade:

    Ende, Michael - Momo

    Hansen, Thore D. - Die Reinsten

  • Auf diese eher dummen Superlativen sollte man eben nicht schauen. Es ist meines Erachtens sowieso unangemessen, "gute" Bücher (oder auch Bilder, Weine, Essen etc.) mieinander zu vergleichen: alles steht mit seinem "unvergleichlichen" Wert da und hat etwas zu sagen , zu geben.


    Ich hörte in diesen Tagen die Hörfassung das Buches von Aitmatow und fand, ähnlich wie serjena und Hermia, dass über eine Liebesgeschichte hinaus, diese Erzählung uns ein fernes Land mit seinen Traditionen und Menschen nahe bringt. Vorleser Matthes beginnt - so empfinde ich es bei ihm - langsam mit teils nasalen Lauten, um sich immer besser einzulesen und findet im zweiten und dritten Drittel des Buches eine sehr große Ausdruckskraft! Hut ab!


    Was mich besonders faszinierte war dann auch die Beschreibung der Lieder Daniyas: in ihnen drückt der Mensch seine tiefe Verbundenheit aus, legt sein ganzes Herz hinein. Da, wo das passiert, kann die Magie der Anziehung passieren. Für uns, die wir gerne lesen, auch ein Loblied auf die Schönheit und Macht der Worte, des Ausdrucks!

  • Ähnlich wie bei Marie ist das Buch auch bei mir längere Zeit auf dem SUB gelandet. Vor wenigen Monaten habe ich es dann aber doch endlich einmal gelesen. Die Geschichte ist sehr poetisch erzählt. Sie ist ruhig und erinnert mich an einen langsam fließenden Fluss. Das Land wird geschildert, die Menschen die darin leben. Und ganz sanft kommt die Schilderung der erwachenden Gefühle daher.
    Ich habe das Buch wirklich gerne gelesen. Die Sprache und der Schreibstil haben mir gut gefallen. Man taucht in eine andere Welt ein. Alles ist so fremd. Die Kultur ist eine andere. Mich an diesen Ort führen zu lassen, habe ich genossen. Auch wenn, wie schon erwähnt, die Beschreibung mit "der schönsten Liebesgeschichte der Welt" mich auch lange Zeit von dem Buch abgeschreckt hat.

  • Meine Mama hat mir das Buch neulich mal gegeben,weil sie meinte,es war eine ihrer Lieblings - Liebesgeschichten.
    Bis zur Mitte des Buches habe ich irgendwie nicht gerafft,wo da die Liebesgeschichte war.
    Aber dann fand ich es so schön. :love:
    Toll,wie man auf so wenigen Seiten so viel ausdrücken kann.


    LG Eisblume

  • Dshamilja ist eine wunderbare Geschichte, die ich vor einigen Jahren während meiner Reise durch Kirgisistan mit Begeisterung gelesen habe. Sie erzählt von der Liebe zweier Menschen, die eigentlich nicht sein durfte, aber noch mehr von der Liebe zu Kirgisistan, zum Leben an sich. Obwohl oder vielleicht gerade weil die Beschreibungen sehr poetisch sind, hatte ich während des Lesens ständige Aha-Erlebnisse. Die Menschen, die Pferde in den Luzernenfeldern, die Berge, die Weite, die Steppe - durch Aitmatows Darstellungen erblickte ich schon Alles in meiner Vorstellung, bevor ich die Gegend mit meinen eigenen Augen betrachtete, um Alles bestätigt zu finden. Ja, ich weiß, das hört sich jetzt superkitschig an, aber so war es.
    Als ich dann die neue Ausgabe des Insel-Verlages mit der wirklich schönen Covergestaltung und neuer Übersetzung entdeckt habe, war klar: Dieses schmale Büchlein muss ich haben. Gesagt, getan - und das Cover hat mich nicht enttäuscht. Die Zeichnungen, viele in schwarz-weiß oder in diversen Rottönen coloriert, passen wunderbar zu dieser gefühlvollen Geschichte. Was mich jedoch völlig ernüchtert hat, ist die meiner Ansicht nach misslungene Übersetzung.
    Ich habe das Buch ebenfalls in der Ausgabe mit Hartmut Herboth als Verantwortlichem. Und auch wenn Manches darin durchaus etwas angestaubt klingen mag (immerhin ist sie mindestens 30 Jahre alt) - die Atmosphäre, die Stimmung hat er überzeugend ins Deutsche übertragen. Denn genau so ist es: die Menschen und das Land. Aus Interesse habe ich die beiden Fassungen dann parallel gelesen und bin schlicht entsetzt, was aus Dshamilja gemacht wurde. Um eines klarzustellen: Nein, ich kann kein Russisch. Aber die neue Fassung enthält ausser schlechtem Deutsch ebenso sachliche Fehler, die auch ohne Russisch-Kenntnisse festzustellen sind. Beispielsweise trägt in der neuen Fassung die Mutter des Erzählers einen Turban (S. 14), in der alten ein Kopftuch. Fakt ist, dass in Kirgisistan die Frauen Kopftuch und keinen Turban tragen. Oder die Beschreibung "… glühte die müde Junisonne wie die runde Öffnung eines Backofens …" (S. 28), wo bei Herboth statt Backofen Tandyr steht, ein neben dem Haus in die Erde gebauter Ofen mit runder Öffnung, in dem Fladen gebacken werden. Darüber verfügt in Kirgisistan praktisch jedes Haus, während Backöfen (insbesondere in der Zeit, in der die Geschichte spielt), Mangelware sind. Auch die Ausdrucksweise ist in der neuen Ausgabe stellenweise sehr gewöhnungsbedürftig: Auf Seite 27 "…; es lohnte nicht, mit ihm anzubinden.", hingegen in der alten Fassung "Sie wusste, dass es nicht lohnte, mit ihm Streit anzufangen, …", was auch im Zusammenhang gelesen wesentlich besser klingt. Oder Seite 7 (neu) "… damals noch Buben von fünfzehn, sechzehn Jahren .." gegenüber "Wir Halbwüchsigen, etwa fünfzehn Jahre alt…". Ich möchte die Fünfzehnjährigen sehen, die sich noch Buben nennen lassen ;-)
    Dinge dieser Art ziehen sich durch den gesamten Text hindurch und viel von der Poesie dieser Geschichte ist einfach verloren gegangen. So schön ich die Illustrationen auch finde, ich werde das Buch verkaufen und dafür die alte Ausgabe behalten. Denn letztendlich ist es der Text, der Dshamilja ausmacht.
    PS: Und um Bücher dieser Übersetzerin werde ich zukünftig einen riesigen Bogen machen.

  • Da hast Du Dir wirklich viel Mühe gegeben @Xirxe zu beschreiben, weshalb diese Übersetzung nicht zu den guten gehört. Danke dafür. Ich bin jedenfalls froh, dass die alte Ausgabe - zu meiner Schande seit Jahren ungelesen - in meinem Regal steht.

  • Ich bin jedenfalls froh, dass die alte Ausgabe - zu meiner Schande seit Jahren ungelesen - in meinem Regal steht.

    Ich war jetzt schnell runtergelaufen ins Wohnzimmer, wo mein Exemplar - auch zu meiner Schande ungelesen - im Regal steht um nach dem Übersetzer zu schauen. Ja, es ist Herboth. :thumleft:

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)


    :study: Stefan Thome - Gott der Barbaren

    :study: Hanya Yanagihara - Das Volk der Bäume

    :musik:Stieg Larsson - Verdammnis

    :study::study::study: MLR: George Saunders - Zehnter Dezember

  • Danke @Xirxe für Deine Eindrücke und den Vergleich der Übersetzungen. Wir haben uns ja schon an anderer Stelle darüber ausgetauscht und mein vorheriger Eindruck, dass die alte Übersetzung die bessere zu sein scheint, hat sich hier bestätigt. :wink:

  • Wenn ich das so lese, muss ich unbedingt bei Mama das nächste Mal suchen. Ich hab Djamila (so stand das damals auf meinem Buch :wink: ) vor vielen, vielen Jahren gelesen und es hat mir damals auch sehr gut gefallen. Jetzt krieg ich richtig Lust drauf, es nochmal zu lesen.

    Gelesen in 2018: 31 - Gehört in 2018: 36 - SUB: 403


    "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)

  • @SiriNYC @Marie @Squirrel @Hirilvorgul Vielen lieben Dank für Eure Rückmeldungen. Und besonders freut mich, dass ich vielleicht bei Manchen die Lesefreude auf das Buch wecken konnte. Ich finde, es lohnt sich :thumleft:

  • Freue mich, dass dieses Buch hier zu finden ist; denn Aitmatov gelingt es, das Empfinden von Liebe zum Leben, zur Natur, zu einem Menschen mit Worten zu malen:

    Zitat

    Wenn ich ihn singen hörte, dann hätte ich mich am liebsten zur Erde geworfen und sie wie ein dankbarer Sohn umarmt, allein schon dafür, dass ein Mensch sie so lieben konnte… ich wusste, dass er in seinem Herzen reicher war als wir.

    Eine edle Liebesgeschichte, in zarten, wehmütigen Tönen geschildert, ohne die Grenzen zur Sentimentalität zu überschreiten.

  • Ich habe Dshamilja Anfang der 90er gelesen - bin in der Buchhandlung des Ortes, in dem ich aufgewachsen bin, darauf aufmerksam geworden und habe es gekauft.

    Es ist eins der Bücher, die mich im Inneren berührt haben. Ich war damals hin und weg. Das Buch habe ich aber gar nicht mehr, ich weiß nicht, ob zu dem Zeitpunkt mehrere Übersetzungen auf dem Markt waren, vermute aber, dass es eine Hartmut Herboth Übersetzung war.


    Muss immer wieder mal an das Buch denken.


    Der Thread hier / dass anderen das Buch auch gefällt, löst gerade schöne Gefühle aus, finde mich in einigen Beschreibungen wieder und es inspiriert mich, nochmal anderes von Aitmatov zu lesen. Das Kassandramal - da werde ich mal hinein schauen.


    Diese "innere Revolte", wenn etwas so sehr angepriesen wird, als das Beste - (für alle am besten noch) - kenne ich aber auch.

    Aber in dem Fall kann Aitmatov ja nichts für ... ich lese das - "ich schwöre es, die schönste Liebesgeschichte der Welt" - hier wie eine starke, persönliche Gefühlsäußerung von Aragon - (aber weiß nicht, wie er das gemeint hat).

    Auf diese Art mag ich die Aussage -

  • Mich schrecken absatzfördernden (?) Aussagen wie «Die schönste Liebesgeschichte» auch eher ab, allerdings zog mich der Autorenname Tschingis Aitmatow wieder an, nachdem ich kürzlich begeistert «Der erster Lehrer» las. Aber egal, ob nun wirklich die schönste Liebesgeschichte oder nicht – für mich ist es eine sehr schöne Geschichte, über die Liebe, das Leben, das Singen, die Natur,... Lebensfreude beim Lesen!


    Ich kann die allgemeine Begeisterung für diesen kurzen Roman daher gut nachvollziehen, und bin auch sehr froh, dass ich (mehr aus Zufall) die Übersetzung von Hartmut Herboth las, die Xirxe im direkten Vergleich empfiehlt. Überhaupt kann ich meine gebundene Ausgabe des Unionsverlags nur loben: neben der Erzählung selbst ist eine Vorbemerkung von Aitmatow enthalten, aus dem Jahre 1987, in der er seine Beziehung zu seinem Frühwerk beschreibt, und wie sehr der damalige Erfolg dieser Geschichte ihn geprägt hat. Außerdem enthalten ist ein Nachwort vom Autor, in dem er beschreibt unter welchen Umständen die Novelle entstand (die damalige Zeit und der Vorfall, der ihn veranlasste, diese Geschichte aufzuschreiben), sowie 8 Seiten von Louis Aragon, dem französischen Übersetzer und Schriftsteller, der in seinem Text von 1959 nochmals seine sofortige Begeisterung für den Text beschreibt, und auch heute noch zu seiner Aussage steht, dass dieser Text weltbekannte Stücke wie «Romeo und Julia» in den Schatten stellt. Natürlich war er sich bereits vor dem Erscheinen der französischsprachigen Ausgabe bewusst, dass seine Aussage betreffend der «grössten Liebesgeschichte» auch ein Stigma sein kann, denn er selbst war damals auch schon von Büchern mit ähnlichen Aussagen von den hohen Erwartungen enttäuscht. Auch daher also diese Erklärung, weshalb es für ihn (Aragon) auch weiterhin die schönste Liebesgeschichte ist, und welchen Genuss er auch nach mehrmaligen Lesen dabei empfindet.


    Und auch ich werde wohl die Geschichte mit zeitlichem Abstand immer mal wieder lesen wollen, wirklich empfehlenswert. Mein Problem ist eher eines, das ich immer wieder habe, wenn ich mehrere Bücher eines Autors rasch hintereinander lese. Zwangsläufig vergleiche ich die Bücher miteinander, habe hohe Anforderungen, da ich von der ersten Lektüre so begeistert war, finde dann, dass sich der Schreibstil und die Atmosphäre zu sehr ähneln (obwohl ich das ja eigentlich gesucht habe),... – irgendwie ist es dann, als würde ich einen sehr guten Film direkt ein zweites Mal schauen und bin dann zwangsläufig weniger angetan. Und so erging es mir beim Lesen von «Dshamilja» auch. Vielleicht gefiel mir «Der erste Lehrer» etwas besser, weil ich ihn zuerst gelesen habe. Die Beschreibungen der kirgisischen Landschaft, das damalige Leben, die Herausforderungen, die poetischen Beschreibungen – das war mir jetzt nicht mehr neu und überraschend. Daher werde ich mir jetzt wieder etwas Zeit lassen, aber weitere Bücher von Aitmatow brauche ich unbedingt auf meinem SUB, um in einigen Monaten wieder in diese Welt eintauchen zu können.

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