Gustave Flaubert - Madame Bovary

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Madame Bovary

4|35)

Verlag: Insel

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 455

ISBN: 9783458362333

Termin: Oktober 2012

  • Ein sehr schöner Klassiker!


    Madame Bovary hat mich sehr fasziniert! Flaubert hat meiner Meinung nach sehr gut aufgezeigt, wie die damalige Gesellschaft "getickt" hat! Madame Bovary war mit einem Arzt in einer kleinen Provinzstadt verheiratet, der sie unheimlich geliebt hatte. Er hat und hätte alles für sie getan, aber das hat ihr nicht gereicht. Sie hatte sich sprichwörtlich mit ihrem Leben, das sie geführt hatte, gelangweilt. Und das nur, weil sie ihn eben nicht geliebt hatte und nur aus dem Grund heraus, ein unbeschwertes Leben führen zu können, geheiratet hat. Um ein bisschen Abwechslung ins Leben zu bringen, ist sie fremdgegangen. Ich fand die Szenen, wie z. B. in der Kutsche wunderbar beschrieben, wobei Flaubert nicht auf die Sexszenen eingegangen ist, aber es hat meiner Meinung nach schon ganz schön geknistert und mit viel Phantasie konnte man zwischen den Zeilen lesen, was Flaubert geschrieben hätte, hätte er den Mut dazu gehabt. Ich hatte das Gefühl, dass es ihn schon sehr gedrängt hatte, auf dieses Thema einzugehen, aber er ist nur so weit gegangen, wie man eben zu jener Zeit gehen konnte und kein Stückchen weiter. Aber meines Erachtens hatte er seine Grenzen ziemlich ausgeschöpft. Zur damaligen Zeit galt man wohl eben nur als anerkannter, seriöser Schriftsteller, wenn man den Sex, den zwar jeder praktiziert hatte, nicht in seinen Büchern eingebaut hat. Man sieht ja, dass es sogar in der heutigen Zeit nicht sehr einfach ist, als Autor ernst genommen zu werden, wenn man erotische Bücher schreibt. Nicht umsonst verwenden diese Autoren grundsätzlich Pseudonyme, um unerkannt zu bleiben. Zumindest empfinde ich das so. Ob's stimmt, sei mal dahingestellt. Aber jetzt weiter zum Thema: Madame Bovary ist ein großartiges Buch und ich denke, es wäre mit der Erotik, hätte sie Flaubert ausgebaut, noch um einiges besser geworden. Was Flaubert aber hervorragend geschafft hat, war seine Leser in den Bann zu ziehen. Das ist das Größte, was ein Autor erreichen kann. Flaubert hat es geschafft und das macht einen guten Roman aus. Nur wenn man mit seinen Figuren mitfühlen kann, ist man mitten im Geschehen. Und das hat er mit seinem Werk auch erreicht. Leider hat die Geschichte kein Happy End, aber ich denke, das liegt nur daran, weil es zur damaligen Zeit ein Skandal gewesen wäre, hätte er Madame Bovary ein "glückliches Leben am Ende mit ihrem Mann und ihren Lovern" leben lassen. Sozusagen war er gezwungen, der "unehrbaren" Frau auch ein schmerzhaftes Ende zu setzen. Ich wäre wirklich neugierig gewesen, wie sich Flauberts Geschichte entwickelt hätte und wie sie geendet hätte, hätte er sie in der heutigen Zeit geschrieben. Wer weiß, vielleicht ja anders. Nichtsdestotrotz, ein großer Klassiker. Flaubert ist in meinen Augen ein großartiger, französischer Schriftsteller und es hat mich begeistert, seine Madame Bovary kennengelernt zu haben, die er aus meiner Sicht leider ein bisschen "an den Zügeln" halten musste. Madame Bovary: ein großartiges Werk.


    Darja Behnsch


    P. S.: :winken: :cheers:

  • Ein sehr schöner Klassiker!


    Aber jetzt weiter zum Thema: Madame Bovary ist ein großartiges Buch und ich denke, es wäre mit der Erotik, hätte sie Flaubert ausgebaut, noch um einiges besser geworden.
    Darja Behnsch


    P. S.: :winken: :cheers:

    Diese Ansicht zu diesem Werk mögen zwar originell sein und in die heutige moderne Zeit passen.
    Wenn man jedoch dieses Buch liest, versetzt sich der Leser sich in ein anderes Jahrhundert und genau diese versteckten Andeutungen räumen der Phantasie den erwünschten Freiraum ein. Öffentlich zur Schau getätigte Sexualität trägt nicht unbedingt zu Qualität eines Buch bei.
    Genau diese gezügelte Darstellung, mit welchem Flaubert die Geschichte der Madame Bovary erzählt, welche eine neue Epoche zur modernen Literatur einläutet, erklärt dieses Werk zu einem Klassiker.


    Wie bekannt ist, wurde Flaubert, dessen Roman zuerst in einzelnen Folgen in der „Revue de Paris“ erschien, angeklagt gegen Verstoss der Moral und Religion. Nur dank einem sehr guten Anwalt wurde er freigesprochen.
    Daraus ersieht man, dass sich Flaubert sehr weit vorgewagt hat.

    Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben, über die Sterne.

    Jean Paul

  • serjena ,
    vielen Dank für deinen Beitrag! Ich habe den Beitrag von BillyWarhol15 letzte Nacht gelesen und mich an einer Antwort versucht - aber mir fielen die passenden Worte einfach nicht ein. Ich habe nichts gegen Erotik, aber ich finde es wohltuend, in unserer Zeit heute, in der Erotik überall ist, nur Andeutungen zu lesen.


    BillyWarhol15 ,
    ich habe Madame Bovary zweimal gelesen - jedesmal mit Begeisterung. Und in einigen Jahren werde ich das Buch wohl zum dritten Mal lesen. Schön, das du das Buch vorgestellt hast! :thumleft:

  • @ Bonprix


    Merci fürs Einfügen. Bin noch neu hier und irgendwie hat das gestern Abend wohl nicht so geklappt. Merci noch mal. Das war sehr nett von dir...


    Wünsche dir einen schönen Tag und ein tolles Wochenende.


    Darja Behnsch


    P. S.: :winken: :cheers: :bounce:

  • Es war schön, eure Meinungen darüber zu lesen. Es freut mich, dass man hier seine Meinung "laut" aussprechen kann, ohne gleich verurteilt zu werden, nur weil man über manche Dinge anders denkt. Ich gehöre übrigens auch zu denjenigen, die den Menschen deren Meinungen lässt. Denn diese sind so unantastbar, wie die Persönlichkeit eines jeden selbst. Schön, dass ihr das auch so seht.


    Ich wünsche euch allen einen schönen Abend und ein schönes Wochenende!


    Darja Behnsch


    P. S.: :winken: :cheers: :bounce:

  • Eine sehr interessante Betrachtungsweise in Bezug auf "Madame Bovary". Flaubert hat für die damalige Zeit schon sehr erotisch geschrieben und außerdem ist auch die bereits Themenwahl schon sehr gewagt. Er schreibt über etwas, von dem man zwar weiß das es das gibt, aber worüber man eben nicht spricht. Insofern ist sein Buch auch ein sehr politisches Buch. Flaubert kritisiert nachhaltig die geltenden gesellschaftlichen Konventionen - und wenn man ehrlich ist, dann hat dieses Buch auch in der heutigen Zeit kaum etwas von seiner Aktualität und von seiner Analyse der Gesellschaft verloren. Denn genaugenommen hat sich seit der damaligen Zeit nicht allzuviel geändert; man schaue nur einmal hinter die Kulissen unserer Kleinstädte.


    Flaubert hätte sicher gern die erotischen Passagen noch direkter beschrieben, allerdings landeten Bücher damals sehr schnell wegen unzüchtigem Inhalts auf dem Index. Der Staat hat schon immer in den Schlafzimmern der Menschen herumgeschnüffelt - heute macht er es auf dem Umweg über den Heimcomputer. :D

  • Dieses Buch stand damals auf der Lektüreliste meiner Studienfreunde, die Romanisten waren. Ich habe mir immer vorgenommen, es zu lesen und jetzt habe ich es endlich getan.
    Es hat sich auf alle Fälle gelohnt.
    An einigen Stellen hätte es etwas gekürzt werden können, aber die Ausdrucksweise von Flaubert (bzw. die des Übersetzers Hans Reisiger) hat mir ausgezeichnet gefallen, so ein sprachliches "Niveau" findet man nicht so oft.
    Inhaltlich fand ich das Buch sehr interessant (gesellschaftliche Verhältnisse und Gebräuche des 19.Jahrhunderts in Frankreich), auch wenn ich mich über die Egozentrik und Dummheit der Titelfigur immer wieder geärgert und über die Naivität des gehörnten Gemahls sehr gewundert habe. Psychologisch fand ich die Charaktere gut ausgearbeitet.
    Dass dieses Buch seinerzeit ziemlich skandalös wirkte, kann ich mir gut vorstellen, da das Thema Ehebruch ohnehin ein Tabu-Thema war und die recht freizügige Darstellung von Emmas Seitensprüngen den konservativeren Lesern sicherlich nicht zusagte.
    Schade, dass ich französische Autoren nicht im Original lesen kann, dafür ist mein Französisch leider zu lückenhaft.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study: 
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Tatsächlich wurde Flaubert damals für Szenen im Buch angeklagt, die in der Zeitschriftenedition gar nicht vorgekommen waren, da der Verleger zu viel Angst hatte. Gerade dieser Skandal um ein Buch, das sich selbst direkt auf einen sehr realen Skandal in der damaligen Presse bezog machte das Buch damals für eine kurze Zeit sehr populär. Erst die Reaktionen seiner schreibenden Zeitgenosse auf seinen Tod machten das Buch dann auch auf Seiten der Kritik interessant. Es wird häufig in einem Atemzug mit "Effi Briest" und "Anna Karenina" erwähnt, die ebenfalls untreue Frauen beinhalten, mit denen es ein böses Ende nimmt, aber niemand treibt es eigentlich so weit wie Flaubert und zeichnet dabei eine so - auch im heutigen Sinne - verdorbene Frauengestalt.


    Ich habe leider nur eine Readers Digest-Ausgabe, deren ISBN auf einen anderen Romane eines anderen Autoren verlinkt, aber diese Ausgabe hat den Vorzug eines gut erläuternden Nachwortes zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte, sowie einigen biographischen Angaben zu Flaubert selbst. Auch ist der Text selbst direkt mit Fußnoten zu zeitgeschichtlichen Zusammenhängen versehen, was das Verständnis vieler Anspielungen stark erleichtert. Auf jeden Fall ein interessantes Buch, dass in die aufkommende realistische Schreibung der damaligen französischen Literatur wieder ein wenig mehr Emotion bringt - was bei anderen Büchern Flauberts eher nicht der Fall gewesen sein soll, die den Leserinnen und Lesern zu sachlich erschienen. Hier kommt auch einiges an Humor und Ironie zum Tragen, was den Roman in meinen Augen angenehmer zu lesen macht als "Effi Briest".

  • Mich hat der Roman sofort in seinen Bann gezogen, und das nicht nur inhaltlich, sondern auch stilistisch. Dass der Autor wegen seines Werkes sogar vor Gericht musste, war - vor dem Hintergrund der Zeit betrachtet - zwar nicht weiter verwunderlich, gewundert hat mich nur, dass man ihm "die Verherrlichung des Ehebruchs" vorwarf.

    Meiner Meinung nach hat er durch das Schicksal der Emma Bovary ja eher mit erhobenem Finger darauf hingewiesen, wie schlecht es einer "unehrenhaften" Frau letzten Endes ergeht.

    Und an die andere große Ehebrecherin der Weltliteratur hat mich dieser Roman auch wieder erinnert ...

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