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William Faulkner - Der Strom / Old Man

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Der Strom

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Verlag: Fischer

Bindung: Gebundene Ausgabe

ASIN: B0038YCY8G

Termin: 1957

  • Die Flucht eines Mannes vor der Liebe ist das eigenwillige Thema dieses Buches. Ein Zuchthausgefangener wird bei einer Überschwemmung des Mississippi für Bergungsarbeiten eingesetzt; er rettet eine Frau aus den Ästen eines Baumes, wird aber mit ihr zusammen in einem kleinen Rettungsboot von der riesigen Flutwelle stromabwärts geschwemmt. Ein Schiff verweigert seine Aufnahme, da er Sträflingskleidung trägt; doch die Frau ist hochschwanger: er muß nicht nur sie retten, er muß auch einen sicheren Ort für die Geburt des Kindes finden. Die gemeinsame Gefahr und der Gedanke an das Kind schaffen allmählich eine Bindung, der sich der Mann entschlossen entzieht: als er beide in Sicherheit gebracht hat, kehrt er in das Zuchthaus zurück, weil ihm in der neugewonnenen äußeren Freiheit nur die Gefahr innerer Unfreiheit droht. Mit diesem kühnen Roman gelang William Faulkner der endgültige Durchbruch zum literarischen Weltruhm.
    (beziehe mich übrigens auf die Fischer-Taschenbuch Ausgabe von 1961, da gabs ja noch keine ISBN Nummern)


    Der "große Sträfling" (anders wird er im Roman nie genannt) wirkt richtig klein im Vergleich zu den endlosen Weiten an Wasser, des über die Ufer getretenen Mississippi. Aber klein neben ihm, sind noch all die anderen Personen, die allenfalls schemenhaft auftreten oder - so wie die Frau die er rettet - nur ihn begleitende Schatten. Aber für mehr ist auch nicht Platz in den strömenden Fluten, in der fortlaufenden Finsternis des Hochwassers. Nicht nur die Bilder werden erdrückt - abgesehen von dem allerzeit präsenten und alles verschlingenden Wasser - oder zumindest gedämpft, auch die Sprache und Stimme ist so. Nur rückblickend, seinen Kameraden im Gefängnis von seiner Reise erzählend, findet sich die Stimme. Aber so wie seine Reise beginnt (eigentlich mit seiner Inhaftierung: Er hat in seinem Quijotismus nen Zug überfallen wollen, die Romanhefte sagten ihm wie) - mit ihm entrückt der Welt - so endet sie auch, mit ihm, wie er in blinder Gläubigkeit an das Recht zurückkehrt zu seinem Zuchthaus und in seine um 10 Jahre erhöhte Haftstrafe - wegen Fluchtversuchs.


    Ein schwermütiger Roman; ich habe irgendwie fortlaufend darauf gewartet, dass die Lethargie reisst und dass der Sträfling ausbricht aus seiner, auch in Freiheit, unwirklich scheinenden Haft und aus seiner immer präsenten Pflicht. Aber dieser Riss in der Geschichte kommt nicht, es kommt auch keine Annäherung an die Frau, kein Aufleben menschlicher Kontakte (erst zum Ende, als er wieder in Haft ist) - es ist so, wie er dachte (oder auch nicht): "Die Weite des Wassers, der Wüste und Einsamkeit ist größer, als ich sie je erlebt habe;" aber genau das gefällt mir.

    Warum ich Welt und Menschheit nicht verfluche?
    - Weil ich den Menschen spüre, den ich suche.

    - Erich Mühsam

  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „William Faulkner - Der Strom“ zu „William Faulkner - Der Strom / Old Man“ geändert.

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