Bernt Engelmann - Grosses Bundesverdienstkreuz

Affiliate-Link

Grosses Bundesverdienstkreuz

4.5|2)

Verlag: Steidl

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 224

ISBN: 9783882433142

Termin: April 2003

  • Inhaltsbeschreibung (bei Amazon kopiert):


    Auf der Suche nach einem von den Nazis gestohlenen Bild, stößt der
    amerikanische Anwalt Donald Hartnell auf die Machenschaften deutscher
    Spitzenunternehmen während der NS-Zeit: Judenverfolgung und Massenmord
    brachten einigen skrupellosen Geschäftemachern Millionenprofite, Gelder
    die für nicht wenige Unternehmer in den fünfziger Jahren das Fundament
    ihres wirtschaftlichen Aufstiegs bildeten. An dieses heikle Kapitel
    deutscher - und in den Jahrzehnten nach dem Krieg: bundesdeutscher -
    Geschichte rührt Bernt Engelmanns Polit-Thriller Großes
    Bundesverdienstkreuz. Engelmann folgt einer Spur, die von Auschwitz
    über Rheinland-Pfalz direkt in die Machtzentralen der Bundesrepublik
    führt. Ein Sklaventreiber von einst, Konsul Dr. Fritz Ries, war der
    politische Ziehvater von Helmut Kohl - der den "Arisierungskönig" mit
    dem Großen Bundesverdienstkreuz auszeichnete. Doch Kohl ist nicht der
    einzige Spitzenpolitker aus dem Umfeld des großen Beutemachers von
    einst...


    Meine Meinung:


    Nach der Lektüre dieses Buches fragt man sich zwangsweise: "Wer in den ersten zehn, zwanzig Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, der als Mitglied der CDU im Bundestag gesessen hat bzw. von der CDU gefördert wurde war eigentlich nicht bei der Waffen-SS, dem NSKK, NSDStB oder der NSDAP ?"
    Namen, die wir alle schon einmal gehört haben wie z.B. Friedrich Flick, Hanns Martin Schleyer, Kurt Georg Kiesinger, Franz Josef Strauss & Gerhard Todenhöfer u.v.a. mehr.
    Ich war ehrlich geschockt als ich las wie problemlos sich diese Herrschaften von strammen Nazis zu "anständigen" Christdemokraten gewendet hatten, im Falle von Kurt Georg Kiesinger es ja sogar zum Deutschen Bundeskanzler gebracht hatten.
    Engelmann beschreibt in seinem Krimi wunderbar die ganzen Zusammenhänge in diesem traurigen Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte.
    Wer mit wem ?, wer machte was etc.
    Die alten Seilschaften funktionierten nach dem Zusammenbruch des Nazi-Reiches alle noch wunderbar, ganze Industriekomplexe wurden in den letzten Kriegswochen in den Westen geschafft, nicht zu vergessen natürlich die vielen Wertgegenstände von ermordeten Juden.
    Nach dem Krieg, als der Kalte Krieg begann waren es nicht zuletzt die Amerikaner die großzügig über die Vergangenheit vieler Nazis hinwegschauten, waren dies doch auf jeden Fall einhundertprozentige Antikommunisten, das reichte in den meisten Fällen dann schon aus.
    Für alle die sich für diese Thematik interessieren ist dieses Buch eine wahre Fundgrube.
    Negativ bemerken möchte ich, das sich dieses Buch von Bernt Engelmann eher wie ein Sachbuch anstatt wie ein Roman liest.
    Die Handlung dieses "Romanes" ist eher dürftig, ein Bild wird in einer Erbschaftsangelegenheit gesucht, ein junger amerikanischer Anwalt kommt nach München und wird bei seinen Ermittlungen behindert, eine junge deutsche Dolmetscherin und ein ausgemusterter Kriminalbeamter stehen als einzige dem amerikanischen Anwalt zur Seite, das war schon fast alles an Story, der Rest ist eine Aneinanderreihung von historischen Fakten mit Stand von 1971.
    Von mir bekommt dieses Buch 4 von 5 Sterne.


  • Negativ bemerken möchte ich, das sich dieses Buch von Bernt Engelmann eher wie ein Sachbuch anstatt wie ein Roman liest.


    Ich hatte mich schon gewundert, ein Buch von Bernt Engelmann bei den Krimis zu finden. Ich kenne ihn nur als Autor von Sachbüchern zur Zeitgeschichte.


    Marie


    EDIT:
    Ich habe den Thread in den Sach-und Fachbuch-Bereich verschoben... :idea:


    Gruss Bonprix :wink:

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)

  • Erst einmal vielen Dank Leserausch, ohne Deine Rezension wäre ich wahrscheinlich nicht auf dieses Buch aufmerksam geworden.
    Allerdings verstehe ich deine Kritik an der Rahmenhandlung nicht ganz, da Engelmann diese ja im zweiten Teil des Buches erklärt hat. Als ich dieses Buch jetzt las bekam ich wirklich das Gefühl, dass es eben nicht nur die bekannten "Einzelfälle" waren, die mir schon vorher bekannt waren. Ausserdem muss ich sagen durch die Rahmenhandlung und deren Reihenfolge ist es mir sicher leichter gefallen die Fakten zu verarbeiten, als wären sie mir in Form einer Dokumentation dargelegt worden.
    Fast noch interessanter fand ich eigentlich den zweiten Teil des Buches. Ich kann mir genau vorstellen, wie der Autor enttäuscht war kaum Gegenwind zu verspüren und Angst das all seine Fakten unter dem "Wohlstandsmüll" begraben werden. Er hatte es ja eigentlich darauf angelegt vielen Leuten auf die Füsse zu treten und Reaktionen, am besten in Form von Klagen zu erzeugen. Dies ist ihm aber leider nur einmal mit dem Stuttgarter Prozess medienwirksam gelungen.
    Fassungslos hat mich dann eigentlich nur noch der Werdegang des Dr. Ries nach dem Kriege gemacht. Der "Arisierungskönig" erhält alle möglichen Entschädigungen als Vertriebener. Das setzte für meine Begriffe der Sache die Krone auf.
    Von mir gibt es 5 Sterne für dieses Buch.

  • Zwei Bemerkungen zu diesem Buch von Engelmann:


    1. War Engelmann nicht auch IM der Stasi oder irre ich mich da jetzt? Dieses würde viele Dinge in diesem Buch relativieren. Engelmann war wohl nicht der große Saubermann als der er sich immer selbst zelebriert hat.


    2. Die Partei, die nach dem Kriege in erster Linie als "Sammelbecken" alter Nazis fungierte, war nicht in erster Linie die CDU sondern die FDP.

  • 1. War Engelmann nicht auch IM der Stasi oder irre ich mich da jetzt? Dieses würde viele Dinge in diesem Buch relativieren. Engelmann war wohl nicht der große Saubermann als der er sich immer selbst zelebriert hat.

    Naja, nur weil die Stasi einen als IM führt, heißt das ja noch lange nicht, dass man auch Mitarbeiter war. Prinzipiell hat die Stasi wohl jeden als IM geführt, dessen Informationen (auch wenn sie öffentlich zugänglich waren) in irgendeiner Weise verwertbar waren.
    Engelmann hat aber tatsächlich auch Quellen verwendet, die ihm aus DDR-Archiven zur Verfügung gestellt wurden; was ja aber nichts an der Richtigkeit änderte - in nem Prozess den Ries gegen ihn führte wurde das u.a. auch nachgewiesen. In meiner Ausgabe war das auch im Anhang des Buches - ist das in dieser neuesten Ausgabe nicht mehr erwähnt?

    Warum ich Welt und Menschheit nicht verfluche?
    - Weil ich den Menschen spüre, den ich suche.

    - Erich Mühsam

  • Ich denke auch, dass es zumindestens für dieses Buch keine Auswirkungen hat ob oder ob nicht "IM". Laut Wikipedia wurde er 1982 als IM aufgenommen, schrieb dieses Buch ja aber schon 1974. Ausserdem glaube ich, dass ihn jeder der im Buch Erwähnten wohl gern in die Steinzeit geklagt hätte, wenn die Möglichkeit bestanden hätte. Also kann man da auch nichts relativieren.

Anzeige