Siegfried Lenz – Brot und Spiele

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  • Ein Journalist kommentiert wunderbar präzise den 10.000 Meter Lauf des großen Bert Buchners bei den Europameisterschaften und erinnert sich an den Werdegang des Läufers, vom ersten „Weglaufen“ und Türmen aus einem Lager in der unmittelbaren Nachkriegszeit, über die überraschenden ersten Ergebnisse bei spontanen Laufereignissen bis hin zu den große Erfolgen. Doch begleitet wird der äußere Aufstieg seines Freundes von einer immer größeren Distanz zu den einfachen Anfängen und ursprünglichen Motivationen. In gewissem Sinne bleibt Berts Laufen das verbissene Laufen des Flüchtenden, des Gehetzten, immer mehr von seinen Ambitionen, in denen er fast über Leichen zu gehen bereit ist.
    Der Text ist durchgehend, ohne Absatz, trotz einiger Dialoge. Es entspricht der Erzählperspektive des Erinnerns dieses Sportreporters, der Bert seit jeher gekannt hat. Ab uns zu findet man Ausrufe wie ein „Ah“ der Nostalgie.
    Von Anfang an steht diese Erzählung unter einem dunklen Stern: steht Buchner bei jenem letzten großen Lauf auch an der Spitze, so steht für seinen (ehemaligen) Freund schon fest, wo der Verlierer steht. Doch warum? Während die Geschichte eine äußere Erfolgsstory erzählt geht es parallel dazu den Berg hinab: alte Loyalitäten werden vergessen, der Erfolg blendet und Buchner schiebt sein eigentlich so sicher angestrebtes Studium immer weiter hinaus. Wie der hier öfters als Metapher zitierte historische Marathonläufer läuft Bert unweigerlich vom Tode weg und doch seiner Niederlage entgegen.
    Sicherlich kann man das Buch als Kommentar zur Professionalisierung des Sports sehen (allerdings Anfang der 60IGER geschrieben, beachtlich), doch es scheint mir noch universaler zu sein: Wie man das Wesentliche vergisst. Dieses taucht hier z.B. in der versteckten Liebeserklärung an die heimelige Atmosphäre des Hamburger Hafenviertels auf oder auch Momente des gemeinsamen Fischens, die stets die Momente der Wahrheit sind.
    Eine wunderbar erzählte Geschichte, die man nicht vergessen will. Toll!


    ZUM AUTOR: Siegfried Lenz wurde 1926 in Lyck/Ostpreußen geboren. Nach Kriegsdienst, Desertion und Kriegsgefangenschaft studierte er nach seiner Entlassung Philosophie, Anglistik und Literaturgeschichte an der Uni Hamburg. Nach Abbruch des Studiums arbeitete er zeitweise als Journalist und dann ab 1951 als freier Schriftsteller. Er gehörte zur „Gruppe 47“.
    Taschenbuch: 236 Seiten
    Verlag: Dtv; Auflage: N.-A. (Juli 2005)
    Sprache: Deutsch
    ISBN-10: 3423133295
    ISBN-13: 978-3423133296

  • Der durchgehende Text, ohne Absätze bereitete mir zunächst schon Schwierigkeiten, auch die Zeitebenen wechseln immer wieder zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Man braucht einige Konzentration, aber nachdem ich mich in den Text eingelesen hatte, wurde es besser.


    Das Buch wird aus der Sicht seines ehemaligen Freundes erzählt, der Reporter ist. Er hat Bert Buchner entdeckt, ihn in seinen Artikeln hochgelobt, bis auch andere Medien ihn wahrnahmen. Je erfolgreicher Bert wird, um so mehr lässt er sich blenden, vergisst frühere Freunde, fühlt sich als etwas besseres.


    Ein wirklich schöner Roman - wie auch andere von Lenz.

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