Agnès Desarthe - Fünf Bilder meiner Frau

Anzeige

  • Originaltitel: Cinq photos de ma femme


    Rückentext (von Amazon kopiert):
    Ein alter Mann beschließt am ersten Todestag seiner Frau, ein Porträt von ihr malen zu lassen. Doch welchem Künstler soll er den Auftrag erteilen? Unentschieden vergibt er den Auftrag gleich mehrmals. Die Begegnungen konfrontieren ihn mit sich selbst und seinem Leben. Hat er seine Frau überhaupt gekannt?
    Ein hinreißender Liebesroman, voller Wärme und Poesie.


    Max, der eigentlich Methusalem heißt, kommt 1933 aus Russland nach Frankreich. Sechzig Jahre später, er ist inzwischen 84, lebt er seit dem Tod seiner Frau Telma allein; seine Tochter wohnt in Japan, sein Sohn in Bolivien. Sein Leben ist nicht so verlaufen, wie er es sich gewünscht hatte. Er arbeitete als Schneider, obwohl er sich zu etwas Anspruchsvollerem berufen sah. Er vermisst seine Frau zwar, aber er stellt fest, dass sie trotz 40 Ehejahren eine Fremde geblieben ist, und er betrauert weniger ihren Tod als seine Unfähigkeit, sie wirklich geliebt zu haben. Um sie für sich selbst greifbarer zu machen, gibt er bei verschiedenen Künstlern ihr Porträt in Auftrag. Die Fotos, die er als Vorlage aussucht, zeigen Telma immer am Rande, in einer Gruppe oder im Schatten, was bezeichnend für das Bild ist, das Max sich selbst von ihr gemacht hat. Immerhin führt die Suche nach der Vergangenheit dazu, dass sich Max eine ganz neue Zukunft offenbart.


    Agnès Desarthe war 33 Jahre alt, als sie diesen Roman schrieb. Es hat mich neugierig gemacht, ob eine junge Frau es schafft, aus Sicht eines alten Mannes einen Roman zu schreiben, dessen Thema Altwerden und Abschied ist. So ganz hat das nicht funktioniert. Mitunter scheint es, als hätte die Autorin vergessen, dass sie eigentlich einen alten Mann erzählen lässt. Zwischen Jung-geblieben und Alt-sein tun sich Brüche auf, die die Figur des Max schwammig und nicht richtig fassbar erscheinen lassen. Darunter leidet natürlich das gesamte Buch, obwohl es als Geschichte eines Lebens und einer Zweierbeziehung überzeugen könnte. Schade um die gute Idee und den interessanten Stoff.


    Damit ich richtig verstanden werde: Das Buch ist gut, es hat mir Spaß gemacht, es zu lesen, und ich kann es jemanden, der an solchen Themen interessiert ist, empfehlen, aber bei der Person des Max hatte ich das Gefühl, als sei sie nicht greifbar und rutsche mir durch die Hände.


    Marie

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



Anzeige