Gilbert Adair - Mord auf ffolkes Manor / The Act of Roger Murgatroyd

Cover zum Buch Mord auf ffolkes Manor

Titel: Mord auf ffolkes Manor

, (Übersetzer)

4,2 von 5 Sternen bei 14 Bewertungen

83,6% Zufriedenheit

Band 1 der

Verlag: Heyne

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 296

ISBN: 9783453432864

Termin: Januar 2008

Aktion

  • Inhalt:
    Man nehme... ein eingeschneites Landhaus zu Weihnachten 1935, Dartmoor. Diverse Gäste, z.B. eine Krimischriftstellerin (Evadne Mount), eine alternde Schauspielerdiva (Cora Rutherford), den Vikar des Orts + Frau, einen verliebten jungen Mann, den Dorfarzt nebst Gattin. Die Familie des Hausherrn (Colonel ffolkes + Frau + Tochter). Einen pensionierten Inspektor (Trubshawe + Hund). Hauspersonal (z.B. Butler, Hausmädchen und Co.). Natürlich einen Mord (Raymond Gentry, Klatschreporter, tot, in einem natürlich von innen verschlossenen Raum gefunden). Mordmotive für jedermann (angefangen bei Eifersucht sowie diverse "dunkle Geheimnisse" in der Vergangenheit jedes Einzelnen).

    Beschreibung von Amazon:
    Colonel Roger ffolkes (ja -- kleingeschrieben und mit ff am Anfang) und seine Weihnachtsgäste werden zu früher Morgenstunde von einem Schuss und einem Schrei auf den Plan gerufen. Der Colonel und Donald Duckworth, der Freund seiner Tochter Selina, eilen hinauf zur Dachkammer, aus der das Getöse zu vernehmen war. Sie finden die Tür verschlossen, Blut sickert durch den Türspalt. Nachdem sie mit vereinten Kräften die Tür aufgebrochen haben, finden sie ffolks ungeliebten Gast Raymond Gentry erschossen auf dem Boden vor. Eine Tatwaffe ist nicht auffindbar, das Zimmer leer. Wie kann der Mörder das Zimmer verlassen haben? Unglücklicherweise hat ein Schneesturm die Gesellschaft von der Außenwelt abgeschlossen, unglücklicherweise verfügt jeder der Anwesenden über ein Motiv, Gentry zu ermorden und unglücklicherweise ergibt die Befragung aller durch den pensionierten Scotland-Yard-Inspektor Trubshawe, dass Gastgeber und Gäste Dreck am Stecken haben, wovon der Ermordete nur zu gute Kenntnis hatte. Trubshawe ermittelt mit enervierender Langsamkeit, erhält jedoch Unterstützung durch die erfolgreiche Krimiautorin Evadne Mount, die sich unter den Gästen befindet. Gemeinsam rücken sie dem schier unlösbaren Problem auf den Pelz.

    Fazit:
    Die Elemente des Krimis werden bei vielen Erinnerungen an Agatha Christie und andere "klassische Krimiautoren" wachrufen - und das ist von Adair durchaus so beabsichtigt. "Mord auf ffolkes Manor" ist eine Homage an Agatha Christie und ihre Krimis (im Original springt einem das gleich beim Titel ins Auge: "The Act of Roger Murgatroyd" ist ein Wortspiel mit Agatha Christies Titel "The Murder of Roger Ackroyd", eine Spielerei, die Adair auch für seinen zweiten Krimi benutzt hat). "Mord auf ffolkes Manor" ist natürlich auch eine Krimiparodie, aber ohne sich dabei über das Original aus dem goldenen Zeitalter lustig zu machen (etwas, was ihm nach eigener Aussage mehr als fern liegt). "Mord auf ffolkes Manor" ist voll Wortwitz, im englischen Original wohl noch mehr als in der Übersetzung. Ich habe mich herrlich damit amüsiert, habe der Auflösung entgegengefiebert, egal wie unwahrscheinlich sie auch sein mochte - ich habe es genoßen, die zahlreichen kleinen Anspielungen zu entdecken (John Dickson Carr, Dashiell Hammett...), die Adair in seine Handlung hineingepackt hat. Aber ich fand es auch interessant, die negativen Seiten dieses Zeitalters vorgelegt zu bekommen, das Klassendenken, gesellschaftliche und sozialpolitische Vorurteile wie latenter Rassismus und Antisemitismus... Gilbert Adairs Krimis sind alles andere als banaler Abklatsch der beliebten Whodunnits und haben mir wundervolle Nachmittage beschert. Wer dieses Genre mag, sollte vielleicht mal hineinschnuppern.

    Nachsatz zum Autor:
    Ich hatte das Vergnügen, Adair bei zwei Lesungen kennenlernen zu können - er ist ein sehr sympathischer Mann (und irgendwie... knuffig), und auch wenn momentan nur seine beiden ersten Krimis auf deutsch lieferbar sind, insgesamt ein sehr interessanter Autor (z.B. "Blindband", demnächst als Neuauflage).

    In allem habe ich Ruhe gesucht und sie nirgends gefunden außer in einer Ecke mit einem Buch.
    - Umberto Eco

  • Klasse, der richtige Krimi für mich! Danke, Thari!

    Gruß mofre

    :study: Thomas Mann - Der Zauberberg

    :study: Michael Maar - Geister und Kunst: Neues aus dem Zauberberg

    :study: Christine Wunnicke - Die Dame mit der bemalten Hand See CT

    :montag:Nele Neuhaus - Die Lebenden und die Toten

    :musik:Jussi Adler-Olsen - Selfies

  • Ich habe heute abend mit dem Buch begonnen, und die ersten drei Kapitel gefallen mir wirklich gut. Man merkt deutlich die Parodie, aber auf eine sehr liebevolle Art. Da ich keine so grosser Krimileser bin wie manch anderer hier, entgehen mir hier vermutlich eine Menge Anspielungen, aber trotzdem macht mir das Buch Spaß. :lol:

  • Mittlerweile habe ich das Buch beendet. Es war einfach zu unterhaltsam!
    Stellenweise sehr skurill, v.a. die Stelle, an der man erfährt, wie der Mord in dem verschlossenen Zimmer durchgeführt wurde. Trubshawe hat wirklich äußerst langsam ermittelt...und die Art der Befragung fanf ich ebenfalls sehr ungewöhnlich.
    Wie Thari schon geschrieben hatte, wurden auch negativen Aspekte der damaligen Zeit aufgezeigt - dem kann ich nur zustimmen!
    Wie ich bei Amazon festgestellt habe, gibt es noch einen zweiten Fall.

  • iDanke für die Rezi!
    Ich bin etwas neidig, das Thari den Autor persönlich erlebt hat.
    Das Buch will noch lesen. Ich habe jetzt den 2. Fall gelesen Ein stivoller Mord in Elstree, den ich sehr toll fand. Ich mag allerdings einfach Agatha Christie. Ich fand das Buch gut und kein billiger Abklatsch, ich dachte ach wie schön mal wieder so einen richtigen Klassiker zu lesen.
    Auch im 2. Buch wird auf die Verhältnisse in der Nachkriegszeit (Hunger, Elend, Bettler, Strassenbacden aufmerksam gemacht). Das 2. Buch spielt 10 Jahre später und der Grund, das ich jetzt keine Rezi schreibe, weil ich a) eben eine geschrieben habe für ein anderes Buch, aber keine Ahnung, ob ich das richtig gemacht habe und b) treibt mich mein PC so langsam, aber sicherin den wahnsinn. Das Schlüsselwort ist langsam!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Von daher sei mein Kommentar hier genug.

    Zu empfehlen 2. Fall von Evadene Mount Ein stivollver Mord in Elstree -Bei den Ermittlungen dominant ist definitiv Frau Mount. Erinnerung an Miss Marple werden wach und an Mister Stringer ah schön *seufz*


    :flower: "Wenn Du einen Umweg gehst, findet Dein Leben trotzdem statt. Keine Zeit ist verloren!" Frank Schätzing `Der Schwarm´

  • Ein Mord hinter verschlossenen Türen, eine überschaubare Anzahl Verdächtiger auf einem abgelegenen Landgut im England der 1930er Jahre, ein pensionierter Scotland-Yard-Inspektor, sowie eine Krimiautorin übernehmen die Ermittlungen - ein klassischer Krimi zum Miträtseln, sozusagen.

    Trubshawe ermittelt mit enervierender Langsamkeit, erhält jedoch Unterstützung durch die erfolgreiche Krimiautorin Evadne Mount, die sich unter den Gästen befindet.

    Allzu langsam kamen mir seine Befragungen gar nicht vor; es dauert leider einige Zeit, bis alle Anwesenden ihre Geschichte / Verbindung zum Mordopfer erzählt haben. Da ist dann schon mal die Hälfte des Buches abgedeckt...das hat tatsächlich seine Längen, aber da kann ja der Inspektor nichts für :wink: Mich hat vielmehr die Schriftstellerin genervt mit ihren Referenzen auf ihre Romane, den ständigen Frotzeleien zu berufsmässigen Ermittlern, und im Allgemeinen hatten mich so einige Passagen im Buch irritiert, die das Klassendenken und latenten Rassismus durchscheinen liessen.
    Fazit: man hat nichts verpasst, wenn man den Roman nicht liest. Es ist unterhaltsam für Krimifans, und ich nehme mal an, mir sind so einige "witzige" Anspielungen auf Krimiklassiker (Agatha Christie, Gilbert Chesterton und John Dickson Carr) entgangen - meine "Agatha-Christie-Zeit" liegt nun schon über zwanzig Jahre zurück. Enttäuscht bin ich aber auch nicht, es ist ein durchschnittlicher Roman mit leichten Längen, und den ich wohl in einem halben Jahr wieder vergessen habe.

    (im Original springt einem das gleich beim Titel ins Auge: "The Act of Roger Murgatroyd" ist ein Wortspiel mit Agatha Christies Titel "The Murder of Roger Ackroyd",

    Und hier der Link dazu:

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