Inhalt:
Man nehme... ein eingeschneites Landhaus zu Weihnachten 1935, Dartmoor. Diverse Gäste, z.B. eine Krimischriftstellerin (Evadne Mount), eine alternde Schauspielerdiva (Cora Rutherford), den Vikar des Orts + Frau, einen verliebten jungen Mann, den Dorfarzt nebst Gattin. Die Familie des Hausherrn (Colonel ffolkes + Frau + Tochter). Einen pensionierten Inspektor (Trubshawe + Hund). Hauspersonal (z.B. Butler, Hausmädchen und Co.). Natürlich einen Mord (Raymond Gentry, Klatschreporter, tot, in einem natürlich von innen verschlossenen Raum gefunden). Mordmotive für jedermann (angefangen bei Eifersucht sowie diverse "dunkle Geheimnisse" in der Vergangenheit jedes Einzelnen).
Beschreibung von Amazon:
Colonel Roger ffolkes (ja -- kleingeschrieben und mit ff am Anfang) und seine Weihnachtsgäste werden zu früher Morgenstunde von einem Schuss und einem Schrei auf den Plan gerufen. Der Colonel und Donald Duckworth, der Freund seiner Tochter Selina, eilen hinauf zur Dachkammer, aus der das Getöse zu vernehmen war. Sie finden die Tür verschlossen, Blut sickert durch den Türspalt. Nachdem sie mit vereinten Kräften die Tür aufgebrochen haben, finden sie ffolks ungeliebten Gast Raymond Gentry erschossen auf dem Boden vor. Eine Tatwaffe ist nicht auffindbar, das Zimmer leer. Wie kann der Mörder das Zimmer verlassen haben? Unglücklicherweise hat ein Schneesturm die Gesellschaft von der Außenwelt abgeschlossen, unglücklicherweise verfügt jeder der Anwesenden über ein Motiv, Gentry zu ermorden und unglücklicherweise ergibt die Befragung aller durch den pensionierten Scotland-Yard-Inspektor Trubshawe, dass Gastgeber und Gäste Dreck am Stecken haben, wovon der Ermordete nur zu gute Kenntnis hatte. Trubshawe ermittelt mit enervierender Langsamkeit, erhält jedoch Unterstützung durch die erfolgreiche Krimiautorin Evadne Mount, die sich unter den Gästen befindet. Gemeinsam rücken sie dem schier unlösbaren Problem auf den Pelz.
Fazit:
Die Elemente des Krimis werden bei vielen Erinnerungen an Agatha Christie und andere "klassische Krimiautoren" wachrufen - und das ist von Adair durchaus so beabsichtigt. "Mord auf ffolkes Manor" ist eine Homage an Agatha Christie und ihre Krimis (im Original springt einem das gleich beim Titel ins Auge: "The Act of Roger Murgatroyd" ist ein Wortspiel mit Agatha Christies Titel "The Murder of Roger Ackroyd", eine Spielerei, die Adair auch für seinen zweiten Krimi benutzt hat). "Mord auf ffolkes Manor" ist natürlich auch eine Krimiparodie, aber ohne sich dabei über das Original aus dem goldenen Zeitalter lustig zu machen (etwas, was ihm nach eigener Aussage mehr als fern liegt). "Mord auf ffolkes Manor" ist voll Wortwitz, im englischen Original wohl noch mehr als in der Übersetzung. Ich habe mich herrlich damit amüsiert, habe der Auflösung entgegengefiebert, egal wie unwahrscheinlich sie auch sein mochte - ich habe es genoßen, die zahlreichen kleinen Anspielungen zu entdecken (John Dickson Carr, Dashiell Hammett...), die Adair in seine Handlung hineingepackt hat. Aber ich fand es auch interessant, die negativen Seiten dieses Zeitalters vorgelegt zu bekommen, das Klassendenken, gesellschaftliche und sozialpolitische Vorurteile wie latenter Rassismus und Antisemitismus... Gilbert Adairs Krimis sind alles andere als banaler Abklatsch der beliebten Whodunnits und haben mir wundervolle Nachmittage beschert. Wer dieses Genre mag, sollte vielleicht mal hineinschnuppern.
Nachsatz zum Autor:
Ich hatte das Vergnügen, Adair bei zwei Lesungen kennenlernen zu können - er ist ein sehr sympathischer Mann (und irgendwie... knuffig), und auch wenn momentan nur seine beiden ersten Krimis auf deutsch lieferbar sind, insgesamt ein sehr interessanter Autor (z.B. "Blindband", demnächst als Neuauflage).





