Rita Mae Brown - Venusneid

  • Kurzbeschreibung bei http://www.amazon.de
    Frazier Armstrong, 35 Jahre alt und ziemlich attraktiv, ist außerordentlich erfolgreich: Sie führt eine international angesehene Galerie in Charlottesville, Virginia. Und dann plötzlich die Hiobsbotschaft; die Ärzte diagnostizieren Lungenkrebs im letzten Stadium. Doch Frazier trägt ihr Schicksal erstaunlich gelassen und beginnt, Abschiedsbriefe zu schreiben, in denen sie ihrer Familie und engen Freunden endlich mal das sagt, was sie immer verschwiegen hat, manch unangenehme Wahrheit und nicht zuletzt auch, dass sie homosexuell ist. Pech für sie, dass die ärztliche Diagnose nicht stimmt... Ein neuer spritziger Roman von Rita Mae Brown


    Frazier beginnt all ihre Briefe mit dem Satz „Wenn Du dies liest, bin ich höchstwahrscheinlich schon tot.“ Und in dieser Annahme nimmt sie sich wahrlich kein Blatt vor den Mund. Sie schreibt ihrer Mutter brutal ehrlich, was sie von ihr hält, genauso wie ihrem Bruder, ihrem vermeintlich besten Freund, ihrer Partnerin und ein paar weiteren wichtigen Personen in ihrem Leben.


    Einerseits ist es ein lustiges Buch mit einigen klugen Ansätzen darüber, was wirklich wichtig ist im Leben. Andererseits enthält es schon ziemlich viel an Pseudoweisheiten, die mich bei anderen Büchern schon gestört haben (beispielsweise „Veronika beschließt zu sterben“).


    Dass ihre Homosexualität in ihrer kleinen Heimatstadt ein so großes Tabu- und Problemthema ist, und das in den 1990er-Jahren, hat mich schon etwas verwundert. Andererseits spielt die Geschichte natürlich in Amerika…


    Einen Teil hätte sich Frau Brown meiner Meinung nach unbedingt ersparen können. Nämlich die Geschichte mit den Göttern und Göttinnen der griechischen Mythologie. Das ist derart an den Haaren herbeigezogen und ich habe das Gefühl, sie wollte die Geschichte damit nur strecken.


    Trotzdem alles in allem ein unterhaltsames, spritziges Büchlein, das man gut und gerne mal zwischendurch lesen kann – aber nicht unbedingt gelesen haben muss…


    Meine Bewertung: ***/*

  • Danke, Susannah für deine Rezension.
    Ich habe das Buch vor fünf Jahren gelesen, eine andere Ausgabe.
    Die Idee von Frazier fand ich gar nicht mal schlecht: nach dem sie erfährt, dass sie sterben muss - beschließt sie einen reinen Tisch zu machen.
    In ihren Abschiedsbriefen geht sie nicht besonders zimperlich vor und nimmt kein Blatt vor den Mund.
    Ob das so eine gute Idee war? :roll:
    Das Buch ist unterhaltsam, jedoch kein muss. :D

    1. (Ø)

      Verlag: Rowohlt rororo, 1998,


    2020: Bücher: 101/Seiten: 45 483
    2019: Bücher: 164/Seiten: 66 856
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    "Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz"

    Dalai Lama

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    Lese gerade:

    Pala, Ivo - Schwarzer Horizont

    Keun, Irmgard - Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften

  • Ich kann mich Susannah nur voll und ganz anschließen. Das Buch beginnt mit einer wirklich komischen, interessanten Idee (habt ihr auch darüber nachgedacht, an wen ihr was schreiben würdet?). Auch die ganzen Verwicklungen danach sind recht gut gemacht. Aber total unnötig war der Teil mit den Göttern und Göttinnen. Nicht nur, daß es mir persönlich schon etwas zu sexuell wurde, auch hab ich überhaupt keinen Sinn darin gefunden, als das eingebaut wurde.


    Es spricht aber doch für das Buch, daß ich mich noch halbwegs gut daran erinnern kann, obwohl es sicher 5 Jahre oder mehr her ist, das ich es gelesen habe.

    Die Ehe ist wie eine belagerte Burg:
    Die, die draußen sind wollen hinein. Und die, die drinnen sind wollen hinaus.
    (unbekannt)

  • Klar, frl_smilla, ich hab im Geiste auch ein paar Briefe zu formulieren begonnen. Glücklicherweise müßte ich niemanden einen derart bösen Brief schreiben, wie Frazier ihrer Mutter!! :wink: Andererseits glaube ich auch so zu wissen, wer meine Freund/innen sind.


    Was ich übrigens ein bisschen oberflächlich fand, war die Tatsache, dass alle Charaktere sehr extrem gezeichnet sind. Fraziers Mitarbeiterin total nett, klug, sympathisch. Ihre Schwägerin dagegen dumm, eingebildet, engstirnig. Irgendwie gibt´s nichts dazwischen.