Robert Merle - Die geschützten Männer / Les Hommes protégés

Die geschützten Männer

4.6 von 5 Sternen bei 7 Bewertungen

Verlag: Aufbau Taschenbuch

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 368

ISBN: 9783746612232

Termin: Februar 2003

  • "Die geschützten Männer" von Robert Merle


    Ach ich liebe diesen Roman. Ein echtes Kleinod. Zum ersten Mal habe ich ihn schon als zarter Teenager gelesen. Meine Oma lies mich damals eines Abends ein Buch aus ihrem Regal aussuchen. Als sie dann später sah, dass ich "Die geschützten Männer" gewählt hatte, meinte sie das sei ja wohl noch nichts für mich. Aber ich rückte es nicht mehr heraus :)



    Worum geht es? Der us-amerikanische Wissenschaftler Dr. Martinelli entdeckt den hochansteckenden Virus "Enzephalitis 16", der mit erschreckender Geschwindigkeit immer mehr Menschen ins Koma fallen und sterben lässt. Wichtiges Detail: der todbringende Virus befällt nur geschlechtsreife Männer. Frauen, Kinder und alte Männer bleiben dagegen verschont.


    In den USA kommt es durch die Epidemie zu beispiellosen gesellschaftlichen Umwälzungen: da die Männer wie die Fliegen sterben, müssen die Frauen ihre Aufgaben in Politik und Wirtschaft übernehmen. Als der Präsident stirbt, gelangt Sarah Bedford an die Macht, eine Frau, die von Männern absolut nichts hält und ihre Position nutzt, um deren Rechte rigeros zu beschneiden und ein diktatorisches Matriarchat zu errichten. Die ohnehin von der Krankheit gebeutelte Männerschaft wird quasi zum Freiwild, nur noch Männer, die sich kastrieren lassen (und dadurch immun gegen den Virus sind) werden geduldet, stehen aber in der sozialen Rangfolge weit unter den Frauen.


    Dr. Martinelli ist einer der wenigen "intakten" Männer, die toleriert werden. Der Grund dafür ist einfach: er soll für die einflussreiche Pharmaproduzentin Helsingforth einen Impfstoff gegen Enzephalitis 16 entwickeln. Dafür bietet sie ihm Schutz an, in einem isolierten Lager zusammen mit anderen Wissenschaftlern und deren Familien. Allerdings bekommt er selbst dort den zunehmenden Männerhass zu spüren und wird von den ledigen Frauen und Kastraten wie ein minderwertiges Individuum behandelt, das nur durch seinen Fortpflanzungstrieb gesteuert ist. Jedes seine Worte und Gesten wird als sexuelle Anzüglichkeit gewertet und entsprechen geahndet. Als Dr. Martinelli von den Zuständen "draussen" erfährt, droht er zu verzweifeln, doch überraschend nimmt eine Widerstandsgruppe Kontakt zu ihm auf..



    Das schöne an diesem Buch ist meiner Meinung nach die wunderbare Erzählweise Robert Merles. Sehr unterhaltsam, ironisch, mit vielen Untertönen und eingängigen Wortbildern. Zu witzig ist es, wenn er z.B. seinen Hauptakteur, der eigentlich ein ziemlicher Frauenheld und Macho ist, zum scheuen Reh mutieren lässt, das Angst vor der Anmache einer Gruppe rüder BauarbeiterINNEN haben muss. Die Geschlechterrollen werden auf den Kopf gestellt und parodiert. Obwohl natürlich stark überzeichnet, lässt dieses Bild erahnen, wie es wohl heute Frauen in einer Männerwelt geht, wo sie hauptsächlich durch ihr Aussehen definiert und ansonsten als unwissende Blondchen belächelt werden. Nicht zuletzt geht es in dem Buch aber auch um die Kraft der Liebe, die letztlich die stärksten gesellschaftlichen Schranken überwindet. Das alles beschreibt Merle mit einem Augenzwinkern und einem Hauch Erotik.

  • Vielen Dank für die Rezi, das Buch ist mir schon einige Male unter die Augen gekommen, aber irgendwie, bin ich nicht aufmerksam geworden.
    Nach deiner Vorstellung, finde ich es durchaus interessant.

    2020: Bücher: 10/Seiten: 4 563
    2019: Bücher: 164/Seiten: 66 856
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    "Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz"

    Dalai Lama

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    Lese gerade:

    Stromiedel, Markus - Zone 5

    Smith, Betty - Ein Baum wächst in Brooklyn

  • Das interessiert mich jetzt auch, denn ich habe mehrere Bücher von Robert Merle, die mir alle sehr gut gefallen. Es ist allerdings schon viele Jahre her, dass ich das letzte gelesen habe und mir ist der Name Robert Merle lange nicht mehr begegnet, deshalb habe ich sofort diesen Thread angeklickt.


    Das Buch kommt sofort auf meine Wunschliste! :thumleft:

    Ich höre :musik: gerade "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" von Joel Dicker.

  • Das nehme ich mir bei Gelegenheit mal aus der Bücherei mit.
    Danke für die Vorstellung!


    Gruß Wirbelwind


    :study: Irene Nemirovsky, Suite francaise

    :study: Naomi J. Williams, Die letzten Entdecker









    Bücher sind die Hüllen der Weisheit, bestickt mit den Perlen des Wortes.

  • Das interessiert mich jetzt auch, denn ich habe mehrere Bücher von Robert Merle, die mir alle sehr gut gefallen. Es ist allerdings schon viele Jahre her, dass ich das letzte gelesen habe und mir ist der Name Robert Merle lange nicht mehr begegnet, deshalb habe ich sofort diesen Thread angeklickt.


    Das Buch kommt sofort auf meine Wunschliste! :thumleft:


    Nachdem das Buch nach diesem Eintrag noch sehr lange auf meiner Wunschliste stand, habe ich es heute endlich beim Bücherbummel in Düsseldorf entdeckt. Mal sehen, wie lange es nun dauert, bis ich es auch lese... :-,

    Ich höre :musik: gerade "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" von Joel Dicker.

  • Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich dieses Buch gelesen habe. Aber ich weiß noch, dass ich es geliebt habe. Das muss ich unbedingt mal wieder raussuchen :wink:

    Gelesen in 2020: 1 - Gehört in 2020: 1 - SUB: 424


    "Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame Wolf, doch das Rudel überlebt." Ned Stark

  • Dieses Buch habe ich nun gelesen und mich mit der Geschichte, die Robert Merle als eine mögliche Version der Gesellschaft anbietet, auseinander gesetzt. Die Handlung lässt sich kurz folgend zusammenfassen: Es gibt einen tödlichen Virus, es gibt eine Epidemie, von der nur Männer betroffen sind. Nach und nach übernehmen die Frauen die Macht und die Wirtschaft, und auch somit die Führung im Land. Die Kräfte sind nicht mehr ausgeglichen und Männer müssen sich mit einer ganz neuen Position und einer neuen Rolle in dem sozialen Gefüge abfinden.... Aber es geht natürlich noch weiter... Und das durchaus spannend. :wink:


    Ob ich das Buch jetzt unter Satire einordnen würde, bin ich mir gar nicht sicher. Man könnte es durchaus als gesellschaftliche Satire betrachten, doch im Großen und Ganzen ist es für mich eindeutig eine Dystopie. Komisch oder humorvoll fand ich in dem Roman keine einzige Stelle, aber das hängt wahrscheinlich mit dem Blickwinkel des Betrachters zusammen. Ich fand es erschreckend, 8-[ und überhaupt nicht zum Lachen... Allerdings als eine Vorstellung der möglichen Entwicklung der Gesellschaft durchaus gelungen. Man sollte auch bedenken, dass der Roman schon 1976 übersetzt in Deutsch zum ersten mal erschienen ist. Also, Hut ab von dem Autor für diese Katastrophen-Szenario. Allerdings darf man beim Lesen nicht vergessen, wann das Buch eigentlich geschrieben worden ist, denn manche Einsichten sind nicht mehr der heutigen Zeit entsprechend.


    Von der Thematik her absolut unschlagbar. Sehr raffiniert und spannend ausgedacht. :thumleft: Was mir weniger gefallen hat, war die Umsetzung. Ich fand einige Längen in dem Roman, viel zu viel leeres Gerede, das zu nichts führte. Auch viele Ausdrücke wurden endlos wiederholt, was mir auch nicht bekommen hat. [-(


    Aber alles in allem habe ich gerne dieses Buch von Robert Merle gelesen. Bin um eine Erfahrung reicher. Würde es an Interessierte auch weiter empfehlen.

    2020: Bücher: 10/Seiten: 4 563
    2019: Bücher: 164/Seiten: 66 856
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    "Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz"

    Dalai Lama

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    Lese gerade:

    Stromiedel, Markus - Zone 5

    Smith, Betty - Ein Baum wächst in Brooklyn

  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „"Die geschützten Männer" von Robert Merle“ zu „Robert Merle - Die geschützten Männer“ geändert.
  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „Robert Merle - Die geschützten Männer“ zu „Robert Merle - Die geschützten Männer / Les Hommes protégés“ geändert.
  • Man könnte es durchaus als gesellschaftliche Satire betrachten, doch im Großen und Ganzen ist es für mich eindeutig eine Dystopie. Komisch oder humorvoll fand ich in dem Roman keine einzige Stelle, aber das hängt wahrscheinlich mit dem Blickwinkel des Betrachters zusammen. Ich fand es erschreckend, 8-[ und überhaupt nicht zum Lachen...

    Nein, als komisch oder satirisch habe ich das Buch auch nicht empfunden. Ich habe es irgendwann in den 80ern gelesen und fand es damals ziemlich erschreckend.

    Gelesen in 2020: 1 - Gehört in 2020: 1 - SUB: 424


    "Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame Wolf, doch das Rudel überlebt." Ned Stark