Michael Siefener - Nathaniel

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  • Klappentext:
    Irgendwann in ferner Zukunft: Nathaniel hat sich seit Jahren in einem Dasein als untergeordneter Behördenmitarbeiter eingerichtet. Doch dann taucht sein Jugendfreund Edward Derby auf, grausam entstellt und voller Furcht. Als er Nathaniel einen sonderbaren Gegenstand übergibt, mit der Bitte, diesen einer Frau mit Namen Asenath zu überbringen, wird er vor den Augen seines Freundes getötet. Nathaniel flüchtet und macht sich auf die Suche nach der geheimnisvollen Asenath. So beginnt eine Odyssee durch die monströse Stadt, auf der er einer Rebellengruppe begegnet, die gegen die schrecklichen Herrscher der neuen Welt kämpft – und Nathaniel erkennt, dass seine Existenz auf einer blasphemischen Lüge beruhte …


    Meinung des Verlages:
    Michael Siefeners Roman könnte auch eine Vision von Franz Kafka oder Paul Auster sein; ein ebenso virtuoses wie packendes Spiel mit Lovecraft’schen Motiven.

    Meine Meinung:

    Zur Zeit lese ich alles, was mit Lovecraft auch nur im Entferntesten etwas zu tun hat/haben sollte. Und da dieses Buch beim Festa Verlag im Zuge der Reihe "H.P.Lovecrafts Cthulhu-Mythos" erschienen ist, konnte ich nicht widerstehen.


    Die Erwartungen, die ich an den Roman stellte, waren natürlich auch dementsprechend hoch. Und zu meiner Freude kann ich sagen, sie zum größten Teil auch erfüllt wurden.
    Die Welt der Zukunft, die Siefener dort für uns ausfüllt, zieht einen recht schnell in den Bann - vor allem da man an wirklich vielen Stellen schon Motive Lovecrafts finden kann, was sich später noch steigert und dem Lovecraft-Leser viel Spaß bereiten kann. Ebenso vergisst er aber auch nicht, eigene Ideen herein zu bringen, die man wirklich als gut bezeichnen kann. Gleichzeitig kann man aber auch das Unbehagen des Protagonisten sehr gut nach voll ziehen, den es mit einem Mal aus seiner Welt heraus reißt und der sich erst Schritt für Schritt in der neuen Umgebung zurecht finden muss. Ganz nett sind auch die Fundstücke im Museum der Rebellen, da huscht einem schon das eine oder andere Mal ein Grinsen über das Gesicht (Stichwort: Bedinungsanleitung). Ebenso aber auch eine vage Furcht davor, dass die Welt tatsächlich einmal so totalitär aufgebaut sein wird.
    Auch die Spannung wird gut aufgebaut, wenn man auch die eine oder andere Wendung nicht so unvorhersehbar ist, wie sie sein sollte.


    Aber es gibt auch ein paar Kritikpunkte:
    Zum einen diese Sache mit der "Lovecraft-Authentik". Der Autor gibt sein Werk sowohl am Anfang als auch am Ende als ein verschollenes Schriftstück Lovecrafts aus - was er auch durch einen "authentischen"Brief zu beweisen versucht. Man kann das entweder als absolute Huldigung an das Idol oder aber enorme Selbstüberschätzung ansehen.
    Für mich ist das eher das Letztere.
    Ist der Roman auch gut geschrieben - an Lovecraft kommt er nicht heran (auch nicht an Kafka, wie der Verlag meint). Dazu sind die Beschreibungen zu unüberbordend, der Schrecken ein wenig zu offensichtlich, ebenso wie die dunklen Andeutungen. Bei aller Liebe - aber so gut wie Lovecraft ist er definitiv nicht.
    Das zweite Manko ist für mich das Ende. Natürlich ist es nett, ein offenes Ende zu gestalten, das regt zum Nachdenken an und hat oft genug einen eigenen Reiz. Aber hier wirkt es ein wenig, als ob der Autor schlicht keine Lust mehr gehabt hätte, weiter zu schreiben oder als wären ihm die Ideen ausgegangen.
    Außerdem hätte ich mir gerne mehr Beschreibungen bestimmter Plätze gewünscht (Stichwort, Museum, Nachthaus).

    Fazit:


    Wer Lovecraft mag, sollte mal einen Blick riskieren. Trotzder Defizite macht das Buch nämlich einfach Spaß und man kann eine Menge entdecken.


    Meine Wertung:[/U]


    ****


    LG, eure Karön :D

    Was sind wir denn anderes als Narren,
    Motten, die, von der eigenen eingebildeten Helligkeit geblendet
    ins Licht fliegen und dort verbrennen?
    Nichts als Staub auf dem ewigen Rad der Zeit.
    Nichts als Staub.

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