Margaret Forster - Ich glaube, ich fahre in die Highlands / Have the Men Had Enough

  • Buchdetails

    Titel: Ich glaube, ich fahre in die Highlands


    Verlag: FISCHER Taschenbuch

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 400

    ISBN: 9783596108671

    Termin: Oktober 1992

  • Bewertung

    3.4 von 5 Sternen bei 6 Bewertungen

    68,3% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Ich glaube, ich fahre in die Highlands"

    Mrs. McKay, von ihrer Familie liebevoll »Grandma« genannt, ist alt im bittersten Sinn des Wortes. Grandma leidet an Altersdemenz. Ein Leben lang hat sie für ihre Familie gesorgt, nun ist sie auf die Hilfe anderer angewiesen. Es sind die Frauen in der Familie der McKays, die einen großen Teil der Tag für Tag zu bewältigenden Aufgaben erledigen: Bridget, die unverheiratete Tochter und Krankenschwester, Jenny, die pflichtbewußte Schwiegertochter, und Hannah, die siebzehnjährige Enkelin. Die Männer gehen auf Distanz: Stuart, der Polizist, empfindet die Mutter als unzumutbare Belastung, während Charlie, der Börsenmakler, sich damit beruhigt, daß er die Miete für Grandmas Wohnung und die Pflegerinnen bezahlt. Als das mühsam geknüpfte Versorgungsnetz plötzlich reißt, weil eine Pflegerin kündigt, und die andere wegläuft und Bridget mit ihrem Freund Urlaub macht, lebt die alte Debatte um einen Heimaufenthalt wieder auf. Auch verschlimmert sich der Zustand der alten Frau und die Familie fühlt sich in ihren Bemühungen, Grandma nicht »wegzugeben«, schließlich überfordert.
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  • Originaltitel: Have the Men had Enough?


    Inhalt (von Amazon kopiert):
    Mrs. McKay, von ihrer Familie liebevoll »Grandma« genannt, ist alt im bittersten Sinn des Wortes. Grandma leidet an Altersdemenz. Ein Leben lang hat sie für ihre Familie gesorgt, nun ist sie auf die Hilfe anderer angewiesen. Es sind die Frauen in der Familie der McKays, die einen großen Teil der Tag für Tag zu bewältigenden Aufgaben erledigen: Bridget, die unverheiratete Tochter und Krankenschwester, Jenny, die pflichtbewußte Schwiegertochter, und Hannah, die siebzehnjährige Enkelin. Die Männer gehen auf Distanz: Stuart, der Polizist, empfindet die Mutter als unzumutbare Belastung, während Charlie, der Börsenmakler, sich damit beruhigt, daß er die Miete für Grandmas Wohnung und die Pflegerinnen bezahlt. Als das mühsam geknüpfte Versorgungsnetz plötzlich reißt, weil eine Pflegerin kündigt, und die andere wegläuft und Bridget mit ihrem Freund Urlaub macht, lebt die alte Debatte um einen Heimaufenthalt wieder auf. Auch verschlimmert sich der Zustand der alten Frau und die Familie fühlt sich in ihren Bemühungen, Grandma nicht »wegzugeben«, schließlich überfordert.


    Die Geschichte wird wechselweise von der Schwiegertochter Jenny und der Enkelin Hannah erzählt, wobei man sprachlich keine Unterschiede findet zwischen der ca. 45jährigen Frau und dem 17jährigen Mädchen.
    Jenny kümmert sich aus Pflichtgefühl und Verantwortungsbewußtsein um ihre Schwiegermutter. Weil diese sie als Schwiegertochter ablehnte, hat Jenny kein herzliches Verhältnis zu ihr.
    Hannah ist überzeugt, außer Bridget die einzige zu sein, die die Großmutter wirklich liebt. Sie ist wütend auf ihren Onkel, ihren Vater und ihren Bruder, weil diese sich aus der Verantwortung stehlen.
    Bridget hängt mit kleinkindhafter Liebe an der Mutter, mit der sie sich ein Haus teilt, und ist überzeugt, dass kein anderer sich besser um sie kümmern kann.


    Zunächst hat mich das Buch berührt und betroffen gemacht, weil ich ähnliche Fälle kenne. Die einzelnen Personen sind gut dargestellt und ihr Verhalten ist größtenteils verständlich, wenn auch nicht immer nachvollziehbar. Es gibt keine Lösung, die allen gerecht wird.
    Genervt hat mich vor allem Jenny, die in jeder Lage eine Entschuldigung oder Erklärung finden kann, warum der Ehemann oder der Sohn nicht in die Pflege eingespannt werden können, die sich immer und vor allen Personen für ihr Verhalten rechtfertigen muss. Und Bridgets innige Symbiose mit der Mutter scheint mir auch übertrieben.


    Beim zweiten Blick konnte mich das Buch nicht zufrieden stellen. Stilistisch ist es recht anspruchslos, und durchgängig die indirekte Rede zu verwenden, lähmt es. Man stelle sich eine Debatte zwischen erschöpften, ratlosen Leuten vor, kontrovers bis aggressiv - das muss direkt und unmittelbar kommen, sonst verliert es seine Wirkung.
    Mich stört auch, dass alles gesagt und durchgekaut wird. Es bleibt kein Platz für den Leser. Gut, man kann sich überlegen: Wie würde ich in diesem Fall handeln? aber das ist auch schon alles. Man kann nichts zwischen den Zeilen lesen, es hat keine Zwischentöne und kein "Geheimnis".
    Wenn man das Buch zuklappt, schickt man ein Stoßgebet los im Sinne von "Hoffentlich passiert dies nicht meiner Mutter / Vater / Ehemann / mir selbst", doch es klingt nicht nach.


    Der Titel ist - ebenso wie der Originaltitel - einer der Sätze, die Grandma ständig wiederholt. Ich finde weder den einen noch den anderen besonders gelungen oder passend.



    Zur Autorin:
    Margaret Forster, die 1938 in Carlisle geboren wurde, studierte Geschichte in Oxford. Sie ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt als freie Schriftstellerin in London und im Lake District. (Amazon)



    Marie

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • Hallo Marie,
    danke für deine Rezension, auf die ich schon sehr gespannt war.
    Als ich mich vor kurzem für ein Buch von Margaret Forster entschied, habe ich bewußt dieses Buch gemieden, weil meine Erfahrungen mit Demenz bei meiner Mutter in mir immer noch schmerzliche Erinnerungen hervorruft.
    Meine Wahl fiel deshalb auf "Das Vermächtnis meiner Mutter" über die ich nicht glücklich bin.
    Wie ich hier lese, sind einige Parallelen festzustellen.
    Die ständige indirekte Rede nimmt einem Buch jede Lebhaftigkeit. Auf mich wirkte dadurch der ansonsten einfache Sprachstil sehr träge. Auch hier vermisste ich das zwischen den Zeilen lesen, alles bleibt an der Oberfläche und dem Leser bleibt kein Raum - er kann nur abwarten was geschieht. Nervend fand ich die häufigen Wiederholungen von Gedankengängen während man Neues erwartet.
    Die so überaus positiven Beurteilungen zu beiden Büchern bei Amazon erstaunen mich, aber das kam schon öfters vor.
    Ich werde wohl so schnell nicht wieder zu einem Margaret Forster Buch greifen.
    Mehr als 3 Sterne konnte ich nicht vergeben und deshalb erspare ich mir eine Rezi.
    Gruß Wirbelwind


    :study: Joan Aiken, Du bist ich
    :study:Horst Bosetzky, Die Bestie vom Schlesischen Bahnhof

    :study: Naomi J. Williams, Die letzten Entdecker









    Bücher sind die Hüllen der Weisheit, bestickt mit den Perlen des Wortes.

  • Zitat

    Original von Wirbelwind
    Die so überaus positiven Beurteilungen zu beiden Büchern bei Amazon erstaunen mich


    Naja, wenn man sich so ansieht, was alles bei Amazon mit 5 Sternen überhäuft wird, wundert es mich nicht so.


    Erstaunt bin ich eher über die Rezension im Spiegel, die im Klappentext zitiert wird (ohne Datumsangabe; einen Link habe ich nicht gefunden): ... "etwas Erstaunliches gelungen: ein leichthändig geschrieber Roman über ein schwerwiegendes Thema, eine von humanem Humor erhellte Geschichte über ein todernstes, das Leben vieler Menschen verdunkelndes Problem."
    Kann natürlich sein, dass der Verlag sich nur den besten Brocken aus der Rezension gesucht hat.


    Eigentlich wollte ich mir ein zweites Buch von Margaret Forster in der Bücherei besorgen, um festzustellen, ob sie immer so schreibt (sie liest sich so schnell, dass man über Zeitverschwendung nicht zu jammern braucht). Aber wenn Du meinen Eindruck bestätigst, @ Wirbelwind, ist es wohl nicht nötig.


    Marie

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


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  • Hallo
    ich habe das Buch jetzt gelesen und finde es gut. Auch die Art der Erzählung finde ich gut, es wirkt, als wenn Hannah oder Jenny ihre Gedanken und Erlebnisse in ein Tagebuch schreiben und dabei auch ihre Gefühle offen zugeben. Die Charaktere finde ich gut gezeichnet, die überfürsorgliche Tochter, die versucht über die Pflege der Mutter sich Anerkennung zu verdienen, die sie aber so nicht von der Mutter bekommt bzw. nicht mehr bekommen kann. Die Schwiegertochter, die eigentlich unerwünscht ist, aber eigentlich sehr liebevoll sich um alle skümmert und dabei auch noch ihre eigene Familie versorgen muss und zwischen den Fronten steht. Die Enkelin, die scheinbar alles weiß, alles versteht , aber dann doch viele Fragen hat. Der Enkel, der von der Mutter nicht miteinbezogen wird sich aber dennoch ein Stück weit kümmert. Der eine Sohn, de rsich finaziell kümmert und damit auch versucht aus der Verantwortung zu kaufen, was im Laufe des Romans aber aufbricht und ihn zwingt eine aktive Rolle einzunehmen. Der andere Sohn, der ein ganz eigenes Verhältnis zur Mutter hat und entsprechend reagiert und auch seine Frau udn Kinder aus allem raushält.
    Ich fand es sehr spannend, dass die verschiedenen Gefühlswelten so gut dargestellt und eben auch unlösbar nebeneinander stehen.
    Ich würde das Buch allen empfehlen, die sich mit Familienbeziehungen und Veränderungen durch Pflege, gerade demenzieller Personen auseinandersetzen möchten.

  • Ich lese das Buch gerade und bin über die Hälfte hinweg. Mir gefällt es sehr gut. Es ist sicher kein leichtes Thema, über das hier gesprochen wird. Ich finde es aber interessant, wie die Familie versucht, mit der Situation umzugehen. Auch der Spagat zwischen "Häuslicher Pflege" und "Suche nach einem Heim" wird gut beschrieben.


    Aber ich schließe mich jetzt schon @Maries Worten an:


    Wenn man das Buch zuklappt, schickt man ein Stoßgebet los im Sinne von "Hoffentlich passiert dies nicht meiner Mutter / Vater / Ehemann / mir selbst"

  • Mario

    Hat den Titel des Themas von „Margaret Forster - Ich glaube, ich fahre in die Highlands“ zu „Margaret Forster - Ich glaube, ich fahre in die Highlands / Have the Men Had Enough“ geändert.

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