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Vercors - Das Schweigen des Meeres

Das Schweigen des Meeres

4 von 5 Sternen bei 3 Bewertungen

Verlag: Diogenes Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 144

ISBN: 9783257233155

Termin: Januar 2002

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  • Klappentext:
    1942 anonym erschienen, berichtet die 1941 entstandene 'Gelegenheitsarbeit' von der Konfrontation eines deutschen Offiziers mit seinen französischen Quartiergebern. Aus der Konfrontation entsteht eine mühsam unterdrückte Liebe. Als Demonstration französischen Selbstbewußtseins unter der deutschen Okkupation und als Zeichen der Hoffnung inmitten der Feindseligkeiten hat die Novelle Weltruhm erlangt.


    Inhalt:
    Ein deutscher Offizier quartiert sich bei einer französischen Familie ein, willkommen ist er natürlich nicht.
    Die Familie spricht kein Wort in seiner Gegenwart doch der Offizier hält Monologe u.a. über seine Liebe zu Frankreich und die guten Absichten der Deutschen. Dies bleibt so bis er nach und nach die wirklichen Absichten der Besatzer erkennt.


    Meinung:
    Das Werk kommt ohne das unvorstellbar große Leid aus, da die persönliche Ebene das Grauen viel greifbarer macht, als es jede umfassende Darstellung vermag.
    Dieses, bereits im französischen Widerstand veröffentlichte Buch, ist nicht nur ein wichtiges und ergreifendes sondern ein ebenso zeitloses Werk. Absolut Lesenswert.

  • Ich hab diese Erzählung auch kürzlich gelesen; allerdings sind in meiner Ausgabe noch drei andere Kurzgeschichten enthalten. Aber auch zu dem Buch "Das Schweigen des Meeres" möchte ich ergänzen:


    Das Schweigen der französischen Familie (das Schweigen Frankreichs) gegenüber all den Avancen der sich verständig und interessiert zeigenden deutschen Besatzer ist gewaltig (wie das Meer) und verdeutlicht den - durch alle Bevölkerungsschichten gehenden Widerstand gegen die deutsche Besatzung. Vercors zeigt diesen Widerstand als entschlossen, aber gewaltlos. Sicherlich auch deswegen, weil im besetzten Frankreich 1941, die Deutschen keine derartige Gewaltherrschaft wie z.B. in Polen ausübten; oder war die militärische Überlegenheit so drückend, dass kein andere Widerstand möglich war? (Die Geschichte sagt eigentlich etwas anderes, im August 1941 gab es ja bereits bewaffnete Aktionen der Resistance). Trotz der Gewaltlosigkeit wird eines klar: das einzige legitime Verhalten für einen Franzosen gegenüber den Eroberern ist Widerstand - es gilt dem Feind zu widerstehen und das Buch wurde sicherlich auch mit der Prämisse verbreitet.
    Deutlich wird jedenfalls die Sinnlosigkeit einer Annäherung auf der Basis von Herrscher und Beherrschten - und so scheitert Werner fast; nur ein leises "Adieu" gibts zum Abschied. Und das ist eher Triumph über den Deutschen denn Niederlage, gegen seine Gewalt. Was bleibt: ein empfehlenswertes Buch

    Warum ich Welt und Menschheit nicht verfluche?
    - Weil ich den Menschen spüre, den ich suche.

    - Erich Mühsam

    Einmal editiert, zuletzt von musikzimmer ()

  • Wow, das Buch hört sich ergreifend und gewaltig an - und ist deshalb bereits auf meine Wunschliste gewandert.
    Vielen Dank für die Vorstellung und den Kommentar! :thumleft:

  • Frankreich 1941. Ein deutscher Offizier quartiert sich bei einem Einheimischen und seiner Nichte ein. An vielen Abenden erscheint er bei den beiden und spricht in gepflegtem Französisch über sein Faible für Frankreich und über seinen Traum von der Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich, die er sich schon für die nahe Zukunft erhofft. Onkel und Nichte schweigen beharrlich, trotzdem kommt der Offizier immer wieder, meist in Zivil gekleidet, und hält kleine Monologe über Kultur und Freundschaft.


    Bis er eines Tages erkennt, was die Deutschen in Frankreich wirklich vorhaben, und seinen unfreiwilligen Gastgebern auch davon berichtet …


    Eine kurze Erzählung, die bereits 1942 in einem französischen Untergrundverlag der Résistance erschienen ist, in eindrücklicher Sprache verfasst, die das angespannte Schweigen beinahe greifbar werden lässt, während der Deutsche in hehren, manchmal etwas pathetisch wirkenden Worten von Völkerverständigung spricht und seine Landsleute doch ganz anderes im Sinn haben. Mit wenigen Federstrichen entsteht ein deutliches Porträt der drei Beteiligten und ein symbolisches Bild der damaligen Zeit.


    Ergänzt wird die Diogenes-Ausgabe durch einen sehr persönlichen Essay von Ludwig Harig, der kurz nach dem Krieg als Lehrer in Frankreich arbeitete, sowie ein erläuterndes Nachwort mit Zeittafel, wodurch sich die Erzählung noch besser verstehen und in den historischen Kontext einordnen lässt.


    Das kleine Büchlein ist schnell gelesen, bietet aber einigen Stoff zum Nachdenken und Diskutieren und lohnt sicher auch eine erneute spätere Lektüre.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Why say 'tree' when you can say 'sycamore'?
    (Leonard Cohen)

  • Nun hqbe ich diese kurze Geschichte, ja beinahe diese Demonstration, auch gelesen und bin beeindruckt. Manches gibt zu denken...: Werner wird durchaus, trotz seiner etwas seltsamen Gedanken zur "Freundschaft" zwischen Frankreich und Deutschland, irgendwie als positiv dargestellt, wie ja auch wirklich einige Soldaten nicht mit Hass nach Frankreich gegangen sind. Die Begegnungn in Paris mit Kameraden und auch seinem eigenen Bruder ist eine schreckliche Enthuellung der wahren Plaene Deutschlands, die jemanden wie ihn nur erschuettern koennen.


    Der hier dargestellte Widerstand seitens der Bevoelkerung, bzw. der zwei Gastgeber, scheint nur im Schweigen bestehen zu koennen. Ist das SO der einzige Weg? Zumal einem offenen Menschen gegenueber?


    Allerdings muss ich zu einer Feststellung etwas hinzufuegen:



    Das Schweigen der französischen Familie (das Schweigen Frankreichs) gegenüber all den Avancen der sich verständig und interessiert zeigenden deutschen Besatzer ist gewaltig (wie das Meer) und verdeutlicht den - durch alle Bevölkerungsschichten gehenden Widerstand gegen die deutsche Besatzung. Vercors zeigt diesen Widerstand als entschlossen, aber gewaltlos. Sicherlich auch deswegen, weil im besetzten Frankreich 1941, die Deutschen keine derartige Gewaltherrschaft wie z.B. in Polen ausübten; oder war die militärische Überlegenheit so drückend, dass kein andere Widerstand möglich war? (Die Geschichte sagt eigentlich etwas anderes, im August 1941 gab es ja bereits bewaffnete Aktionen der Resistance).


    Man kann sicherlich nicht von einem von Anfang an herrschendem eindeutigen, universalen Widerstand in Frankreich sprechen. So wie es ein Maerchen waere, in allen Deutschen Faschisten zu sehen, hat man gerade in Frankreich zu lange den Mythos geschuert, dass ja tatsaechlich "alle im Widerstand gewesen waeren". Das ist so nicht wahr, und es dauerte Jahrzehnte, bis dieses Thema langsam etwas tabufreier behandelt werden konnte.


    In dieser Hinsicht ist die Einfuehrung von Vercors selbst in meiner franzoesischen Ausgabe bezeichnend: Er sprach von der grossen Enttaeuschung, die fuer einige wirkliche Patrioten die rasche Niederlage und das Einschwenken des General Petains bedeutete. Und dieser stand eben keinesfalls alleine da. Vercors berichtet, wie sie in seiner Einheit offenbar nur drei hoehere Offiziere waren, die DURCH IHR SCHWEIGEN ihren Widerstand bekundeten. Sie standen lange auf einsamer Flur...

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