Corinna Runge, Katholischer Feminismus

Anzeige

  • Eine feministische Theologie, das ist bekannt. Dass es aber auch einen katholischen Feminismus gibt, darauf bin ich eigentlich erst durch dieses Buch gestossen.


    Ein erster, verhältnismassig grosser Teil befasst sich zwar mit dem Feminismus im Allgemeinen, seinen Ursachen, seiner Entwicklung, seinen Thesen und Forderungen. Er ist aber gerade für den Laien, der sich bisher nur wenig mit dem Thema befasst hat, sehr wichtig. Obwohl das Werk einen wissenschaftlichen Charakter hat, habe ich hier eine leicht verständliche, gut zu lesenden Auslegeordung dieser Problematik gefunden, auf die man immer wieder zurück greifen kann, wenn man sich mit dem Feminismus konfrontiert sieht.


    Der Teil über den eigentlichen katholischen Feminismus ist genau so gut zu lesen. Hier legt die Autorin, selber Mutter und Theologin, die Grundlagen dar und zieht daraus die nötigen Konsequenzen. „Die Frau in der Bibel“ wird genau so behandelt, wie „der natürliche Unterschied der Geschlechter“, die „Gleichheit in der Verschiedenheit“, etc. Auch das Reizthema „Ehe, Familie und Beruf“ gehört selbstverständlich dazu.


    Ein weiteres Kapitel befasst sich mit dem Weltfrauentag in Peking, seinen Hintergründen und dem Einsatz der katholischen Feministinnen dort.


    „Wie weiter?“ ist die abschliessende Frage des Buches. Der Gleichheitsfeminismus der siebziger Jahre ist noch längst nicht überwunden. Doch immer mehr zeigen sich Tendenzen hin zu einer differenzierteren Sicht der Dinge, in der die Frau neben gleicher Würde und gleichen Rechten auch ein Recht darauf besitzt, ganz Frau zu sein.




    Katholischer Feminismus
    Corinna Runge
    Stella Maris Verlag, Augsburg 2007

  • Bücher feministischer Theologinnen habe ich vor ca. 20-25 Jahren gelesen (Christa Mulack, Elisabeth Moltmann-Wendel, u.a.), damals, als "feministische Theologie" ein ganz neuer Ansatz von der Exegese bis zur Dogmatik war. Wichtig war damals auch, dass es keine katholische oder protestantische Theologie war, sondern eine ökumenische, ein Punkt, den ich bis heute für zentral halte.


    Dazu kommt, dass ich die beiden Begriffe "Feminismus" und "Katholizismus" für unvereinbar halte, solange Frauen in der katholischen Kirche nur das Recht besitzen "ganz Frau zu sein" (ein hohler Begriff, von dem ich nicht weiß, was er zu bedeuten hat) und soziale Aufgaben wahrzunehmen, aber von der Macht und den Entscheidungen ausgeschlossen sind.


    Marie

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • Zitat

    Original von Marie
    Bücher feministischer Theologinnen habe ich vor ca. 20-25 Jahren gelesen (Christa Mulack, Elisabeth Moltmann-Wendel, u.a.), damals, als "feministische Theologie" ein ganz neuer Ansatz von der Exegese bis zur Dogmatik war. Wichtig war damals auch, dass es keine katholische oder protestantische Theologie war, sondern eine ökumenische, ein Punkt, den ich bis heute für zentral halte.


    Dazu kommt, dass ich die beiden Begriffe "Feminismus" und "Katholizismus" für unvereinbar halte, solange Frauen in der katholischen Kirche nur das Recht besitzen "ganz Frau zu sein" (ein hohler Begriff, von dem ich nicht weiß, was er zu bedeuten hat) und soziale Aufgaben wahrzunehmen, aber von der Macht und den Entscheidungen ausgeschlossen sind.


    Marie


    Ich kann hier natürlich nicht das halbe Buch zitieren. Doch es geht darin nicht um eine (katholische) feministische Theologie, sondern um eine Darlegung des katholischen Feminismus (zwei Begriffe, die sehr unterschiedliche Inhalte haben), woher er stammt, wie er sich entwickelte und was er will. Auch für mich waren vorher diese beiden Begriffe unvereinbar. Genau dieser Versuch, hier die Brücke zu schlagen, hat mich fasziniert.


    Man muss nicht mit der Autorin einverstanden sein. Sie zeigt aber auf, dass der Feminismus eben auch eine katholische Spielart hat, und worin sich diese von dem unterscheidet, was üblicherweise unter Feminismus verstanden wird. In diesem Sinn also auch für interessierte Nichtkatholiken ein sehr interessantes Buch, das zudem den Vorteil hat, handlich und gut lesbar zu sein.

  • Hört sich auf jeden Fall spannend an ... dass es katholischen Feminismus gibt, wusste ich bis vor einer Minute auch noch nicht :mrgreen:
    Mal schauen gehen, ob die Bücherei das hat.
    Religionen interessieren mich, Feminismus interessiert mich - also von daher wär's wohl eine gute Idee, das Buch zu lesen.


    Lg
    Niamh

    :study: Jules Watson: Tartan und Schwert
    :study: Martina Kaiser: Der Jareskreis - den Rhythmus der Natur als unsere Kraftquelle nutzen.
    :study: Elizabeth Zimmermann: Knitter's Almanac: Projects for each month of the year.

Anzeige