Berta Camilla Sara von Hartlieb

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Berta Camilla Sara von Hartlieb: Eine au...

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Verlag: Hartung-Gorre

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 178

ISBN: 9783866280571

Termin: April 2006

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  • Da ich noch nie eine Rezension geschrieben habe und dies auch nicht kann, dieses Buch mich aber so bewegt hat, dass ich es hier unbedingt vorstellen möchte, setze ich hier das Vorwort der Autorin ein, welches sehr viel über dieses Buch sagt. Ich habe es mitlerweile das dritte mal gelesen, weil man all das nicht auf einmal erfassen kann, und man über vieles hinwegliest, es erschüttert mich noch immer.
    Mara


    Friederika Richter,
    Berta Camilla Sara von Hartlieb.
    Eine außergewöhnliche Wiener Jüdin
    und Wladimir von Hartlieb.
    Herausgegeben von Erhard Roy Wiehn


    Aus dem Vorwort von Friederika Richter:


    Es war an einem heißen Augustnachmittag, als ich meiner Lieblingsbeschäftigung nachging, von der Veranda meiner kleinen Sommerwohnung mit Atelier in den noch kleineren Garten zu schauen und den schnurrenden Kater neben mir zu kraueln. Da erschien mein Lebensgefährte Artur in meiner Idylle, in der Hand eines jener grauen Schulhefte mit großem blauem Namensschild, wie sie mir von meiner Schulzeit bekannt waren.
    "Schau, was ich in der Familientruhe gefunden habe! Die Gedichte sind sicher von meinem Onkel, mit dem meine Familie allerdings nicht verkehrte. Ich bekam das Gedichtheft vor Jahren von der letzten Frau des verstorbenen Onkels, des Schriftstellers Wladimir von Hartlieb; seine Witwe hatte ich ein paar Mal besucht. Wer allerdings in diesen Gedichten gemeint ist, weiß ich nicht. Lies einmal selbst!" - Ich las in der "BALLADE VON EINER, DIE GING". Der Autor dieser Gedichte schildert den schrecklichen Leidensweg einer Frau - seiner Frau? - ohne Namen! Der Schlußvers gab mir den Hinweis, daß diese Frau unter furchtbaren Schmerzen 1942 in Theresienstadt verstorben ist.
    Heute - am 21. November 2005, Milla Hartliebs Todestag - kann ich nun das Vorwort zu meinem Buch schreiben, das nach fünfjährigen Recherchen endlich abgeschlossen ist. Meine Camilla, deren Leben Artur und ich wie ein Mosaik mühsam zusammengesetzt haben, und zwar einzig mit dem Ziel, dieser Frau wieder ihren Namen zu geben, die - wie wir in den Jahren mit Entsetzen feststellen mußten - die dritte Frau des Schriftstellers Hartlieb war und - von ihm und der Familie verlassen - mit vielen jüdischen Mitmenschen unserer Stadt Wien in Theresienstadt ums Leben kam.
    Wladimir von Hartliebs 6000 Briefe, 20 Tagebücher, 40 Kriegstagebücher, seine 30 Bücher und 200 Mappen mit Gedichten und Entwürfen von Schauspielen wurden von uns gesichtet. Und das Konvolut der Nationalbibliothek enthielt auch Spuren der Lebensgeschichte unserer Milla. Wie oft standen Artur und ich in der Handschriftensammlung auf dem kleinen Gang, um eine Pause zu machen und das Gelesene zu besprechen oder um uns schweigend anzuschauen: Wie kann ein Familienmitglied so totgeschwiegen werden? Was für eine furchtbare Zeit, welche auch die unserer Kindheit und Jugend war! Wir machten unzählige Anrufe und Wege auf Ämter, oft mit Erfolg, viele mit Mißerfolg. Unser Entsetzen war groß, als Artur mit der Transportliste aus dem Dokumentationszentrum des österreichischen Widerstandes in Wien nach Hause kam, worauf der Name Berta Camilla Sara Hartlieb stand.
    Später wollte ich die "BALLADE VON EINER, DIE GING" drucken lassen, doch alle Verleger, bei denen Artur vorstellig wurde, sandten sie mit dem Bedauern zurück, daß diese Sprache heute nicht mehr verstanden würde. Sprache oder Inhalt? Kann man noch immer nicht "Weinen mit den Weinenden - Paulus"? Wenn man vielleicht heute auch solche Balladen nicht mehr gut versteht, kann man wenigstens Millas Leidensgeschichte verstehen?
    Ich begann, ihre Lebensgeschichte zu schreiben. In diesem großen Hartlieb-Konvolut der Nationalbibliothek gab es nur einen handgeschriebenen Brief von Milla, kein Foto, keine Notiz, kein Gedicht – außer der BALLADE des Schriftstellers über Milla. Und weil ich in Bildern denke und schreibe, so entstand in einer Tuschpinselarbeit meine Milla. - Bei der Auswahl der Tagebuchaufzeichnungen von Wladimir von Hartlieb war ich bestrebt, nichts zu verbergen und nichts hinzuzufügen. Um die Zeit sichtbar zu machen, in dem sich dieses Drama abspielte, nahm ich Briefe und auch Aufzeichnungen der Kriegs- und Nachkriegszeit dazu.
    Aber das wichtigste war und blieb Milla! Beginnend mit der Kindheit, wo ich ihre Spuren in Rechnitz suchte, über ihre Mädchenzeit in Wien, dann die Niederkunft mit ihrer Tochter Ernestine in der kleinen Wohnung, begleitete ich ein Frauenschicksal, das außergewöhnlich war. Doch angesichts der nationalistischen Einstellung und der folgenden nazistischen Agitation ihres Mannes Wladimir von Hartlieb hatte ich meine ersten Probleme, und beginnend mit ihrer Inhaftierung bis zu ihrem Tod in Theresienstadt versagte meine Vorstellungskraft.
    Meine Hilflosigkeit dokumentierte sich in einem unbeschriebenen weißen Blatt. Nachdem ich anhand seiner Tagebuchaufzeichnungen auch in das Privatleben des Dichters Wladimir von Hartlieb eingedrungen war, fühle ich mich jedoch um so mehr verpflichtet, auch seine Bitte posthum zu erfüllen und Milla ein literarisches Denkmal zu setzen. Ich bin keine Schriftstellerin, normalerweise zeichnet nur der Pinsel in der Hand meine Gedanken auf.

  • @ Mara,


    das hört sich wirklich interessant an :D. Aber eine Rezensioen sollte unbedingt eine eigene Meinung beinhalten (siehe auch unter Rezi- Muster)
    Bitte sei doch so nett, deinen Beitrag noch um diesen zu ergänzen. Wir möchten doch wissen, warum dich dieses Buch so bewegt hat :loool:.
    Und schon hast du deine 1. Rezension fertig und wirst sicher finden, dass es gar nicht so schlimm ist ;) :loool:

    Liebe Grüße,
    Rita


    ~Ich wäre lieber ein armer Mann in einer Dachkammer voller Bücher als ein König, der nicht lesen mag.~
    Thomas Babington

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