"Theodor Fontane"

  • Hallo Zusammen!


    Momentan beschäftige ich mich ein wenig mit dem Leben und Werken von Theodor Fontane und lese dazu auch etwas von ihm. Grund genug, ihn hier zu portraitieren!


    [Blockierte Grafik: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/3a/Kurzbio_fontane05.jpg]
    30.12.1819 - 20.9.1898


    Theodor Fontane wurde am 30. Dezember des Jahres 1819 als Sohn des Apothekers Louis Henry Fontane (* 24. März 1796), der von hugenottischer Herkunft war, in Neuruppin geboren und am 27. Januar 1820 auf die Namen Heinrich Theodor getauft.


    Sein Großvater war der Maler und Musiklehrer Pierre Barthélemy Fontane, später Kabinettssekretär von Königin Luise von Preußen. Nach der Flucht des Königshofes nach Königsberg wegen der Niederlage bei der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 wurde Pierre Barthélemy Fontane Kastellan von Schloss Schönhausen.


    Sein Vater Louis Henry Fontane besuchte drei Jahre lang, wahrscheinlich bis zum Herbst 1809, in Berlin das Gymnasium Zum Grauen Kloster; danach trat er als Lehrling in die Berliner Löwen-Apotheke ein, die sich am oberen Ende der Leipziger Straße befand.


    Zur Begleichung von Spielschulden musste 1826 der Vater seine Apotheke verkaufen, kurz darauf zog die Familie 1827 nach Swinemünde. Nach einem kurzen Intermezzo an der dortigen Stadtschule erhielt Theodor Fontane auf Wunsch seiner Mutter Privatunterricht vom Vater und von den Hauslehrern befreundeter Familien (1826–1832).


    Von 1832 bis 1833 besuchte er das Gymnasium in Neuruppin, anschließend trat er in die Gewerbeschule von Karl Friedrich Klöden in Berlin ein. 1834 zog er zum Halbbruder seines Vaters, Onkel August; 1835 hatte er seine erste Begegnung mit seiner zukünftigen Frau Emilie Rouanet-Kummer.


    Im Jahre 1836 brach er die Gewerbeschule ab und begann eine Ausbildung zum Apotheker. Seine erste Novelle „Geschwisterliebe“ veröffentlichte Fontane 1839.


    Nach dem Abschluss seiner Lehre im Dezember 1839 trat Fontane im Herbst 1840 eine Stelle als Apothekergehilfe in Burg (bei Magdeburg) an. Es entstanden die ersten Gedichte.


    1841 erkrankte er an Typhus, konnte sich aber bei seinen Eltern in Letschin von der Krankheit erholen. Als er wieder gesund war, arbeitete er als Apothekergehilfe zuerst in Leipzig, danach in Dresden, schließlich in der Apotheke des Vaters in Letschin. 1843 wurde er von Bernhard von Lepel in den literarischen Verein Tunnel über der Spree eingeführt, in dem er von 1844 bis 1865 Mitglied war. Vom 1. April 1844 bis zum 31. März 1845 leistete er beim Kaiser-Franz-Garde-Grenadierregiment Nr. 2 seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger und wurde mit dem Dienstgrad Corporal (Unteroffizier) regulär entlassen. In dieser Zeit unternahm er auf Einladung seines Schulfreundes Hermann Scherz seine erste, auf vierzehn Tage angelegte Englandreise.


    Im Laufe des Jahres ging er nach einer weiteren Arbeitszeit in der väterlichen Apotheke nach Berlin an die Polnische Apotheke von Dr. Julius Eduard Schacht. Am 8. Dezember 1845 verlobte er sich mit Emilie Rouanet-Kummer. Im März 1847 erhielt Fontane seine Approbation als „Apotheker erster Klasse“. Im folgenden Jahr kämpfte Fontane als Revolutionär in den so genannten Barrikadenkämpfen. Zu dieser Zeit publizierte er vier eher radikale Texte in der Berliner Zeitungs-Halle, dem Publikationsorgan des Centralausschusses der Demokraten Deutschlands.


    Dann wurde er im Krankenhaus Bethanien angestellt und bildete dort zwei Diakonissen aus.


    Am 30. September 1849 entschloss er sich, den Apothekerberuf völlig aufzugeben und als freier Schriftsteller weiterzuarbeiten. Es entstanden zuerst politische Texte in der radikal-demokratischen Dresdner Zeitung. In diesem Jahr wurde auch sein erstes Buch veröffentlicht: Männer und Helden. Acht Preußenlieder. 1850 heiratete er Emilie Rouanet-Kummer. Sie zogen zusammen in eine Wohnung in Berlin. Anfangs hatten sie finanzielle Probleme, da Theodor Fontane keine Anstellung fand. Ein Jahr später wurde er von der Centralstelle für Preßangelegenheiten angestellt. Für diese machte er Reisen nach London (1852 und 1855–1859). In dieser Zeit war er der Erste, der ein breiteres Publikum in Deutschland über die Kunstströmung der Präraffaeliten in seinen Korrespondenzen informierte.


    1860 kam sein fünftes Kind zur Welt. In diesem Jahr trat er in die Redaktion der konservativ-reaktionären, pietistisch orientierten Neuen Preußischen (Kreuz-)Zeitung[2] ein, zu deren Gründungskomitee u.a. Bismarck gehört hatte und für die er bis 1870 tätig war. Sein erster Sohn George starb 1887 an einem Blinddarmdurchbruch in Lichterfelde. Die drei darauf folgenden Söhne sind jeweils kurz nach der Geburt gestorben. Das fünfte Kind war seine einzige Tochter namens Martha (Mete). 1864 kam schließlich sein letzter Sohn, Friedrich, zur Welt. Im selben Jahr reiste Fontane nach Kopenhagen, wo er über den Krieg schrieb. Ab 1870 arbeitete Fontane als Theaterkritiker. Im selben Jahr nahm er Urlaub, um im Deutsch-Französischen Krieg den Kriegsschauplatz Paris zu besichtigen. In Frankreich wurde er unter falschem Verdacht als Spion verhaftet, jedoch nach einer Intervention Bismarcks zu seinen Gunsten wieder freigelassen. Zwischen 1874 und 1876 unternahm Fontane mit seiner Frau diverse Reisen nach Österreich, Italien und in die Schweiz.


    Am Ende dieser Reisen entschloss er sich, nicht mehr für eine Zeitung zu schreiben, stattdessen wollte er wieder als freier Schriftsteller leben. Seitdem schrieb er zahlreiche Texte, bis er 1892 an einer schweren Gehirnanämie erkrankte. Der Arzt riet ihm, seine Kindheitserinnerungen niederzuschreiben, um sich von der Krankheit abzulenken. Er folgte dem Rat und erholte sich wieder so gut, dass er Effi Briest vollenden und zwei weitere Romane und die autobiographische Schrift Von Zwanzig bis Dreißig vollenden konnte. Er starb am 20. September 1898 in Berlin. Als Mitglied wurde er auf dem Friedhof II der Französischen Gemeinde zu Berlin in Berlin-Mitte beerdigt.


    Über das Werk
    Fontane gilt als der herausragende Vertreter des poetischen Realismus in Deutschland. In seinen Romanen gelingt es ihm immer wieder, die Personen durch die Beschreibung ihrer äußeren Erscheinung, ihrer Umgebung und insbesondere durch ihre Redeweise zu charakterisieren. Typisch für ihn ist eine gepflegte Konversation in einem abgeschlossenen Zirkel, etwa eines Festessens, wo die Personen einerseits lediglich gesellschaftlichen Konventionen folgen und andererseits ihre wahren Interessen enthüllen - häufig gegen ihren eigenen Willen. Dabei kommt Fontane von einer Kritik an Einzelpersonen oft zu einer impliziten Gesellschaftskritik. Auffällig an Fontanes Schreibstil ist zudem sein ironischer Humor.


    Werke
    Theodor Fontane schrieb viele verschiedene Texte. Er schrieb neben literarischen Werken auch als Journalist (zumal für die Kreuzzeitung) und übersetzte 1842 Shakespeares „Hamlet“. Dazu kamen noch Dramen, Gedichte, Biografien, Kriegsbücher, Briefe, Tagebücher, Theaterkritiken, Zeitungsartikel und programmatische Schriften.


    Von seinen bedeutenden Romanen entstand der größte Teil erst nach seinem 60. Lebensjahr und zeigt eine kritisch-liebevolle Distanz zu den Lebenskonflikten seiner Figuren.


    Romane, Novellen, Erzählungen und andere Prosa
    1844-1859: Wanderungen durch England und Schottland
    (drei Reisen und Aufenthalte in England)
    1860: Jenseit des Tweed (Reisebericht aus Schottland)
    1862-1888: Wanderungen durch die Mark Brandenburg
    Band 1: Die Grafschaft Ruppin
    Band 2: Das Oderland
    Band 3: Havelland
    Band 4: Spreeland
    Band 5: Fünf Schlösser (1881 - 1888)
    1866: Der Schleswig-Holsteinsche Krieg im Jahre 1864
    1873: Der Krieg gegen Frankreich 1870-1871
    1878: Vor dem Sturm (historischer Roman)
    1879: Grete Minde (Novelle nach einer altmärkischen Chronik)
    1881: Ellernklipp (Kriminalroman nach einem Harzer Kirchenbuch)
    1882: L'Adultera (Novelle)
    1883: Schach von Wuthenow.
    Erzählung aus der Zeit des Regiments Gensdarmes (historischer Roman)
    1884: Graf Petöfy (Roman)
    1885: Christian Friedrich Scherenberg und das litterarische Berlin von 1840 bis 1860 (vgl. Christian Friedrich Scherenberg)
    1883-1885: Unterm Birnbaum (Kriminalroman)
    1887: Cécile (Roman)
    1888: Irrungen, Wirrungen (Roman)
    1890: Stine (Roman)
    1890: Quitt (Roman)
    1891: Unwiederbringlich (Roman)
    1892: Frau Jenny Treibel oder ‚Wo sich Herz zum Herzen find't‘ (Roman)
    1894: Meine Kinderjahre (Autobiographie)
    1894/95: Effi Briest (Roman, erschienen in 2 Teilen)
    1896: Die Poggenpuhls (Roman)
    1898: Der Stechlin (Roman)
    1898: Von Zwanzig bis Dreißig (Autobiographie)
    1906: Mathilde Möhring (unvollendet, postum veröffentlicht)


    Balladen und Gedichte
    Fontane schrieb über 250 Gedichte, darunter Balladen und Sprüche. Beispielsweise:


    Archibald Douglas (1854)
    Gorm Grymme (1864)
    Die Brück' am Tay (1880)
    John Maynard (1885)
    Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland (ein Birnbaum in seinem Garten stand...) (1889)
    Silvesternacht


    (Quelle: www.wikipedia.de)


    Mir imponiert sein Lebenswerk gewaltig. Und was ich bisher von ihm las, hat mich beeindruckt. Ich hoffe, Euch gefällt das Portrait und Ihr könnt dem etwas für Euch abgewinnen.

    Liebe Grüße von Tanni


    :montag: Ich lese gerade:

    Astrid Korten - Poppy


    2020 gelesen: 25

    Januar = 07 | Februar = 08 | März = 05 | April = 01

    Mai = 01 | Juni = 03

    2019 gelesen: 50

  • Hallo ihr Lieben!
    @ Tanni: Danke für das schöne Portrait.


    Ich kannte Fontane nur durch die Schullektüre von "Effi Briest", das mir zwar gefallen hat, aber irgendwie durch die "Pflicht" es lesen zu müssen, einen bitteren Beigeschmack. Seit Jahren nehme ich mir vor, dieses Buch noch einmal zu lesen, nun mit einem reiferen Blick ausgestattet :wink: .
    Wer einen Einblick ins das Leben von Fontane bekommen möchte, dem kann ich die Briefesammlungen von ihm ans Herz legen. Fontane war ein begeisterter Briefeschreiber (teilweise führte er richtige "Briefeschreib-Tage" durch) und zum Glück ist diese Sammlung nicht verloren gegangen. Es ist interessant mitzuerleben, wie sich Fontane zum Schriftsteller entwickelt hat und welche Hindernisse er zu überwältigen hatte.


    LG,
    Casoubon.

  • Hallo Casoubon,


    ja, da hast Du Recht, etwas lesen zu "müssen", heisst nicht unbedingt, es hinterher zu lieben. :|:wink:


    Die Briefesammlung habe ich noch mit reinkopiert gehabt, aber leider waren die Zeichen nicht ausreichend und so musste ich die Liste wieder rausnehmen. :cry: Aber sie war sehr lang und überhaupt hat mich die Vielzahl seiner Niederschriften sehr beeindruckt!

    Liebe Grüße von Tanni


    :montag: Ich lese gerade:

    Astrid Korten - Poppy


    2020 gelesen: 25

    Januar = 07 | Februar = 08 | März = 05 | April = 01

    Mai = 01 | Juni = 03

    2019 gelesen: 50

    Einmal editiert, zuletzt von Tanni ()

  • Theodor Fontane mag ich sehr. Klar, wenn man ihn lesen muss, ist es sicher nicht prickelnd. Aber wir haben mal begonnen, die Wanderungen durch die Mark etwas nachzuvollziehen. Das hat wirklich Spaß gemacht, die Orte abzuwandern (oder auch mit dem Auto zu besuchen), die er so gut beschrieben hat. Da ich auch in der Mark Brandenburg wohne, ist ja die anreise nicht so das Problem. ;)

  • Ich "musste" "Effi Briest" im Deutsch-Leistungskurs lesen. Aber sogar damals hat es mir schon gefallen, so dass ich es vor ein paar Jahren freiwillig nochmal gelesen habe. :mrgreen:

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Hallo Tanni, vielen Dank für deine ausführliche Vorstellung! :applause: Ich habe sie leider erst heute gesehen.


    Neben seinen großartigen Romanen habe ich auch einige seiner Reisebeschreibungen gelesen. Die meisten sind eher...naja. ;)
    Aber "Kriegsgefangen. Erlebtes 1870" hat mir sehr gut gefallen. Fontane beschreibt darin seine Zeit als Kriegsgefangener in Frankreich. (Erschien 1871)
    Ich bin mir nicht sicher, vielleicht ist es ein Teil von

    1873: Der Krieg gegen Frankreich 1870-1871


    Letzteres Buch umfaßt nämlich vier Bände.