Michael Cordy - Lucifer

  • Dieser dritte Roman von Michael Cordy wird angekündigt mit dem Angebot „As good as Michael Crichton or your money back“. Nach einer ähnlichen Aussage, die bei „American Gods“ Neil Graham und Stephen King miteinander in Verbindung setzte und einem daraus resultierenden großen Lesevergnügen war dies alleine schon ein Grund sich mit diesem mir bis dahin unbekannten Autoren auseinander zu setzen. Schließlich bieten sich die Ferien ja für so etwas an;-).


    Die katholische Kirche unterscheidet verschiedene Päpste – jedenfalls nach der Aussage dieses Romans. Der „weiße Papst“ ist der, den wir alle kennen, der „schwarze Papst“ ist der General Superior des Jesuitenorden und der „rote Papst“ ist der erste Dominikaner. Letzterer hat in dieser Geschichte versucht vor und nach dem Tode von Papst Johannes II. verschiedene Reformen in der katholischen Kirche durchzusetzen, die das religiöse Leben modernisieren und liberalisieren sollten. Nachdem nach der neuen Papstwahl jemand anderes zum Papst gewählt wird, versucht der „rote Papst“ seine Reformen weiter voran zu treiben und als er dabei zunehmend kurienkritischer wird, wird er schließlich exkommuniziert. Mit einigen seiner Anhänger gründet er dann eine Gegenkirche, die „Kirche der wahren Seele“, bei deren Verbreitung er sich der modernsten Massenmedien bedient.


    Eines dieser Massenmedien ist das Optinet, eine Weiterentwicklung des Internet, die auf dem Photonen-Quanten-Rechner beruht, den Amber Grant und Bradley Soames entwickelt haben. Soames ist gleichzeitig einer der größten Förderer der neuen Kirchenbewegung und alles in allem ein sehr undurchsichtiger Charakter, der auf Grund einer XP-Erkrankung das Tageslicht meiden muss. Er ist auch der Einzige im Umfeld des „roten Papsts“, der diesem nicht mit tiefer und ehrlicher Bewunderung und Verehrung begegnet. Dies auch, weil er von dem heimlichen Seelenforschungsprojekt des „gefallenen Kardinals“ weiß. Die Leserinnen und Leser erfahren von diesem Projekt durch Migräneanfälle von Amber Grant, die immer wieder auftreten, wenn ein neuer Versuch in diesem Projekt durchgeführt wird. Sie hat Kopfschmerzen seitlich VOR ihrer Schläfe, was sich bei näheren Untersuchungen durch einen Dr. Fleming als Phantomschmerzen herausstellt, die Amber an eine siamesische Zwillingsschwester erinnern, die bei der Trennungsoperation in ihrer Kindheit verstorben war. Fleming, der mit neuralen Feedbackprogrammen und Hardware für Prothesentechnik arbeitet nimmt sich des Falls der Dr. Fleming an, obwohl er selber seinen vollgelähmten Bruder und des beinlosen Sohn Jake gerade mit wichtigen Neuerungen seiner Arbeit konfrontiert. Diese Konfrontation geht für Jake sehr zufriedenstellend aus, doch Dr. Flemings Bruder – der durch das neue Verfahren zum ersten Mal seit Jahren die Gelegenheit bekommt, sich zu artikulieren – verfällt in einen systemischen Schock und bittet seinen Bruder ihn nicht zu reanimieren. Sechs Minuten nach dem Eintritt des Todes meldet sich die Stimme des Bruders allerdings noch einmal und be-schreibt das Leben nach dem Tode als grauenhaft. Zusammen mit Ergebnissen aus den Unter-suchungen von Amber Grant beginnt der Atheist Fleming nun sich auf der Suche nach der Seele zu machen, in der Hoffnung, sie nicht zu finden, da er sonst seinen eigenen Bruder zu ewiger Qual verdammt hätte.


    Kaum hat er allerdings mit seiner Arbeit begonnen, wird er wegen ethischer Bedenken von seiner weiteren Arbeit suspendiert und seine wichtigste Patientin – Amber Grant – ver-schwindet von der Bildfläche. Auf der Suche nach ihr trifft er schließlich auf ihren Partner Bradley Soames, der ihm ein Angebot macht, das er im wahrsten Sinne des Wortes nicht ausschlagen kann.


    Von diesem Zeitpunkt an lässt einen der Roman kaum noch Atem holen und man wird durch eine religiöse, philosophische und technologische Tour de Force geführt, an deren Ende viele Grundkonzepte des christlichen – und auch anderen – Glaubens sehr kritisch unter die Lupe genommen worden sind und einige sehr überraschende Ideen aufgebracht wurden. Unbedingt lesenswert.


    Ach ja, zu dem Werbeangebot des Verlegers: Crichton hat die Personenzeichnung in seinen Romanen nie so gut hinbekommen.


    Und dieser Roman ist Prä-Dan Brown und besser strukturiert.

  • Mmmh, die Heyne-ISBN gibt noch keine Meldung, da das Buch erst im April rauskommt. Egal. Unten seht Ihr - hoffentlich - die englische Ausgabe und die deutsche ISBN ist 3-453-43127-8.

  • Hab grade damit angefangen. Bin schon sehr gespannt, wie es weiter geht. Mit dem Nazareth-Gern hat mich Michael Cordy bereits stark gefesselt...

    Viele Grüße, Alianne


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    Bücher sind Schiffe, welche die weiten Meere der Zeit durcheilen.
    Francis Bacon

  • Der Rote Papst, der charismatische Anführer einer von der katholischen Kirche abgespaltenen Bewegung namens „Kirche der Seelenwahrheit“, erfährt von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen über das Leben nach dem Tod. Mit Hilfe dieser Technologie, die der brillante Neurologe Dr. Miles Fleming entwickelt hat, versucht er seine größenwahnsinnigen Pläne in die Tat umzusetzen. Fleming nimmt den Kampf auf, bei dem das Schicksal der Menschheit auf dem Spiel steht. (Klappentext)


    Der Mirror schrieb „Cordy wird sein Reputation als Antwort auf Dan Brown auf Dauer festigen können.“. Zum Glück liegt der Mirror hier etwas daneben, denn das was Cordy mit Lucifer abliefert ist nicht wirklich eine Antwort auf Dan Brown, vor allem ist es eindeutig besser als Dan Brown.


    Cordys Roman spielt in einer Welt, in der die Technik einige riesige Neuerungen hervorgebracht hat. Es gibt Quantencomputer mit unglaublicher Rechenleistungen und aus dem Internet wurde das Optinet, welches eine virtuelle Realität erschaffen kann, Chatten ist out – mittendrin statt nur dabei ist das Motto. Dr. Miles Fleming hat einen Neuro-Translator gebaut, der es ermöglicht mittels Gedanken Körperprotesen zu steuern oder zu sprechen. Dr. Soames treibt Forschung in einem ähnlichen Gebiet, allerdings geht es ihm darum, mit der Seele von Verstorbenen zu kommunizieren.
    Auch in Sachen Religion hat sich die Situation etwas verändert. Die katholische Kirche existiert zwar noch, aber die „Kirche der Seelenwahrheit“ ist die neue Massenreligion. Gegründet durch den roten Papst, als Reaktion auf mangelnde Reformfähigkeit der katholischen Kirche, macht sie sich die neue Technologie zu nutze, um Millionen Gläubigen die Teilnahme an Gottesdienste über das Optinet zu ermöglichen.



    Das Setting ist zwar arg futuristisch, aber Cordy schafft es das ganze recht plausibel zu vermitteln. Anfangs geizt er auch nicht mit ein paar technischen und wissenschaftlichen Details, die sich aber gut in die Handlung einpassen. So erfährt man nebenher noch ein bisschen was über Quantenphysik, das Doppelspaltexperiment und den Welle-Teilchen-Dualismus, aber keine Angst, man benötigt keinen PhysikLK um dem Buch zu folgen


    Das Buch ist in drei Teile unterteilt, spätestens ab dem zweiten Teil, indem die zwei Forschungsprojekte kombiniert werden, ist das Buch sehr fesselnd und lässt sich nur schwer wieder aus der Hand legen. Cordy schafft es, im Gegensatz zu Dan Brown, seinem Buch glaubhafte Charaktere zu verpassen und keine Professoren die zu Superhelden mutieren. So bleibt, trotz des futuristischen Settings und des außergewöhnlichen Themas, der Roman die meiste Zeit über glaubhaft.
    Kurz vor Schluss präsentiert Cordy dann noch eine „Enthüllung“, die wohl keiner so vorher sieht – allerdings ist die auch etwas übertrieben


    Es ist erstaunlich, wie gut die Kombination aus Technik und Religion funktioniert. Quantenphysik trifft auf Metaphysik, Technik auf Theologie, Forschung auf Philosophie. Auch wenn das Buch in erster Linie ein spannender Thriller ist, wirft es doch ein paar Fragen bezüglich Religion und Wissenschaft auf. Wie weit darf Wissenschaft gehen? Gibt es so etwas wie eine Seele die man sichtbar machen kann? Auch Kritik an der Kirche wird immer wieder laut. Solche Fragen können in einem Thriller von 360 Seiten zwar nicht tiefsinnig erörtert werden, aber angeschnitten und thematisieren kann man sie auch in solch einer Umgebung.


    Alles in allen ein spannender Thriller, der Religion und Wissenschaft sehr gelungen verknüpft. Glaubhafte Charaktere, hohes Tempo, kurzum: ein wirklich gut gelungenes Buch.


    (Original mit Leseprobe)

  • Leider hat mich die Geschichte nicht gefesselt.
    Die Geschichte wurde als atemberaubend, raffiniert, abgründig, spannend, einmalig, gnadenlos usw. beschrieben, auch die Kurzbeschreibung fand ich ansprechend und interessant, wie auch, übrigens, die Rezi von K.-G. Beck-Ewe,
    nur irgendwie ging es doch nicht :(

    2024: Bücher: 156/Seiten: 68 071

    2023: Bücher: 189/Seiten: 73 404

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