Tad Williams - Der Drachenbeinthron/ The Dragon Bone Chair

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Der Drachenbeinthron: Das Geheimnis der ...

4.5|66)

Verlag: Klett-Cotta

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 979

ISBN: 9783608961614

Termin: Mai 2017

  • Dieses Buch ist in den letzten Wochen immer wieder genannt worden. Im Allgemeinen bin ich eher Fantasy-Verweigerer, dieses hat mich nun aber doch neugierig gemacht. Ich bin mehr als positiv überrascht. Nein, sagen wir es, wie es ist: Ich bin einer Osten-Ard-Sucht verfallen.


    Die Geschichte beginnt ruhig. Der Autor lässt sich anfangs viel Zeit, erklärt sehr anschaulich die Entstehung von Osten Ard. Dann kommt alles richtig in Fahrt, die Spannung steigt mit jedem Kapitel. Die handelnden Figuren haben Ecken und Kanten und sind jenseits von oberflächlicher Schwarz-/Weißmalerei sehr tiefgründig angelegt. Die Fülle an Figuren erlaubt viele unterschiedliche Blickwinkel und Handlungsorte, die Wechsel tragen zum Aufbau der Spannung bei, bisweilen haben sie sogar nervenschonende Wirkung.


    Der Plot wartet mit vielen Twists auf. Eben noch vermeintlich stimmige Theorien müssen innerhalb kürzester Zeit entweder verworfen oder überarbeitet werden. Ein Buch für alle, die gern spekulieren. Innerhalb der Handlung stecken viele universelle Themen und Lebensweisheiten, die ohne den moralischen Zeigefinger dargelegt werden.


    Fazit:
    Toller Beginn einer Saga, voller Rätsel und vielschichtiger Figuren :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

  • Ich fand den Anfang dieser Reihe eigentlich schon gut und deswegen habe ich auch :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:vergeben. Es lief alles auf ziemlich klassische Art und Weise ab und könnte fast als Blaupause für einen epischen, mitteralterlichen High Fantasy-Roman durchgehen: verschiedene Völker, Königshäuser, Intrigen, der Kampf von Gut gegen Böse, lange Reisen, dunkle Geheimnisse, Magie usw. Und trotzdem hat mir manchmal etwas gefehlt, das den unbedingten Drang ausgelöst hat, immer wieder in diese Geschichte einzutauchen, so dass ich diese Reihe wohl nicht weiterverfolgen werde. Ich habe auch über drei Wochen für die knapp 1.000 Seiten gebraucht, was schon recht lange für mich ist. Der Schreibstil war recht ausschweifend und ausführlich und ich denke, dass man diese Geschichte auch auf kürzere Art und Weise erzählen hätte können, denn im Grunde ist die Handlung schnell erzählt. Etwas geschwächelt haben für mich auch die Charaktere. Bis auf Binabik, Morgenes und die Sithi wird mir wohl niemand dauerhaft im Gedächtnis bleiben, auch Simon nicht. Vor allem die Menschen blieben recht blass. Das alles ist natürlich Jammern auf hohem Niveau, denn ich denke, dass jeder Fantasyfan hier gut unterhalten werden wird.

  • Bis auf Binabik, Morgenes und die Sithi wird mir wohl niemand dauerhaft im Gedächtnis bleiben, auch Simon nicht.

    Binabik ist eh der Wichtigste in der Geschichte :wink:. Den habe ich so was von ins Herz geschlossen.

    Gelesen in 2018: 7 - Gehört in 2018: 6 - SUB: 352


    "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)

  • Der Schreibstil hat mir von Anfang an gut gefallen und mich zum zügigen Lesen animiert. Nicht zuletzt wegen des eingeflochtenen Humors, der nicht dominiert, aber immer wieder augenzwinkernd Anwendung findet. Williams schreibt elegant und intelligent. Das hat mir über die ersten ca. 150 Seiten geholfen, mit denen ich ziemlich gekämpft habe wegen Simon und seinen ständigen Dummheiten. Ich ahnte ja schon, dass diese Einfältigkeit sich sehr gut eignet, um den Hauptcharakter über die gesamte beträchtliche Länge der Reihe schrittweise weiterzuentwickeln, es sei denn, die Geschichte kommt ohne "Held" aus.

    Nun ja, Simon Mondkalb war er am Ende des Bandes wahrlich nicht mehr. Schön finde ich, dass der Autor sich Zeit genommen hat und ihn nicht quasi über Nacht zum wagemutigen Superkämpfer gemacht hat. Es besteht immer noch viel Spielraum, um den jungen Mann erwachsen werden zu lassen und zu formen.

    An interessanten Charakteren mangelt es nicht, was mir immer sehr wichtig ist. Weil dies der erste Band ist und viele Personen behandelt werden, stört es mich nicht, wenn einige davon nicht in die Tiefe vorgestellt werden. Ich denke, das kommt später noch. Die Konflikte zwischen den Völkern/Rassen werden gut dargestellt und geschickt eingewoben, die Beschreibungen der Figuren sind stimmig und Osten Ard ist als Fantasy-Welt ist eine runde Sache.


    Der Faktor Religion stört mich nicht. Und es gibt auch nicht nur eine Religion, sondern auch die älteren Glaubensrichtungen und Kulte spielen eine Rolle.

    Das führt mich zu einem Punkt, der mir ganz besonders gut gefällt: viele Mythen, Archetypen und bekannte Symbole kommen vor und machen auch noch Sinn. Der "Einäugige" in Zusammenhang mit dem Baum als Mittel zu Höherem erinnert stark an die Odin-Legende, Simon träumt vom sich ewig drehenden Rad (des Schicksals) und düsteren Türmen, Jarnauga deutet das Erscheinen eines Rotkehlchens als Omen (was die Druiden früher mit genau diesem Vogel so praktizierten) und vieles andere mehr, das bei mir viele Assoziationen wachruft. Am Ende, beim äußerst gut gelungenen Showdown auf dem sagenumwobenen Berg, auf den ich jetzt nicht näher eingehen möchte, wird in einer Weise auf das Elemente Erde Bezug genommen, die mir aus anderer Literatur stark vertraut ist und mich an dieser Stelle im Buch sehr beeindruckt hat.

    Ein anderes Highlight ist für mich die divinatorische Knöchelwerferei von Binabik mit kryptischen Vorhersagen wie "Dunkle Spalte", "falscher Bote" oder "flügelloser Vogel". Es macht soviel Spaß, die Umsetzung der nebulösen Formulierungen dann in der Geschichte zu entdecken!


    Da dieser erste Band sehr viele Elemente verarbeitet, die mir sehr liegen, der Schreibstil meinen Nerv trifft und sich das ganze zu einem ausgewachsenen spannenden Abenteuer entwickelt, muss ich viel mehr Sterne vergeben, als ich anfangs dachte.

    Es darf auch schon mal weitschweifig sein, wenn alles passt und sehr unterhaltsam ist. Deswegen gibt es von mir

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

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