Graham Greene - Unser Mann in Havanna / Our Man in Havana

  • Cuba - kurz vor der Machtergreifung durch Fidel Castro. Mr. Wormold betreibt einen Staubsaugerladen auf Cuba und dieser Laden läuft eher mäßig. Seine Frau hat ihn vor einiger Zeit für einen anderen Mann verlassen, aber trotzdem versucht er weiter die gemeinsame Tochter nach ihrem Wunsch als Katholikin zu erziehen, ein Glaube, dem er als guter Engländer natürlich nicht anhängt. Die Tochter – Milly – schwankt in ihrer katholischen Schule zwischen abgrundtiefer Frömmigkeit O:) , religiösem Fanatismus und halbreligiöser Frivolität. Außerdem gibt sie sehr viel Geld aus, Geld, das Wormold nicht hat :-k .


    Eines Tages kommt ein Mann in seinen Laden, der ihm ein Angebot macht, das er auf Grund seiner finanziellen Situation nicht ablehnen kann. Der eher einfache und unkomplizierte Wormold soll für den MI6 auf dem vorrevolutionären Cuba ein Agentennetz aufbauen. Nach einigem Zögern willigt er ein und erfindet Agenten wie die Figuren in einem Roman und lässt diese geheimnisvolle Dinge entdecken. Er ist dabei so überzeugend, dass man ihm schließlich einen Code-Spezialisten und eine MI6-Sekretärin namens Elisabeth aus England schickt, was ihn in eine überaus unangenehme Lage bringt.


    Doch Wunder über Wunder, die von ihm erfundenen Personen scheinen wirklich zu existieren und werden auf einmal von unbekannten Kräften beseitigt, was Wormold in immer tiefere Gewissensnöte stürzt. Schließlich wird sogar ein Killer auf ihn selbst angesetzt :rambo: und Segura, der Polizeichef von Cuba ist hinter Milly her und will für die Hand von Wormolds Tochter das ein oder andere Auge zudrücken.


    Wie bei John LeCarre wird auch hier das Geheimdienstmilieu als eine Arena der juvenilen Dilletanten beschrieben in der die Wahrheit weniger zählt als der sensationelle Schein und ein Mensch wie eine Spielfigur über eine Schachbrett – oder besser Damebrett – bewegt wird. Lustig, philosophisch, gut geschrieben und überaus menschlich dargestellt. John LeCarre selbst hat vor einigen Jahren mit seinem wunderbaren „Schneider von Panama“ Greenes Roman seinen Tribut gezollt und man sollte beide Romane unbedingt nacheinander lesen. Ein großer Spaß und ein wirkliches Lesevergnügen. IN DER LISTE MEINER TOPTEN!

  • Ich kann mich Klaus nur anschließen - ein wundervolles Buch, eines der wenigen, die ich zweimal gelesen habe. Ich schubse den thread hiermit mal wieder nach oben, nachdem "Der dritte Mann" ja auch einige Freunde hat - und ich dieses Buch hier um Längen besser finde.


    Katia

  • So, habe das Buch anlässlich der ABC-Challenge gelesen nachdem ich es zufällig erworben hatte (war eigentlich ein Geschenk, die Person hatte das Buch schon und Amazon wollte es nicht mehr zurück):
    Ich war wirklich überrascht. Nachdem ich am Anfang ein paar Probleme hatte in die Geschichte reinzufinden, da die Personen nur nach und nach vorgestellt wurden, wurde der Ablauf nach einem Drittel im rasanter. Schon beim Erfinden der Personen hatte ich als Leser ein ungutes Gefühl, dass sich dann natürlich bestätigt. Wormold verstrickt sich immer mehr und muss am Ende sogar um sein eigenes Leben fürchten. Gerade den letzten Teil fand ich sehr spannend geschrieben, so dass ich das Buch kaum weglegen konnte.
    Toll fand ich auch, das Gefühl, dass einem vom Kuba dieser Zeit vermittelt wird. Das saugt man nebenbei auf, macht die Geschichte aber sehr lebendig.
    Insgesamt eine sehr runde Sache, wegen des für mich schwierigen Anfangs aber "nur": :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Was für eine gelungene Veralberung der Geheimdienste! Eine sehr amüsante Erzählung, mit liebenswerten Figuren und klasse Atmosphäre des vorrevolutionären Kubas. Wenn ich lediglich bedauern kann, dass das Buch so kurz ist, ist nahezu alles gesagt. Daher schubse ich den Thread nach vielen Jahren mal wieder an, denn das ist ein Klassiker, den man auch heute noch mit viel Genuss lesen kann.


    Hier noch der Link zu einer Ausgabe im englischen Original