Ulrike Purschke - Hendrikje, vorübergehend erschossen

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Hendrikje, vorübergehend erschossen

3.9|28)

Verlag: dtv Verlagsgesellschaft

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 224

ISBN: 9783423210317

Termin: November 2007

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  • Inhalt (von der dtv-Website kopiert, entspricht dem Klappentext):


    Kennen Sie nicht auch solche Menschen, die sich selber im Weg stehen, weil sie sich selber an allem die Schuld geben? Die sich immer ganz mies fühlen, weil sie gar nicht merken, dass die anderen sie ausbeuten? Ein ungewöhnlich warmherziger und witziger Roman.


    Hendrikje Schmidt ist eine Pechvogelin. Ihr Vater ist unbekannt, ihre Mutter nach Amerika gegangen, als Hendrikje fünf Jahre alt war. Und jetzt sitzt Hendrikje auch noch im Gefängnis. Wie es dazu kommen konnte, erzählt sie der spröden Frau Dr. Palmenberg, die vielleicht dafür sorgen kann, dass Hendrikje vorzeitig rauskommt. So erfahren auch wir, was passiert ist.


    Also: Eigentlich hatte Hendrikje ihr Leben ganz gut im Griff. Tagsüber schuftet sie als Bedienung in einem Café, nachts malt sie Bilder in einem billigen Atelier. Die Aussichten auf eine Ausstellung stehen gut, da kommt es – natürlich an Weihnachten – ganz knüppeldick. Der Freund läuft weg, die Oma stirbt, das Atelier brennt ab, und weil es angeblich Brandstiftung war, zahlt die Versicherung nicht.


    Von einem Tag auf den anderen ist Hendrikje bis über beide Ohren verschuldet, allein und todunglücklich. Und weil ihr der erste Selbstmord ganz kläglich misslingt, versprechen ihre Freunde, ihr beim zweiten Mal selbstlos zu helfen. Bloß, dass am Ende nicht Hendrikje, sondern zwei ihrer Freunde tot sind. Nur gut, dass es die kleine Punkerin Paula und vor allem den doofen Bruno gibt, die Hendrikje den Glauben an die Menschheit erhalten.


    Meine Meinung:


    Ich konnte nicht aufhören zu lesen, bis ich damit durch war - um 12h begonnen, um 20h beendet. Dabei beginnt der Roman recht ruhig und die Erzählweise der Autorin benötigt eine Eingewöhnzeit. Aber nach ca. 50 Seiten war ich begeistert! Hendrikje lässt das Leben auf sich zukommen und meidet eigene Entscheidungen. Sie bevorzugt es, andere ihr Leben bestimmen zu lassen. Eine Einstellung, die ihre "Freunde" zu nutzen wissen und plötzlich ist ihr gerade beginnendes Leben zerstört. So sieht sie nur noch den Tod als Ausweg. Doch selbst hier "versagt" sie - während sie mit einer Schlinge um den Hals auf einem Bügelbrett stehend überlegt, wie sie am leichtesten abspringt, hört sie den Zeitungsausträger, der ihr "Die Zeitung" bringt. Welch eine Ungerechtigkeit, in den Tod zu gehen, ohne die tägliche Kolumne von Sugar Brown gelesen zu haben. Und so springt sie... ohne an die Schlinge um den Hals zu denken... :shock:

    ... welch ein Glück, dass sich der von ihr gewählte Knoten bei Zug löst, statt anzuziehen. :loool:


    So und ähnlich ist Hendrikjes Leben. Äußerst bemitleidenswert, aber hoffnungsvoll und warmherzig. Trotz aller Missgeschicke glaubt sie an eine Zukunft und wird dafür belohnt. Wie, darüber werde ich schweigen (wenngleich es etwas vorhersehbar ist)...


    Es würde mich nicht wundern, wenn dieser Roman als Spielfilm adaptiert wird.


    Ich empfehle es allen, die Vergnügen an Romanen mit einem Spritzer Ironie haben. Zudem sollte man Verständnis und Spaß an der nordischen (hamburgischen) Mentalität haben. :thumright:


    PS: Auf der Website von dtv findet ihr den Romananfang als Leseprobe.

    She wanted to talk, but there seemed to be an embargo on every subject.
    - Jane Austen "Pride and prejudice" - +

    Einmal editiert, zuletzt von Fezzig ()

  • Danke für die Vorstellung, liebe Fezzig :flower:


    Das Buch hatte ich am Samstag schon in der Hand, war aber unentschlossen ... Du hast mir die Entscheidung jetzt leichter gemacht und es steht ab sofort auf meiner Wunschliste :thumleft:


    LG, Steffi :cat:

  • Hallo Fezzig,
    da bist Du mir doch tatsächlich zuvorgekommen mit der Rezension.....


    Ich habs auch letzte Woche gelesen und es ging mir ähnlich wie Dir, konnte auch nicht aufhören zu lesen. Ein richtig schönes Buch.



    Viele Grüße
    Carlsen64

  • Ich habe das Buch von einer Freundin geschenkt bekommen.Und ich fand es echt richtig super.Mit der richtigen Portion Ironie.Ich konnte das Buch auch nicht mehr aufhören zu lesen.Es ist prima erzählt,es wird nie langweilig.

  • Danke Fezzig! Schon wieder was für meine Wunschliste.

    Zitat

    Zitat von Fezzig:
    Ich empfehle es allen, die Vergnügen an Romanen mit einem Spritzer Ironie haben.


    Zitat

    Zitat von stefanieg28:
    Mit der richtigen Portion Ironie.


    Da fällt die Entscheidung nicht schwer :D

    2019: Bücher: 112/Seiten: 46 262
    2018: Bücher: 224/Seiten: 89 626
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    "Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz"

    Dalai Lama

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    Lese gerade:

    Moriarty, Liane - Das Geheimnis meines Mannes

    Theroux, Marcel - Weit im Norden

  • Also ich bin auch überzeugt und setze das Buch nun auf meine Wunschliste. Toll, Fezzig, dass du den Hinweis auf die Leseprobe dazugesetzt hast. :applause:

  • Ein nettes Buch mit nettem Ende. Aber ein bisschen mehr Tiefgang hätte nicht geschadet, finde ich. Das Witzig-Tragische wirkt ein wenig zu glatt und durchkonstruiert, als dass man es wirklich ernst nehmen könnte. Ich dachte beim Lesen auch, dass es gut ein Film sein könnte, den man da guckt. Vielleicht liegt es daran, dass die Autorin Drehbücher schreibt. Ich habe zwischen drei und vier Sternen geschwankt bei der Bewertung, das Buch ist kein Mittelmass, aber auch kein Überflieger für mich.

  • hört sich ziemlich interessant an
    ... kommt direkt mal auf die Wunschliste ! :D

  • Hendrikje Schmidt ist eine sogenannte „Pechvogelin“. Von beiden Eltern im Stich gelassen wächst sie bei ihrer geliebten Omi auf.
    Bisher hatte Hendrikje ihr Leben auch ganz gut im Griff bis sie von einem Tag auf den anderen hoch verschuldet ist und von ihrem Geliebten verlassen wurde.
    Hier beschließt die Todunglückliche ihrem Leben ein Ende zu bereiten und ihre Freunde sollen sie dabei unterstützen.
    Ulrike Purschke erzählt in „Hendrikje, vorübergehend erschossen“ die Geschichte von einer jungen Frau, die sich an allem Übel dieser Welt die Schuld gibt und sich von den anderen nur ausbeuten lässt.
    Hendrikje selbst wirkt schüchtern und unsicher, sie hat bei jeder Kleinigkeit ein schlechtes Gewissen und tritt in wirklich jedes Fettnäpfchen.
    Die Autorin schafft es erstklassig die Verzweiflung und Unsicherheit Hendrikjes gut zu schildern und auch ihre Unentschlossenheit was ihren bevorstehenden Selbstmord betrifft.
    Sehr liebevoll und mit viel (schwarzem) Humor erzählt Hendrikje ihre Geschichte und geht hier vor allem sehr ins Detail.
    Dieses Buch macht wirklich glücklich. Man leidet und fühlt mit Hendrikje, manchmal möchte man sie wach rütteln und anschreien, dass sie sich nicht so behandeln lassen darf. Dann möchte man sie am liebsten in den Arm nehmen und trösten.
    Hendrikje ist eine Figur, die man sofort ins Herz schließt und auf Anhieb lieb gewinnt, deswegen trifft ihr Schicksal den Leser auch mehr als manches andere, das eher mit Distanz beschrieben wird.
    Es war mir eine sehr große Freude dieses Buch zu lesen und ich habe mich beim lesen sehr wohl gefühlt.
    Leider war es viel zu schnell zu Ende und ich werde Hendrikje auch ein Stück weit vermissen.
    Dennoch, ein richtiges Highlight und deswegen nur zu empfehlen!


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: von :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :love: :applause: :thumleft: :drunken:

  • Das Buch zu lesen hat wirklich richtig Spass gemacht. Ich habe Hendrikje in mein Herz geschlossen. Ein total liebenswerter Pechvogel, der sich selbst eigentlich gar nicht so sieht. Auch wenn sie sich für alles die Schuld gibt, in Selbstmitleid zerfließt sie nicht. Im Gegenteil sie nimmt ihr Schicksal in die Hand auch wenn die Richtung mehr als fragwürdig ist. Wer plant schon mit seinen Freunden seinen Selbnstmord und freut sich darauf.


    Besonders bemerkenswert sind die zitierten Kolumnen aus "Die Zeitung" von Sugar Brown - Lebensphilososphie pur und herrlich zu lesen.


    Von mir gibts :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: . Einen Punkt Abzug von der etwas lebensfremden Planung des eigenen Selbstmordes und die Reaktion der Freunde dazu.

    :flower: Das Leben findet immer einen Weg und blüht pötzlich da wieder auf, wo man es am wenigsten erwartet.

  • Das hört sich ja richtig gut an. Humor und Ironie ist eine gute Mischung. Ab auf die WL!!! Danke für die schönen Rezis!!!

    Ich lesee gerade The Haunted
    :study: 2016: 51 Bücher
    :study: 2015: 31 Bücher :pale:
    :study: 2014: 50 Bücher :pale:
    :study: 2013: 69 Bücher :-,
    :study: 2012: 50 Bücher :pale:
    :study: 2011 : 132 Bücher :cheers:
    :study: 2010 : 102 Bücher :dance:


    :flower: Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele :flower:

  • Ich habe das Buch geschenkt bekommen und konnte es erstmal angefangen auch kaum aus der Hand legen (nur blöd wenn man noch andere "Verpflichtungen" hat :P )


    Mir hat es sehr viel Spaß gemacht das Buch zu lesen. Man kann es gut in einem Rutsch lesen und es hat meinen (mitunter schwarzen) Humor genau getroffen. Ich musste so einige Male schmunzeln.
    Ich kann das Buch nur weiter empfehlen :thumleft:

  • *staubwegpust* - haben wir keinen Smiley, der putzt? :|



    Hendrikje sitzt im Gefängnis und erzählt der Psychologin Dr. Palmenberg, wie es dazu kam. Im Grund ganz einfach: Weil sie naiv ist und die falschen Leute für ihre Freunde hielt. Und dazu das Pech, das sich an ihre Sohlen heftete.


    Eine allzu naive Protagonistin nervt schnell, und so erging es mir auch mit Hendrikje. Während sich ihr Alltag als Serviererin in einem Café noch lustig liest und nicht weit weg von der Realität ist, sieht das Privatleben anders aus. Hendrikje gehört zu den Figuren, die man gern schütteln würde. So dämlich kann man doch nicht sein. Dennoch: Irgendwo muss es sie ja geben, die Frauen, die sich von Männern für dumm verkaufen lassen und ihnen auch noch zu Füßen liegen.
    Was ihr zustößt, als sie Paula Unterschlupf gewährt, das war wirklich Pech. Dagegen hätte niemand etwas machen können (außer der Hartherzigkeit nachzugeben). In dieser Passage tat Hendrikje mir von Herzen leid.


    Aber die unsäglich übertriebenen Szenen mit den Freunden zur Planung des Selbstmords und das anschließende „Versehen“ machten dem Mitleid schnell ein Ende. Mir scheint, als hätte die Autorin, die Drehbuchschreiberin ist, den Film vor Augen, eine Samstagabendkomödie der Sorte, bei der die Zuschauer zum Lachen gezwungen werden.
    Auch die Psychologin machte einen eher unkompetenten Eindruck, weil sie als Figur quasi nur dasaß und keine Konturen hatte.


    Die Idee der Handlung war nicht schlecht, mit etwas mehr Zurückhaltung, was die provozierten Lacher angeht, hätte sogar eine netter leichter Roman daraus werden können.

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)



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