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Nelson DeMille - Das Ehrenwort / Word of Honor

Das Ehrenwort

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Verlag: Ullstein Taschenbuch

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 767

ISBN: 9783548257938

Termin: November 2003

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  • Originalausgabe:
    Nelson DeMille
    Word of Honor
    Warner Books (Softcover/1998 )
    ISBN 0446-30158-2
    738 Seiten


    Gerichtsthriller sind das amerikanischste aller literarischen Genre. Keine andere Kultur hat Anwälte und Richter zu solch hohem literarischen Standard erhoben. Darum ist es erstaunlich, dass ein Kriegsgerichts- bzw. Militärgerichtsprozess bisher eher selten das zentrale Thema eines amerikanischen Romans war. Vielleicht brauchte es einen so kundigen und versatilen Schreiber wie Nelson DeMille um dieses Thema richtig zu behandeln.


    Ben Tyson ist der Held dieses Romans und gleichzeitig der Angeklagte in diesem Prozess. Er ist ein guter Manager, ein guter Familienvater, ein guter Nachbar und ein guter Freund. Eines Tages gibt ihm ein Arbeitskollege ein Buch über Menschenrechtsverletzungen im Verlauf des Vietnamkrieges und darin findet Ben ein Kapitel, das seine eigenen Erfahrungen in diesem Krieg behandelt. Als Lieutenant eines Zuges war er mit seinen Leuten in einem Krankenhaus, in dem fürchterliche Dinge geschahen. Alle im Zug hatten geschworen niemals von diesen Dingen zu berichten aber nun hatte dies zwei wohl doch getan und plötzlich findet sich Ben im Zentrum des Medieninteresses und bekommt von seinen Freunden, seinen Kollegen und seiner Familie Fragen gestellt, auf die er auf Grund des Ehrenworts, das er vor Jahrzehnten gegeben hatte eigentlich keine Antwort geben kann.


    Da er sich als einziger Offizier des Zuges auch als Einziger im Reservestatus befindet beschließt das Militär, in einer Art Abrechnung mit dem Vietnamkrieg, ihn zu reaktivieren und ihm vor einem Militärgericht den Prozess zu machen. Trotz der Ratschläge seines Anwalts beschließt Ben gegen die Reaktivierung nicht vorzugehen und sich dem Gericht zu stellen, weil dies seinem persönlichen Ehrgefühl entspricht. Es wird – sehr zum Leidwesen des Militärs, aber auch zu Bens eigenem Erstaunen – ein sehr medienwirksamer Prozess, der die generellen Fragen nach der Zulässigkeit von solchen Prozessen in internationalen Zusammenhängen aufruft, bis zurück zu den Nürnberger Prozessen. Dabei werden viele ethische und moralische Fragen aufgeworfen, die bis heute nicht ihre Gültigkeit verloren haben und die sich eigentlich nur aus dem persönlichen Rechtsempfinden heraus beantworten lassen. Gerade in der Diskussion über die Kompetenzen des internationalen Kriegsverbrechertribunals ist dieser Roman ein sehr bedenkenswertes Stück Arbeit und in der Beziehung auch eher ein philosophisches Sachbuch als ein Roman. Dass es nebenher auch noch ein sehr guter Roman ist, der die Schrecken des Krieges – und zwar jeden Krieges – und der Entmenschlichung derjenigen, die gezwungen sind daran teilzunehmen sehr eindringlich und plastisch demonstriert. Jede Seite in einem Krieg verletzt Menschenrechte und teilweise erscheint dies aus den gegebenen Zusammenhängen auch verständlich. DeMille macht diese Zusammenhänge sehr verständlich – wobei er allerdings dieses Verständnis nicht zur Grundlage eines Verzeihens macht, was besonders Lobenswert ist. Alles verstehen heißt eben nicht alles verzeihen. Dieses Buch sollte jeder lesen, der meint, Krieg wäre in irgendeiner Form etwas Ehrenvolles oder Würdevolles. Es ist leicht – oder auch notwendig – dies zu glauben, wenn man über sich selbst oder seine geliebten Vorfahren im Zusammenhang mit Kriegen nachdenkt, aber ich glaube, dies ist eine Art Selbsttäuschung, ein Schutzmechanismus. Die notwendige Glorifizierung der Grausamkeit um diese psychologisch zu verkraften. Aber es ist nicht Glorioses daran und auch nicht an denen, die daran beteiligt sind. Dies macht dieser Roman deutlich, genau wie DeMilles aktueller Roman „Upcountry“ (Deutsch: „Die Mission“). Es zeigt uns Menschen sehr deutlich, wie wir auf einem bestimmten Level wirklich sind, und wie wir und nicht gerne zugeben zu sein. Ich glaube, wenn wir das könnten, könnten wir endlich lernen, besser zu werden, als wir sind.

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