Bücherwichteln im BücherTreff

Nelson DeMille - Rückkehr nach Spencerville / Spencerville

Rückkehr nach Spencerville

0 Bewertungen

Verlag: Goldmann Wilhelm GmbH

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 532

ISBN: 9783442437481

Termin: 1997

Anzeige

  • Originalausgabe:
    Nelson DeMille
    Spencerville
    Warner Books (Softcover/1998 )
    ISBN 0-446-60245-0
    639 Seiten


    Kriege und die Wirkung ihrer Enden sind sehr häufig das Thema von DeMilles Romanen und auch dieser Roman gehört in dieses Feld. Allerdings ist das Ende des Krieges um den es hier geht, nicht das zentrale Thema des Werkes, sondern wesentlich profaner – Rache. In gewisser Hinsicht ist dies „First Blood“ („Rambo“) in etwas intelligenterer Form mit Bezug auf das Ende des „Kalten Krieges“.


    Keith Landry ist ein Mann von einem kleinen Dorf in Spencer County und nach einigen Jahren am College hatte ihn der Vietnam-Krieg ins große Abenteuer und von seiner friedensbewegten Freundin weggelockt. Diese hat dann später einen daheim gebliebenen jungen Mann geheiratet, der es später zum Polizeichef von Spencerville bringen sollte. Als der Krieg zu Ende ging war Keith dann zunächst für den militärischen Geheimdienst tätig als Agent im Außeneinsatz und erlebte den Zusammenbruch der UdSSR in der ersten Reihe mit. Kurz darauf kam er nach Washington, wo er im Rahmen der globalen Geheimdienstarbeit tätig war. Doch schließlich bekam er einen Brief in dem ihm die Möglichkeit zur Frühpensionierung angeboten wurde und da er Washington nicht mochte und das Ende des Kalten Krieges ihn ohne wirkliche Aufgabe ließ unterzeichnete er seine Papiere und begab sich nach Hause um sich die verlassene Farm seiner Eltern anzuschauen und dort zu überlegen, was er mit dem Rest seines Lebens anfangen sollte.


    In den vorhergehenden 25 Jahren hatte er mit seiner Jugendfreundin in einem ständigen Briefkontakt gestanden, die in ihrer Ehe – trotz zweier netter Kinder – nicht besonders glücklich ist, weil ihr Mann sehr dominant und kontrollierend ist, was sich auch in seiner Arbeit zeigt. Als Keith nach Spencerville zurück kommt bemerkt er sehr schnell, dass die dortige Polizei Verhaltensmuster an den Tag legt, die er sonst nur im Außendienst in einigen kommunistischen Staaten kennen gelernt hat. Und als der Polizeichef – der es selber mit der ehelichen Treue nicht so übertrieben genau nimmt – feststellt, dass ein ehemaliger Freund seiner Frau in der Stadt ist, beschließt er, diesen so schnell wie möglich zu vertreiben. Eine kleiner kalter Krieg zwischen dem erfahrenen Taktiker aus dem globalen Schlachtfeld und dem bauernschlauen Kleinfaschisten beginnt, der zu ausgiebiger kollateraler Verwüstung und schließlich zu einem fulminanten Show-down führt.


    Sprachlich ist dieser Roman wie immer sehr zufrieden stellend, aber gegen Ende wünscht man sich doch eine versöhnlichere Lösung des gesamten Konflikts, als es diese Geschichte anbietet. Irgendwie ist die Übertragung der Rhetorik und Taktik des Kalten Krieges auf das Kleinstadtleben – so sehr dies eventuell realistisch sein mag – doch so banal und gleichzeitig erschreckend, dass es die Leserin und den Leser einfach kopfschüttelnd zurück lässt. Wenn man die Absurdität einer solchen Situation verdeutlichen wollte, ist dies sicherlich gelungen, aber irgendwie passen die letzten 120 Seiten des Romans nicht so ganz zur Atmosphäre des Rest des Buchs.

Anzeige