Max A. Collins - Dark Angel. Tödliches Geheimnis

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  • Es kommt nicht oft vor, dass ich eine Fernsehserie zu einem festen Bestandteil meiner Woche mache und als ich das Konzept von DARK ANGEL las, war ich zwar interessiert, aber ich war mir nicht sicher, ob dieses Interesse weit über den Pilotfilm halten würde. Zu oft werden lohnende Konzepte durch die Zuschauerzahlen so stark kommerzialisiert, dass man diese schnellstmöglich dem Mainstream-Geschmack anpasst. Dies ist mit DARK ANGEL nicht geschehen, sondern man hat, wegen fehlender Zuschauer in den USA das Projekt nach der zweiten Staffel abgebrochen. Ich bin gespannt, wie der Rest der zweiten Staffel aussehen wird. Bisher bin ich sehr zufrieden.


    Dies ist nun der erste Roman, der nach dem Ende der letzten Folge gelegt wurde, wenn ich das richtig sehe. Zumindest beim lesenden Publikum soll also noch weiter Geld abgeschöpft werden, genau wie es Viacom bei der Fortsetzung von DS9 nach dem Ende der Serie erfolgreich und erfreulich gut getan hat. Gelingt dies nun auch 20th Century Fox? Schauen wir mal.


    Einige unsichere Mitarbeiter des NSA-Agenten Ames White sind bei der Durchsuchung eines Gebäudes, in dem sich ein Transgenetischer aufhalten sollte überfallen worden. Sage Thompson, der Jüngere der Beiden, von einem Obdachlosen und sein Partner von einer Person, die ihm in kürzester Zeit das Fell über die Ohren gezogen hat. Wenig später geht Thompson mit 37 Jahren wegen Berufsunfähigkeit in Rente. Ames ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden, da er die beiden Agenten sowieso loswerden wollte.


    Bei einer „Geiselnahmesitutation“ bei Jam Pony kommt es zu einigen erstaunlichen Veränderungen. Nachdem die Polizei die Situation halbwegs unter Kontrolle hatte, taucht die NSA auf und befiehlt den Polizeischarfschützen sich zurückzuziehen und wenig später geht White mit einem Sonderkommando, das vorher nie jemand gesehen hat, noch nicht einmal seine NSA-Mitarbeiter in die Zentrale des Kurierdiensts hinein und es kommt zu einem wilden Kampf. Wenig später werden vor den Augen der amerikanischen Öffentlichkeit eine Reihe Transgenetischer von Personen in SWAT-Anzügen zu Krankenwagen und Polizeiwagen geführt und fortgefahren. Als die Polizei in das Gebäude hinein geht um Beweise zu sichern, finden sie in der ersten Etage das Sonderkommando und Ames White an Stühle gefesselt in ihrer Unterwäsche, was sie zunächst sehr amüsiert, doch dann nehmen sie die Verfolgung der flüchtigen Transgenetischen auf. Diese flüchten – zusammen mit Sketch, Logan und Original Cindy – nach Terminal City, wo die Polizeikräfte durch das Auftauchen einiger hundert schwer bewaffneter Transgenetischer zum Rückzug gezwungen werden. Eine Belagerungssituation entwickelt sich, in die schließlich auch die Army und die Nationalgarde hineingezogen werden. Max sieht sich auf einmal als die „Präsidentin“ einer belagerten Nation von Transgenetischen, die sie zunächst als eine zusammenhängende Gruppe konsolidieren muss, bevor sie die weitere Verteidigung organisieren kann. Gleichzeitig versucht sie, mit Hilfe des Polizeioffiziers Roman Clemente, einen Medienkrieg für die Anerkennung der Bürger- und Menschenrechte der Transgenetischen zu führen, was allerdings dadurch erschwert wird, dass zwei weitere Angehörige von Polizeikräften von einem unbekannten Transgenetischen außerhalb von Terminal City gehäutet werden, was die Medien – durch die freundliche Nachrichtenweitergabe von Ames White – natürlich eher negativ beurteilen. Eingeschlossen von Armee- und Polizeikräften müssen Max und ihre Freunde nun versuchen, einen Sturm auf Terminal City aufzuhalten und dieses chemisch-bakteriologische Niemandsland gleichzeitig in ein Zuhause umzuwandeln, während sie versuchen herauszufinden, wer dort draußen „Normalos“ auf so fürchterliche Art und Weise tötet und ihn oder sie aufzuhalten. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.


    Diese Geschichte aus einem Nachkriegsamerika, das von mehreren nuklearen Waffen getroffen wurde und nun nur noch aus mehr oder weniger zusammenhängenden Stadtstaaten besteht ist in vielerlei Hinsicht erschreckend und zeigt – ähnliche wie einige der besseren Dystopyen der letzten 10 Jahre, wohin die amerikanische Gesellschaft im ungünstigsten Falle steuern könnte. Romane von kritischen Autoren wie Stackpole, Sheffield und anderen sind von den kritischen SF-Leserinnen und –Lesern sehr positiv aufgenommen worden und auch LeVar Burtons – Kunta Kinte in „Roots“ und Geordi LaForge in StarTrek – The Next Generation, sowie Preisträger für die Leseförderung mit seinem Programm „The reading Rainbow“ – hat viel Anerkennung bekommen. Der Misserfolg von „Dark Angel“ bei der breiten amerikanischen Zuschauerschaft ist dabei ein Zeichen, dass kritische SF in den USA nicht immer den verdienten breiten Erfolg hat, den sie häufig im Ausland genießt. Man darf gespannt sein, wie das DARK ANGEL-Konzept in den nächsten Monaten und Jahren im Buchmarkt weiterentwickelt wird.

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