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Ben Elton - High Society [EN]

High Society

5 von 5 Sternen bei 1 Bewertung

Verlag: Corgi

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 389

ISBN: 9780552150538

Termin: August 2003

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  • Ben Elton
    High Society
    Black Swan/Transworld (Softcover/2002)
    ISBN 0-552-15053-3
    380 Seiten
    Euro: 10.20


    Nachdem sich Elton in „Dead Famous“ mit den Abgründen des Reality-Fernsehens auseinander gesetzt hat, beschäftigt sich dieser Roman mit dem nicht minder interessanten Feld des britischen Drogenkonsums in der Gesellschaft. Hierbei werden kaleidoskopartig verschiedene Facetten des Drogenproblems aufgegriffen, angefangen bei den Anonymen Alkoholikern, über den Kokainkonsum der Reichen und Schönen zu der Straßenkriminalität und Unfällen mit rekreationalen Drogen in Familien. Außerdem werden auch politische Momente mit eingebracht zur Frage der Dekriminalisierung bestimmter Drogen um der illegalen Drogenindustrie das Wasser abzugraben. Wobei der Unterschied von Dekriminalisierung und Legalisierung nicht zu unterschätzen ist, wie dieser Roman sehr deutlich klar macht. Der Advokat der Legalisierung in dieser Geschichte ist der Hinterbankpolitiker Peter Paget – ein eher langweiliger Mensch mit wenig eigenen Lastern, außer dass er gelegentlich einvernehmlichen Sex mit seiner Assistentin hat. Er sorgt für einige Aufregung, als er einen Gesetzesentwurf einbringt, der ALLE Drogen legalisieren helfen soll und er hat dabei die Unterstützung eines prominenten Drogenfahnders, der öffentlich den Krieg gegen die Drogen für verloren erklärt. Alle Argumente, die hier in den politischen Diskussionen gegeben werden sind nicht neu und teilweise sehr gut in „Smoke and Mirrors“ nachzulesen, wo auch einige sehr interessante Gründe für das Festhalten an der aktuellen Anti-Drogenpolitik aufgeführt werden. Paget lässt sich zumindest nicht unterkriegen, auch wenn sein Mitstreiter wegen sehr tätlicher Bedrohung seiner Familie zurückstecken muss und kommt mit seinem Kreuzzug für die Legalisierung erstaunlich weit.


    Neben dieser im Vordergrund stehenden Geschichte gibt es auch noch die Geschichte von Tommy Hanson, dem Popstar, der ständig teuere und „gute“ Drogen konsumiert und gleichzeitig seinen Fans erklärt, dass er dies nicht tut, und dass sie dies sowieso bleiben lassen sollten. Hier wird gezeigt, wie prominente Figuren für Vergehen, die den Normalsterblichen für einige Jahre hinter Gittern bringen Titelseiten gewidmet bekommen und Fernsehauftritte, sowie die Möglichkeit über ihre eigene Reue Bücher zu schreiben. Wem dazu aus dem deutschen Blätterwald ein paar Namen einfallen, der weiß, dass hier die Realität und die Fiktion wirklich Hand in Hand gehen. Und aus einem der jüngsten fälle außerdem, dass der weiße Sklavenhandel und der Drogenhandel sehr eng miteinander verknüpft sind und dass Leute, die viel Geld für Beides ausgeben, diese beiden Verbrechensbereiche aktiv unterstützen. Wenn sie dies nicht wissen, sind sie dumm und wenn sie es wissen, sind sie eigentlich selber kriminell, wie Tommy Hanson durch eine bosnische Prostituierte, die dem weißen Sklavenhandel nur knapp entkommen ist, ausgiebig auseinander gesetzt wird. Er selber kümmert sich wenig später um die Rettung der weißen Sklavin Jessie, die bei ihrer Ankunft in London direkt einem Zuhälter in die Hände gefallen war und die später in einem geschlossenen Haus arbeitete, in dem neben ihr vorwiegend Osteuropäerinnen und Asiatinnen beschäftigt sind, die kaum ein Wort Englisch können und außerdem keinen Zugang zu ihren Papieren haben. Auch hier bedienen sich verschiedene Männer zu hohen Preisen sowohl an Drogen, wie auch an den Mädchen, die durch Drogen friedlich und willenlos gehalten werden.


    Die drei Geschichten von Peter, Tommy und Jessie überkreuzen sich immer wieder und zeigen sehr deutlich die unterschiedlichen – auch internationalen Facetten – des Drogenproblems. Als vierte Figur ist in diesem Zusammenhang noch Sonia interessant, die als Einmal-Kurier eine Ladung Drogen aus Thailand heraus bringen sollte, was zu ihrem Pech schief geht und zu einer Verurteilung zu 30 Jahren Haft führt. Es gibt mittlerweile genügend Filme und Bücher zu diesem Thema und ich muss sagen, dass mich die Dummheit und moralische Eingeschränktheit der „Opfer“ der asiatischen Justiz immer wieder irritiert. Sie gehen in diese Länder, wissen, dass sie etwas Illegales tun und mit nur ein wenig Nachdenken sollte ihnen klar werden, dass diese Woche bezahlter Urlaub in der Sonne einige tausend Leben zerstört, entweder durch die Drogen selbst, durch Beschaffungskriminalität – wobei hier Opfer wie Täter betroffen sind – durch Prostitution und weißen und gelben Sklavenhandel und so weiter. Wenn sie erwischt werden jammern sie laut, es gibt in den Herkunftsländern einen Riesenrummel in der Presse, deren Vertreter oft genug selbst regelmäßige Drogenkonsumenten sind und am Ende gibt es einen Film und einen Buchvertrag oder eine Serie in der BILD. Keiner fragt nach den Menschen, die in den betreffenden Ländern im Elend leben, weil sich hier viele Leute ein „Recht auf Rausch“ gönnen, während sie gleichzeitig jedem Drogenskandal hinterher hecheln. Und keiner fragt, ob eine Regierung eines solchen Landes nicht das Recht hat, seine Bevölkerung vor solchen kriminellen – oder dummen und gedankenlosen – Ausländern zu schützen.


    Dies ist ein sehr komplexes und problematisches Thema und zwangsläufig kann dieser eine Roman nicht allen Facetten des Problems gerecht werden. Aber er kommt dem sehr nahe und dies in einer interessanten und unterhaltsamen Art und Weise, die die zu vermittelnden Informationen viel eindringlicher in die Hirne der Leserinnen und Leser bringt, als ein Zeitungsbericht oder eine Dokumentation.

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