Jessica Durlacher - Emoticon

  • Klappentext:


    Emoticon handelt von der komplizierten Freundschaft zweier Frauen: Ester und Lola, die ein halbes Leben lang alles miteinander geteilt haben - die Liebe, die Männer, die Eifersucht, das Mißtrauen, die Neugier auf Israel, die Liebe zu einem Kind namens Daniel, Lolas Kind. Emoticon ist auch die Geschichte dieses Daniel, der zum Jugendlichen heranwächst, sich von seiner ersten großen Liebe enttäuscht fühlt, der vor allem aber eine Sehnsucht hat: seinen Vater, einen Israeli, kennenzulernen, was die Mutter ihm bislang verwehrt hat.
    In zweiter, hart kontrastierender Linie ist der Roman zugleich die Geschichte von Aischa, einer Palästinenserin und radikalen Aktivistin Mitte zwanzig aus Ramalla, die die Verzweiflung über die Misere ihres Volkes zum Äußersten treibt. Sie möchte für die Weltöffentlichkeit ein Zeichen setzen, und das Schicksal spielt ihr die Gelegenheit dazu in die Hände: Aischa lockt einen niederländisch-israelischen Jungen, Daniel, in eine tödliche Falle. Ihr Lockmittel: das Internet und seine Zeichensprache, die Emoticons.
    Der Roman handelt last, not least von einem faszinierenden, vitalen, zerrissenen Land, das nicht zur Ruhe kommen kann. Er besticht durch seine komplexe und dennoch atemberaubende Dramaturgie, die den Leser bis zur letzten Seite in Hochspannung hält.



    Die Autorin:


    Jessica Durlacher, geboren 1961 in Amsterdam, veröffentlichte 1997 in den Niederlanden ihren ersten Roman, "Das Gewissen". Für ihn sowie für den 2000 erschienenen zweiten Roman, "Die Tochter", wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Sie lebt mit ihrem Mann Leon de Winter und ihren beiden Kindern in Bloemendaal und Kalifornien.



    Meine Meinung:


    Nachdem ich vor ein paar Jahren mit großer Begeisterung "Die Tochter" gelesen habe (ihr Erstling "Das Gewissen" fällt dagegen etwas ab), habe ich mir "Emoticon" quasi blind gekauft und wurde nicht enttäuscht.


    Jessica Durlacher versteht es auch hier wieder, die unterschiedlichen Handlungsstränge auf verschiedenen Zeitebenen gekonnt miteinander zu verbinden. Man erlebt die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln, was gerade hier wegen des politischen Aspekts besonders reizvoll ist (auch wenn unschwer zu erkennen bleibt, auf wessen Seite die Autorin steht). Gut gefallen hat mir auch die differenzierte Schilderung der Freundschaft zwischen Ester und Lola. Der auf den ersten Blick überstürzt und unüberlegt wirkende Aufbruch Daniels nach Israel erscheint mir im Nachhinein doch plausibel und nachvollziehbar.



    Ich wünsche Jessica Durlacher, dass sie spätestens mit diesem Roman das Schattendasein neben ihrem Mann (mit dem sie es alle Mal aufnehmen kann...) hinter sich läßt. :thumright:


    Liebe Grüße
    Siebenstein :wink:

    :montag: Judith Hermann - Daheim


    "Sehnsucht nach Liebe ist die einzige schwere Krankheit, mit der man alt werden kann, sogar gemeinsam."
    (Bodo Kirchhoff: Die Liebe in groben Zügen)