Nick Cave - UND DIE ESELIN SAH DEN ENGEL

  • Buchdetails

    Titel: Und die Eselin sah den Engel


    Verlag: Heyne

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 336

    ISBN: 9783453676824

    Termin: Oktober 2014

  • Bewertung

    3.9 von 5 Sternen bei 9 Bewertungen

    78,9% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Und die Eselin sah den Engel"

    Gott hab ihn selig Euchrid Eucrow ist das Produkt mehrerer Generationen von Inzucht. Seine Mutter ist eine Säuferin und sein Vater ein wortkarger Fallensteller. Wortlos wächst er in einem fundamentalistischen Südstaatenkaff auf, welches von einer eigenartigen Sekte und vom Anbau von Zuckerrohr lebt. Euchrid wird von den Städtern gejagt und misshandelt. Nur die Hobos des Ortes stehen noch unter ihm. Getrieben von sozialer Isolation, flüchtet er sich in Wahnvorstellungen und kreiert seine eigene Welt.
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  • Nachdem ich Euch ein Buch von einem Schauspieler empfohlen habe möchte ich Euch heute das Buch eines Musikers vorstellen. :)
    Ich habe es zwar noch nicht ganz gelesen, aber auch nur deswegen nicht, weil ich nicht will das es vorbei ist. Ich möchte mich noch eine zeitlang freuen dürfen, es zu lesen. :)


    "Und die Eselin sah den Engel" von Nick Cave


    eine Kurzbeschreibung von Amazon:


    "Der Rockmusiker Nick Cave hatte mit seinem ersten Roman die Leser sofort auf seiner Seite: Die Geschichte des Mörders und Selbstmörders Euchrid Eucrow, der, Produkt mehrerer Generationen von Inzucht und Alkoholmißbrauch, in einem gottverlassenen, vom Zuckerrohr und einer bigotten Sekte beherrschten Südstaatenkaff aufwächst, wurde zu einem Kultbuch."


    Da ich nicht glaube das Buch mit eigenen Worten so vorstellen zu können dass ihr einen richtigen Eindruck davon bekommt, möchte ich Euch einige Leseproben vorsetzten.


    1
    "Ohne Vorwarnung ins Leben befördert, ausgestoßen aus der schnapsgetränkten geronnen Milch der Schwangerschaft - ach, diese trauliche Höhle, in der wir so lange schwammen! - und jetzt vom Trauma der Geburt erschüttert hier alleingelassen, hatte ich, wie ihr euch wohl denken könnt, eine peinlich unvollkommene Vorstellung von jenem allerletzten Rätsel. Ich mein, woher hätt ich wissen sollen, wie verflucht tot ein Toter wirklich ist? "


    2
    "Die Sonne, daß weiß ich noch, kämpfte mit einem Rudel fetter Wattewolken, und die Schatten kamen und gingen und kamen und gingen, bis die verhüllte Nacht sie alle miteinander einsackte."


    3
    "Andererseits - welcher Sinn genau nun hinter unserem irdischen Leiden steckt, ist mir ebenso ein Rätsel, wie es für euch bestimmt auch eins ist. Ich meine, auf welchem Weg kommt Gott etwa zu dem Entschluß, alles Wasser von Ort A abzuziehen und über Ort B abzuwerfen? Was denkt er sich dabei? Ich frage euch. Wenn uns derlei nicht entsprechend dem Eifer, mit dem wir unseren göttlichen Aufgaben nachgehen, zugemessen wird, und davon können wir sicher ausgehen, ja was dann? frag ich mich. Was geht da oben vor? Wonach wird das Elend bemessen? Was läßt die Waagschale sinken? Ist es ein Zufallssystem? Eine Rouletteschüssel? Ein Würfelspiel? Oder gibt es da ein bestimmtes Muster? Etwas, das vor der Schöpfung erfunden wurde; hat es was mit den Jahreszeiten zu tun, mit Astrologie? Wieso wurde bei der ersten überlieferten Massenausrottung die Sintflutmethode angewandt? Wollte Gott ein Bad nehmen? Ich frage euch. Oder gab es erst das System, und dann die Schöpfung? Ist das System mathematisch? Numerisch? Oder vielleicht alphabetisch? "Heute sind wir bei P - Pest allenthalben, ein paar Progrome, etliche Plagen, dann ein bißchen Putzen und eine Praline hinterher..." Bald werd ich's wissen - wenn der Tod mich endlich bezwungen hat - wenn ich außer Reichweite des des Lebens bin - wenn ich keine Chance mehr habe, zurückzukehren - ja, dann wird mir das alles offenbart werden."


    4
    "Die Ukuliten, bewaffnet mit Taschenlampen und Heurechen, sahen von meinem Posten aus auf der Anhöhe bei der Hütte wie Ameisen aus. Belfernd und betend fächelten sie die Flammen. Ich fragte mich, wie sie auf Ihn wirken mochten, diese Ameisen, diesen fieberhaften Fleckchen da unten. Ich streckte meine Hand aus. Sie waren nicht größer als mein Daumen. Ich spreizte die Finger und sah, daß sie die ganze Ruhmes-Ebene umspannten; und langsam krallte ich die Finger zusammen und zerquetschte sie alle mitsamt dem Feuer in meiner Faust.
    Ich lachte, und das Tal erzitterte vom Widerhall."



    Ich denke nicht dass es großer weiterer Erklärungen bedarf, denn ich finde allein schon diese paar Ausschnitte geben einen Eindruck wie dieses Buch geschrieben ist. Einfach genial, wenn auch es von der Handlung her oftmals eklig ist und in tiefste Abgründe eintaucht, ist es ein Genuß dieses Buch zu lesen. Wer mit der Musik von Nick Cave was anfangen kann, wird bestimmt auch dieses Buch mögen.


    Uli

    Ohne eigene Bücher zu sein, ist der Abgrund der Armut, verweile nicht darin.
    -Ruskin-

    Einmal editiert, zuletzt von K.-G. Beck-Ewe ()

  • Ja Ja ich habe das buch auch gelesen...es ist fantastisch! erinnert mich an "schlafes bruder" von robert schneider. freue mich auf mehr

  • Hab das Buch gestern fertig gelesen. Hier meine Rezension:


    Inhalt: “Der Tod ist das Pflaster auf dem Schmerz des Lebens – Das ist meine Botschaft an die Welt.“ Diesen Satz sagt, beziehungsweise denkt der stumme Euchrid Eucrow, Produkt mehrerer Generationen von Inzucht und Alkoholmissbrauch, gegen Ende dieses bedrückenden Werkes von Nick Cave, dem berühmten Rockmusiker. Allein dieser Satz lässt erahnen, dass “Und die Eselin sah den Engel“ (im Original heisst das Buch übrigens “And the Ass Saw the Angel“) keine leichte Kost ist. Ganz im Gegenteil. Doch was hätte man von Cave auch anderes erwartet. Unverblümt erzählt er die traurige Geschichte von Euchrid, wie dieser immer wieder von seiner trunksüchtigen Mutter geschlagen wird, von seinen teils sehr bizarren Fetischen, von seiner Liebe zu einer Hurre und wie er sich tagtäglich mit dem Tod auseinandersetzen muss. Bis die Situation in dem von einer Sekte beherrschten Südstaatenkaff, in dem er lebt, eskaliert.


    Meine Meinung: Ich kann nicht sagen, dass ich dieses Buch mit Freude gelesen habe. Ich weiss nicht, ob überhaupt jemand behaupten kann, so ein Buch mit Freude gelesen zu haben. Für mich persönlich war es sicher eine lohnende Leseerfahrung. Auch wenn das Buch teilweise nicht ganz einfach zu lesen ist, was wohl unter anderem auch daran liegt, dass Cave es damals unter Drogeneinfluss geschrieben hat. Wirklich geschadet hat das dem Buch allerdings nicht. Denn die Sprache ist stellenweise echt genial. Insbesondere an den biblischen Stellen. Denn ob man es glaubt oder nicht, “Und die Eselin sah den Engel“ ist ein überraschend religiöses Werk. Schade nur, dass die Handlung alles in allem etwas dünn ausgefallen ist und erst gegen Ende so richtig spannend wird. Deshalb gibt es von mir leider nicht die volle Punktzahl.


    Fazit: Zarte Gemüter sollten auf alle Fälle besser die Finger von dem Buch lassen. Denn “Und die Eselin sah den Engel“ ist stellenweise wirklich erschreckend brutal. An der hohen sprachlichen Qualität dieses gelungenen Werks, ändert das aber glücklicherweise nichts.


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