Philip M. Margolin - Die Hand des Dr. Cardoni

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  • Das zweite Buch, das mein Freund mir im Schnellverfahren in der Bücherei ausgesucht hat (ohne Hinsehen ins Regal greifen...), und leider - im Gegensatz zum anderen (Der Knochenpoet von Susanne Kraus) kein besonders gute Treffer.


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    Kurzbeschreibung von Amazon:
    Der faszinierende, aber zwielichtige Chirurg Vincent Cardoni wird verdächtigt, eine Reihe sadistischer Morde verübt zu haben. Staranwalt Jaffe, assistiert von seiner Tochter Amanda, gelingt es zwar, den Arzt freizubekommen, doch die Serienmorde bleiben, zumal Cardoni unter bizarren Umständen verschwindet, weiterhin unaufgeklärt - bis Jahre später Amanda, inzwischen selbst erfolgreiche Anwältin, mit ganz ähnlichen Verbrechen konfrontiert wird.


    ***


    Besonders faszinierend fand ich ihn nicht, diesen Vincent Cardoni, eher als genauso stereotyp wie die anderen Charaktere, die Philip Margolin da in Szene gesetzt hat: Wir haben den erfolgreichen, toughen Anwalt - der trotzdem noch mit seinem Gewissen ringt. Die sehr attraktive, sehr kluge Tochter des Anwalts, nicht minder erfolgreich dafür umso naiver und stets darum bemüht, aus Daddys Schatten hervorzutreten. Die mysteriös attraktive kühl-distanzierte Chirurgin, mit schlechter Menschenkenntnis in Bezug auf die Wahl ihrer Männer. Desweiteren tanzen den Reigen noch mit ein weiterer Arzt, ein Klinikchef, diverse Gangster mit dazugehörigen Gangsterbossen, korrupte Polizisten und und und.


    Die Charaktere hat Margolin also, zumindest nach meinem Empfinden, nicht sonderlich fantasiereich angelegt, die Handlung dafür wird dem Genre Thriller ohne weiteres gerecht. Organhandel, Leichenfelder im Garten von Ferienhäuschen, Verdächtigungen in sämtliche Richtungen, Körperteile im Kühlschrank, temporeicher Spannungsaufbau - und trotzdem bleibt das Ganze irgendwie durchschnittlich, vielleicht, weil einfach nichts wirklich Neues dabei ist (fantasievolle Orginalität hat er nicht gepachtet).


    Gelungen fand ich, dass sich immer mal wieder alles umdreht - der Täter auf einmal das Opfer ist und umgekehrt, oder doch nicht? Dass eben nicht wirklich alles so ist, wie es zu sein scheint, auch wenn die Auflösung mehr oder weniger auf der Hand liegt. Etwas ausgelutscht sind die inneren Konflikte der Strafanwälte in den Hauptrollen, ebenso wenig begeistert hat mich die Darstellung der amerikanischen Gesetzgebung. Vielleicht liegt das an meiner europäischen Erziehung, die mit dieser seeeehr US-amerikanischen Art nicht wirklich viel anfangen kann. Unlogische Punkte gibt es ebenso,



    Aber wirklich verloren hatte das Buch mit seinem Schluss. Der hat mich zwar im ersten Moment gepackt und auf gewisse blutrünstige (*hüstl*) Art und Weise befriedigt - aber bleibt trotzdem ein in meinen Augen nicht zu billigender Akt der Selbstjustiz, den ich sogar in einem Buch als unangebracht empfinde.

    In allem habe ich Ruhe gesucht und sie nirgends gefunden außer in einer Ecke mit einem Buch.
    - Umberto Eco

    2 Mal editiert, zuletzt von Thari ()

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