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Isabel Allende - Aphrodite Eine Feier der Sinne / Afrodita Cuentos, recetas y otros afrodisiacos

Aphrodite - Eine Feier der Sinne

4.1 von 5 Sternen bei 9 Bewertungen

Verlag: Insel Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 329

ISBN: 9783458359661

Termin: Oktober 2013

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    In dieser deftigen Mischung aus Memoiren und Kochbuch hat Allende eine ganze Apotheke von Aphrodisiaka zusammengestellt, von Schlangenblut und Rhinozeroshorn bis zu den alltäglicheren und schmackhafteren Austern, "diese verführerischen Tränen des Meeres, die sich dazu anbieten, von Mund zu Mund zu gleiten, wie ein ausgedehnter Kuß ... bekommt man auch im Glas zu kaufen, wo sie allerdings wie bösartige Tumore aussehen; feucht und prall in ihren Schalen, dagegen, erinnern sie an zarte Vulven -- ein hervorragendes Beispiel von Speisen, die auch das Auge ansprechen." Kapitel für Kapitel bietet kategorische Auflistungen über die aphrodisierenden Eigenschaften von Fleisch, Gewürzen, Obst, Gemüse und Alkohol. Nach einigen Kapiteln beginnt man, sich zu fragen, welche Nahrungsmittel denn eigentlich nicht als erotisch gelten: "Die Form der Weizenähre gilt als phallisch, was beweist, daß der menschlichen Phantasie keine Grenzen gesetzt sind." Wein (allerdings nicht überraschend) wird empfohlen, weil "er Hemmungen abbaut, entspannt und die Freude fördert -- drei fundamentale Voraussetzungen für eine gute Leistung, nicht nur im Bett, sondern auch am Klavier." Wie in vielen Dingen, jedoch, ist Mäßigung das Wichtigste: zuviel des Guten, und Ihr Gast schläft womöglich über dem Suppenteller ein.
    Allende hat für Nouvelle Cuisine nichts übrig. Sie bevorzugt statt dessen deftige Kost und sättigende Portionen. Das Buch enthält über 100 Rezepte, von Saucen und Suppen bis zu Hors d'oeuvre, ergänzt durch ihre üppigen Kommentare. Die Rezepte, zum Beispiel für "Sauce Mykonos", mit Walnüssen, Pistazien, Basilikum, Knoblauch und Milch, "Witwer-Feigen", "Filet Mignon Belle Epoque", "Cremesuppe Alicante", mit Lauch, Krabben, Austern, Paprika und Sahne, werden Sie im Handumdrehen dazu bringen, sich eine Schürze anzuziehen (und möglicherweise nur diese).


    Als wir uns mit ein paar Mitgliedern einigten, was wir in der letzten Lesenacht gemeinsam lesen wollten, habe ich ohne es zu kennen, für dieses Buch gestimmt, einfach deshalb, weil ich Allende sehr gern lese und mir nach und nach alle ihre Bücher zulegen möchte. Ich habe es nicht bereut, denn hier lernt man eine ganz neue Art der Autorin kennen.


    "Darf ich es als Geschenk verpacken?" fragte der junge Azubi in der Buchhandlung. "Nein, danke", sagte ich unbedarft, "das kaufe ich mir selbst." Dass der junge Mann rot bis hinter die Ohren wurde, bewies immerhin, dass er das Buch kannte. Dass ich nicht rot wurde, hing vermutlich damit zusammen, dass der Azubi wirklich sehr sehr jung war. (Vielleicht ein Praktikant?)


    Der erste Eindruck: Das Buch ist sehr schwer, wiegt über 600 g (andere Taschenbücher von 320 Seiten bringen kaum 350 g auf die Waage). Das Papier ist dick und glänzend und bedruckt mit sehr kleinen Buchstaben. Man braucht also gute Augen und gutes Licht; schwierig wird es bei Lampen, weil das glänzende Papier stark reflektiert. Einige Passagen, die kursiv gesetzt sind, lassen sich wegen der kleinen ungewohnten Schrift nur schwer lesen.
    Der zweite Eindruck nach einem kurzen Durchblättern: Das Buch ist so appetitlich, dass man hineinbeißen könnte, vor allem durch die Bilder - Gemälde und Fotografien - die Nahrungsmittel, gedeckte Tische und Paare zeigen. Wer nicht glaubt, dass drei nebeneinander liegende Pfirsiche ein erotisches Bildmotiv abgeben, wird schnell vom Gegenteil überzeugt.


    Das Buch liest sich äußerst vergnüglich. Es ist mit Augenzwinkern und einer guten Portion Ironie geschrieben, auch wenn Allendes Anspruch, möglichst umfassend alles Essbare mit aphrodisierender Wirkung wenigstens einmal erwähnt zu haben, gegen Ende des beschreibenden Teils von ca. 200 Seiten fast zuviel wird. Was sie gut kann und in ihren Romanen ja längst bewiesen hat: Geschichten erzählen, egal, ob es sich um Überliefertes in Form von Legenden oder Märchen handelt, um Autobiographisches oder Fiktives. Immer dann wird das Buch wieder interessant, und man kann darüber hinwegsehen, dass sie noch eine Gemüsesorte oder das zwanzigste Meeresgetier und das xte Obst auf seine erotisierende Wirkung hin untersucht. Ein paar Nahrungsmittel weniger und einige Geschichten mehr hätte mir besser gefallen.


    Manches von dem, was die Autorin behandelt, kennt man, z.B. Spargel oder Pflaumen als Symbole für männliche, bzw. weibliche Geschlechtsteile. Aber am Ende des Buches fragt man sich: Gibt es eigentlich irgendetwas Essbares auf diesem Planeten, das NICHT dazu dienen kann, die Lust zu wecken oder zu erotischen Spielen verwendet zu werden?
    Wahrscheinlich nicht, wie jeder weiss, der schon einmal an einem kuscheligen Abend zu zweit eine trockene Salzstange - die wohl nicht einmal die bösartigste Frau als Phallussymbol bezeichnen würde :cherry: - gemeinsam von beiden Seiten geknabbert hat. Oder seine Kindergartenliebe durch abwechselndes Kauen desselben Kaugummis besiegelt hat.


    Marie

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)



  • Hallo Marie,
    ich habe mir das Buch aus der Bücherei ausgeliehen, bin aber noch nicht dazu gekommen, es zu lesen. Ich denke aber, dass es wohl zur Spargelzeit die passende Lektüre sein könnte ... :-,


    grüße von missmarple

  • Ich habe nicht erwartet, dass ich bei dieser Lektüre mehr als einmal laut lachen muss. Isabel Allende schreibt locker, unterhaltsam und durchaus witzig.
    Allerdings gab es einige Passagen, die mir dann doch ein bißchen zu sehr mit Lebensmitteln vollgepackt waren, ich habe mit der Zeit einfach die Handlung vermisst.
    Vermutlich sollte ich dazu auch sagen, dass ich nicht sehr gerne koche, vielleicht war mir auch deshalb das Buch teilweise zu langatmig. Es gab einige Passagen, bei denen ich das Buch aufhören wollte, dann hat mich die Autorin doch wieder mit Witz und Charme überrascht und ich brachte es nicht übers Herz, "Aphrodite" in die Ecke zu legen.


    Ich besitze die gleiche Ausgabe, die Marie bereits erwähnt hat. Auffallend ist, dass die Schrift sehr klein ist und die Seiten eng bedruckt sind, die Illustrationen haben mir sehr gut gefallen und sind sicher eine Augenweide. Sie bereichern nicht nur die vielen Rezepte, sondern schaffen zusätzlich eine besondere Leseatmosphäre.


    Obwohl mich das Buch nicht gefesselt hat, hat es mich dennoch unterhalten und besonders Allendes lustige Einschübe waren Lesegenuss pur! (ich sage nur: mit der gekauften Torte um den Tisch hüpfen, damit sie mehr nach "selbst gemacht" aussieht... :mrgreen: )


    Gruß
    Wilaja


    P.S. Versteht ihr, was genau Allendes Freundin am Häuten von Tintenfischen als "sinnlich" empfindet? :scratch:

  • @ Wilaja: "Andrea (Name von Allendes Freundin) bringt es fertig, jede Tätigkeit in ein erotisches Abenteuer zu verwandeln." (S. 142)
    Eine bessere Erklärung findet Allende auch nicht. Vermutlich auch kein anderer, wenn ich mir das Häuten von Tintenfischen vorstelle.


    @ missmarple: Allende empfiehlt "Pasta mit Spargel und Kaviar" (S. 300) und sagt dazu: "Unterlassen Sie nicht, Ihren Geliebten darauf aufmerksam zu machen, wie schwierig und teuer und aphrodisisch dieses Gericht ist und welche Vergütung Sie - im Fleische - für die Kosten und Mühen erwarten."
    Guten Appetit!


    Marie

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)



  • Also ich mag Isabel Allendes Bücher ja generell sehr gerne, aber dieses ist mein absolutes Lieblingsbuch von ihr! Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass ich sehr gerne Koche und mir auch gerne mal Kochbücher anschaue, die meisten allerdings nicht besonders einfallsreich finde…
    Wie dem auch sei, Aphrodite ist eine sehr entspannende und abwechslungsreiche "Einführung" in das aphrodisische Kochen und macht beim Lesen definitiv Hunger. Ich habe bei vielen ihrer Geschichten ordentlich gelacht (der unattraktive Mann, demnach dem Kochen quasi ein Model ist) und gleichzeitig sehr gerne ihre Informationen zu den Lebensmitteln sowie ihre Rezepte durchgelesen. Die schon erwähnten Bilder passen wirklich hervorragend zum Buchinhalt!
    Meine einzige Kritik an dem Buch ist, dass es nicht besonders stabil ist. Nach ein paar Jahren und häufigem darin Blättern fallen mir die Seiten heraus und das sollte eigentlich nicht passieren. Schade

  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „Isabel Allende - Aphrodite“ zu „Isabel Allende - Aphrodite Eine Feier der Sinne / Afrodita Cuentos, recetas y otros afrodisiacos“ geändert.

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