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Erich Maria Remarque - Im Westen nichts Neues

Im Westen nichts Neues: Ohne Materialien

4.3 von 5 Sternen bei 78 Bewertungen

Verlag: KiWi-Taschenbuch

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 336

ISBN: 9783462046335

Termin: März 2014

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  • Nun habe ich auch endlich meine Allgemeinbildungslücke beseitigt und kann dieses Buch zu den gelesenen stellen. Den alten Film kannte bereits.
    Ein Buch was vielfach zum Nachdenken anregt. Aus der Perspektive eines einfachen Soldaten, der keine Ahnung von Politik hat, zeigt dieses Buch, wie aus ganz normalen Jungen Tiere gemacht werden, die nur noch ums eigene Überleben kämpfen. Diese Buch gibt keine Antwort auf die Frage, warum es zu Kriegen kommt oder wie sie zu verhindern wären...

    "Eine ganze Stunde der Seligkeit! Ist das etwa wenig, selbst für ein ganzes Menschenleben?" - Dostojewski

  • Diese Buch gibt keine Antwort auf die Frage, warum es zu Kriegen kommt oder wie sie zu verhindern wären...


    Diese Bemerkung verstehe ich nicht ganz. Empfindest Du das als negativ oder ist es nur eine neutrale Feststellung? Aber wie auch immer, ein Roman hat weder die Aufgabe noch den Sinn, Analysen vorzunehmen oder Lösungen aufzuzeigen. Das ist Sache der wissenschaftlichen Literatur.


    Gruß
    mofre

  • Empfindest Du das als negativ oder ist es nur eine neutrale Feststellung?

    War eine Feststellung und ich empfinde es nicht als negativ. Finde es gerade interessant, dass die Geschichte "nur", aber dafür so intensiv aus der Perspektive eines einzelnen Soldaten erzählt wird.

    "Eine ganze Stunde der Seligkeit! Ist das etwa wenig, selbst für ein ganzes Menschenleben?" - Dostojewski

  • War eine Feststellung und ich empfinde es nicht als negativ. Finde es gerade interessant, dass die Geschichte "nur", aber dafür so intensiv aus der Perspektive eines einzelnen Soldaten erzählt wird.


    Man muss dazu den Hintergrund etwas genauer kennen. Remarque hat das Buch 1928 veröffentlicht. Er selbst war für kurze Zeit an der Front, ist aber ein bekennender Kriegsgegner. Natürlich sind die Personen in seinem Roman fiktiv. Ihre Erlebnisse sind quasi Beispiele für die Erlebnisse/Eindrücke der betroffenen Kriegsgeneration. Remarque hat seinen Roman auf Erzählungen von Kriegsheimkehrern aufgebaut und es in meinen Augen geschafft, die wesentlichen Gedanken der Betroffenen eindrucksvoll einzufangen und sprachlich umzusetzen. Es gibt blutige Stellen im Buch, jedoch sollen diese nur die Schrecken des Krieges verdeutlichen und dienen, meiner Ansicht nach, nicht dazu der Handlung mehr Dramtik zu verleihen.
    Besonders gut gefallen haben mir die Eindrücke Pauls zum Ende des Buches. Das Buch ist 86 Jahre alt, dennoch ist es für mich ein echter Weltklassiker, denn was es beschreibt ist auch heute noch aktuell und diskussionswürdig.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


  • Joachim Ringelnatz (1883-1934)

  • @Horus ,
    wenn du ein paar Worte dazu schreiben würdest, wüssten wir alle hier, warum du das Gedicht an dieser Stelle postest.
    Ringelnatz hat es nicht verdient, solcherart in den Raum geworfen zu werden.

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)



  • @Marie,
    Ringelnatzs Gedicht ist nichts anderes als eine Illustration des letzten Satzes von El Novelero. Es fiel mir beim Lesen seines Beitrags ein.


    Der humoristische Schriftsteller, Dichter und Kabarettist Ringelnatz hat treffend die Worte des Schriftstellers Remarque noch einmal grotesk überhöht. Wenn man dagegen die Titel der heutigen Tageszeitungen liest, finde ich letztere obszön; Kriege, Luftangriffe, Embargo, Kämpfe, Waffenschmuggel, eine Faszination der Zerstörung.

  • Alles klar, @Horus .
    Wäre hilfreich gewesen, wenn du deine Deutungen direkt dazu geschrieben hättest.

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)



  • Meine Motivation das Buch zu lesen, beruhte nicht auf Wissensdurst mehr über den 1. Weltkrieg zu erfahren, sondern mein Interesse wurde durch den Literaturclub geweckt, da jetzt “100 Jahre danach” neue Fakten zur Rezeptionsgeschichte des Werkes zu Tage kamen. Darüber wurde im Club diskutiert und das machte mich neugierig.


    Während der Lektüre fiel mein Augenmerk dann schon über zahlreiche Gedankengänge, die ich mir so, gekoppelt mit dieser sehr poetischen Sprache, nicht recht vorstellen konnte.


    >>Sieh mal, wenn du einen Hund zum Kartoffelfressen abrichtest und du legst ihm dann nachher ein Stück Fleisch hin, so wird er trotzdem danach schnappen, weil das in seiner Natur liegt. Und wenn du einen Menschen ein Stück Macht gibst, dann geht es ihm ebenso; er schnappt danach.<<


    >>Wir sind verlassen wie Kinder und erfahren wie alte Leute, wir sind roh und traurig und oberflächlich, – ich glaube, wir sind verloren.<<


    Bei aller Liebe, solche philosophischen Gedanken während der Gräuel kann ich mir nicht vorstellen. (Da ich selber schon Panikattacken erlebt habe, kann ich mir solch weitreichende Gedanken im Schützengraben einfach nicht denken.) Und so ist es ja auch nicht gewesen, denn der Roman ist ja kein Zeitzeugnis (Augenzeugnis), sondern er wurde 10 Jahre nach dem Krieg geschrieben. 10 Jahre in denen man schon die Schrecken verarbeiten, drüber nachdenken und diskutieren konnte. Aber im Schützengraben sind solche Äußerungen wohl kaum gefallen:


    >>Das Grauen läßt sich ertragen, solange man sich einfach duckt – aber es tötet, wenn man darüber nachdenkt.<<


    >>Seine sonst sehr trockene Phantasie arbeitete sich Blasen.<<


    Beim Lesen kamen mir solche Äußerungen immer unwahrscheinlicher vor. Im Anhang der neuen Ausgabe vom Roman findet man dann die ausführliche Entstehungsgeschichte. Es gibt wohl mehrere verschieden ausgelegte Versionen, die über die Jahre entstanden sind und wohl auch immer neu umgemodelt worden sind.


    >>Vielmehr deuteten die durch das Typoskript dokumentierten Korekturen des Autors darauf hin, dass er und der Ullstein-Konzern den Text im Hinblick auf die Publikumserwartungen und die Zuordnung zum Genré der nicht fiktionalen Kriegserinnerungsliteratur konzipiert und verändert hatten in verblüffender Übereinstimmung mit den Werbemaßnahmen, zu denen gezielte Fehlinformationen zur Biographie Remarques zählten.<<


    >>”Im Westen nichts Neues” erschien nun als wohldurchdachter, bis ins kleinste Detail der Struktur und einzelne Formulierungen hinein konzipierter Text.<< (aus dem Anhang)


    Alleine schon die Unmittelbarkeit wie das Buch verfasst ist – an einen fiktiven Adressaten, den Paul Bäumer direkt anspricht (eine Art Brief oder Berichtform) ist ein großer Kunstgriff. Denn so bekommt auch der letzte Leser weiche Knie bei der Lektüre und steckt mitten im Geschehen.


    Persönlich mag ich dieses “Verkünsteln” in keinster Weise, mir geht dadurch die Authentizität dahin. Ähnliches Empfinden hatte ich bei dem Roman “Austerlitz” von Sebald, wobei ich die Kunst durchaus anerkenne, sie aber absolut nicht meinen Geschmack trifft.

  • solche philosophischen Gedanken während der Gräuel kann ich mir nicht vorstellen


    Es soll sogar Soldaten gegeben haben, die während der Krieghandlungen philosophische Bücher lasen. Und sich damit über die Themen der Bücher Gedanken machten. Bekanntlich gab es extra Feldpostausgaben.


    "Wie bereits im Ersten Weltkrieg gab der Verlag ... eine tragbare Feldbibliothek heraus. Es handelte sich dabei um stoßfeste Kästen, die 100 verschiedene Reclam-Ausgaben enthielten, so dass der Wehrmachtssoldat auch an der Front nicht auf Goethe oder Kant verzichten musste." (kopiert hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Reclam-Verlag )


    Auch hier (http://www.welt.de/kultur/lite…-Buch-der-Stunde-war.html ) noch ein interessanter Artikel zum Thema.

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)



  • Gerade Greuel kann Menschen überaus nachdenklich stimmen. Krieg ist immer "nur" stoßweise Kampf und Verderben. Soldatentum besteht zu über 90% aus irgendwo Hinmarschieren und dort dann warten. Bis zu einem Kampf oder bis man woanders hin marschiert. In der britischen Armee nennt man das Prinzip "Hurry up - Wait." Da bleibt sehr viel Zeit zum Reden, Nachdenken, Schachspielen - der Vater eines Klassenkameraden hat mit einem seiner Kameraden im Wachdienst Schach ohne Brett gespielt. Nur nach Ansage.


  • Danke, Buchkrümel, für die nachträglichen Ausführungen. Ich weiß jetzt auch, wo wir uns missverstanden haben. Ich würde die Sprache wohl nicht als "poetisch" bezeichnen, vielmehr als "philosophisch". Poetisch wäre für mich persönlich eher eine Gedichtsform, wobei die Grenzen natürlich fließend sind.


    Persönlich mag ich dieses “Verkünsteln” in keinster Weise, mir geht dadurch die Authentizität dahin. Ähnliches Empfinden hatte ich bei dem Roman “Austerlitz” von Sebald, wobei ich die Kunst durchaus anerkenne, sie aber absolut nicht meinen Geschmack trifft.


    Da bleibt sehr viel Zeit zum Reden, Nachdenken, Schachspielen - der Vater eines Klassenkameraden hat mit einem seiner Kameraden im Wachdienst Schach ohne Brett gespielt. Nur nach Ansage.


    Ich kann mich hier nur meinen Vorrednern anschließen. Ich denke schon, dass die Soldaten sich während des Krieges relativ viel mit philosophischen Fragen beschäftigt haben, und sei es nur, dass sie über Sinn und Unsinn von Krieg und Gewalt nachgedacht haben. Sie werden kaum immer nur rein pragmatisch gedacht un dgehandelt haben. In sehr vielen Kriegsfilmen kommen solche Ansätze vor, extrem zum Beispiel in Apokalypse Now, aber auch in Das Boot, 08/15, Good Morning Vietnam, u. a.
    Ein Film (und auch ein Buch), der sich nicht mit solchen Dingen ansatzweise beschäftigt ist für mich hingegen weitgehend unglaubwürdig. Soldaten sind Menschen und keine Roboter und viele haben vllt. auch Gewissensbisse, nachdem sie ihren ersten Gegner getötet haben und haben damit zu kämpfen. Das war ja auch in dem Buch der Fall.


    Nur noch meine Anmerkungen dazu. Viele Grüße aus London.

  • Soldaten sind Menschen und keine Roboter und viele haben vllt. auch Gewissensbisse, nachdem sie ihren ersten Gegner getötet haben und haben damit zu kämpfen.


    Eine der Beobachtungen der amerikanischen Streitkräfte im Ersten und Zweiten Weltkrieg ist gewesen, dass die Soldaten oft gar nicht schossen, wenn sei es hätten tun sollen - oder sie schossen mehr ode rminder bewusst vorbei. Aus diesem Grund wurde angeblich zum Vietnamkrieg hin die Ausbildung extrem verändert um die Tötungshemmungen abzubauen. Aber wie etwa die besseren Bücher von Nelson DeMille ("Eine Frage der Ehre" z.B.) zeigen, hat das auch nur eingeschränkt funktioniert - es gibt also noch Hoffnung für die Menschheit.

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