Seite 301-389 ab 26.04.06

  • Zitat

    Vieles bleibt offen, und trotzdem ist am Ende alles gesagt.


    Das hast du schön gesagt und triffst damit ziemlich genau ins Schwarze.


    Mich haben die beiden (starken) Frauen Ingrid und Alma sehr beeindruckt. Bei beiden war offensichtlich, dass ihr Leben ganz und gar nicht so verlaufen ist, wie sie es sich vorgestellt haben, und trotzdem kommt keine Bitterkeit auf. Zwischendurch Verzagen, aber beide wirken niemals verhärmt.


    Wie ist das bei Johanna? In ihrer Ehe dürfte sie ja ähnlich unglücklich sein wie die beiden anderen Frauen. Sucht sie in der Affäre mit Philipp einen Ausgleich (den sie offenbar doch nicht findet)? Oder manövriert sie sich dadurch nur in ein noch größeres Schlamassel? Irgendwie habe ich aber den Eindruck, dass sie mit der Situation ganz gut zurecht kommt. Sie lebt ihr Leben trotz ihrer schwierigen Männer und läßt sich in keiner Weise einschränken.


    Irgendwie werde ich immer noch nachdenklich, wenn ich an die Geschichte denke.


    Es hat sehr viel Spaß gemacht, sie mit euch gemeinsam zu lesen!! Vielleicht paßt´s ja bald wieder...


    Lg
    Susannah

  • 30. Juni 1978


    Bin gerade mit dem Kapitel fertig geworden. Es ist wirklich traurig das Ingrid auf so tragische Weise ums Leben kommt. Ich fand es von Arno Geiger mitfühlbar und sehr traurig erzählt, musste da auch erstmal eine Pause machen um das zu verdauen, wahrscheinlich auch deshalb weil meine Mutti auch Ingrid heisst, und da ist es schon etwas komisch so was zu lesen.


    Der Vater/Tochter Konflikt auf der Fahr in den Familienurlaub fand ich auch sehr treffend beschrieben. Ich konnte mich ganz gut in Sissi hineinversetzen, mir ging es in dem Alter genauso das ich nicht mehr gerne mit meinen Eltern in den Urlaub gefahren bin und immer am meckern war.


    Zitat

    Schlimm finde ich, dass Peter, wenn er sich Ingrid zurück wünscht, gar nicht SIE wiederhaben will, sondern ihr zeigen möchte, wie gut er ohne sie klarkommt und wie sich selbst zu zeigen, wie gut sie es haben könnten. Auf Seite 302/303 ist er sehr ehrlich zu sich und ihrer unglücklichen Ehe.


    Du sprichst mir aus der Seele :thumleft:. Er hat sich auch anderweitig gut trösten können. Was ich sehr schade finde und wieder einmal für den Charakter Peters spricht.


    So, ich denke das ich das Buch heute noch durch bekomme. ..

    Narkose durch Bücher - Das Richtige ist: das intensive Buch.
    Das Buch, dessen Autor dem Leser sofort ein Lasso um den Hals wirft, ihn zerrt, zerrt und nicht mehr losläßt.


    :study: Sarah J. Mass - Throne of Glass / Die Erwählte :study:

  • Ich bin jetzt auch durch (heute konnte ich einfach garnicht mehr aufhören zu lesen), und hier mein Schlussfazit des Buches:


    Mir hat das Buch sehr gut gefallen...ja...und mir hats einfach Spass gemacht. Die Geschichte, die Personen, Geigers Schreibstil. Schade das es schon zuende ist.


    Die Aufteilung der Kapitel war super. Ich wollte auch immer gleich wissen wie und mit wem es weiter geht.


    Besonders haben mir auch die Charaktere der zwei starken Frauen Ingrid und Alma gefallen. Er hat es genauso beschrieben wie ich mir das Leben damals (zu den jeweiligen Zeiten) einer Frau und Mutter vorstelle.


    Zitat

    Mich haben die beiden (starken) Frauen Ingrid und Alma sehr beeindruckt. Bei beiden war offensichtlich, dass ihr Leben ganz und gar nicht so verlaufen ist, wie sie es sich vorgestellt haben, und trotzdem kommt keine Bitterkeit auf. Zwischendurch Verzagen, aber beide wirken niemals verhärmt.


    :thumleft: GENAU!!!


    Dagegen bin ich mit Philipp nicht so richtig warm geworden. Lag es an seiner Art das Haus auszuräumen, an dem Menschen Philipp selber, ich weiss es nicht.


    Interessiert hätte mich noch wie die Beziehung zwischen Richard und Johanna weitergegangen wäre.


    Das Buch hat viel Stoff zu nachdenken gegeben und wird mich sicher auch noch eine Weile beschäftigen.


    Das war meine erste Leserunde und mir hat es sehr sehr viel Spass gemacht mit euch gemeinsam das Buch zu Lesen. An der Stelle auch Danke an die "Übersetzer" der Östereichischen Wörter. :flower:

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  • Hallo,


    nochmal zur Aufklärung des 1/4 Telefonanschlusses: wenn jemand telefoniert hat könnte man nicht "hinaus", das heißt - man musste auf einen kleinen Knopf drücken - es gab keine freie Leitung. Wenn jemand von draußen angerufen hat, dann war ein Besetztzeichen, wenn der Nachbar gerade telefonierte. Es gab übrigens ein Viertel Telefon und auch ein Halbes (da waren nur 2 Haushalte an einer Leitung beteiligt).
    Wir hatten 1/4 Telefon, aber die Nachbarn telefonierten sehr wenig, daher konnte ich als Teenager ausreichend den Apparat in Anspruch nehmen :lol:


    Ihr habt ja schon sehr viel zum letzten Teil des Buches geschrieben, da tue ich mir jetzt ein bißchen schwer....
    Das Kapitel 30. Juni 1978 hat mir sehr gut gefallen, die Beziehung Peter zu seinen Kindern finde ich ganz normal, auch die Streitereien zwischen den Geschwistern ist authentisch beschrieben. Das Peter nach dem Tod von Ingrid (diese Szene ist mir fast zu kurz) sich total verändert finde ich auch realistisch. Wahrscheinlich können Männer viel mehr, wenn sie müssen (oder wir Frauen sie lassen) :-?


    Witzig auch der Hinweis auf das legendäre Fußballspiel in Cordoba, habe schon lange nicht daran gedacht - ich war damals 13 Jahre alt und (weil es cool war) ein totaler Fußballfan, das Match verfolgte ich im Radio und das "I wer narrisch" höre ich heute noch...


    Liebe Grüße
    Gabi

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    "Welchen Kummer deiner Seele du auch ertränken willst,
    deine Bibliothek ist der beste Keller!
    Jean Cocteau

  • Zitat

    Original von Gabi5
    nochmal zur Aufklärung des 1/4 Telefonanschlusses: wenn jemand telefoniert hat könnte man nicht "hinaus", das heißt - man musste auf einen kleinen Knopf drücken - es gab keine freie Leitung.


    :thumright: ja, danke Gabi! Genau so war es, den Knopf hatte ich total vergessen!


    Zitat


    Witzig auch der Hinweis auf das legendäre Fußballspiel in Cordoba, habe schon lange nicht daran gedacht - ich war damals 13 Jahre alt und (weil es cool war) ein totaler Fußballfan, das Match verfolgte ich im Radio und das "I wer narrisch" höre ich heute noch...


    Ja, überhaupt haben mir die Einblendungen mit Schlagzeilen der betreffenden Jahre sehr gut gefallen. Viele Sachen sind schon total in Vergessenheit geraten, es gab immer wieder schöne Erinnerungseffekte!


    Ich habe das Buch auf den SUB meines Mannes ganz oben hingelegt (er wollte es auch von sich aus lesen, wo doch auch Manuel Andrack [Harald Schmidts "Copilot"] das Buch doch sehr empfohlen hat). Ich bin schon sehr gespannt, was er dazu sagt und wie es ihm gefällt und wie er manche Szenen beurteilt!

    Herzliche Grüße
    Rosalita


    :study:
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  • Bin gerade mit dem Buch fertig geworden und auch mir hat das Kapitel 9. Oktober 1989 sehr gut gefallen. Das Lebensresümee von Alma ist beeindruckend, aber tlw. auch betrückend geschrieben. Es muss ganz furchtbar sein, wenn man am Ende seines Lebens ganz alleine da steht, besonders schlimm wenn beide Kinder gestorben sind :cry:
    Auch hier gelingt es Arno Geiger mit seinem Stil, dass ich mich voll und ganz in Alma hineinfühlen kann - das ist nicht unbedingt ein schönes Gefühl...


    Die Kapitel von 2001 gefallen mir in diesem 3. Teil wieder nicht (wie schon im erste Teil), dieser Schreibstil liegt mir nicht, teilweise so unzusammenhängend.
    Philipp ist (für mich) der Depp, der kaum lebensfähig erscheint - ich erkenne auch keine Ursache dafür in seiner Kindheit. Er ist halt so....


    Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, interessant war es auch mit euch gemeinsam zu lesen - ein Danke an meine ersten Leserunde-Teilnehmer :) Ich glaube durch die Diskussion mit Euch habe ich den Inhalt viel intensiver aufgenommen und mir mehr Gedanken gemacht. Ihr habt mich immer wieder auf Dinge hingewiesen, die mir sonst (vielleicht) gar nicht aufgefallen wären. Z.B. die unterschiedlichen Schreibstile, das das von Geiger ganz bewußt eingesetzt wird um die verschiedenen Charaktäre zu treffen.


    Was ich mir nicht so gut gefallen hat war, dass wir doch unterschiedlich schnell waren, teilweise sogar sehr viel Unterschied. Ihr habt schon im 3. Teil gepostet, ich (und auch andere) waren aber erst beim ersten Teil. Ich habe dann schon weiter eure Meinungen gelesen (bin sehr neugierig), es störte mich auch nicht den Inhlalt zu wissen, aber die Diskussionen waren dadurch erschwert. Ich wollte dann nicht am Ende eines Threads noch etwas zum Anfang schreiben...
    Ich hoffe mich klar ausgedrückt zu haben :|


    Ich hoffe auf eine weitere Leserunde,
    liebe Grüße
    Gabi

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  • Ich habe ein Interview mit Arno Geiger gelesen, das ich noch nicht kannte. Teile davon möchte ich euch nicht vorenthalten.


    Die Individuen sind nicht gescheitert, aber richtig glücklich sind sie doch nicht.


    Arno Geiger: Bei fast allen Figuren ist es ambivalent. Es ist auch ein glückliches Leben, bei allem Scheitern. Ich hoffe, dass der Roman, der natürlich von einer melancholischen Stimmung geprägt ist, trotz allem eine Aufforderung zum Leben ist.


    Es heißt ja auch im Titel "Es geht uns gut".


    Arno Geiger: Da steckt die ganze Ambivalenz drin. Diese Schutzbehauptung, diese Floskel, die vor allem dazu dient, keine Auskunft geben zu müssen. Für mich repräsentiert sie das Familienleben, sie versinnbildlicht dieses aneinander Vorbeireden. Dass einer vom anderen nicht weiß, wie es ihm geht. Auch das Ironische schwingt mit und der Wunsch, es möge einem gut gehen bzw. wieder besser werden. [..]


    Es ist zwar ein Antifamilienroman, aber am Schluss steht wieder die Neugründung einer Familie, wenn Philipp zur Hochzeit von einem der Schwarzarbeiter fährt. Insofern ist das Buch keine Absage an die Familie.


    Arno Geiger:Nein, ist es nicht. Es geht ja noch weiter. Atamanov fiinanziert sich seine Hochzeit mit den Verkäufen aus Philipps Haus. Tatsächlich gründet auf Philipps Verweigerungshaltung ein anderer seine Familie.


    (Quelle: Büchergilde-Katalog)

    She wanted to talk, but there seemed to be an embargo on every subject.
    - Jane Austen "Pride and prejudice" - +

  • Zitat

    Original von Fezzig


    Arno Geiger: Bei fast allen Figuren ist es ambivalent. Es ist auch ein glückliches Leben, bei allem Scheitern. Ich hoffe, dass der Roman, der natürlich von einer melancholischen Stimmung geprägt ist, trotz allem eine Aufforderung zum Leben ist.


    Besser könnte man es nicht sagen! Danke, Fezzig für diese Zitate!


    Ich habe heute leider feststellen müssen, dass Arno Geiger ganz unweit von mir eine Lesung hielt, leider bin ich mit dem Zeitungslesen ein bisschen in Verzug geraten :scratch: und so las ich heute folgendes Interview, das Arno Geiger anlässlich seiner Lesung in Linz am Di, 2.5. gegeben hat:


    Zitat

    Frage: Ich bewundere, wie authentisch diese Figuren sind, gerade die älteren, der ÖVP-Politiker Richard und seine Frau Alma. Für einen 1968 geborenen Autor ist es sicher schwrd, die konservativ-bürgerlichen Familienstrukturen der 50-er Jahre überzeugend nachzustellen?


    Arno Geiger: Ich habe manches aus Tageszeitungen recherchiert, aber ich komme selbst aus einer Familie, in der die Großmütter intelligenter wren als ihre MÄnner. Trotzdem waren sie immer bemüht, den Männern das letzte Wort zu lassen. So ungefähr: Lassen wir ihnen das letzte Wort, aber schauen wir, dass es unseres ist.


    Das ganze Interview gibts hier, u.a. wird auch kurz über die früheren Romane des Autors gesprochen.


    Ich bin echt traurig, dass ich die Lesung nicht besucht habe. Es wäre sicher ein Erlebnis gewesen (und außerdem hätte ich jetzt wohl ein signiertes Buch!) ;)

    Herzliche Grüße
    Rosalita


    :study:
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  • Hallo Fezzig und Rosalita,


    Danke für Eure Hinweise - habe ich sehr interessant gefunden. Die Aussagen von A.Geiger machen ihn sehr sympatisch!


    Lg. Gabi

    Liebe Grüße
    Gabi


    Monats Challenge: 2/12

    Weltreise Challenge: 2/12

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    "Welchen Kummer deiner Seele du auch ertränken willst,
    deine Bibliothek ist der beste Keller!
    Jean Cocteau