Klappentext/Verlagstext
Frankie und Freddie Lehmann, zwei Brüder aus Bremen, in Westberlin, im Jahr 1980. Während der eine seit Wochen damit beschäftigt ist, in Kreuzberg Fuß zu fassen, will der andere weiterziehen nach New York, musste aber erst einmal am Kudamm im Probandenhotel wohnen und als Versuchskaninchen für Antidepressiva herhalten. Jetzt, einen Tag vor Heiligabend, hat er Angst vor Menschen, kann nicht mehr U-Bahn fahren und verliert eine wichtige Tasche.
Sven Regener schickt die beiden auf eine Odyssee durch eine Stadt zwischen den Welten, einen Ort von Spaß und Kälte, Trotz und Anarchie, Resignation und Überlebenswillen. Ein Roman über Brüder, Aufbrüche und plötzliche Liebe - klug, poetisch, warmherzig und sehr sehr lustig.
Der Autor
Sven Regener wurde 1961 in Bremen geboren. Er ist Sänger und Texter der Band Element of Crime. Ihm gelangen mit der Lehmann-Trilogie "Neue Vahr Süd" (2004), "Der kleine Bruder" (2008) und „ Herr Lehmann" (2001) drei sensationelle Erfolge. Die Bücher standen monatelang auf den Bestsellerlisten. "Herr Lehmann" wurde inzwischen in 16 Sprachen übersetzt sowie 2003 von Leander Haußmann verfilmt.
Inhalt
Frank Lehmann hat sich 1980 in Berlin als Dauergast bei seinem älteren Bruder Freddie eingerichtet und dessen WG-Zimmer samt Schulden und Job im Café Einfall übernommen. Beide verbindet der ungeklärte Besitz eines Opel Kadetts, der verschenkt, aber nicht umgemeldet wurde. Schließlich gibt man in Berlin ungern seinen Parkplatz auf, hat man einmal einen gefunden. 1980 zog man nach Berlin, um den Wehrdienst zu umgehen, Kunst zu studieren oder schlicht einige hundert Kilometer zwischen sich und zu neugierige Eltern zu legen. Ein Überraschungsbesuch auf dem Landweg setzte voraus, dass man für den Transit durch die DDR rechtzeitig einen Reisepass beantragt hatte.
Wie der erste Schnee kommt Weihnachten wieder einmal überraschend, so dass am Tag vor Heiligabend die Dinge um die Brüder und ihr Umfeld eskalieren. Freddie hatte als Versuchsperson an einer Medikamentenstudie teilgenommen und sieht verheerend schlecht aus. Man könnte sich fragen, ob er als Gesunder oder als Patient mit psychiatrischer Diagnose an der Studie teilgenommen hat. Sein WG-Mitbewohner Karl Schmidt (aus Glitterschnitter) realisiert, dass sein todsicherer Job zum Schneeräumen vor Mietshäusern nur Freude bringt, solange es nicht schneit. Mitbewohnerin Chrissie wird krank, noch ehe sie sich entschieden hat, wo sie Weihnachten verbringt – und Freddie gerät in übelsten Stress als sein kleines Täschchen verschwindet. Die Jagd nach der Tasche kreuzt eine Art Rundtanz um das Thema Weihnachten. Familie Lehmann und Franks Mitbewohner spielen das Spiel: wer sich zuerst bewegt und zusagt, wo er oder sie Weihnachten verbringen will, hat verloren. Hinterher will es dann niemand gewesen sein. So ist bis zuletzt offen, ob F&F bei ihren Eltern in Bremen feiern werden, wer die kranke Chrissie pflegt und wer sich erfolgreich durch Arbeit aus dem Thema Weihnachten herauswinden wird – schließlich muss das Café Einfall für Weihnachtsflüchtige geöffnet bleiben.
Fazit
Zu Beginn wirken die Brüder Lehmann und ihr kleines Rudel dezent untüchtig für eine Großstadt mit Faltplan und Geister-U-Bahnhöfen. Als Weihnachten jedoch mit Riesenschritten anmarschiert, hat mir die Geschichte riesigen Spaß bereitet. Sven Regener bietet eine Hommage an Berlin als Fluchtpunkt vor elterlichen Ansprüchen samt loderndem Bruderkonflikt der Lehmanns. Wer sich noch voller Nostalgie daran erinnert, warum man in den 80ern Markstücke anhauchte, kann hier zugreifen.
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Serieninfo:
nach dem Erscheinen der Romane (Band 7 von 7)
nach der Chronologie der Ereignisse (Band 3 von 7)
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