Sven Regener – Frankie und Freddie

Cover zum Buch Frankie und Freddie

Titel: Frankie und Freddie

4,2 von 5 Sternen bei 5 Bewertungen

84% Zufriedenheit

Verlag: Galiani-Berlin

Format: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 288

ISBN: 9783869713199

Termin: Neuerscheinung September 2026

Aktion

  • Kurzmeinung

    Gartenfee
    Viel Nichtssagendes rund um eine vergessene Tasche.
  • Kurzmeinung

    Abroxas
    Launige Berlin Odyssee zweier Brüder, die sich näher stehen, als ihnen klar ist
  • Cover zum Buch Der kleine Bruder Cover zum Buch Neue Vahr Süd Cover zum Buch Herr Lehmann
  • Klappentext/Verlagstext
    Frankie und Freddie Lehmann, zwei Brüder aus Bremen, in Westberlin, im Jahr 1980. Während der eine seit Wochen damit beschäftigt ist, in Kreuzberg Fuß zu fassen, will der andere weiterziehen nach New York, musste aber erst einmal am Kudamm im Probandenhotel wohnen und als Versuchskaninchen für Antidepressiva herhalten. Jetzt, einen Tag vor Heiligabend, hat er Angst vor Menschen, kann nicht mehr U-Bahn fahren und verliert eine wichtige Tasche.
    Sven Regener schickt die beiden auf eine Odyssee durch eine Stadt zwischen den Welten, einen Ort von Spaß und Kälte, Trotz und Anarchie, Resignation und Überlebenswillen. Ein Roman über Brüder, Aufbrüche und plötzliche Liebe - klug, poetisch, warmherzig und sehr sehr lustig.

    Der Autor
    Sven Regener wurde 1961 in Bremen geboren. Er ist Sänger und Texter der Band Element of Crime. Ihm gelangen mit der Lehmann-Trilogie "Neue Vahr Süd" (2004), "Der kleine Bruder" (2008) und „ Herr Lehmann" (2001) drei sensationelle Erfolge. Die Bücher standen monatelang auf den Bestsellerlisten. "Herr Lehmann" wurde inzwischen in 16 Sprachen übersetzt sowie 2003 von Leander Haußmann verfilmt.

    Inhalt
    Frank Lehmann hat sich 1980 in Berlin als Dauergast bei seinem älteren Bruder Freddie eingerichtet und dessen WG-Zimmer samt Schulden und Job im Café Einfall übernommen. Beide verbindet der ungeklärte Besitz eines Opel Kadetts, der verschenkt, aber nicht umgemeldet wurde. Schließlich gibt man in Berlin ungern seinen Parkplatz auf, hat man einmal einen gefunden. 1980 zog man nach Berlin, um den Wehrdienst zu umgehen, Kunst zu studieren oder schlicht einige hundert Kilometer zwischen sich und zu neugierige Eltern zu legen. Ein Überraschungsbesuch auf dem Landweg setzte voraus, dass man für den Transit durch die DDR rechtzeitig einen Reisepass beantragt hatte.

    Wie der erste Schnee kommt Weihnachten wieder einmal überraschend, so dass am Tag vor Heiligabend die Dinge um die Brüder und ihr Umfeld eskalieren. Freddie hatte als Versuchsperson an einer Medikamentenstudie teilgenommen und sieht verheerend schlecht aus. Man könnte sich fragen, ob er als Gesunder oder als Patient mit psychiatrischer Diagnose an der Studie teilgenommen hat. Sein WG-Mitbewohner Karl Schmidt (aus Glitterschnitter) realisiert, dass sein todsicherer Job zum Schneeräumen vor Mietshäusern nur Freude bringt, solange es nicht schneit. Mitbewohnerin Chrissie wird krank, noch ehe sie sich entschieden hat, wo sie Weihnachten verbringt – und Freddie gerät in übelsten Stress als sein kleines Täschchen verschwindet. Die Jagd nach der Tasche kreuzt eine Art Rundtanz um das Thema Weihnachten. Familie Lehmann und Franks Mitbewohner spielen das Spiel: wer sich zuerst bewegt und zusagt, wo er oder sie Weihnachten verbringen will, hat verloren. Hinterher will es dann niemand gewesen sein. So ist bis zuletzt offen, ob F&F bei ihren Eltern in Bremen feiern werden, wer die kranke Chrissie pflegt und wer sich erfolgreich durch Arbeit aus dem Thema Weihnachten herauswinden wird – schließlich muss das Café Einfall für Weihnachtsflüchtige geöffnet bleiben.

    Fazit
    Zu Beginn wirken die Brüder Lehmann und ihr kleines Rudel dezent untüchtig für eine Großstadt mit Faltplan und Geister-U-Bahnhöfen. Als Weihnachten jedoch mit Riesenschritten anmarschiert, hat mir die Geschichte riesigen Spaß bereitet. Sven Regener bietet eine Hommage an Berlin als Fluchtpunkt vor elterlichen Ansprüchen samt loderndem Bruderkonflikt der Lehmanns. Wer sich noch voller Nostalgie daran erinnert, warum man in den 80ern Markstücke anhauchte, kann hier zugreifen.

    ---
    Serieninfo:
    nach dem Erscheinen der Romane (Band 7 von 7)
    nach der Chronologie der Ereignisse (Band 3 von 7)

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    :study: -- Lents - Diversität
    :study: -- Le Guin - Der Tag vor ...
    :study: --
    :musik:-- Mord am East River (3.)

    "The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card!" E. L. Doctorow

    --> Merkzettel: Serie: Buchtitel (Originaltitel), Erscheinungsjahr d. Erstausg. d. Originaltitels, ISBN d. Übersetzung
    Buchseite betreffend: direkt auf d. BS melden

  • Ein Wiedersehen mit Frank Lehmann – und was für eins!

    Als ich das Cover und den Klappentext zu „Frankie und Freddie“ gesehen habe, fühlt es sich sofort ein bisschen wie bei einem Wiedersehen mit einem alten Bekannten an: Die Fortsetzung der „Herr Lehmann Reihe“ Kaum war ich wieder in Sven Regeners ganz eigener Welt angekommen, war klar: Hier wird nicht einfach eine Geschichte erzählt – hier darf man sich treiben lassen, zuhören und sich über die wunderbar schrägen Figuren amüsieren.

    In dem Buch schickt Sven Regener seine beiden Brüder Frank „Frankie“ und Manfred „Freddie“ Lehmann am 23. Dezember 1980 durch das verschneite Westberlin. Frankie ist gerade erst in Kreuzberg angekommen, während Freddie eigentlich nach New York will. Eigentlich. Denn nach der Teilnahme an einer Medikamentenstudie machen ihm Panikattacken das Leben schwer. Und als dann auch noch seine Tasche mit Pass und den Flugtickets verschwindet, ist das Chaos perfekt. Was nun folgt, ist eine ziemlich schräge Reise durch Westberlin mit jeder Menge Gesprächen, Gedankengängen, Missverständnissen und Begegnungen mit skurrilen Typen.

    Und genau hier kommt Sven Regener ins Spiel.

    Sein Humor ist von einer trockenen, wortkargen Art und oft so wunderbar absurd, dass ich beim Lesen immer wieder unweigerlich grinsen musste. Besonders die beiden Brüder haben mir gefallen. Dieses typische Geschwisterding – man kennt sich in- und auswendig, geht sich auf die Nerven und hält trotzdem irgendwie zusammen – hat der Autor ziemlich gut getroffen.

    Dazu kommt das West-Berlin von damals mit seinen Kneipen, Künstlern, Punks und Hausbesetzern. Es ist rau, chaotisch, ein bisschen heruntergekommen und gleichzeitig voller Leben. Ich hatte beim Lesen tatsächlich das Gefühl, durch diese Stadt zu laufen und all diese merkwürdigen Gestalten selbst zu treffen. Frankie und Freddie sind dabei zwei Figuren, die man vielleicht nicht immer verstehen muss – aber unbedingt kennenlernen möchte. Und genau darin liegt für mich der besondere Charme dieses Romans.

    Wer allerdings eine rasante Handlung mit ständig neuen Wendungen erwartet, könnte hier gelegentlich auf die Uhr schauen. Ich dagegen habe mich gerade an diesem entschleunigten Erzählen erfreut. Nicht alles muss schließlich auf direktem Weg zum Ziel führen. Manchmal ist der Umweg die eigentliche Geschichte. Deswegen gibt es von mir fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung.

  • Es ist kurz vor Heiligabend in West-Berlin 1980 – und Sven Regener entführt uns erneut in den wunderbaren Kosmos rund um seinen bekannten Protagonisten „Herr Lehmann“. Manfred Lehmann, den in Bremen alle Manni nannten, in Berlin aber Freddi, hat an einem „Pillenprojekt“ teilgenommen – heißt: Er hat im Rahmen einer Medikamentenstudie Psychopharmaka unter kontrollierten Bedingungen geschluckt, das Projekt endet am 23.12. Und Frank Lehmann muss ausgerechnet an dem Tag, an dem es in Berlin anfängt, heftig zu schneien, sein geliebtes Kreuzberg verlassen, um seinen Bruder am Kudamm abzuholen. Und zwar mit dem Opel Kadett, den sein Bruder ihm geschenkt hat. Aber da man in West-Berlin eigentlich gar kein Auto benötigt, ist beim ersten Startversuch, die Batterie natürlich leer. Die U-Bahn ist keine Alternative, denn Frank will es seinem Bruder, der noch unter dem Einfluss der Psychomedikamente steht, nicht zumuten, sich in den vollen Zügen durch Berlin zu bewegen. Und so wird schon die Anreise zum Kudamm zur Odyssee. Dort angekommen wird es aber auch nicht besser: Eine Tasche mit wichtigen Dokumenten geht verloren, die Mitbewohnerin (in die Frank sich verguckt hat) ist erkältet, alle wollen noch Pläne schmieden für Weihnachten und überhaupt – es entwickelt sich eine Story, die vor skurrilen Begebenheiten nur so strotzt. Im Mittelpunkt das Brüderpaar Frankie und Freddie, dazu nach das ebenfalls bekannte Café Einfall, Berlin als geteilte Mauerstadt und so viel Wortwitz und Aberwitzige Situationen, wie nur Sven Regener es schafft, zwischen zwei Buchdeckel zu packen. Für mich mal wieder ein absolutes Lesevergnügen – kurzweilig und kaum aus der Hand zu legen. Daher sehr gerne die volle Punktzahl = fünf von fünf Sterne.

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