Sophie Czerny - Totensee

Cover zum Buch Totensee

Titel: Totensee

4,7 von 5 Sternen bei 6 Bewertungen

93,3% Zufriedenheit

Verlag: Knaur HC

Format: Broschiert

Seitenzahl: 448

ISBN: 9783426568194

Termin: Neuerscheinung September 2026

Aktion

  • Kurzmeinung

    Kissgirl
    Harte Kost, die die Lesenden in eine Achterbahn der Emotionen versetzt.
  • Temporeicher Thriller, starkes Debüt

    "Totensee" ist ein wirklich starkes Thrillerdebüt der Autorin und Juristin Sophie Czerny.

    Der Thriller ist von Seite 1 an sehr temporeich und man wird so in die Geschichte gesogen, dass man ständig wissen möchte, wie es weitergeht und wer hier eigentlich Täter und Opfer sind.

    Recht schnell wird man mit einigen unterschiedlichen Zeitsprüngen, Ortswechseln und auch Sichtweisen konfrontiert, welches die Erzählung durch die kurzen Kapitel nochmal deutlich wechselhafter macht. Ich fand dies etwas schade, weil man ständig aus dem Lesefluss gerissen wird und erstmal schauen muss, um wen geht es gerade? Geht es um damals oder heute? Einige Sichtweisen bleiben zudem schleierhaft, da diese aus der Sicht des/der Täter/s geschildert werden. Ich habe lange gebraucht, um zu wissen, wer hier eigentlich hinter den Morden und der Entführung steckt, was mir gut gefallen hat. So konnte man schön miträtseln und nach und nach setzte sich die Geschichte zu einem großen Ganzen zusammen. Am Ende hatte ich auch das Gefühl, es wirklich verstanden zu haben, warum, wie, was, wann passiert. Also großer Pluspunkt für die Stimmigkeit am Ende.

    Die Figuren empfand ich generell als authentisch. Durch die vielen Perspektivwechsel fiel es mir aber manchmal schwer, mich so richtig in die Personen hineinzuversetzen und bin da manchmal auch etwas durcheinandergekommen.
    Was ich aber hier sehr gut fand war die Tatsache, dass Ada als Protagonistin und (Ex-)Polizistin einige Ecken und Kanten hatte und dadurch wirkte sie menschlich und nahbar. Man merkt deutlich, dass ihre Vergangenheit Spuren und innerliche und äußerliche Narben hinterlassen haben, die auch ihr Verhältnis zu ihrer Tochter Mara beeinflussen. Aber dass sie sie trotzdem über alles liebt.

    Und einen großen Shouout an "Hund". Ja, es gibt einen Hund in der Geschichte und er heißt... Hund. Er war so süß, brav und mutig!

    Abschließend zu erwähnen ist, dass es teilweise auch ganz schön brutal zur Sache geht, also das Buch ist definitiv nichts für schwache Nerven.

    Mir hat der Thriller wirklich Spaß gemacht und ich bin auf weitere Bücher der Autorin sehr gespannt!

    :cat: Liebe Grüße von Innamorata (Anika).

    :study: Meeresdunkel - Till Raether

    Gelesen / Abgebrochen / SuB: :cat: 29 / 0 / 44 :cat:

  • Inhaltswarnung erforderlich

    Dieses Buch hätte meiner Meinung nach eine Inhaltswarnung erfordert, da weder Cover noch Beschreibung darauf hindeuten, dass es in solche Abgründe entführt.
    Ada, deren Tochter entführt wurde, ist eine gebrochene Frau. Sie hat ihre komplette Existenz dem Wiederauffinden ihrer Tochter Mara verschrieben. Auf der Suche nach ihr springen die Kapitel nicht nur zu verschiedenen Charakteren hin und her, sondern auch zu verschiedenen Zeiten, was ein wirklich aufmerksames Lesen erfordert. Wir lernen in der Zeit auch über Adas Kindheit und ihre Zeit ihm Heim, wobei einige menschliche Abgründe offenbart werden. Dabei werden die Handlungen nicht unbedingt bis zum Ende im Detail beschrieben, sondern eher mit Cliffhangern geendet, sodass vieles der Fantasie überlassen wird.
    Insgesamt bleiben die weiteren Charaktere ansonsten an vielen Stellen bloß oberflächlich. Außer Ada lernen wir niemanden wirklich kennen und auch sie wirkt aber etwas konstruiert (niemand kann sich wochenlang von einem Müsliriegel am Tag ernähren). Die Zeitsprünge sind irgendwann sehr viel und man muss sich extrem konzentrieren. Aufgrund der wirklich heftigen Inhalte musste ich das Lesen teils unterbrechen.
    Ein Buch, in das sicherlich viel Arbeit geflossen und was durchaus spannend ist, aber für mich persönlich leider kein Highlight.

  • Düsteres Thrillerdebüt

    Das Cover ist ein Eyecatcher mit seinen poppigen, grellen Farben. Das ist die erste falsche Fährte, auf die die Lesenden im Zuge der Lektüre von Sophie Czernys "Totensee" noch stoßen werden. Gemessen an der extrem düsteren Grundstimmung müsste das Buch komplett schwarz daherkommen, auch im Hinblick auf die Hauptprotagonistin Ada Sabel.

    Schon im Prolog geht es fulminant los und es wird gleich klar, dass hier auf die Lesenden einiges zukommt.

    Fünf Monate ist es her, dass Ada Sabels Tochter Mara entführt wurde. Doch keiner ihrer Kollegen in der Mordkommission des LKA Wien glaubt der bis dato erfolgreichen Ermittlerin und gehen davon aus, dass Mara nach einem heftigen Streit mit ihrer Mutter ausgerissen ist. Die Umstände bescheren Ada sogar die Suspendierung, durch die sie sowohl physisch als auch psychisch in eine Abwärtsspirale gerät. Als im Donaukanal eine kopflose Leiche gefunden wird auf deren Rücken ihr Name eingeritzt ist, ist für Ada klar, dass das mit der Entführung ihrer Tochter zusammenhängt. Auf eigene Faust beginnt sie zu ermitteln und die Spuren führen nicht nur in ein katholisches Kinderheim, sondern auch tief in Adas Vergangenheit.

    Das erste Viertel des Buches hat mich ziemlich gefordert. Die Handlung springt extrem hin und her, einerseits bedingt durch die sehr kurzen Kapitel, die im Schnitt nur 2-3 Seiten umfassen, andererseits aber auch durch die drei bzw. vier Zeitachsen. Neben der Haupthandlung in der Gegenwart in 12/2002, sind da noch Rückblenden zur Entführung der Tochter fünf Monate zuvor und Ereignisse in einem katholischen Kinderheim vor 14 bzw.15 Jahren. Dazu kommen in der Gegenwart noch die gedanklichen Erinnerungen Adas, die flashbackartig aufblitzen. Aber der Verwirrung damit nicht genug, sind die parallelen Geschehnisse in der Gegenwart zusätzlich eine Herausforderung ob ihrer Komplexität und Fülle.

    Auch im weiteren Verlauf bleibt die Erzählweise rasant, in diesem Sinne also wirklich ein echter Pageturner. Aber die tiefen menschlichen Abgründe, die den Lesenden hier zugemutet werden, erreichen ein Maß an Widerlichkeit, das mir ein Weiterlesen teilweise schwer gemacht hat. Da wäre eine Triggerwarnung im Vorfeld evtl. angebracht. Denn hier geht es nicht nur um Mord und Totschlag, sondern um extreme Selbstverletzung und um Missbrauch in seinen schlimmsten Formen. Da bleibt nicht viel der Fantasie überlassen.

    Das Ende lässt mich trotz Showdown mit etwas gemischten Gefühlen zurück, war für mich in Bezug auf die vorangegangene Komplexität dann ein bißchen zu schnell, zu glatt, da hätte ich mir noch einen Paukenschlag gewünscht.

    Die Hauptprotagonistin Ada Sabel war mir zu keiner Zeit wirklich sympathisch, noch konnte ich mich in ihr Denken und Handeln hineinversetzen, trotz ihrer schlimmen persönlichen Vita. Insgesamt war mir ihr Charakter etwas zu überzeichnet. Die anderen Charaktere blieben daneben teilweise etwas blass und diffus.

    Insgesamt ist Sophie Czerny mit "Totensee" aber durchaus ein packendes Thrillerdebüt gelungen. Wer harte Psychothriller mag und über ein paar kleinere Schwächen und Ungereimtheiten hinwegsehen kann sollte zugreifen.

    Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt. Mahatma Gandhi

  • Was würdest du tun, wenn dein Kind verschwindet – und niemand dir glaubt?

    Das Cover ist von der Farbgebung her ja so gar nicht meins, aber zusammen mit dem Klappentext von „Totensee“ hat es mich schon neugierig gemacht. Und was ich dann zwischen den Buchdeckeln gelesen habe, war eine ganz starke Nummer. Dieser Psychothriller ist spannend, brutal, emotional und definitiv nichts für schwache Nerven.

    Ada Sabel ist am Ende ihrer Kräfte: Ihre 14-jährige Tochter Mara ist seit fünf Monaten verschwunden, niemand glaubt der suspendierten Kommissarin, und dann taucht auch noch eine kopflose Leiche auf, auf deren Rücken Adas Name steht. Für sie ist klar: Das kann nur eine Nachricht des Entführers sein.

    Ab diesem Moment gibt es für Ada kein Halten mehr – und für mich eigentlich auch nicht. Die kurzen Kapitel haben mich förmlich durch die Geschichte gejagt. Immer wenn ich dachte: Jetzt mache ich aber wirklich eine Pause, kam natürlich genau an dieser Stelle der nächste Happen, bei dem man unmöglich aufhören konnte.

    Ada hat mich dabei immer mehr gepackt. Psychisch völlig am Ende, von ihrer Vergangenheit eingeholt und getrieben von der verzweifelten Suche nach ihrer Tochter, ist sie alles andere als eine klassische Ermittlerin. Gerade ihre Verletzlichkeit und ihre Abgründe machen sie unglaublich interessant.

    Die vielen Wechsel zwischen Orten, Zeitebenen und Rückblenden haben mir den Einstieg zwar zunächst etwas erschwert, aber irgendwann war ich drin und dann gab es kein Entrinnen mehr. Dazu hat auch der Schreibstil beigetragen, denn der ist fesselnd, direkt und ungefiltert.

    Eines sei noch gesagt: Für zarte Gemüter ist „Totensee“ eher nicht geeignet. Hier fließt Blut, es wird brutal und vor allem die Passagen, in denen Kinder betroffen sind, können richtig an die Nieren gehen.

    Und dann dieser passende Titel … Denn warum das Buch „Totensee“ heißt, löst sich erst schlüssig am Ende auf. Mehr verrate ich nicht, sonst müsste ich spoilern.

    Für diesen Thriller gibt es fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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