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Wolfgang Jeschke - Der letzte Tag der Schöpfung

Der letzte Tag der Schöpfung

4.4 von 5 Sternen bei 4 Bewertungen

Verlag: Heyne Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 320

ISBN: 9783453521216

Termin: Oktober 2005

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  • Wolfgang Jeschke legt hier eine SciFi-Satire vor, die meines Erachtens zu den besten des Genres gehört. Der Energiehunger der USA, die Fortschrittsgläubigkeit der Wissenschaftler und die Beschränktheit der Politiker bilden hier die Ausgangssituation des Romanes. Spannend und mit einem Schuß hintergründigem Humor gewürzt bildet das Buch schon fast ein Muß für den SciFi-Liebhaber.

  • Ziemlich alter Schinken. Aber längst nicht so pauschal wie deine Rezi. :wink:

  • Mal ganz offen: Das mit dem "Energiehunger der USA" ist ja durchaus richtig, das hat auch Gründe in deren übler Wirtschaft.
    "Fortschrittsgläubigkeit der Wissenschaftler" ist auch so ein Pauschaltext, der niemandem weiterhilft. Natürlich sind viele moderne Technologien ziemlich bedenklich, ZB Gentechnik, Atomenergie, aber auch das Internet, das du selbst nutzt. Aber zu glauben, dass alle beteiligten mit knallblauen Augen umherlaufen würden, ist ziemlich naiv. :wink:
    Main Vater ist Dipl.-Chem. in der Pharmaindustrie, der erlebt es arg oft, dass Kranke bereit sind, sich selbst und der Welt absolut jedes Risiko aufzubrummen, wenn sie dadurch nur die Hoffnung hätten, vielleicht wieder gesund zu werden. Kannst du denen das verübeln? Wenn ja, dann bete drum, dass bei euch niemals jemand schwer krank wird.
    Was nun die Beschränktheit der Politiker angeht, kannst du die Verhältnisse in USA (und die meint Jeschke vor allem, davor warnt er ja!) nicht mit denen bei uns vergleichen. Ich hab ne Weile in Callie studiert und bin auch rumgereist - ziemlich verrücktes Land! In USA sind die Wahlkämpfe frei finanziert. Das ist die reinste Kirmes. Die Amis sagen ja selbst democratic circus dazu. Das muss man wirklich mal selber erlebt haben, so krank ist das. Cheer-leader hüpfen auf der Bühne rum, es findet ein richtiger Jahrmarkt statt! :scratch:
    Nachher sind die, die gewählt wurden, völlig abhängig von denen, die diese Veranstaltungen finanziert haben. Leider kapieren die Leute das nicht. Die erwarten wirklich, dass sie ständig Unterhaltung haben. Das ist eigentlich der springende Punkt: man kann dieses System nicht ändern, weil dann die Leute gar nicht mehr wählen gehen würden.
    Ich war endfroh, als ich wieder in Deutschland war!!!! :D

  • Deine Erfahrungen mit USA sind ja sehr interessant, doch treffen viele Dinge auch auf uns zu. Ich habe in Punkto Fortschrittsgläubigkeit der Politiker in unserem Lande hautnah schon die abstruseten Sachen erlebt. Der mehrfach wiederholte Satz Jeschkes "sehr zuversichtlich" trifft da den Nagel aber wirklich auf den Kopf.
    Im Übrigen ist das mit der Abhängigkeit der Politiker bei uns auch nicht anders, nur läuft es eben verdeckter ab. Wenn ich sehe, daß das Saarland gerade die Vorreiterrolle bei UMTS spielen will und dabei die ganz massiven Bürgerproteste ignoriert, weil die Parteispenden eben wichtiger sind, sind die Ähnlichkeiten zu US nicht zu übersehen. In unserem Ort ist sogar schon soweit, daß ein Viertel, in dem zwei Masten zwischen die Wohnhäuser gebaut wurden, von der Stadt verlangt, ihre Anwesen umzutauschen, damit die Leute wegziehen können. Da werden wohl bald die ersten Geisterviertel in unserer Stadt entstehen.
    Soviel also zur "Unabhängigkeit" unserer Politiker.
    Da empfehle ich dir außerdem mal "Die Geisterbehörde" von Horst Pillau. Diese Satire passt auch in das Thema. Allerdings kann ich bestätigen, daß der Inhalt weniger eine Satire ist, als die unglaubliche Wirklichkeit. Selbst erlebte Erfahrung in dreissig Jahren öffentlicher Dienst. :lol:

  • Sorry das ist ernsthaft weithergeholt. ;)
    Soviel Verdrossenheit über die Gegenwart hab ich nicht erwartet. Da dürfte sich jede weitere Diskussion erübrigen.
    Es war jedenfalls sehr lehrreich, mal über den europäischen Tellerrand zu gucken anstatt im eigenen Saft zu schmoren. ;)
    "Geisterviertel" - so ein Blödsinn! ;) Was für eine Alternative hast du denn zu den "Masten"? Abschaffung der Handys? ;)

  • Zitat

    Original von Gelsomina


    Was für eine Alternative hast du denn zu den "Masten"? Abschaffung der Handys? ;)


    Daß du die Örtlichkeiten nicht kennst, entschuldigt natürlich die primitive Frage.
    Der Ort zieht sich wie eine Banane um eine Anhöhe, auf der die Sender praktisch mitten im Ort und dennoch weit genug von den Häusern stehen würden. Derzeit stehen sie an einem Ortseingang und müssen die Distanz von 1890 m im Halbmesser abdecken. Auf der Anhöhe wären es nur 1730 m und sie wären zusätzlich durch die Waldsilhouette im Hintergrund nicht störend. Derzeit aber blasen sie genau aus 20 m Entfernung in mein Schlafzimmer und in der gleichen Situation sind praktisch alle Nachbarn. Dabei hast du aber in der Mitte des Ortes keinen Empfang, weil in einer Senke liegend.

  • Hallo zusammen,


    also beim "Der letzte Tag der Schöpfung" handelt es sich um eine klassische Zeitreisegeschichte.
    Die US-Armee untersucht diverse historische Artefakte und stellt fest das es sich um moderne Materialien handelt.
    Diese Funde geben den letzten Anstoß zu einem Zeitreiseprojekt bei dem man die Ölreserven Saudi Arabiens schon wärend der Steinzeit abpumpen und in den Boden der zukünftigen USA deponieren möchte. Auf diese Art und Weise hätten die USA dann eine gesicherte Energieversorgung udn wären in der Zukunft nicht mehr politisch erpressbar und könnten im Gegenteil anderen Ländern Bediengungen diktieren damit diese an Öl gelangen.
    Zwei wesentliche Faktoren hat man in der Rechnung vergessen:
    1) Im Kalten Krieg sind die Russen sicher nicht weit.
    2) Schon ein Tag den man vorher oder nachher in der Vergangenheit ankommt kann entscheidend für den "Sieg" sein.
    Wir werden Zeuge der Erlebnisse eines Soldaten der sich freiwillig zu diesem Projekt meldet und dann auch versetzt wird. Bedauerlicherweise gibt es keinen Weg zurück und die Russen waren vorher da und beherschen jetzt die Vergangenheit.
    Der Roman hat ein offenes Ende das den Leser durchaus zum Nachdneken anregt und nicht den Eindruck macht als wäre dem Autor für dieses Szenario jetzt kein passendes Ende mehr eingefallen.


    Wer SF Romane die in unserer Zeit spielen aber eine andere technische Entwicklung vorraussetzen mag wird mit diesem Buch gut bedient.
    Man sollte aber im Hinterkopf halten das hier keine Beschreibung der Vergangenheit in Romanform vorliegt und auch kein Roman der das Geschehen zu jeder Menge Action nutzt.
    Wer gerne gesellschaftskritische SF liest sollte sich diesen Roman nicht entgehen lassen.


    Autor: Wolfgang Jeschke
    Titel: Der letzte Tag der Schöpfung
    ISBN: 3-453-31134-5
    Verlag: Heyne
    Format: Taschenbuch 288 Seiten
    Beurteilung: Ein Highlight für die Liebhaber gesellschaftskritischer / nachdenklicher SF.


    PS: Ich hoffe die Rezension war etwas präziser.

  • Ich bin normaler Weise kein großer Freund von Zeitreisegeschichten, aber Jeschkes Roman hat mich vollauf begeistert!


    Die Geschichte ist eine gute Mischung aus Abenteuerroman der Marke Robinson Crusoe und klassischer Science Fiction, die Charaktere sind liebevoll gestaltet und der ruhige immer wieder dezent ironische Schreibstil sowie die vielen Anspielungen auf die sozialen wie politischen Baustellen des 20. Jhdts sind einfach nur ein Hochgenuss.


    Von der ersten bis zur letzten Seite spitze :thumleft:



    B.

  • "Der letzte Tag der Schöpfung" hat mir gut gefallen. Ein Schwachpunkt waren meiner Meinung nach die austauschbaren Charaktere, die mich nicht wirklich vom Hocker gerissen haben und sich alle recht ähnlich waren und ziemlich beliebig ausgefallen sind. Auch das Ende war nicht zu 100% befriedigend für mich. Ansonsten fand ich die Idee spitze und ich habe noch nie einen vergleichbaren Zeitreiseroman gelesen. Meistens wird man ja nur ein paar Jahre zurückgeschickt, hier jedoch geht es in Zeiten, in denen der Homo sapiens noch nicht mal existiert und die Beschreibung der unberührten Natur und der Geschöpfe, die diese damals bewohnt haben, ist einfach nur gigantisch ausgefallen. Was dort alles passiert ist erneut typisch für unsere Spezies. Der Schreibstil von Jeschke war richtig toll und man merkt kaum, dass die Geschichte schon beinahe 40 Jahre alt ist. Für Leser, die gerne mal eine etwas andere Sci-fi-Zeitreise antreten möchten, ist dieses Buch unbedingt zu empfehlen.
    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    :study: Andreas Brandhorst - Das Flüstern

    :study: 2019 gelesen: 42 :study: SUB: 323

  • Falls es hier jemanden gibt, der auch an Hörspielen interessiert ist: Das Hörspiel-Label Ohrenkneifer wird 2019 eine Hörspiel-Umsetzung von W. Jeschkes SF-Roman rausbringen.


    Ohrenkneifer News

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