Japans kulturelles Erbe
"Woher kommen die spirituellen Traditionen, die Japans Kultur prägen? Was ist der Ursprung von Ikigai (das, was uns morgens aufstehen lässt), Wabi-Sabi (die Schönheit des Unvollkommenen) und Kintsugi (Wunden in Gold verwandeln)?"
Mit diesen Worten beginnt die Inhaltsangabe auf der Buchrückseite von "Acht Millionen Wege zum Glück" der japanischen Autorin Hiroko Yoda.
Tatsächlich erfährt man auf den gut 400 Seiten extrem viel über die spirituelle Kultur Japans, über Shinto, Buddhismus und Shugendō, wie sich diese entwickelt haben, wie sie praktiziert werden und warum sich aber trotzdem viele Japaner nicht für religiös halten. Parallel werden diese Ausführungen von vielen persönlichen Geschichten, Erlebnissen und Anekdoten der Autorin begleitet und in Bezug zu ihren eigenen spirituellen Erfahrungen gesetzt. Besonders die Aufarbeitung ihres schwierigen Verhältnisses zur verstorbenen Mutter nimmt einen breiten Raum ein und ist überhaupt erst der Auslöser für Yoda sich so intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzen.
Leider verliert sich Yoda aber immer wieder in ausufernden Details, springt thematisch oft etwas ziellos hin und her und wiederholt sich häufig. Das betrifft besonders auch die Passagen über ihre eigenen Erlebnisse und persönliche Motivation, da rückt sie sich selbst für mein Empfinden insgesamt zu sehr in den Focus. Klar, die japanische Geschichte erstreckt sich über viele Jahrhunderte, die kulturelle Entwicklung ist sehr komplex, dies für Menschen außerhalb Japans verständlich aufzubereiten, ist definitiv schwierig. Sogar für viele Japaner, wie die Autorin selbst schreibt. Da hätte ich es als sehr hilfreich empfunden, das Buch mit farbigen Fotografien der vielen beschriebenen Schreine, Figuren und Örtlichkeiten zu versehen, als visuelle Unterstützung für ein besseres Verständnis. Ich habe tatsächlich noch nie bei einer Lektüre so viel nebenher gegoogelt. Auch ein Glossar bezüglich der Unmengen japanischer Begrifflichkeiten wäre unterstützend gewesen.
Es fällt mir schwer dieses Buch einzusortieren. Es ist teils Geschichtsbuch, teils Biographie bzw. Erfahrungsbericht, teils religiös-spiritueller Leitfaden. Wer jetzt allerdings erwartet etwas über Ikigai, Wabi-Sabi, etc. zu erfahren, den muss ich enttäuschen, darüber wird man nichts lesen. Auch nach den "Acht Millionen Wegen zum Glück" wird man so wortwörtlich ebenfalls vergeblich suchen.
Obwohl das Buch definitiv nicht meinen Erwartungen entsprach, hat es doch für einige Denkanstöße und Erkenntnisse gesorgt, insgesamt hat es mich aber nur teilweise überzeugt.




