Kurzbeschreibung:
Dreizehn Jahre. So lautet das Urteil gegen Nelson Stewart – verurteilt für das, was er Samantha angetan hat. Doch noch im Gerichtssaal macht er ihr eines unmissverständlich klar: Er wird zurückkommen. Samantha verschwindet, zieht immer wieder um, und sie gibt sich einen neuen Namen. Als Mary Smith will sie in Frieden leben. Durchatmen. Aber Mary weiß, warum Nelson nicht locker lassen wird.
DENN NICHTS IST, WIE ES SCHEINT.
Es beginnt eine gnadenlose Verfolgung – bei der Marys Leben auf dem Spiel steht.
Meinung:
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Chris Carter mal anders.
In Du kriegst mich nicht aus dem Ullstein Verlag verlässt Chris Carter erstmals die Welt seiner Robert-Hunter-Reihe und erzählt stattdessen einen Psychothriller, der sich vollständig auf die Folgen häuslicher Gewalt und die Angst vor einem rachsüchtigen Täter konzentriert. Im Mittelpunkt steht Samantha Stewart, die ihren Ehemann Nelson wegen jahrelanger Misshandlungen vor Gericht bringt. Obwohl Nelson zu dreizehn Jahren Gefängnis verurteilt wird, nutzt er den Gerichtssaal, um Samantha unmissverständlich klarzumachen, dass sie nach seiner Entlassung nicht vor ihm sicher sein wird. Diese Drohung bestimmt ihr gesamtes weiteres Leben. Sie legt ihre Identität ab, zieht mehrfach um und nennt sich schließlich Mary Smith – ein bewusst gewöhnlicher Name, der ihr Anonymität verschaffen soll. Doch selbst unter neuer Identität gelingt es ihr nicht, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Als sie beginnt, wieder Vertrauen zu fassen und an ein normales Leben zu glauben, wird deutlich, dass Nelsons Drohung weit mehr als leere Worte gewesen sein könnte. Die Geschichte entwickelt sich zu einer Verfolgungsjagd, in der Samantha ständig zwischen Misstrauen, Panik und dem Wunsch nach einem Neuanfang schwankt. Gleichzeitig enthüllt Chris Carter Schritt für Schritt, dass die Hintergründe der Ereignisse wesentlich komplexer sind, als sie zunächst erscheinen, und stellt mit mehreren Wendungen sowohl die Figuren als auch die bisherigen Geschehnisse in ein neues Licht.
Samantha trägt den Roman nahezu allein. Ihre Entscheidungen entstehen aus den psychischen Folgen jahrelanger Gewalt und der ständigen Angst, entdeckt zu werden. Nelson Stewart bleibt dagegen trotz seiner Gefängnisstrafe die beherrschende Bedrohung der Handlung. Seine Ankündigung, Samantha irgendwann zu finden, wirkt während des gesamten Romans nach und beeinflusst jede ihrer Handlungen. Gerade weil Carter den Konflikt zwischen den beiden Figuren über lange Zeit psychologisch statt körperlich austrägt, entsteht eine permanente Unsicherheit darüber, wem Samantha noch vertrauen kann und welche Gefahr tatsächlich von Nelson ausgeht.
Bemerkenswert ist, dass Carter diesmal fast vollständig auf die extremen Gewaltdarstellungen seiner Hunter-Romane verzichtet. Stattdessen baut er die Spannung über Identitätswechsel, Misstrauen und Täuschungen auf. Die Handlung lebt von der Frage, ob Samantha ihrer Vergangenheit wirklich entkommen kann oder ob ihr neues Leben von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Gerade die mehrfachen Wendungen im letzten Teil des Romans verändern den Blick auf die Geschichte vollkommen und machen deutlich, warum der Originaltitel Hide and Seek gewählt wurde.
Kritisch betrachtet benötigt der Roman etwas Zeit, bis sich die eigentliche Bedrohung entfaltet. Dafür entwickelt sich die Geschichte zunehmend zu einem raffinierten Psychothriller, dessen Spannung weniger durch Gewalt als durch Unsicherheit und Täuschung entsteht.
Besonders die konsequente Darstellung von Samanthas Leben unter falscher Identität und die unerwarteten Enthüllungen gegen Ende machen Du kriegst mich nicht zu einem ungewöhnlichen, aber überzeugenden Roman innerhalb von Chris Carters Werk.
Die etwas längere Einstiegsphase wird durch das spannende Finale mit gut platzierten Überraschungen und einer emotionalen Auflösung entschädigt. Du kriegst mich nicht ist ein fesselnder Psychothriller, der weniger auf blutige Gewalt als auf permanente Anspannung und psychologische Spannung setzt und damit eine gelungene Abwechslung im Werk von Chris Carter darstellt. Würde ich gerne weiterempfehlen.




