![]()
![]()
![]()
![]()
![]()
Packender Thriller über Rollenbilder und Kontrolle
Im Mittelpunkt des Thrillers "Keine Angst, Darling" von Vera Buck stehen die beiden Schwestern Lea und Paula, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Während Paula in Deutschland versucht, Familie, drei Kinder, Haushalt und Beruf unter einen Hut zu bringen, lebt Lea in den USA scheinbar das perfekte Leben. Als erfolgreiche Tradwife-Influencerin präsentiert sie ihren Followern eine liebevolle Ehe, ein perfektes Kind und ein idyllisches Zuhause.
Als Lea plötzlich aus den sozialen Medien verschwindet und für Paula nicht mehr erreichbar ist, reist diese voller Sorge in die USA. Dort trifft sie jedoch nur auf Leas Ehemann Matt und die auffallend brave Tochter Emma. Die Erklärung, Lea befinde sich seit zwei Wochen in einem Retreat, wirkt von Anfang an unglaubwürdig.
Der Schreibstil ist packend und zugleich angenehm flüssig zu lesen. Die Handlung wechselt zwischen den Perspektiven der beiden Schwestern und wird durch Transkripte aus Podcasts, TikTok-Videos sowie heimlichen Einträgen in einem Haushaltsbuch ergänzt. Es entsteht ein spannender Kontrast zwischen der öffentlichen Inszenierung und der Realität.
Der Thriller hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und noch lange beschäftigt. Vera Buck wirft einen kritischen Blick auf die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft. Auf der einen Seite steht Paula, die sich zwischen Beruf, Haushalt und Familie aufreibt. Auf der anderen Seite propagiert Lea als Tradwife ein Leben der völligen Unterordnung, Abhängigkeit und Hingabe an die Familie. Der Roman macht deutlich, dass beide Frauen auf unterschiedliche Weise unter den Erwartungen an ihre jeweilige Rolle leiden. Gerade diese Verbindung aus Spannung und gesellschaftlicher Relevanz macht das Buch für mich besonders lesenswert.
Es ist beeindruckend, wie Vera Buck die Mechanismen psychischer Gewalt beschreibt. Matt kontrolliert und manipuliert Lea auf subtile Weise. Er verunsichert sie durch Gaslighting und nutzt ihre Ängste sowie alte Verletzungen gezielt gegen sie. Gerade weil vieles unausgesprochen bleibt und zwischen den Zeilen geschieht, wirken diese Szenen auf mich besonders realistisch und beklemmend. Durch Andeutungen und Auslassungen musste ich als Leserin viele Zusammenhänge selbst erschließen, was die Spannung für mich zusätzlich steigerte. Besonders erschreckt hat mich, wie subtil diese Entwicklung beginnt und schließlich bis zur Aufgabe der eigenen Persönlichkeit führt.
Die letzten Kapitel halten einige überraschende Wendungen bereit, sodass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte. Das Ende hat mich überzeugt, gerade weil es kein versöhnliches Finale bietet.
FAZIT: Ich kann diesen Thriller allen empfehlen, die psychologische Spannung und gesellschaftlichen Tiefgang schätzen. Für mich ist „Keine Angst, Darling“ eine klare Leseempfehlung.




