Die Rückkehr der Wölfe
Von Olaf Müller habe ich schon „Allerseelenschlacht“, „Asche im Venn“ sowie „Endstation Rursee“ gelesen. Ich habe mich deshalb auf einen spannenden Krimi gefreut. Doch leider hat mich dieser aktuelle Fall ein wenig enttäuscht.
Klappentext:
„Die Reste einer Hand liegen im Hürtgenwald bei Großau. Wurde ein Wilderer von Wölfen gerissen oder vorher von Menschenhand ermordet? Die Aachener Kommissar Michael Fett und Daniela Conti rätseln. Währenddessen steigt die Zahl der Wolfsrisse immer weiter an. Unruhe kommt in der Nordeifel und im Hohen Venn auf. Touristen bleiben aus, Bauern verzweifeln. Aggressive Wölfe versetzen die Region in Angst und Schrecken. Woher kommen sie, etwas aus den Vogesen? Dort brannte kürzlich bei Waldersbach ein Labor für Tierversuche, wurden drei französische Agenten brutal ermordet. Catherine Kaufmann vom französischen Inlandsgeheimdienst (DIGSI) soll die Morde aufklären, die Wölfe fangen oder wenn nötig töten. Ihre Spur führt in die Nordeifel und ins Hohe Venn. Aber auch der russische Geheimdienst GRU sucht die Wölfe. Das Perfide: die Wölfe wurden zu Tötungsmaschinen gezüchtet. Wenn sie sich vermehren, werden sie zu einer tödlichen Gefahr ...“
Schon der Klappentext wirkt ein wenig holprig. Ein Wolfspaar allein IST schon eine tödliche Gefahr. Da braucht es keine Jungtiere zusätzlich.
Im Kapitel 5 findet man, nachdem ein mutmaßlicher Wilderer einen schweren Unfall gehabt hat, die oben erwähnte abgekaute Hand und Schleifspuren aber der Rest des Körpers fehlt. Der Unfalllenker schweigt beharrlich.
Gleichzeitig sind Tourismusmanager und Bauern ziemlich aufgeregt, einerseits vermasseln die Gerüchte um die Wölfe einerseits das Geschäfts mit den Besuchern, andererseits liegen Dutzende gerissene Schafe auf den Weiden. Selbst ein 1 Meter 50 hoher Elektrozaun bietet keinen Schutz.
Ziemlich überflüssig, weil sie mit der eigentlichen Handlung absolut nichts zu tun haben sind:
- Die ausufernde Beschreibung der Nebenbeschäftigung von Fetts Sekretariatsmitarbeiterin: Die ThermoMix bringen die Ermittler auf der Such nach Mörder bzw. Wölfen keinen Deut weiter. (Kap. 14, Kap. 20)
- Der für Korruption anfällige Landesrat (Kap. 15)
- Wie dick oder dünn die Metzgersfrau den Schinken für eine sogar namentlich genannte Kundin schneidet, ist ebenfalls irrelevant (Kap. 27)
- Dass Uschi, Camping-Freds Freundin, stolz darauf ist, 20 Euro gespart zu haben, weil sie seinen Ford Ranger (sein zweitliebstes Stück) statt mit Benzin mit Diesel betankt, bringt Fred an den Rand eines Nervenzusammenbruchs, die Kommissare aber nicht näher an die Lösung des Falls. (Kap. 32)
So, oder ähnlich eiern Kommissar Fett, seine französische Kollegin Kaufmann vom DIGSI und Chantal Kalumba aus den Niederlanden durch den Krimi. Man bewegt sich ja im Dreiländereck und der Wolf kennt keine Grenzen. Da kann auch das Großaufgebot von Mensch und Maschine, das aufgeboten wird, um den Speznas-Trupp der GRU ausfindig zu machen, auch nicht mehr helfen.
Was mich noch ziemlich irritiert ist, dass Olaf Müller dem Wolfspaar Gefühle und beinahe menschliches Verhalten zugesteht. So lesen wir im Kap. 37 „Laika und Szarik müssen sich entscheiden“ oder im Kap. 39 heißt es: „Sie [Laika] wusste nicht, was mit ihr los war. Sie wollte mit Szarik eine Familie gründen. Die Höhle war ihr Refugium, sie spürte das Leben in ihrem Bauch.“. Wenig später ist von einem Lungentumor und Metastasen, die von den Medikamenten verursacht worden sind, die Rede, die man ihr in dem geheimen Labor in den Vogesen verabreicht hat. Woher kann das die Fähe wissen? Spätestens mit diesem Kapitel driftet das Buch in ein etwas abenteuerliches Segment ab.
Dass in militärischen Kreisen durch Klonen, Genmanipulation oder ausgewählte Zuchtprogramme spezielle Fähigkeiten in Tieren verbessert, glaube ich allerdings sofort. Da halten sich wohl alle sehr bedeckt.
Um nicht nur zu meckern, möchte anmerken, dass es Olaf Müller sehr gut gelungen ist, die unterschiedlichen Sichtweisen auf die Rückkehr Wölfe darzustellen. Das sind die ökologische Debatte um die Rückkehr der Wölfe, die wirtschaftliche Not der Bauern, die Angst der Tourismusbranche und natürlich die Frage nach der menschlichen Verantwortung.
Fazit:
Für mich persönlich bislang der schwächste Krimi für Kommissar Fett, obwohl die Themen an sich, Rückkehr der Wölfe, wie damit umgehen und was passiert in geheimen Laboren des Militärs, sehr interessant sind. Die Umsetzung dieses Themenkomplexes ist für mich nicht optimal umgesetzt. Daher gibt es diesmal nur 3 Sterne.



