"Meine Welt in Trümmern" von Anja May ist ein zutiefst bewegender, authentischer Familienroman vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs. Die Autorin erzählt die Geschichte ihrer Familie mit großer Nähe und spürbarer emotionaler Verbundenheit, ohne die historische Härte zu beschönigen.
Besonders eindrucksvoll ist die Entwicklung der Charaktere, die zunächst im Glauben an die Ideologie ihrer Zeit leben und nach und nach die grausame Realität erkennen müssen. Dieser Wandel geschieht leise, glaubwürdig und dadurch umso erschütternder.
Einzelne Szenen haben sich mir stark eingeprägt – etwa der naive, menschliche Blick des Vaters der Protagonistin auf das Unrecht im Umgang mit Gefangenen, die brutale Gewalt gegenüber Unschuldigen oder die bewegenden Momente im Lazarett. Gleichzeitig zeigt das Buch auch den Zusammenhalt der Menschen inmitten von Zerstörung und Leid.
Diese Gegensätze aus Grausamkeit und Menschlichkeit machen den Roman so intensiv. Er ist nicht nur ein historischer Rückblick, sondern eine sehr persönliche, emotionale Auseinandersetzung mit Erinnerung, Verlust und Erkenntnis.
Für viele Menschen ist Krieg leider kein Kapitel im Geschichtsbuch, sondern Gegenwart. Wenn man – so wie ich als Deutschtrainerin – mit Geflüchteten gearbeitet hat und ihre Geschichten gehört hat, bekommt das alles noch einmal eine ganz andere Realität.
Vielleicht ist das auch der Punkt, an dem sich der Kreis zu solchen Büchern schließt: Geschichte wiederholt sich nicht exakt, aber menschliches Leid, Flucht, Verlust und Hoffnung auf ein neues Leben kehren leider immer wieder zurück. Und gleichzeitig auch Hilfsbereitschaft, Mitgefühl und Zusammenhalt.
"Meine Welt in Trümmern" ist ein Buch, das traurig macht, aber genau deshalb so wichtig ist, weil es uns an unsere Menschlichkeit erinnert. ![]()
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