das ist das Fazit der Geschichte: man liebt unter seinesgleichen, man bleibt unter seinesgleichen, denn die Grenze zwischen unten und der Mitte (von ganz oben gar nicht zu reden) ist zu groß, um sie dauerhaft zu überwinden. Die Gesellschaft ist geteilt und die von unten sollten erst gar nicht drüber träumen, nach oben zu kommen, denn dort werden sie nicht angenommen werden.
Ich hadere mit diesem Fazit und dem Roman allgemein. Was ist das für eine gesellschaftskritische Erzählung, wo es am Schluss heißt, "Schuster bleib bei Deinen Leisten". Vergiss Ehrgeiz, heiratet innerhalb Eurer Gesellschaftsschicht, usw?
Das macht den Roman ja noch trauriger, als er schon ist. Ich sehe hier keinen Hoffnungsschimmer für Doris, und ich bin nicht sicher, wie exemplarisch Doris für damalige Mädchen stehen sollte. Doch wohl eher abschreckend?
Denn ich bin überzeugt, mit etwas Willen und Engagement hätte sie sich weiterentwickeln können, intellektuell, im Beruf, - aber, sie wollte immer gleich alles ohne Anstrengung bekommen, sich nur auf ihre Attraktivität verlassend. Und mir dieser Einstellung, wird es schwierig mit dem Erfolg.
Ist es ein Roman, der die traditionellen Geschlechterrollen in Frage stellt? Einer, der die beschränkten Möglichkeiten und Grenzen weiblicher Emanzipation und Verwirklichung darstellen möchte? Das Thema gäbe es her, aber die Protagonistin finde ich dafür nicht beispielhaft genug, oder eher ein abschreckendes, warnendes Beispiel. Da könnte man ja als Leser sagen, sie hat es sich zu leicht gemacht, sie war zu faul, nicht sparsam, nicht ehrlich, oberflächlich, und und und. Jedenfalls vereinigt sie viele Eigenschaften, bei denen das Bürgertum die Hände über dem Kopf zusammenschlägt.
Ich schau mir auf YouTube erstmal die entsprechende Folge von Sommers Weltliteratur To Go an. In 10 Minuten wird der Roman mit Playmobil-Figuren nacherzählt, finde ich meist sehr gelungen!