Wer zweimal stirbt ist wirklich tot
Frühjahr 1814 - Während sich die Oberschicht bei den Feierlichkeiten rund um die Abdankung Napoleons vergnügt, beschäftigt sich Sebastian St. Cyr, Viscount of Devlin, mit einem Mord an dessen Aufklärung so gut wie niemand interessiert ist. Der Tote, den man im Park von Somers Town findet, ist Nicholas Hayes, ein vor 18 Jahren wegen Mordes an einer französischen Emigrantin nach Botany Bay verbannter Adeliger, von dem man glaubt, er sei in der Verbannung gestorben. Warum kehrt der Totgeglaubte wieder nach London zurück? Und wer ist der kleine chinesische Junge an seiner Seite?
Recht bald erkennt St. Cyr, dass sich Hayes in der Vergangenheit einige mächtige Feinde gemacht haben muss, die als mögliche Auftraggeber für Meuchelmörder in Frage kommen. Einer davon ist der Erbe nach Nicholas Vater, denn der hat Nicholas schon vor seiner Verbannung enterbt. Muss er fürchten, dass Nicholas ihm das Erbe streitig macht?
Doch Nicholas Hayes wird nicht der einzige Tote sein, mit dem sich Sebastian St. Cyr herumschlagen muss.
Meine Meinung:
Auch in diesem 15. Krimi rund um Sebastian St. Cyr und seiner Gemahlin Hero bekommen wir einen Einblick in die Doppelmoral des britischen Adels, in der Intrigen gesponnen, ohne Bedauern Menschen für eigene Interessen und Habgier geopfert werden. Von den Töchtern, die wie Ware an den Meistbietenden verschachert werden, spricht man schon gar nicht. Die gesellschaftlichen Konventionen unf der äußere Schein müssen um jeden Preis aufrecht erhalten werden.
Die Zeitgeschichte, hier die (erste) Abdankung Napoleons am 11. April 1814, findet wie schon in den 14 Vorgängern ihren Platz. Immer wieder werden Ereignisse, die nicht nur Europa betreffen, sondern auch Asien, eingestreut. So erfahren wir einiges über die Opiumkriege und deren Ursache sowie Auswirkungen.
Natürlich behindert Lord Jarvis, Sebastians Schwiegervater und Verwandter des Königshauses, die Ermittlungen, ist er doch selbst ein vielbeschäftigter Strippenzieher, der die Menschen wie auf einem Schachbrett hin- und herschiebt, wie es seinen Interessen gerade dienlich ist.
Schritt für Schritt lüftet Sebastian St. Cyr unter tatkräftiger Mithilfe seiner Ehefrau Hero die Geheimnisse von Nicholas Hayes, die ein ganz anderes Bild von jenem Verbrechen zeigen, das Nicholas nach Botany Bay gebracht hat. Nicht, dass die Aufklärung dem Mann jetzt noch viel nützt, aber der Gerechtigkeit, wie sie Sebastian St. Cyr unnachgiebig verfolgt, kann Genüge getan werden.
Der Schreibstil ist wie gewohnt angenehm zu lesen. Die Charaktere und realen Ereignisse sind authentisch beschrieben. Ich kann mir das London der Regency-Zeit recht gut vorstellen. Wer gerne mehr über diese Zeit wissen will, sollte diese Reihe von Beginn an lesen. Dabei werden auch jene Geheimnisse von St. Cyrs Familie enthüllt, die hier nur als Andeutungen aufblitzen.
Fazit:
Mir hat auch dieser 15. Band sehr gut gefallen, weshalb ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung, die für die ganze Reihe gilt, abgebe.




