Regina Denk - Der Fährmann

Cover zum Buch Der Fährmann: Freundschaft und Neid, ...

Titel: Der Fährmann: Freundschaft und Neid, ...

4,6 von 5 Sternen bei 7 Bewertungen

92,9% Zufriedenheit

Verlag: Droemer HC

Format: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 384

ISBN: 9783426566282

Termin: Neuerscheinung März 2026

Aktion

  • Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Hohenwart und Siegering, Anfang des 20. Jahrhunderts: Als Fährmann muss Hannes Winkler dem Brauch folgen, sich keine Frau zu nehmen. Denn sollte sein gefährlicher Beruf sein Leben fordern, darf er keine bedürftigen Angehörigen zurücklassen. Hannes’ Herz gehört trotzdem schon lang seiner Jugendfreundin Elisabeth. Doch die ist Josef Steiner versprochen, dem Erben des größten Hofes am diesseitigen Ufer der Salzach. Das trifft nicht nur Hannes und Elisabeth hart, die seine Gefühle erwidert: Elisabeths beste Freundin Annemarie hatte sich Hoffnung auf eine Heirat mit Josef gemacht.

    Während der 1. Weltkrieg die kleine Gemeinschaft diesseits und jenseits der Salzach in Österreich und Deutschland spaltet, gerät das Leben der vier jungen Leute in einen Strudel aus Gewalt, Aufbegehren und Schuld. Als schließlich ein Kind verschwindet, wird eine tödliche Spirale in Gang gesetzt.

    Autorin (Quelle: Verlagsseite)

    Regina Denk wurde 1981 an der bayerisch-österreichischen Grenze geboren. Die Liebe zu ihrer Heimat wurde ihr, zusammen mit der Leidenschaft für Geschichten, in die Wiege gelegt. Das Schreiben und die Berge begleiten sie schon ihr Leben lang. Vom Literaturstudium in München, bis ans andere Ende der Welt und wieder zurück in die Heimat, wo sie heute lebt - ein Bein in Bayern, das andere in Österreich. Unter dem Pseudonym Fanny König veröffentlichte sie humoristische Bayern-Krimis. Nach "Die Schwarzgeherin" ist "Der Fährmann" ihr zweiter Roman bei Droemer.

    Allgemeines

    Erschienen bei Droemer am 2. März 2026 als HC mit 384 Seiten

    Gliederung: Roman in 23 Kapiteln mit Zeitangaben, eingeschobene Kapitel mit der Überschrift „Anderswo“

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Deutsch-österreichisches Grenzgebiet an der Salzach, 1894 bis 1915

    Inhalt

    Vier junge Leute wachsen um die Zeit der vorletzten Jahrhundertwende (19. /20. Jahrhundert) im deutsch-österreichischen Grenzgebiet auf, zwei von ihnen sind relativ privilegiert: Josef Steiner ist der Erbe des größten Hofes an der Salzach, Elisabeth Hofer ist die Tochter des Großbauern am anderen Ufer der Salzach. Auf Wunsch der Eltern sollen die beiden verheiratet werden. Hannes Winkler stammt dagegen nicht aus einer wohlhabenden Familie, als jüngerer Sohn eines Bauern soll er von seinem Onkel das Amt des Fährmanns übernehmen; als solcher darf er nicht heiraten. Annemarie Stiegl ist Elisabeths beste Freundin und eine Wirtstochter, die in der Wirtschaft ihrer Eltern hart arbeiten und sich Anzüglichkeiten und Belästigungen der männlichen Gäste gefallen lassen muss.

    Sowohl Annemarie, die mit Josef ein Verhältnis eingegangen ist und deshalb zunächst auf eine Ehe mit ihm hoffte, als auch Elisabeth sind in Hannes verliebt, er erwidert Elisabeths Gefühle und sieht in Annemarie eine gute Freundin. Die erzwungene Ehe von Josef und Elisabeth steht von Anfang an unter keinem guten Stern, was nicht zuletzt an dem Schreckensregime liegt, das die Männer der Steiner-Familie über ihre Frauen ausüben. Doch auch die unverheiratete Annemarie wird von Josef Steiner verfolgt und missbraucht und von den eigenen Eltern ausgebeutet.

    Beurteilung

    Aus den wechselnden Perspektiven der vier jungen Leute erzählt die Autorin über die Ereignisse von deren Kindheit in den 1890er Jahren bis zum Ersten Weltkrieg. Die bäuerliche Vorkriegsgesellschaft ist geprägt von Hierarchien, in dieser Gesellschaft gelten die Großbauern mehr als ihre ärmeren „Kollegen“ und die Männer gelten mehr als die Frauen, über die sie quasi die Herrschaft ausüben. Häusliche Gewalt wird als völlig normal angesehen – nicht nur von den Männern, sondern erschreckenderweise auch von den Frauen selbst. So ist es geradezu unfassbar, dass Elisabeth und Annemarie, die permanenter Fremdbestimmung und körperlicher Gewalt ausgesetzt sind, nicht einmal bei ihren eigenen Müttern Unterstützung finden. Es ist makaber, dass nicht wenige Frauen den Ersten Weltkrieg begrüßen, weil ihre Väter und Ehemänner an der Front sind und sie selbst auf diese Art eine gewaltfreie, friedliche Zeit erleben – und durchaus auch auf endgültige Erlösung aus ihren lieblosen Ehen hoffen.

    Es wird die Thematik behandelt, inwiefern die Männer zu prügelnden Scheusalen wurden, auch sie waren – wie Josef Steiner – einst Opfer, die schon als Kinder durch Härte und Prügelstrafen zu „wahren Männern“ erzogen wurden und nichts anderes als Gewalt kennengelernt haben.

    Die Schilderungen im vorliegenden Roman sind sehr beklemmend und stellenweise äußerst brutal; wer selbst von häuslicher Gewalt betroffen ist oder war, könnte mit diesem Buch überfordert sein. Obwohl einige Szenen nur schwer zu ertragen sind, fällt es extrem schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Auch als Leserin des 21. Jahrhunderts, in dem häusliche Gewalt und Missbrauch leider noch immer weit verbreitet sind und oft verschwiegen werden, kann man sich gut in Elisabeth und Annemarie hineinversetzen, fürchtet in atemloser Spannung um ihr Wohl und Leben und hofft auf ein Aufbegehren und eine Wendung zum Besseren.

    Die Autorin schildert eindrücklich den Einfluss der Kriegserlebnisse auf Körper und Seelen der -oft schwer versehrten – Kriegsheimkehrer, die traumatisiert sind und demzufolge nicht mehr ihrem eigenen Bild von Männlichkeit und Heldentum entsprechen können.

    Die eingeschobenen, kursiv gedruckten Kapitel „Anderswo“ präsentieren als Protagonisten gewissermaßen den reißenden Fluss Salzach, seine Gefahren und seine Bedeutung für das Leben der Romanfiguren, sie sind in einem literarischen Stil gehalten.

    Fazit

    Düsteres und beklemmendes Kopfkino – ein großartiger Roman, den man nicht so schnell vergessen wird!

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Schauplatz ist die deutsch-österreichische Grenze in den Jahren von 1894 bis 1915. Die Orte sind durch die Salzach getrennt und ein Fährmann bildet die Verbindung, um Geschäfte und Besuche zu ermöglichen.

    Die 5jährigen Mädchen Annemarie, die Wirtstochter und Elisabeth, ein Bauernmädchen sind beste Freundinnen und wie Schwestern. Aus den beiden werden junge Frauen und sie verlieben sich. Annemarie in Josef Steiner, den Sohn eines Großbauern und Elisabeth in Hannes Winkler, den zukünftigen Fährmann. Das Leben, läßt diese Lieben aber nicht zu. Annemarie ist als Wirtstochter nicht die richtige Partie für die reiche Familie Steiner und für Hannes, den Fährmann, ist eine Heirat wegen seines Berufs ausgeschlossen. Elisabeths Eltern vereinbaren mit Familie Steiner die Heirat der beiden. Annemarie muß in der Wirtschaft weiter arbeiten und freundlich zu den Gästen sein, um sie zum Verzehr zu animieren. So gehen die beiden Freundinnen notgedrungen sehr verschiedene Lebenswege. Elisabeth erfährt in der neuen Familie viel Gewalt und darf auch Annemarie nicht mehr sehen. Annemarie muß als Geliebte eines verheirateten Mannes ebenfalls viel Gewalt ertragen. Beiden wird immer wieder klar gemacht, wie wenig Frauen wert sind und auch, daß sie keinerlei Rechte besitzen. Männer dürfen sich alles in jeglicher Form herausnehmen. Hannes ist das Verbindungsglied zwischen den beiden Freundinnen.


    Ich hatte noch kein Buch der Autorin gelesen. Das vorliegende hat mich absolut begeistert, so daß ich mir gleich „Die Schwarzgeherin“ geholt habe. In kurzen Kapiteln, die zwischen Annemarie, Elisabeth, Hannes und Josef wechseln, wird die Geschichte erzählt. Der Schreibstil und die Thematik sind gewaltig, eindringlich, düster und bewegend. Die Atmosphäre der damaligen Zeit und die Lebensumstände werden authentisch beschrieben. Für Umarmungen oder zärtliche Gesten war hier kein Platz. Naturschilderungen runden die Geschichte ab. Die Autorin hat ihre Leser mitgenommen in diese schwere Zeit und vieles hat mich beklommen gemacht, ja ich hatte des Öfteren einen Kloß im Hals und war fassungslos. Bei den Figuren hatte ich von Beginn an meine Sympathie bzw. Antipathie verteilt, das hat sich bis zum Ende nicht geändert. Der Roman beinhaltet alles von Freundschaft, Vertrauen und Liebe bis hin zu Neid, Schuld und brutaler Gewalt.

    Für mich ein Lesehighlight in diesem Jahr und ich empfehle diesen Roman sehr gerne weiter!

  • Düster und beklemmend

    Der Fährmann, Historischer Roman, Regina Denk Ebook, Droemer-Verlag

    Schicksal, Freundschaft, Leidenschaft und Liebe. Dazu die Naturgewalt des Flusses, es hat mich förmlich mitgerissen.

    Elisabeth genannt Lisi, Annemarie und Hannes sind von Kindesbeinen an befreundet, die drei waren unzertrennlich, bis die Liebe, Eifersucht und Gehorsam bzw. Pflicht der Familie gegenüber, alles zerstört. Die Großbauersttochter Lisi und Hannes lieben sich, schon als er im Kindesalter beinahe gestorben wäre, hat sie sich um ihn gesorgt. Aus Pflichtgefühl und weil es die Eltern so bestimmten, soll sie Josef heiraten, damit Geld zu Geld kommt. Josef, ein reicher Bauernsohn, der vom Vater ohne Liebe und mit starker Hand erzogen wurde jedoch, gefällt die forsche Annemarie, die schneidige und wilde Wirtstochter, die schwer schuften muss und von den Eltern angehalten wird, sich bei den männlichen Gästen anzuschmeicheln. Annemarie jedoch ist heimlich auch in den blondgelockten, fröhlichen Hannes verliebt Hannes letztendlich ist der Fährmann, der die Fähre auf der Salzach zwischen Bayern und Österreich betreibt. Der Fährmann allerdings muss ledig bleiben so will es das Gesetz, denn dieser Beruf ist so gefährlich und die Gemeinden wollen für die möglichen hinterbliebenen Angehörigen nicht aufkommen müssen. Dazwischen die Salzach, bedrohlich und reißend die, was sie einmal in ihren Fluten mitgenommen hat, sich nicht mehr entreißen lässt.

    Ich habe „Der Fährmann“ geliebt, ich habe das Buch von der ersten Zeile bis zum Schlusspunkt in einem Rutsch durchgelesen, die halbe Nacht hindurch, weil ich es einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte. Die Schicksale der Personen haben mich so sehr berührt, ich habe mit ihnen gelitten und geliebt und geweint. Das Buch hat mich ordentlich mitgenommen und aufgewühlt, dies ist mir auch bei der Schwarzgeherin von selbiger Autorin passiert, hier noch etwas mehr. Unglaublich mit welcher Kraft, mit welcher Gewalt, Denk zu schreiben vermag. So bildgewaltig und stark in der Sprache, ist mir nur selten untergekommen. Ich wünschte mir, dass diese beiden Bücher verfilmt würden. Alle Figuren, die guten wie auch die Bösen sind so echt, so unglaublich gut gezeichnet, so authentisch, dass es mich z.B. bei der Beschreibung von Josef, nach seinen Kriegsverletzungen, einfach nur überzeugt hat, ich habe direkt mitgelitten. Ich habe die Angst von Lisi gespürt, die Zweifel und den Kummer vom Hannes, dies alles hat die Autorin mit einer Wortgewalt beschrieben, es hat mich zutiefst beeindruckt. Auch die Beschreibungen des Settings war überzeugend, die Hütte des Fährmanns, Kleidung und nicht zuletzt die Naturbeschreibungen haben die Bilder im Kopf befeuert. Die Kapitel „Anderswo“ die dazwischen platziert sind, sind m. E. aus der Sicht des Flusses, eine Naturgewalt aufs Papier gebracht, haben mich regelrecht mitgerissen.

    Alle Figuren sind hervorragend charakterisiert, so echt und glaubwürdig, das hat mich immer wieder verblüfft, denn selbst die bösen Figuren kommen authentisch rüber, ihre Gründe für ihr Verhalten sind so glaubhaft begründet. Diese Schicksale haben mich richtig aufgewühlt. Als Warnung sollte angeführt werden, dass es sich hier um häusliche Gewalt und Gewalt gegen Frauen handelt.

    Der Fährmann kann ich jedem empfehlen, der authentische historische Bücher schätzt, natürlich all jenen die die Schwarzgeherin genossen haben, ich warte schon auf ein neues Buch der Autorin in diesem Genre. Der Fährmann wird sicherlich eines der Highlights in meinem Lesejahr sein. Leider darf ich nur 5 Sterne vergeben.

    :study::musik::montag:

    Und wenn mir alle Königskronen für meine Bücher und meine Freude am Lesen angeboten wären: Ich würde sie ausschlagen.
    François Fénelon

  • :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Der historische Roman „Der Fährmann“ von Regina Denk entfaltet ein eindringliches, düsteres Familiendrama vor der Kulisse der deutsch-österreichischen Grenze zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Zentrum stehen die beiden Dörfer Hohenwart und Siegering, getrennt durch die Salzach und zugleich verbunden durch den Fährmann – eine Rolle, die weit über das rein Praktische hinaus eine symbolische Bedeutung erhält.

    Im Mittelpunkt der Handlung steht Hannes Winkler, der den gefährlichen Beruf des Fährmanns übernimmt. Traditionell darf er keine Familie gründen, da das Risiko eines tödlichen Unfalls allgegenwärtig ist und niemand von seinen Lieben zurückbleiben soll. Genau dieser Umstand wird für ihn zur persönlichen Tragödie: Seit seiner Kindheit liebt er Elisabeth, und auch sie empfindet mehr für ihn. Dennoch ist sie aus familiären und gesellschaftlichen Gründen dem wohlhabenden Hoferben Josef Steiner versprochen. Gleichzeitig entwickelt Elisabeths Freundin Annemarie, die von klein auf in der Kneipe ihrer Eltern arbeiten muss, eigene Gefühle für Josef. Dieses Beziehungsgeflecht bildet das emotionale Zentrum des Romans und ist geprägt von unerfüllter Liebe, Pflichtgefühl und wachsender innerer Zerrissenheit.

    Aus der anfänglichen Vertrautheit der Figuren entwickelt sich im Laufe der Zeit ein von Spannungen durchzogenes Erwachsenenleben. Hannes bleibt an seine Rolle gebunden und stellt seine eigenen Wünsche zurück, während Elisabeth den Erwartungen ihrer Familie folgt und Annemarie mit ihren eigenen Sehnsüchten ringt. Die Figuren wirken gefangen in den Strukturen ihrer Zeit, in der persönliche Freiheit kaum Raum findet. Besonders deutlich wird, wie sehr gesellschaftliche Normen und traditionelle Rollenbilder die Lebenswege bestimmen und individuelle Entscheidungen einschränken. Der Umgang mit der Frauen, kann den Leser zur Weißglut treiben.

    Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs verschärft sich die Situation zusätzlich. Die Dorfgemeinschaft zerbricht zunehmend unter politischem Druck und wachsendem Misstrauen. Viele Männer ziehen in den Krieg, und die Zurückgebliebenen kämpfen mit Verlust, Angst und Unsicherheit.

    Kritisch fällt vor allem die Sprache ins Gewicht: Sie orientiert sich zwar erkennbar am historischen Setting und trägt zur Authentizität bei, wirkt jedoch häufig schwerfällig, stellenweise sogar unnötig umständlich. Dadurch gerät der Lesefluss ins Stocken, und emotionale Momente verlieren an Direktheit.

    Auch die dramatischen Entwicklungen der Handlung fügen sich zwar logisch in das historische Umfeld ein, bleiben in ihrer Ausgestaltung jedoch weitgehend vorhersehbar. Die Autorin bewegt sich hier stark innerhalb bekannter Muster, ohne dem Genre spürbar neue Impulse zu geben. Insgesamt fehlt es dem Roman dadurch an nachhaltiger Eigenständigkeit – er ist solide erzählt, hinterlässt aber keinen bleibenden Eindruck.

    Insgesamt ist „Der Fährmann“ ein intensiver, vielschichtiger Roman, der persönliche Schicksale mit historischen Umbrüchen verknüpft. Die Geschichte wirkt in einzelnen Momenten eindringlich und atmosphärisch dicht, erreicht jedoch nicht durchgehend die Tiefe oder Originalität, die ihn langfristig im Gedächtnis verankern würde.

    2026: Bücher: 35 Seiten: 15 745
    2025: Bücher: 168 Seiten: 75 214
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    Mein Blog: Zauberwelt des Lesens
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    "Das Nicht-Wahrnehmen von Etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz "
    Dalai Lama
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  • Die Salzach trennt die Orte Hohenwart und Siegering und doch sind die Bewohner miteinander verbunden. Um von einem Ufer zum anderen zu kommen, müssen sie mit der Fähre übersetzen. Der Beruf des Fährmanns ist gefährlich, daher darf er nicht heiraten, um keine bedürftige Familie zurückzulassen, falls ihm etwas passiert. Hannes Winkler hat den Beruf von seinem Onkel übernommen, denn als jüngster in der Familie hätte er sich sonst als Knecht verdingen müssen. Seit Kindertagen gehört sein Herz der Elisabeth Hofer, die dem Steiner Josef versprochen ist. Elisabeths Freundin, die Annemarie Stiegl von der Salzschenke, hatte sich Hoffnung gemacht, dass der Josef sie heiratet. Aber wie schon immer, bestimmen Tradition und die Männer das Schicksal der Menschen. Dann ziehen die Männer in den Krieg und die Frauen müssen schauen, wie sie zurechtkommen. Viele Männer kommen nicht wieder zurück und die, die zurückkommen, haben ihre Verletzungen davongetragen.

    Die Autorin Regina Denk macht es dem Leser nicht leicht mit ihrem historischen Roman. Das Leben ist hart und grausam. Die Väter und Ehemänner bestimmen über die Geschicke der Familie und sorgen gewalttätig für Zucht und Ordnung. Die Frauen sind nichts wert und haben sich zu fügen. Der Hannes hat sich zu fügen, weil er der jüngste Sohn ist, die Elisabeth, weil sie vom Vater versprochen wurde und die Annemie, weil sie für das Auskommen der Wirtsfamilie mit geradestehen muss. Hannes hat sich geschworen, dass er sich nie etwas zuschulden kommen lassen wird und so hält er sich zurück, wo er hätte eingreifen sollen. Lisi erträgt ihr Schicksal bis es fast zu spät ist und Annemie findet einen Weg, sich ein Stück Freiheit zu verschaffen.

    Eigentlich sollte man annehmen, dass unter diesen unsäglichen Bedingungen sich die Frauen solidarisieren, doch sie machen sich das Leben schwer, schauen weg und schweigen. So kann es geschehen, dass das Böse von einer Generation zur anderen weitergegeben wird und es zu einer tragischen Entwicklung kommt, die das Leben der Freunde verändern wird. Plötzlich wachsen Menschen über sich hinaus, von denen man es nicht erwartet hätte.

    Die Sprache in diesem Roman ist passend zur Handlungszeit und die Atmosphäre düster und bedrückend, aber auch fesselnd. Es ist oft schwer zu ertragen, mit welcher Grausamkeit vorgegangen wird und alle wegsehen und entschuldigen.

    Es ist ein wunderbarer atmosphärisch dichter, aufwühlender Roman mit vielschichtigen Charakteren. Meine absolute Leseempfehlung!

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