Baek Seungyeon - Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand / The Seoul Letter Shop 편지가게 글월

Cover zum Buch Der Briefladen, in dem die Zeit still...

Titel: Der Briefladen, in dem die Zeit still...

, (Übersetzer)

4,4 von 5 Sternen bei 9 Bewertungen

88,9% Zufriedenheit

Verlag: kiwi space

Format: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 368

ISBN: 9783462010220

Termin: Neuerscheinung Februar 2026

Aktion

  • Kurzmeinung

    Elke R. Richter
    Eine neue Wertschätzung des Briefeschreibens
  • Kurzmeinung

    easymarkt3
    Eine Hommage an die verlorene Kunst des Briefeschreibens
  • Cover zum Buch Der Briefladen, in dem ich dich fand
  • Eine neue Wertschätzung des Briefeschreibens: Das Cover, das eine junge Frau beim Schreiben eines Briefes zeigt, zog mich sofort in seinen Bann. Hyoyeong wollte ursprünglich Regisseurin werden. Sie brach ihr Filmprojekt ab, weil ihre Mutter wegen einer Hüftoperation im Krankenhaus lag. Sie kümmerte sich um sie. Als Briefe von ihrer älteren Schwester Hyomin eintrafen, zog sie nach Seoul, um in einem Letter Shop zu arbeiten. Hyomin hatte die Ersparnisse der Familie an einen Betrüger verloren, weshalb Hyoyeong keinen weiteren Kontakt zu ihr wünschte. Im Briefladen, den ein ehemaliger Kommilitone eröffnet hatte, fühlt sie sich bald heimisch. Sie ermutigt die Kundinnen und Kunden, am Penpal-Service teilzunehmen: Jeder kann anonym einen Brief schreiben, ihn in ein Fach legen und dafür einen anderen Brief aus einem anderen Fach nehmen. So entstehen zahlreiche Brieffreundschaften.

    Der Schreibstil der Autorin Baek Seungyon ist einfühlsam, die Atmosphäre im Laden wird mit liebevollen Details lebendig. Auch die Briefe, die – wie im Nachtrag erwähnt – von echten Kundinnen und Kunden stammen, sind voller Gefühl. Die Übersetzung von Sebastian Bring ist meisterhaft gelungen. Einzig die häufigen, ausführlichen Arbeitsprotokolle störten mich etwas. Gegen Ende zog sich die Geschichte für meinen Geschmack zu sehr in die Länge, viele Details, etwa zur Einrichtung des Ladens, wiederholte die Autorin mehrfach. Der Schluss wirkte etwas abrupt. Insgesamt ist das Buch jedoch eine wunderbare Empfehlung für ruhige Stunden und für alle, die das Briefeschreiben neu entdecken möchten.

  • K.-G. Beck-Ewe 26. Januar 2026 um 05:41

    Hat den Titel des Themas von „Baek Seungyeon Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand“ zu „Baek Seungyeon - Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand / The Seoul Letter Shop 편지가게 글월“ geändert.
  • Ein wunderschöner Roman

    Das Cover ist absolut treffend. Eine junge Frau sitzt in einem Geschäft an einem Tisch und schreibt. Genau darum geht es. Menschen können in dem Briefladen Briefe schreiben und diese dort lassen. Durch einen Aufkleber mit einer persönlichen Zeichnung bekommt man einen Eindruck von der Person, die den Brief anonym geschrieben hat. Es läuft anonym und soll Brieffreundschaften fördern. Im Laden bekommt man alles an Schreibwaren und wird von einer jungen Frau beraten, deren Leben und Probleme ganz unaufdringlich und leise im Verlauf des Romans ans Licht kommen. Die Geschichte ist toll umgesetzt und durch den ruhigen Schreibstil wird man ganz in die Atmosphäre der Handlung hineingezogen. Die Geschichte behandelt dezent verschiedene Themen, z.B. Einsamkeit und familiäre Probleme, ohne mit dem Zeigefinger zu drohen oder aufdringlich zu werden. Die Figuren sind absolut authentisch. Solche Bücher zeigen das Wesentliche auf und helfen, dem Alltag zu entfliehen. Ein reines Lesevergnügen, von der ersten bis zur letzten Seite!

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  • In ihrem Debütroman „Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand“ entwirft Baek Seungyeon eine literarische Welt, die so entschleunigt ist wie das Briefeschreiben selbst. Wer einen rasanten Plot oder einen klassischen Spannungsbogen sucht, wird hier eines Besseren belehrt: Das Ungewöhnliche an dieser Erzählweise ist der Mut zur Lücke – das Fehlen eines starren Handlungsstrangs. Das Buch folgt keinem strategischen Plan, der auf einen dramatischen Höhepunkt zusteuert. Stattdessen gleicht die Lektüre einem Spaziergang durch das Seouler Viertel Yeonhui-dong: Man lässt sich treiben.

    Die Geschichte der Protagonistin Hyoyeong, die den kleinen Laden führt, dient lediglich als sanfter Rahmen für das eigentliche Herzstück – das „Letter Project“. Dieser anonyme Austausch, bei dem Fremde ihre tiefsten Sorgen und Träume auf Papier bannen, ordnet den Roman im beliebten Subgenre der Healing Fiction ein. Die Autorin nutzt dieses Motiv geschickt, um ein Mosaik aus menschlichen Schicksalen zu weben, die sich nie bewusst begegnen und doch gegenseitig heilen.

    Die Erzählung lebt von ihren Momentaufnahmen. Die Briefe anonymer Fremder sind wie lose Fragmente eingewebt und spiegeln die Realität des realen Vorbild-Ladens Geulwoll wider: Menschen kommen, hinterlassen einen Teil ihrer Seele auf Papier und verschwinden wieder. Zentral ist dabei die Kraft der Kommunikation in einer oft isolierten Welt. So finden wir Themen wie Heilung und Transformation: Hyoyeong selbst nutzt den Laden, um einen schweren Schicksalsschlag zu verarbeiten und das Leben wieder neu zu spüren.

    Atmosphärisch vermittelt der Roman eine tiefe Ruhe. Ob der Blick auf die bunten Dächer unter dem klaren Märzhimmel oder der Duft von „Ink Wood“ – eine Mischung aus Waldluft und dem erdigen Aroma von Tusche –, die Szenerie ist malerisch und friedlich. Der Sprachstil ist dabei einfühlsam und detailreich. Sinnliche Beschreibungen von aprikotfarbenen Wänden und dem Spiel des Sonnenlichts ziehen die Leserschaft mit allen Sinnen in die Gedankenwelt der Protagonistin hinein.

    Fazit: Man liest dieses Buch wegen seiner ungeschönten, leisen Echtheit. Die Geschichten verweben sich nicht zu einem künstlichen Finale, sondern bleiben atmosphärische Augenblicke. Diese Struktur ist radikal ehrlich: Im echten Leben gibt es oft keinen „großen Plan“ – es gibt nur Momente der Aufrichtigkeit. Für Fans von Healing Fiction ein absolutes Muss, das ganz ohne Kitsch auskommt.

  • Zwischen Seoul und der Seele – ein literarischer Ruheort

    Es gibt Bücher, die überzeugen einen durch eine besonders raffinierte Handlung, durch eine fantasievolle Welt oder durch Spannung und Nervenkitzel. Dieses Buch ist keines davon. Dennoch ist es ein Buch, dass einen von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann zieht und auch nach Beendigung nicht loslässt. Allerdings auch eine sehr feinfühlige, ruhige und gefühlvolle Art.

    Beim Titel des Buches musste ich sofort an ein anderes Buch denken, welches ich 2025 gelesen habe. Dabei handelt es sich um den japanischen Roman „Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen“. Interessanterweise wird genau dieses Buch auch in „Der Briefladen, in die die Zeit stillstand“ erwähnt. Allerdings durfte ich schnell feststellen, dass obwohl es gewisse Gemeinsamkeiten zwischen den Werken gibt, sie doch auch sehr verschieden sind. Wobei ich die Meinung vertrete, wer eines der Bücher geliebt hat, wird auch das andere lieben.


    Einen sehr interessanten Fakt habe ich erst durch das Nachwort des Buches gelernt, nämlich, dass es sich bei den Briefen, die im Buch vorkommen, um echte Briefe handelt. Diese wurden in einem Letter Shop in Seoul abgegeben und der Veröffentlichung im Roman wurde natürlich zugestimmt. Diese Information macht das Buch noch um einiges wertvoller und auf jeden Fall auch authentischer.


    Den Schreibstil von Beak Seungyeon würde ich als äußerst feinfühlig, gefühlvoll und auch poetisch beschreiben. Die Autorin legt viel Wert aufs Detail und beschreibt auch kleine Alltagsgegenstände mit einem hohen Maß an Wertschätzung. Das Handlung des Buches umfasst alle vier Jahreszeiten und besonders die Beschreibungen der Umwelt in den jeweiligen Jahreszeiten hat mir besonders gut gefallen.

    Wer bis dato noch keine Berührungspunkte mit koreanischen Namen hatte, wird es zu Beginn vielleicht ein wenig schwer haben. Aber auch hier bekommt man von der Autorin eine Hilfestellung, denn am Anfang des Buches gibt es kurze Steckbriefe zu den vorkommenden Personen und dort ist auch die richtige Aussprache der Namen angegeben.


    Die Handlung kann grob in zwei Stränge geteilt werden. Denn einerseits gibt es die Geschichte rund um Hyoyeong und andererseits gibt es die kurzen Episoden zu den Briefen. Die beiden Stränge greifen ineinander, beeinflussen einander und ergeben zusammen ein wunderschönes Ganzes.

    Bevor ich zu meinem abschließenden Fazit komme, möchte ich noch kurz ein paar Worte zu Haptik und Optik des Buches verlieren. Optisch ist das Buch meiner Meinung nach sehr schön gestaltet und das Coverbild finde ich wirklich sehr gelungen und äußerst passend. Das Buch ist solide verarbeitet und die Haptik an sich auch sehr gut. Der einzige Punkt, der mir hierbei negativ aufgefallen ist, ist der raue Buchschnitt, der eindeutig Geschmackssache ist.


    Dieser gefühlvolle, inspirierende Roman ist wirklich ein Leseerlebnis der besonderen Art über Trauer, Liebe, Wünsche, Träume und Hoffnungen. Es ist eine Hommage an das Briefe schreiben, eine Einladung zum Innehalten und eine Auszeit vom Alltag. Dieser Roman ist perfekt für alle, die auch die leisen Töne zu schätzen wissen.

  • Eine Hommage an die verlorene Kunst des Briefeschreibens

    Die Autorin Baek Seungyeon, die - wie sie selbst sagt - an die Kraft der Herzlichkeit glaubt, beschreibt in ihrem ruhigen, sanften Roman die Macht und große Kraft des geschriebenen Wortes in einer zunehmend anonymen, menschlich isolierten Welt ohne mitmenschliche Verbundenheit. Über vier Jahreszeiten in Seoul arbeitet die junge Hauptfigur Hyoyeong aushilfsweise im Briefladen eines befreundeten Ex-Studenten. Sie schafft es trotz ihrer Wut auf Familie und beruflicher Enttäuschung als Regisseurin, wieder zu emotionalem Konsens und realistischer Berufseinschätzung als Drehbuchautorin zu finden.

    Tatsächlich gibt es dort einen solchen Penpal Shop mit Service Angeboten wie im Buch beschrieben. Sogar den Wal (spermwhale) als Briefbeschwerer und Ink Wood Frangrance gibt es dort zu kaufen. Überzeugend ist der Autorin gelungen, das Briefe schreiben zur zeitgenössischen Kultur zu machen, hier hauptsächlich um Hoffnung, Mitgefühl, Träume, Trauerbewältigung und Sinnsuche ihrer sieben ausgewählten Kund*innen auszudrücken. Deren verschiedene Charaktere und jeweilige Lebensverhältnisse, aber auch der ältere Briefladen in Yeonhui als sicherer Zufluchtsort zwischen alten Wohnblocks werden einfühlsam in wohlwollendem Schreibstil beschrieben. Als berührend sanft werden die Magie und die heilsame Wirkung anonym geschriebener und gelesener Worte des Trostes, der Sehnsüchte oder der Erinnerung empfunden. Vielleicht mag man sich als Schreibender tatsächlich leichter öffnen, wenn Absender und Adressat in scheinbarer Anonymität miteinander leben. 5*

  • Hyoyeong hatte in der letzten Zeit einige Rückschläge zu verkraften. Zuerst platzt ihr Traum, Regisseurin zu werden und dann kommt auch noch ein Streit mit ihrer großen Schwester hinzu. Als ein alter Studienfreund ihr einen Job in seinem Briefladen in Seoul anbietet, nimmt sie widerwillig an. Doch schon bald beginnt sie, sich dort wohlzufühlen und die Stammkundschaft kennenzulernen. Soll sie sich einfach an diesem Ort neu einrichten oder noch einmal ihren großen Traum angehen? Und soll sie die unzähligen Briefe ihrer Schwester doch irgendwann beantworten?

    „Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand“ ist der Debütroman der koreanischen Schriftstellerin Baek Seungyeon und wurde von Sebastian Bring ins Deutsche übertragen. Im Fokus der Handlung steht die Protagonistin Hyoyeong, aus deren Sicht die Ereignisse erzählt werden. Da der Briefladen einen Service für anonyme Brieffreundschaften anbietet, sind auch immer wieder Briefe eingestreut, die Kund*innen in den dafür vorgesehenen Fächern platzieren. Auf diese Weise können wir deren Gedanken und Gefühle erfahren, ohne dass im Laden aktiv ein Gespräch darüber geführt werden muss.

    Im Zentrum des Romans steht der Gedanke des Verzeihens. Was ist nötig, um Verletzungen loszulassen, die vielleicht schon viele Jahre alt sind? Hyoyeong muss ihrem ganz eigenen Weg finden, um ihrer Schwester vergeben zu können. Die Briefe, die im Laden geschrieben werden, Erlebnisse mit den Kund*innen und neu gefundene Freunde unterstützen sie dabei. Besonders wichtig sind hierbei der geduldige Ladenbesitzer Seonho und der Webtoon-Zeichner Yeonggwang, ein Stammkunde, der vielleicht auch mehr für Hyoyeong sein könnte.

    Besonders schön fand ich die Idee der anonymen Brieffreundschaften. So finden sich zum Beispiel ein Schüler und ein erfolgreicher Geschäftsmann oder ein Popstar und ein trauernder Witwer. Sie alle schreiben über die grundlegendsten menschlichen Empfindungen: Liebe, Verlust, Angst, Selbstzweifel - und wir erleben, wie heilsam es sein kann, diese Emotionen zu Papier zu bringen und sie einer anderen Person anzuvertrauen. Ein wirklich schöner Roman über die Kraft des Briefeschreibens :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • In Seoul gibt es einen besonderen Briefladen, wo man neben dem Erledigen der Korrespondenz-Geschäfte auch eine Gelegenheit zum Briefe schreiben und beantworten nutzen kann. Die Besonderheit besteht darin, dass diese Briefe von unbekannten Menschen stammen. Dieses Angebot nutzen erstaunlich viele Menschen, denen es gut tut, ihre Gedanken, Sorgen und Träume auf Papier zu bringen. Warum ist das so? Vielleicht weil das eine Möglichkeit zur Selbstreflexion ist und gehört und verstanden zu werden ein gutes Gefühl hervorruft. Das ist eine einzigartige Möglichkeit, sich selbst auszudrücken in einer Großstadt, in der man einsam unter vielen Menschen sein kann oder in einer Landgegend, in der man etwas auf Distanz wohnt und sich auch einsam fühlen kann.
    Das Buch beinhaltet mehrere Briefe, die mit Bedacht geschrieben sind. Manchmal sind sie traurig, manchmal nachdenklich. Die Autorin beweist, dass Kommunikation per Brief auch in unserer Zeit aktuell ist - und eine schöne Art Menschen zu verbinden.

  • Der Briefladen in dem die Zeit stillstand hat, nach Buchbeschreibung und Leseprobe, große Erwartungen in mir geweckt, die sich am Ende nicht so recht erfüllen wollten.
    Es ist ein warmes, weiches, entschleunigtes und ruhiges Buch mit viel Gefühl und Herz, das spürt man deutlich, trotzdem konnte es mich nicht ganz abholen. Die Idee des Buches finde ich großartig. Die Protagonistin Hyoyeong verlässt nach einer schwierigen familiären Erfahrung ihr Elternhaus, um sich abzugrenzen und das emotionale Erbe ihrer Schwester hinter sich zu lassen. Auslöser hierfür sind vor allem Briefe, die ihre Schwester, die die Familie verlassen hat, ihr schreibt. Hyoyeong, die früher selbst leidenschaftlich geschrieben, ihre Verbindung zum Schreiben aber verloren hat, entwickelt eine starke Abneigung gegen Briefe und eine tiefe Blockade, ihre Empfindungen und Gedanken auf Papier fließen zu lassen. Doch beginnt sie nun, für ihren ehemaligen Kommilitonen Seonho in dessen Briefladen zu arbeiten, der ihr hilft, eine Wohnung in Seoul zu finden und ein eigenes Leben zu beginnen. Schnell wird deutlich, dass Hyoyeong noch viel lernen darf, um sich selbst besser kennenzulernen und Freundschaft mit sich selbst zu schließen. Die Charaktere sind sehr liebevoll und authentisch menschlich gezeichnet, vor allem Seonho, der ein regelrechtes Bollwerk gegen die Negativität unserer heutigen Zeit ist und auch seine Kinder so aufzieht, hat mein Herz im Sturm erobert.
    Der Kern des von ihm ersonnenen Briefladens ist der Penpal Service, ein über den Laden organisierter anonymer Brieffreunde-Dienst, der mich sofort Feuer und Flamme hat werden lassen. Diese Idee war Anlass dafür, mich für ein Vorablesen Exemplar zu bewerben. Völlig unterschiedliche Menschen können im Laden Briefe schreiben und aussuchen und kommen so mit unterschiedlichsten Persönlichkeiten und deren Geschichten und Ideen in Kontakt und finden darin zum Teil tiefen Trost und ihre eigenen Gaben. Besonderes Highlight: die Briefe sind zugleich fiktiv und real; sie stammen aus einem Projekt, das die Autorin für das Buch ins Leben gerufen hat.
    Darin liegt aber auch die Crux. Ausgerechnet die Briefe, die nun einmal einen Großteil des Herzstücks der Geschichte ausmachen, konnten mich nicht überzeugen. Nachdem ich zu Beginn bereits die Briefe von Hyomin, der erwähnten Schwester, sehr nichtssagend fand, habe ich doch auf den Hauptteil des Buches gehofft und zunächst darüber hinweggelesen. Als dann jedoch auch die restlichen Briefe eher kurz gehalten und, bis auf wenige wirklich schöne, berührende kleine Weisheiten, eher oberflächlich gestaltet blieben, war das doch enttäuschend. Ich habe mir wesentlich mehr erhofft. Auch mit der künstlerischen Gestaltung wurde m.E. viel Potenzial verschenkt. Im Buch werden der Briefladen und die besonderen, handverlesenen Briefpapiere sehr detailreich und umfassend beschrieben. Weder das Cover noch die inhaltliche Gestaltung des Buches setzen diese Beschreibungen jedoch entsprechend um. Gerade hier hätte man so viel Möglichkeit gehabt, Bilder aufzugreifen und weiter wachsen zu lassen. Das ist wirklich schade, weil so der halbe Zauber verloren geht.
    Inhaltlich fiel es mir teilweise deshalb schwer, mich einzufinden, weil die kulturellen Unterschiede an verschiedenen Stellen immer wieder sehr stark greifbar werden und irritieren. Die asiatische Kultur ist vorwiegend geprägt von sehr starker Zurückhaltung, Höflichkeit bis Scheu oder sozialer Ängstlichkeit. Gerade in den Ballungsräumen der Großstädte sind Zahlen von Ängsten, Depressionen, Einsamkeit und Suizidalität mitunter extrem stark erhöht. Mit Seonho setzt die Autorin diesem eher distanzierten bis ängstlich geprägten mentalen Erleben zwar einen sehr starken Charakter entgegen, das finde ich wunderbar. Die anderen Protagonisten jedoch bringen diese starke Verunsicherung deutlich spürbar mit und sie zieht sich umfassend - auch in den Briefen - durch das Buch und muss erst einmal aufgelöst werden, um diese Schwere nicht mitzunehmen.
    Als beispielsweise Hyoyeong einem Freund und Kunden Seonhos auf der Straße begegnet, reagieren beide mit starker Beklemmung, Verunsicherung und Ängstlichkeit. Man kenne sich noch nicht gut genug, um einander freundlich anzulächeln. Jeder Aspekt der Begegnung, der eigenen Wirkung und des eigenen Ausdrucks wird hinterfragt und bringt Sorge, Angst, Blockaden mit sich. In unserer Kultur so kaum vorstellbar. Der Autorin gelingt es außerordentlich gut, diese inneren Konflikte sichtbar zu machen, doch es bleibt für mich befremdlich.
    Wie viel dessen am Ende aufgelöst werden kann, muss jeder Leser selbst herausfinden - das würde für mein Empfinden zu viel vorwegnehmen.
    Zauberhaft finde ich die sehr auf sensorische Empfindungen, auf Wahrnehmung, bezogene Sprache. Das Wetter und das Gefühl sind umfassend Thema; doch nicht auf die bei uns so gebräuchliche Weise beständigen Beschwerens, sondern in einer ganz zartfühligen, annehmenden, poetisch-emotional verknüpften Weise. Das gefällt mir sehr gut. So finden beispielsweise der Duft des Sonnenlichts oder die Liebe zu regnerischem Wetter, das alle Ängste, Sorgen, das Grübeln wegspült, Erwähnung. Auch die verschiedenen Stimmungen des Lichts, Farben, die jahreszeitlichen Veränderungen in ihrem Fluss sind so auf sehr angenehme Weise Thema. Das fühlt sich richtig gut an.
    Es ist insgesamt ein berührendes Buch mit einer ganz tollen Idee, deren Umsetzung mir nur leider zu flach geblieben ist. Da wäre wesentlich mehr möglich gewesen.

  • In dem Briefladen, in dem die Zeit stillstand, kann man sich wirklich wohlfühlen und zu sich finden. Das erfährt auch Hyoyeong, die nach einem Schicksalsschlag als Aushilfe in dem Letter Shop arbeitet. In diesen Laden kommen Menschen, die ihre Geschichte erzählen und denen Hyoyeong mit viel Empathie zuhört. zuhört

    Es ist ein ruhiger Roman den die Schriftstellerin Baek Seungyeon hier erzählt. Darauf muss man sich einlassen können, mit fiel das etwas schwer. Der Schreibstil ist fast poetisch und gefiel mit allerdings.

    Die Charaktere sind alle lebendig und gut beschrieben. Jeder von ihnen hat seine ganz eigenen Träume und Probleme. Es hilft bestimmt, wenn man seine Gedanken aufschreibt und anonym von Anderen eine entsprechende Antwort erhält. In diesem Laden zu arbeiten war sicherlich nicht das, was Hyoyeang machen wollte, aber wegen familiärer Probleme musste sie ihren Traum aufgeben. Die Enttäuschung ist ihr gut anzumerken. Mit der Zeit findet sie aber hier im Letter Shop zu sich. Dabei hilft natürlich auch, dass ihr Yeonggwang, der über dem Laden wohnt, näherkommt.

    Ein Buch, das zwar zum Nachdenken anregt, mich aber nicht so angesprochen hat.

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • „Aber wenn ich nicht ausatme, wird mir das Herz schwer. Also schreibe ich weiter Briefe.“


    “Neben der Aussicht hatte noch etwas anderes ihre Liebe zum Letter Shop geweckt. Es war die Farbe der Wände, die den Ton einer reifen Aprikose hatten. Die Farbe auf den leicht unebenen Betonwänden erinnerte sie an eine kleine Pappschachtel aus ihrer Kindheit, in der sie Spielzeugringe oder Haarbänder aufbewahrt hatte. Deren Anblick vermittelte ihr ein Gefühl von Geborgenheit und Freude, als seien alle wertvollen Dinge an einem Ort versammelt.” (Seite 23)


    Ich würde dieses Buch als typisches palate cleanser Buch beschreiben. Leise, unaufgeregt und gefüllt mit schönen Worten.

    „Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand“ ist wirklich treffend als Buchtitel. Eine Geschichte, die entschleunigt und dabei ein bisschen aus der Zeit gefallen scheint. Es betrachtet die kleinen Momente sowie Details und wirkt dabei schon beinahe schüchtern. Wie die asiatische Kultur, demütig und zurückhaltend. Es geht um gescheiterte Träume und mittendrin die Prota Hyoyeong. Sie ist auf der Suche nach Heilung, nach Ruhe, nach Beständigkeit. Sie landet also in einem kleinen Briefladen in Seoul, ein Ort wie eine kleine Rettungsinsel, gestrandet in der Zeit. Hier gibt es luxuriöses Schreibzeug, schönes Briefpapier, Deko und den Duft von Ink Wood. Außerdem eine kleine Besonderheit. Den anonymen Penpal Service. Ein Service für Menschen, die ihre Ängste, Gedanken und Träume zu Papier bringen und dabei Brieffreundschaften mit Gleichgesinnten pflegen können.

    Das Buch hat eine gewisse und ruhige Poesie. Die Beschreibungen sind wunderschön. Düfte, Details und Stimmungen werden gekonnt eingefangen. Dabei ist immer der Fokus auf der asiatischen Zurückhaltung. Hyoyeong erstarrt, nur weil eine Kundin sie direkt anspricht. Sie versteckt sich im Laden hinter einem Vorhang, um keinen Blickkontakt zu haben und die Menschen aus ihrem sicheren Versteck zu beobachten. Es macht die soziale Ängstlichkeit spürbar, im Buch wird sie allerdings als Heilung inszeniert. Hyoyeng heilt, indem sie einfache Tätigkeiten wie das Papierfalten ausübt. Das Setting der Briefladen ist der Ankerpunkt der Geschichte. Mir hat er ein Gefühl von Geborgenheit gegeben. Er ist cozy und dabei wie eine sanfte Umarmung. Der Penpal Service ist wirkliche eine zuckersüße Idee und hat mich sofort begeistert.

    Ich fand das Buch insgesamt sehr schön und erholsam für zwischendurch. Was mich aber meist an dieser Art von Geschichten stört, ist die repetitive Erzählstruktur. Es geht um sehr viele Einzelschicksale durch die Briefe, die wir erfahren, dadurch verlieren wir aber die Prota aus dem Blick. Die Melancholie schlummert dabei immer unter der Oberfläche und kann schmerzhafte Gedanken triggern.

    Fazit: Ein sehr ehrliches, detailreiches und unaufgeregtes Buch voller schöner Beschreibungen. Perfekt, wenn man mal kurz durchatmen und sich in einer Geschichte ausruhen will.


    3,5⭐

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