Die Elenden von Hamburg
Kurzmeinung: Ein historischer Roman aus dem 19. Jahrhundert rund um Tote und Tapeten, Sozialisten und Spitzel, und den Beginn der Criminalpolizei.
Diesmal ist es Victor Hugo, der die Richtertochter Johanna Ahrend zu neuen Abenteuern führt. Während ihre Mutter auf der Suche nach einer guten Partie für Johanna ist, lernt diese einen jungen Mann kennen, der als schwarzes Schaf seiner Familie gilt, Malerei studiert und Les Misérable liest, als Johanna auf ihn aufmerksam wird. Durch Jan, so sein Name, gerät Johanna in sozialistische Kreise. Wie es ihre Art ist, scheut sie kein Risiko, um gegen die soziale Ungerechtigkeit zu kämpfen. Dabei beobachtet sie auf einem Fabrikgeländezufällig ein Verbrechen, welches sie natürlich auf eigene Faust aufzuklären versucht.
Zeitgleich wartet Criminalcommissar Hermann Rieker händeringend auf einen Mordfall, um nicht gegen die Sozialisten als Spitzel eingesetzt zu werden. Doch solch einen Fall wie den in der Tapetenfabrik hätte er sicherlich nicht erwartet.
Ralf H. Dorweiler setzt mit DIE FARBE DES BÖSEN die historische Krimireihe um Johanna Ahrend und Hermann Rieker fort. Dabei schildert er wie gewohnt sehr lebendig und gut recherchiert die prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen in der aufstrebenden Industrie. Dorweiler beschreibt detailreich Zustände, die wir uns heutzutage kaum noch vorstellen können. Hier zeigt sich eine Parallele zu Fantine aus Les Misérable. Gerade diese authentischen Beschreibungen der Armut und Not haben mich schon beim Vorgängerband DER HERZSCHLAG DER TOTEN fasziniert.
Doch auch der Kriminalfall ist spannend und aufwühlend zu gleich. Zwischenzeitlich konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Interessant ist auch die Begegnung mit den damals neuen wissenschaftlichen Methoden. Die kriminalistische Forensik war noch im Entstehen begriffen. Auch der damalige Stand der Zahnmedizin spielt eine Rolle und ist nichts für empfindliche Gemüter. Am Ende wurde ich durch DIE FARBE DES BÖDEN nicht nur gut unterhalten, sondern habe ganz nebenbei interessante Dinge erfahren.
Fazit:
Eine Lektüre, die sich lohnt. Ich vergeben gerne 5 Sterne ⭐⭐⭐⭐⭐ und spreche eine eindeutige Leseempfehlung aus.



