„Und bei allem war man die Erste“
Seit 1900 dürfen Frauen in Österreich (damals Österreich-Ungarn) Medizin studieren. Man(n) hat es ihnen nicht leicht gemacht. Birgit Kofler-Bettschart beschreibt in folgenden acht Kapiteln welche Stolpersteine den ersten Medizinstudentinnen und den späteren Dozentinnen in den Weg gelegt worden sind (und manchmal noch immer werden) und warum es so wenige Primaria gibt. Zwei davon kenne ich persönlich, nämlich Dr. Elisabeth Pittermann-Höcker, die meine Schwiegermutter betreut hat, und Dr. Erika Jensen-Jarolim, die, so wie ich, das Gymnasium in der Zirkusgasse absolviert hat.
- Der lange Weg in den Hörsaal (1870-1900)
- Die Ärztinnen der ersten Generation (1900-1918)
- Zwei Schritte vor, einen zurück (1919-1938)
- Verfolgung, Vertreibung, Vernichtung, Verstrickung (1938-1945)
- Neubeginn mit Hindernissen (1945-1970)
- Aufbruch in neue Zeiten (1970-2000)
- Fortschritte auf vielen Ebenen (2000-2025)
- Die Medizin ist weiblich, die Zukunft sowieso (Vision für das Jahr 2025)
Ich beschäftige mich ja schon seit Jahrzehnten mit der Ungleichbehandlung von Frauen in der Berufswelt, zumal ich als Vermessungstechnikerin lange Zeit auch eine Exotin und Quotenfrau gewesen bin. Daher hat mir dieses penibel recherchierte Buch sehr gut gefallen.
Die Autorin spannt an Hand der Biografien von Ärztinnen den Bogen von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft. Neben sorgfältig recherchierten Lebensgeschichten dürfen wir zahlreiche Fotos betrachten sowie vier Statements von Ärztinnen der Gegenwart lesen.
Gerne gebe ich diesem interessanten Buch über 125 Jahre Medizinstudium in Österreich 5 Sterne.
