Cover zum Buch Adama

Titel: Adama

, (Herausgeber) , (Übersetzer)

3,5 von 5 Sternen bei 4 Bewertungen

Band 2 der

Verlag: Suhrkamp Verlag

Format: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 425

ISBN: 9783518475164

Termin: Neuerscheinung Oktober 2025

Aktion

  • Die Zionistin Ruth kommt 1946 aus Ungarn nach Palästina. Fast alle aus ihrer Familie fielen den Nazis zum Opfer. Nun aber will sie sich ein neues Leben aufbauen. Im Kibbuz Trashim am Rand der Wüste muss sie hart arbeiten. Aber sie wird auch hart, kämpft für den Kibbuz und gegen alle Bedrohungen, die ihnen bevorstehen.

    Dieser Roman spielt in der Zeit von 1946 bis 2009 und erstreckt sich über vier Generationen. Die Geschichte, die der Autor Lavie Tidhar erzählt, ist interessant und spannend, erfordert aber auch Aufmerksamkeit beim Lesen, denn immer wieder wird zwischen den Zeiten hin- und hergesprungen. Der Schreibstil ist nüchtern, die Geschehnisse oft recht grausam.

    Immer wieder gibt es Auseinandersetzungen, mit denen der Staat Israel bis heute zu tun bekommt. Das hat Auswirkungen auf das Leben der Menschen, die dort leben. Sie kämpfen für ihr Land, halten loyal zusammen, werden aber auch hart, so hart, dass selbst Mord nicht abwegig erscheint. Wir lernen eine Reihe von Schicksalen kennen, die einen bewegen, aber manchmal auch schockieren.

    Daneben gibt es aber auch noch einen Todesfall, der als Suizid abgetan wird, was der Freund aber nicht glaubt. Daher ermittelt Lior, um herauszufinden, was wirklich geschehen ist.

    Diese fiktive Geschichte vor realem, historischen Hintergrund ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Mir hat dieser tiefgründige Roman gut gefallen und er wirkt sicherlich noch eine Weile nach. Lesenswert!

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  • Adama ist ein epischer Familienroman, der über mehrere Generationen hinweg erzählt wird, in meinen Augen jedoch weder ein Kriminalroman noch ein Thriller. Die Erzählweise mag stellenweise Thrillerelemente aufweisen, auch das Gewaltpotential im Buch ist hoch, wer Spannung oder Suspense erwartet, wird jedoch enttäuscht werden.

    Stattdessen erzählt Lavie Tidhar achronologisch die Geschichte von Ruths Familie zwischen 1945 und 2009, die eng verwoben mit der gewaltvollen Gründungsgeschichte Israels ist. Der Autor deutet hier mehr an, als dass er erklärt und auserzählt, ein beträchtliches historisches Vorwissen wird also vorausgesetzt. Das war kein Problem für mich, jedoch bleiben auch bestimmte kriminelle Machenschaften und deren Auftraggeber im Dunkeln, so dass es teilweise bis zum Schluss nicht klar wird, wer auf welcher Seite für wen arbeitet. Das mag symptomatisch für die turbulente Anfangszeit des Staates Israels sein, ich empfand es jedoch als sehr unbefriedigend.

    Die Charaktere sind klar gezeichnet, ambivalent und meist knallhart. Als Identifikationsfiguren eignen sie sich nicht, ich blieb zu allen auf Distanz und merkte beim Lesen, dass mir ihr Schicksal im Grunde egal war und dadurch für mich weder Spannung noch Emotionen aufkamen. Hierbei sticht besonders die sehr unerbittlich wirkende ungarischstämmige Zionistin Ruth heraus, die für das höhere Ziel eines Staates Israel buchstäblich über Leichen geht, auf brutale Rache sinnt und niemals vergeben kann. Als eine der ersten Siedlerinnen hat sie den Kibbuz Trashim mit aufgebaut und ordnet der Gemeinschaft alles unter. Das hier beschriebene Leben im sozialistischen Kibbuz fand ich sehr interessant (wenn auch für mich als Individualistin im höchsten Maße abschreckend), und machte für mich den besonderen Reiz des Buches aus. Der Blickwinkel ist stark zionistisch geprägt, da Leid der arabischen Bevölkerung durch die Nakba klingt nur schwach am Rande an.

    Alles in allem ein durchaus gut geschriebenes und lesenswertes Buch, aber leider nicht mein Geschmack.

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  • REZENSION – Erst durch seinen Politthriller „Maror“ (2024) wurde der für seine Science-Fiction- und Fantasy-Romane bereits mehrfach prämierte, in London lebende israelische Schriftsteller Lavie Tidhar (49) nun erstmals auch im deutschsprachigen Raum bekannt. Während er sich in diesem ersten Band seiner Israel-Trilogie noch auf den begrenzten Zeitraum des Libanon-Kriegs (1982) beschränkte, umfasst sein im Oktober ebenfalls beim Suhrkamp Verlag veröffentlichter Folgeband „Adama“ in einer spannenden Mischung aus Familienroman und temporeichem Thriller die komplexe Gesamtgeschichte des Staates Israel über vier Generationen vom britischen Mandatsgebiet Palästina (1946) und der Staatsgründung (1948) bis ins Jahr 2009.

    Der Titel „Adama“, der hebräische Begriff für die von Gott geschaffene Erde und die biblische Figur des Adam, steht in Tidhars episodenhaft aufgebautem Roman für die Schaffung des Kibbuz Trashim (Land aus hartem Stein) im Jahr 1946 und die aus Ungarn geflohene Ruth als eine der ersten Siedler. Voller Idealismus beteiligt sich die junge Zionistin im „heiligen Land“ am Aufbau des Kibbuz. Ihr unaufhaltsames Engagement und ihr energisches Durchsetzungsvermögen machen sie bald zur Führungsperson der Siedlung. Auseinandersetzungen mit den britischen Machthabern sowie in späteren Jahren der Unabhängikeitskrieg, der Sechs-Tage-Krieg (1967) und der Jom-Kippur-Krieg (1973) bestärken Ruth in ihrem Vorhaben, sich und ihrer Gemeinschaft ein neues, besseres Leben zu schaffen.

    Lavie Tidhar zeigt in seiner über sieben Jahrzehnte reichenden Handlung die Abfolge politischer Spannungen und gesellschaftlicher Veränderungen in Israel – einem kleinen Land, das zugleich Heimat palästinensicher Araber und indigener Juden ist sowie im 19. Jahrhundert zum Zufluchtsort für Emigranten aus Osteuropa, später für Überlebende des Holocaust wurde. Die Folge sind nicht nur territoriale Streitigkeiten zwischen Palästinensern und jüdischen Siedlern, sondern auch Konflikte zwischen den schon im Land geborenen neuen Juden und den Holocaust-Überlebenden. „Für die neuen [im Land geborenen] Israelis, die selbst erklärten Tzabarim, waren Holocaust-Überlebende gleichermaßen Opfer wie Verdächtige. Warum habt ihr euch nicht gewehrt? Und warum hast nur du überlebt, während so viele andere starben?“

    Tidhars Roman ist weder ein historischer noch ein politischer Roman im engeren Wortsinn. Es ist ein Generationenroman, an dessen Handlung sich allenfalls die politische Geschichte und gesellschaftliche Entwicklung Israels mit seinen ethnisch unterschiedlichen Bewohnern zwischen den Zeilen erkennen lässt. Er zeigt unterschwellig die allgegenwärtigen Traumata und Konflikte, die über Generationen das Handeln der Einwohner beeinflussen. Doch im Vordergrund des Romans steht die spannende und auch aktionsreiche Handlung, weshalb „Adama“ zu Recht vom Verlag als Thriller vermarktet wird: Es geht um Liebe und Rache, um Gewalt und Tod, um Loyalität und Verrat. Historische Kenntnisse sind nicht zwingend nötig, um sich durch den Roman gut unterhalten zu lassen, wären allerdings durchaus von Vorteil.

    Denn historische Fakten wie die genannten Kriege, deren Gründe und Abläufe, werden als bekannt vorausgesetzt. Auch wichtige Persönlichkeiten Israels wie der einstige Verteidigungsminister Moshe Dayan (1915 bis 1981) oder die ehemalige Premierministerin Golda Meir (1898 bis 1978) werden nur namentlich erwähnt, ohne weiter auf deren Leistung für ihr Land einzugehen. Man muss den Eindruck bekommen, als sei „Adama“ für Israelis oder zumindest solche Leser verfasst worden, die mit der Geschichte Israels vertraut sind. Dem entspricht auch die Einseitigkeit des Romans, was zu bemängeln ist: Das Schicksal der Palästinenser damals wie heute bleibt völlig unberücksichtigt. Beiläufig wird zu Beginn zwar erwähnt, dass in den Jahren der Staatsgründung arabische Dörfer vernichtet, deren Männer ermordet und Frauen mit Kindern verjagt wurden. Doch von den bis heute andauernden Gewaltakten radikaler jüdischer Siedler gegen Araber im Westjordanland ist nichts zu lesen.

    Man sollte deshalb seinen Anspruch beim Lesen des Romans nicht allzu hoch ansetzen und ihn als das nehmen, als das er bezeichnet wird – als spannenden und temporeichen Thriller. Interessant zu lesen ist aber in jedem Fall, wie sich das gesellschaftliche Leben im Kibbuz und in Israel im Lauf der Jahrzehnte und im Wechsel der Generationen – von der jungen Zionistin Ruth im britischen Mandatsgebiet Palästina bis zu ihrer Urenkelin Hanna in den USA – stark verändert hat. Denn diese authentische Beschreibung spiegelt die persönliche Erfahrung des Autors wider: Lavie Tidhar wurde selbst als Sohn einer im Kindesalter von den Nazis verfolgten Einwanderin in einem Kibbuz geboren und wuchs darin auf.

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