Der Tribun - Iris Kammerer

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  • "Germanien 9 n. Chr.:Der roemische Tribun Gaius Cinna ist in geheimem Auftrag in den Waeldern Germaniens unterwegs, um den Statthalter Varus vor einem moeglichen Aufstand zu warnen. Doch Cinna wird verraten und findet sich schwer verletzt als Geisel eines cheruskischen Fuersten wieder. Die roemischen Legionen wurden in der beruehmten Varusschlacht vernichtet, und der germanische Heerfuehrer Arminius will auch Cinnas Tod. Der junge Roemer muss um sein Leben und seine Wuerde kaempfen und seine Situation scheint ausweglos. Bis er Sunja begegnet, der Tochter des Fuersten. Denn auch Sunja hat bald Gruende zur Flucht." (Klappentext)
    Am Anfang fast schon plump, wie die Hauptfigur zum Anti-Helden aufgebaut wird. Da dachte ich schon, wenn diese Schwarzweissmalerei so weiter geht, kannst du das Buch wohl wieder weglegen. Aber es wird eindeutig besser und am Schluss war ich dann doch froh, dass ich weitergelesen habe. Interessant fand ich die Beschreibung Arminius, das grenzt an Demontage eines Denkmales, dem ich bisher unwidersprochen gehuldigt habe. Also interessante Denkansaetze und spannende Handlung, ich freue mich auf die angekuendigten Fortsetzungen. :)

  • Ich finde die Geschichte recht gut gelungen. Daß Hermann, der Cherusker eine recht zwielichtige Persönlichkeit war, liegt wohl klar auf der Hand. Einerseits wurde er ja von den Römern ausgebildet, andererseits scheint er ein sehr machtstrebender Mensch gewesen zu sein.
    Sein Kontrahent Varus hingegen huldigte mehr seiner Geldgier und verließ sich dabei auf die Überlegenheit der Legionen. Wie hieß es doch über Varus? Er soll das reiche Syrien in die Armut gestürzt haben während seiner Stadthalterschaft.
    Der Roman ist, so denke ich gut gelungen.

  • Wobei ich finde, dass Varus in dem Roman recht gut wegkommt. Denn eigentlich wird er ja als rechtschaffen und ehrbar hingestellt, was ja so wohl nicht hinkommt. :o

  • Das alles nachzulesen ist zwar interessant, beantwortet aber nicht die Frage, weshalb die Autorin ihre historischen Figuren so und nicht anders gezeichnet hat. Wenn ich an Jörg Kastner denke, der Arminius eher als Patrioten darstellt und Varus mehr als Schurken, dann fällt der Unterschied doch gewaltig auf.
    Kastner scheint mir da doch noch ein wenig auf dem Germanenkult des letzten Jahrhunderts zu schwimmen, denn so edel sind Führernaturen eigentlich nie. Iris Kammerer hingegen triftet da ein wohl wenig zu sehr in die andere Richtung, denn ein so unbeherrschter Mann würde nie die Stämme für die Varusschlacht begeistern können. Die Wahrheit dürfte wie immer wohl in der Mitte liegen. Daß Varus für seinen Posten völlig unfähig war, das steht außer Zweifel. Er hat ihn nur durch die Protektion des "ersten Bürgers" Caesar Augustus erhalten. Und dem gingen nach dem Desaster die Augen zu spät auf. Aber als Schurken möchte ich Varus nun doch nicht bezeichnen, denn er war lediglich eine Figur seiner Zeit. Daß die Stadthalter ihre Provinzen ausplünderten, war damals einfach üblich. Lediglich seine unersättliche Geldgier hob ihn da aus der Masse heraus. Das könnte man aber auch von Lucullus und vielen anderen Vorgängern behaupten.
    Solche Unterschiede finde ich aber durchaus legitim bei einem historischen Roman, eben jene dichterische Freiheit, die erst die Würze gibt und das eigene Denken anstösst.

  • Hallo Demosthenes!


    Zitat

    Original von Demosthenes


    Das alles nachzulesen ist zwar interessant, beantwortet aber nicht die Frage, weshalb die Autorin ihre historischen Figuren so und nicht anders gezeichnet hat.


    Dann frag die Autorin! Du weißt, in welchen Foren du sie findest. ;o)
    Herzliche Grüße,


    Iris Kammerer (neugiergetrieben hergegooglet) ;o)

  • Hallo @all
    Genau wie du schreibst Demosthenes: die Wahrheit wird irgenswo in der Mitte liegen und hat sowieso sehr viele Nuancen. Richtig ist auch dass Varus als >Kind seiner Zeit< und dazu von einem >rechtschaffenen< Roemer beschrieben wird. Aber ehrlich gesagt unterlag auch ich diesem Germanenkult und hatte doch ganz schön zu knappern. Kastner passte einfach besser in mein vorgefertigtes Bild. :wink:

  • Schön, wieder von dir zu hören, Jannmaat. Bei meinen Recherchen zu meinem eigenen Buch stieß ich hin und wieder auf Arbeiten aus der Zeit um 1920 bis 1940. Was ich da zu lesen bekam, jagte mir glatt einen Schauer über den Rücken. Daß es bei uns Kelten gab, war völlig unbekannt und nach der Meinung der Autoren kamen irgendwann "unsere braven Germanen" (vermutlich nach der Eiszeit :lol: ) aus dem Urwald und siedelten sich hier an.
    Aber diese Vorstellungen haben sich noch lange gehalten und spuken auch heute noch in irgendwelchen Köpfen herum. Vor allem machte mir die Denkweise von den Germanen als Nation zu schaffen, als ob es so etwas jemals gegeben hätte. Allerdings findest du diesen Unsinn bei den Franzosen noch in Bezug auf die Kelten.
    Egal, heute kann man in jedem guten Geschichtsbuch die tatsächliche Geschichte nachlesen.

  • Ich habe heute auf der Zugfahrt die erste 100 Seiten gelesen. Bisher liest es sich ganz gut .. Mal sehn, wies weitergeht :study:

    LG, Ariadne


    Wer fragt, ist ein Narr für eine Minute.
    Wer nicht fragt, ist ein Narr sein Leben lang!
    Konfuzius

  • Zitat

    Original von Gelsomina


    Hi all!


    Habt ihr das mitgekriegt? "Der Tribun" ist der einzige historische Roman der es unter die 15 TB-Sommerempfehlungen von Brigitte geschafft hat!
    Das ist aber auch verdient!!!! :) :) :)
    Und der Nachfolger kommt im Dezember.


    welche Bücher standen denn noch bei den Empfehlungen ?

  • Aus dem Heft abgeschrieben:


    Torbjörn Flygt: "Made in Sweden" (Gute Laune)
    Margaret Elphistone: "Inselnotizen" (Liebe)
    Manuela Bialek/Karsten Weyershausen: "Das Astrid Lindgren Lexikon" (Gute Laune)
    Stewart O'Nan: "Ganz alltägliche Leute" (Familie)
    Werner Schmitz: "Schreiber und der Wolf" (Krimi)
    Panos Karnezis: "Kleine Gemeinheiten" (Familie)
    Molly Moynahan: "Der Steingarten" (Liebe)
    Charles Todd: "Seelen aus Stein" (Krimi)
    Iris Kammerer: "Der Tribun" (Historie)
    Martin Arz: "Das geschenkte Mädchen" (Krimi)
    Nury Vittachi: "Der Fengshui-Detektiv und der Geistheiler" (Gute Laune)
    Peter Knorr/ Doro Göbel: "Maiers große Rätselreise" (Gute Laune)
    Henrik Tandefelt: "Lauf, Helin, lauf!" (Krimi)
    Carlo Lucarelli: "Laura di Rimini" (Krimi)
    Paul Bryers: "Tödlicher Reigen" (Krimi)

  • Habs vergessen: Hier meine Amazon-Rezi:


    Zum ersten Mal seit langer Zeit habe ich mit "Der Tribun" einen historischen Roman gefunden, in dem die Hauptperson ein Mann ist, noch dazu ein nicht allzu simpel gestrickter, richtig interessanter Kerl, und in dem eine im Nebel der Zeit versunkene Epoche lebendig und mit allen Sinnen erlebbar wird. Dazu bekommt man eine mitreißend spannende Geschichte mit vielen interessanten Figuren, richtigen Menschen mit Ecken und Kanten, die nicht "gut" oder "böse" geboren sind, sondern durch ihre Erlebnisse so wurden, wie sie sind, und die einen immer wieder überraschen. Wie richtige Menschen eben.
    Es stimmt einfach alles! Kein Wunder dass "Der Tribun" von der Brigitte-Redaktion als einziger historischer Roman in die Auswahl der 15 besten TB-Neuerscheinungen 2004 gewählt wurde!
    Wenn man hier extra Sterne vergeben könnte, würde ich nochmal 5 dazutun!


    Dieses Buch ist wirklich historisches Highlight 2004. Also verglichen mit Kastner, Gillespie, Lindsay Davis "Eisenhand", und Stöver merkt man hier, das jemand am Werk ist, die was vom Thema versteht und fantastisch erzählen kann! Da war Heyne mal richtig mutig, denn normalerweise sind deren historische Romane ziemliche Räuberpistolen. Mit Harris' "Pompeji" haben die mich richtig geschockt. Sowas von schlecht! #-o :puker:

  • Ich hab den Tribun auch jetzt vor ein paar Tagen zu Ende gelesen und kann ebenfalls nur sagen, dass es sehr empfehlenswert ist. Man sieht in diesem Buch unwahrscheinlich, wieviel Wert die Autorin auf die Sprache und den Schreibstil legt. Es ist ein richtiger Genuss das Buch zu lesen... :-)

  • Hi Morgana!
    Ich hab dieses Jahr noch nichts gefunden, was gegen den Tribun ankommt. :) Unser Grabungsleiter hat es sich bei mir ausgeliehen und quält sich mit seinem bisschen deutsch durch. mal sehn was er sagt, aber das wird dauern!! :loool:

  • Hi,


    der Tribun ist einer der besten und qualitativsten Historien-Romane, die ich jemals gelesen habe.


    Unglaublich, wie Iris Kammerer ihr tolles geschichtliches Wissen in Romanform gepackt hat.


    Man kann sich hundertprozentig auf die Geschichte hinter der Geschichte verlassen.


    So sollte ein Historien-Roman sein. Spitze!


    mfg

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